RE: Mit dem Wohnwagen in die Provence und Cote d’Azur

#1 von daf43 , 13.01.2010 09:47

Hallo,
mal wieder ein längerer Bericht, wie ich ihn jedesmal schreibe, um meine Erinnerungen festzuhalten.

daf43

Mit dem Wohnwagen in die Provence und Cote d’Azur

vom 07. September bis 13. Oktober 2009

Meistens haben wir Südfrankreich im Frühsommer bereist, einfach weil dann noch alles blüht und grünt; dafür war das Meer aber immer noch recht „schattig“.

1.Etappe 10. September: Ludwigshafen – Lons-le-Saunier (490 km)

Wie immer fahren wir auf der mautfreien Autobahn durchs Elsass. Obwohl auch hier der LKW-Verkehr stark zugenommen hat, ist es immer noch ein angenehmeres Fahren als über Karlsruhe-Freiburg.
Die mautpflichtige Autobahn von Mulhouse nach Besancon könnte man meiden, aber das ist nur für Urlauber interessant, die die Strecke noch nie gefahren sind. Wir zahlen und nutzen den Vorteil des zügigen Vorankommens. Ab Besancon wechseln wir dann doch auf die N83, weil diese Strecke ein großes Autobahndreieck abkürzt und 30 km kürzer ist (aber etwa zeitgleich). Das lohnt sich auch landschaftlich.
In Lons-le-Saunier folgen wir der Navi-Anweisung und fahren prompt am Campingplatzschild vorbei. Das Navi will, dass wir an der nächsten größeren Kreuzung wenden, aber leider ist der Knick für den Wohnwagen zu eng; also 1 km weiter zum Kreisverkehr und wieder zurück. Blöd. Bei der ganzen Gurkerei fällt mir ein, dass ein Camperkollege im Forum auf diesen Navi-Fehler hingewiesen hatte, aber zu spät daran gedacht.

CP Municipal „La Majorie“ (14,60 €, mit ADAC-Camp-Card: 14,00 €, toller Rabatt!). Typischer Durchgangsplatz mit gutem Sanitär und großen, befestigten Stellplätzen, halbschattig. Die Übernachtungsplätze liegen nahe der viel befahrenen N83, aber man kann etwas von der Straße abrücken und dann geht es recht gut.

Lons ist eine saubere Stadt mit schönem französischem Flair (wenig Touristen) im alten und neuen Ortsteil. Aber noch schöner ist eine Rundfahrt durch das Jura. Zuerst in die Schlucht der Cirque de Baume blicken, dann zum Lac de Chalain mit herrlich blauem Wasser und am westlichen Ufer ein Laden mit preiswertem Jura-Käse. Von hier aus geht es weiter zum Wasserfall Cascades de Hérisson. Der Weg z.B. ab dem Örtchen Ilay führt so etwa 1 h lang recht steil neben den Wasserfällen hinab (und noch länger für wieder hoch, puuh). Da dieses mal kaum Wasser im Fluss war, haben wir die schon mehrfach gelaufene Tour verkürzt und dafür im Restaurant in Ilay („wie immer“ ein köstliches Menü eingenommen (Forellen!). Zum Verdauen fuhren wir noch etwas weiter zum „Belvedere des 4 Lacs“ mit herrlichem Blick. Obwohl die Jura eine kalte, regenreiche Ecke ist, hatten wir schönes Sommerwetter mit 18-24 °C je nach Höhe.

2. Etappe 12. September: Lons -le-Saunier - Serres (315 km)

Es sollte gemütlich weiter gehen, deshalb wurde statt Autobahn die neu markierte Fernstraße D 1075 genutzt, die genau südlich Richtung Grenoble führt. Natürlich geht es nicht allzu flott voran, aber es ist eine geruhsame Alternative zur Umfahrung von Lyon.
Kurz vor Voiron wechselten wir dann doch auf die Autobahn (danke für die Empfehlung, „donalfredo“ um die innerstädtischen Staus zu umgehen. Eigentlich wollten wir in Monestir-de-Clermont auf den CP gehen, aber die Gegend hat uns nicht so angesprochen (dunstig), also weiter nach Serres, wo es bereits nach Provence riechen soll. Zuerst aber über den „ Col de Croix Haut“, der als tolle Panoramastraße beschrieben wurde; naja.
Der CP „Les 2 Soleils“ mit guter ADAC-Bewertung (15 € ADAC-Card) liegt etwas außerhalb von Serres und ist über einen steilen Waldweg mit Serpentinen zu erreichen. Vom Eingang des CP muss man noch mehrere Hundert Meter bis zur Rezeption fahren. Nach der Anmeldung ging es wieder hinunter zum Eingang, dort sollten wir uns hinstellen. Zum Glück kam ein anderer Wohnwagen dazu, so dass wir nicht ganz allein standen. Große Stellplätze mit schöner Aussicht auf die Berge….aber dann gingen wir zu den Sanitäranlagen: Ein größerer Sanitärblock war zwar da, aber die Armaturen waren angeschraubt bzw. herausgerissen. Dafür gab es ein Kunststoffcontainer mit 2 Toiletten (papierdünne Wände) und 2 Waschbecken, daneben eine Bruchbude mit 2 Duschen und Geschirrbecken. So etwas desolates gibt es selbst in Griechenland nicht mehr. Was nützt dann das gut aussehende Schwimmbad, das allerdings wieder gaaaaanz weit oben hinter dem Haus der CP-Betreiber liegt.
Wir fragen uns, vor wievielen Jahren war der ADAC-Inspekteur denn hier?
Wir haben das riesige Gelände abgelaufen, der ganze Berg voller Stellplätze mit Stromkästen, aber nirgendwo eine Wasserleitung oder ein weiteres Sanitärgebäude.
Da die umliegenden Plätze (Qualität?) auch alle leer waren, sind wir dann doch zwei Nächte geblieben, den wir wollten doch nach Serres besichtigen (nettes, verschlafenes Städtchen mit tollem Bergpanorama, aber in 5 min ist man durch) und über Orpierre (auch nett, klein, verschlafen), nach Sisteron. Sisteron selbst liegt atemberaubend schön am Fluss Durance, auf der einen Seite ein Berg mit Burg, gegenüber ein fotogener, riesiger Felsberg. Eine recht große Altstadt lädt zum Bummeln ein, bei jetzt 25 °C ist es zwischen den Häusern schön schattig.
Wir hätten besser hier einen CP genommen.

3. Etappe 14.September: Serres - Castellane (125 km)

Einige km nach Sisteron wechselt die Route von der N75 auf die N85 (Route Napoleon) und führt hinter Barreme gewaltig ins Gebirge mit einigen Engstellen, aber auch wunderschöne Aussichten. Der Golf Plus mit seinem Dieselmotor nimmt die Steigungen souverän, unglaublich im Vergleich zum vorigen 150 PS Toyota RAV (Benziner).

Anmerkung: Bei einem späteren Ausflug sehen wir, dass man wohl bequemer bei Barreme die N 202 Richtung Nizza fährt und wechselt bei St. Julien-du-Verdon auf die D 955, welche eben und breit ausgebaut nach Sisteron führt (allerdings 9 km weiter).

In Castellane gibt es mehrere gute CP außerhalb, aber wir wollten im Ort campen. Empfohlen wurde uns der „Frederic Mistral“, aber der CP „Notre Dame“ (16,80 € ein paar Meter weiter, hat uns mehr angesprochen. Der Platz ist nicht besonders groß und liegt an der Straße zur Verdon-Schlucht, wo nachts kein Verkehr ist. Da nur wenig Camper hier sind, finden wir einen großen, sonnigen Stellplatz, dazu noch schöne, saubere Sanitäranlagen, uns gefällt es hier.
Zufrieden gehen wir in Castellane essen (Sonne, 21 °C). Doch nachmittags ziehen dicke Wolken auf und ein Gewitterregen senkt die Temperatur auf 15 °C. Da es noch öfter regnet, sind wir froh, trotz der Bäume TV zu empfangen. Die Wettervorhersage ist nicht so toll. So sind es am nächsten Morgen nur noch 10 °C und bedeckt. Richtung Verdon-Schlucht hängt der Nebel im Tal, da fahren wir lieber Richtung St. Julien-du-Verdon und erfreuen uns am Ort und am Stausee. Aber nicht lange, denn es regnet wieder kräftig und anhaltend beim 12,4 °C. Also ist nachmittags Ruhetag mit Lesen angesagt.
Der nächste Tag sieht auch nicht besser aus und da wir die Verdon-Schlucht schon früher besichtigt hatten, fuhren wir weiter.

4. Etappe 16. September: Castellane- Antibes (92 km)

Kaum haben wir unser „Sonnen“dach abgebaut, da fängt es schon wieder an zu regnen. Über 2 Pässe und steile Gefälle führt die aussichtsreiche Route Napoleon weiter in den Süden bis nach Grasse. Das Wetter wird immer besser, am Meer sind es schon wieder 19 °C. Noch immer gibt es bei Grasse keine rechte Umgehungsstraße, man wird linksrum, rechtsrum durch den Ort gejagt und kann kaum erwarten, aus dem Getümmel heraus zu kommen. Aber auch weiter nach Antibes herrscht ein wüster Verkehr.
Auf dem CP Rossignol (ADAC 19,80 € werden wir freundlich begrüßt und Madame führt uns zu einem besonders schönen Stellplatz. Aber eigentlich sind alle Stellplätze sehr groß und schön und die separaten Zeltplätze sind terassenförmig angelegt und haben viel Schatten. Ein neues Sanitärgebäude und ein großes beheiztes Schwimmbad (alles akribisch von Madame gepflegt) runden den guten Eindruck ab. Fürs morgendliche Baguette muss man allerdings 400 m laufen, die Hälfte davon am Rand der viel befahrenen Straße, nicht so lustig.

Wir genießen es, dass es nicht mehr regnet und wandern nach Antibes, quer durch die belebte Altstadt und zurück zum CP, insgesamt 2,5 h. Allerdings macht der Weg nicht immer Spaß, weil alle Straßen stark befahren sind und man trotz Fußweg dem Fahrzeuglärm ausgesetzt ist.

Wir waren schon lange nicht mehr hier, erinnerten uns aber noch an den vielen Verkehr von damals in der Saison. Trotz Nebensaison sind jetzt auch alle Straßen dicht befahren, es gibt Parallelspuren, Kreisverkehr, Ampeln und immer Stau. Wer kann so blö sein, hier feiwillig Urlaub zu machen?
Wir! Denn wir wollen nach Eze, nach Monaco und noch andere interessante Orte besuchen, da muss man durch!!
Empfehlung: sobald man ein Zipfel Autobahn sieht, sofort nehmen, das hilft etwas, dem Gedränge zu entkommen.
Der Bummel durch Monaco bei 27 °C, obwohl bekannt, ist immer wieder interessant und auch das alte Eze auf einem Hügel am Meer (die verlangen für ihren Kaktusgarten 5 € Eintritt, da können wir verzichten).
Die Altstadt von Antibes ist sehr umtriebig, riesengroß und sehr sympathisch (verkehrsberuhigt). Dort besuchen wir das Picasso-Museum und machen wieder einen Ortsbummel, bis der Regen kommt, der sich nachts zum Wolkenbruch verstärkt (in dieser Nacht gibt bei St. Tropez Überschwemmungen im Hinterland).
Als wir am nächsten Tag nach Vence wollen, hängen ausgerechnet dort die dichtesten Regenwolken, also ab ans Meer, wo es etwas freundlicher aussieht.
Nachmittags wird das Wetter besser, wir machen die Wanderung über die Klippen des Cap Antibes (gesicherter Fußweg, z.T. steil und ausgetreten). Rundweg ca. 1,5 h.
Das Wetter bessert sich weiter, so können wir bei blauem Himmel und Wölkchen die Küstenstraße am Esterel-Gebirge genießen; die rötlichen Felsen sind schon sehenswert. Rast in Agay, einem ruhigen Badeort mit CP direkt am Strand, für unseren Zweck ist der Ort aber zu abgelegen. In St. Raphael, einem vornehmeren Ort, nehmen wir einen gepflegten Cappuccino bei 26 °C und fahren dann zur Altstadt von Frejus, wo wir ein nettes Restaurant finden. Der Rückweg übers Esterel-Gebirge ist ebenso interessant wie die Strecke am Meer, es geht erstaunlich weit hoch.
Die Töpferstadt Vallauris steht auch noch auf dem Programm, ebenso die Chapelle Matisse in Vence und St. Paul, das Bilderbuchdorf der Region (extrem viele Touristen).
Der „Badestrand“ Richtung Nizza ist abstoßend steinig, aber in der anderen Richtung von Antibes nach Juan-les-Pins zieht sich ein langer Sandstrand, dahinter die Straße (Wasseremperatur gut 24 °C). In der Nebensaison kann man hier bequem parken, so wie wir, im Sommer muss es die Hölle sein(?).
Also zum Baden oder mit Kindern würden wir die Gegend zwischen Cannes-Antibes-Nizza-Monaco nicht besuchen, auch nicht zu unserer Erholung, sondern nur um Landschaft, Orte und Museen zu besuchen.

5. Etappe 23. September: Antibes – Cavalaire-sur-Mer (108 km)

Wir nehmen nicht weit vom Platz die nächste Autobahnauffahrt bis hinter Frejus und entkommen so dem Gedränge, aber spätestens in Ste. Maxime sind wir wieder mittendrin, aber es ist ja nicht mehr so weit bis Cavalaire, nach St. Tropez wird es wieder still.
Wir wollen dieses Mal den CP „de la Baie“ (15 € ACSI) nehmen, weil der Platz direkt am/im Ort liegt und es auch zum Strand nicht weit ist. Wir sind überrascht: nach bisher fast leeren CP ist dieser Platz bis auf wenige freie Stellplätze belegt. Aber wir finden noch einen angenehmen Platz, müssen uns aber erst an den ungewohnten „Hochsaison-Trubel“ gewöhnen (real betrachtet, ist der Platz zwar voll, aber es geht tagsüber und nachts geruhsam zu, unsere Bedenken haben sich zum Glück nicht erfüllt). Es gibt große und kleine Stellplätze, bei den kleineren muss man das Auto auf den dicht daneben liegenden Parkplätzen abstellen. Mehrere Sanitärgebäude sind auf dem in leichten Terrassen angelegten Platz verteilt, außerdem gibt es einen kleinen Pool, der aber eher Kinder anspricht.

Cavalaire ist für uns schon viele Jahre ein schöner Anlaufpunkt für einen Badeurlaub. Eine kleine, ruhige Stadt, unspektakulär da keine echte Altstadt, aber es gibt nette Lokale (Moules!), einen schönen Hafen und den langen Sandstrand gleich am Ortsrand, der täglich gereinigt wird. Das Meer ist mit 24 °C noch herrlich warm und sehr sauber, am Strand sind nur wenige Menschen, da bleiben wir unruhigen Geister doch tatsächlich 11 Tage.

Anmerkung: in Cavalaire gibt es mehrere Campingplätze:
1.De la Baie: meist voll belegt, aber gepflegt und ortsnah.
2. Roux: einfacher Platz oberhalb des Strandes im Wald, man muss ein paar Hundert Meter den Berg hochlaufen. Schon geschlossen.
3. Cros de Mouton: gut bewerteter Platz, liegt aber 1,5 km steil bergauf (da muss man für jede Besorgung/Baden das Auto nutzen) und die Plätze erschienen uns zu dieser Jahreszeit sehr düster. Kaum Gäste.
4. La Pinede: am Ortsrand, ein gutes Stück weiter zum Strand. Das war vor 30 Jahren unser Lieblingsplatz, aber beim Sanitär hat sich da nix geändert. Platz kostet dazu noch 19 € , entsprechend waren nur 2 Gäste da. (Den CP würden wir aber als Ausweichplatz letztlich doch nehmen).
5. Bonporteau: liegt fast 1 km westlich der Ortsmitte am Hang. Die dazugehörige Strandbucht geht über die Straße und dann extrem steil hinab, kein Spaß mit Badesachen. Außerdem alles schrecklich ungepflegt und kiesig, trotzdem waren viele Badegäste hier (?). Der Strandeindruck hat uns genügt, deshalb haben wir uns den Aufstieg zum vielleicht ordentlichen Platz gespart.

Die vielen Restaurants - von preiswert (beim Mittagsmenü bis teuer – sind jetzt in der Nebensaison kaum besucht, ein Einkaufsbummel und ein Pastis zum Entspannen erlauben einen ruhigen Badeurlaub. Aber halbtags gilt es natürlich die Umgebung zu besichtigen, natürlich „muss“ man einmal nach St. Tropez, ins weiter abseits gelegene Grimaud mit alter Burg, vielleicht eine Bootsfahrt in Port Grimaud, ein Bummel durch Ramatuelle und Gassin mit Aussicht auf die Berge und Weinfelder und natürlich in den Traumort Bormes-les-Mimosas gleich oberhalb von Le Lavandou.

Eine größere Tour führt uns auf die Halbinsel Giens. Die Westseite der Halbinsel führt einen schmalen Dünenstrand entlang (z.T. Dünen unter Naturschutz, kaum Parkmöglichkeiten) erinnert an die Camargue, wir sehen sogar Flamingos. Der kleine Ort Giens befindet sich schon fast im Winterschlaf und der Campingplatz an der Spitze (La Tour Fondue) soll zwar gut sein, aber außer einem riesigen Parkplatz für die Besucher der Insel Porquerolles (Fähre) gibt’s dort nix. Der Rückweg auf der Ostseite ist uninteressant, unzählige, jetzt leer stehende Häuser. Dagegen pulsiert in Hyeres das Leben, eine schöne, gepflegte Stadt (sowohl die Altstadt als auch die Neustadt), viele Studenten und Einheimische, kaum Urlauber.

6. Etappe 04. Oktober: Cavalaire-sur-Mer – Aix-en-Provence (150 km)

Den CP bei Cassis oder in Aix-en-Provence nehmen? Da der Platz in Cassis direkt an der Straße liegt und sehr einfach sein soll (?), entscheiden wir uns für den Chantecler in Aix. Für die Fahrt nehmen wir den Weg über Brignoles und fahren nicht auf der Autobahn, um genüsslich an Rebenfeldern entlang, nahe an der auffälligen Montagne Ste. Victoire zu fahren.

Der weitläufige CP Chantecler liegt am Ortsrand von Aix in Terrassen auf einem bewaldeten Hügel und besteht aus mehreren Teilen. Die Plätze sind alle sehr groß, die Sanitäranlagen weniger; aber da der Platz nur schwach belegt ist, stört das nicht. Eher der hohe Preis von 24 €, nur knapp 1 € billiger als in der HS, dafür gibt es kein Restaurant mehr und der nächste Bäcker ist gut ½ Kilometer entfernt, natürlich unten. Es gibt ganz oben ein Pool (beheizt?), den wir aber nicht nutzen. Denn wir wollen möglichst viel von der „Brunnenstadt“ Aix sehen. Und es lohnt sich. Im Altstadtgewirr stehen auf vielen Plätzen Brunnen, monumental bis zierlich und man kann die einzelnen Stadtviertel mit hohen alten Häusern und natürlich unzähligen Restaurants durchstreifen. Da die Altstadt verkehrsberuhigt ist, spürt man nichts von der Hektik auf dem Altstadtring.
Die Montagne Ste. Victoire wäre sicher einen längeren Aufenthalt wert, man sieht viele Beschilderungen für Wanderwege.
Wir begnügen uns mit einer Fahrt nach Vauvenargues, wo Picasso in seinem Schloß begraben ist. Der winzige Ort scheint in der Saison total überlaufen zu sein, schon von weitem liest man auf Warntafeln von verbotenem Parken, da hat man schon vor dem Ort eine ungemein „positive“ Einstellung. Wir fuhren trotzdem (ohne zu Parken) durch den bescheidenen Ort mit ein paar Restaurants, das war alles.
Interessanter ist die Tour nach Cassis. Statt der Hauptstraße nehmen wir eine kleine Panoramastraße übers Gebirge und haben einen weiten Blick hinunter auf Cassis. Dieser nette Hafenort mit Burgruine ist sehr gepflegt, an der Uferpromenade liegt Restaurant neben Restaurant. Man lebt wohl von den Tagesbesuchern, die von hier aus eine Bootstur zu den Calanques machen. Die Calanques sind durch Abbau der Kalkfelsen entstandene Felsbuchten, die aber heute völlig natürlich wirken. Wir haben für 13 € die Tour „3 Calanques“ gemacht, das sind die 3 bekanntesten und das genügte uns.
Ach, der CP von Cassis liegt wie beschrieben direkt an einer Hauptstraße, recht weit vom Hafen entferntund sieht von außen recht kläglich aus.

7. Etappe 07. Oktober: Aix-en-Provence - Vaison-la-Romaine (131 km)

Sobald wir durchs Rhonetal fahren, machen wie entweder an Ardeche/Gardon einen Zwischenstopp oder, auf der anderen Seite, in Vaison-la-Romaine. Wir entscheiden uns für den stadtnahen CP „Theatre romaine“ (18 € ADAC-Card) in Vaison. Der Platz ist durch eine Mauer von einer Nebenstraße getrennt und hat sehr große, gepflegte Stellplätze und 2 große, saubere Sanitärgebäude und einen kleinen Pool. An den Ruinen des römischen Theaters vorbei ist man gleich in der lebendigen Altstadt.
Auf der anderen Flussseite geht es steil bergan durch den kaum bewohnten, aber renovierten mittelalterlichen Teil mit verfallener Burg.
Zwischen Vaison und Baumes-de-Venice zieht sich ein kleines Gebirge, die Dentelles de Montmirail, die zusammen mit den Weinbergen der romantischen Orte Seguret, Sablet, Gigondas usw. für uns der schönste Teil der Provence sind.
Dazu kommt noch, dass wir die Rotweine aus diesen Orten besonders mögen und einkaufen (auch trinken!).
Aber auch die weitere Umgebung ist traumhaft schön, der Weg in die Olivenölstadt Nyons, nach Malaucene usw. und nicht zu vergessen der Markt in Carpentras und viele andere Orte, die wir auf anderen Fahrten schon besichtigt haben. Hier kann man einen ganzen Urlaub verbringen, zumal es viele ausgeschilderte Wanderwege und Radwege gibt.
Der Höhepunkt- im wahrsten Sinne des Wortes – ist die Fahrt auf den Mont Ventoux. Dieser über 1900 m hohe Aussichtsberg mit kahlem Gipfel ist bekannt als Etappenziel der Tour de France. Entsprechend viele Radfahrer quälen sich sichtlich glücklich (!) den Berg hinauf, als Autofahrer überholt man ehrfurchtsvoll.
Von Malaucene kommend bereits auf „halber“ Höhe (1400 m, an der Station Mt. Serain) hat man eine grandiose Sicht, auf dem sturmgepeitschten Gipfel ( 8 °C) sogar Rundumsicht, die ganzen Alpen stehen in der Ferne, unglaublich.
Die Abfahrt in südlicher Richtung (nach Bedoin) ist zwar weniger steil, aber die Straße ist enger und die vielen entgegenkommenden Autos (es war Sonntag) und die sich aufwärts quälenden Radfahrer sowie die sich vom Berg herabstürzenden Radfahrer, die auch uns flott überholen, erfordern volle Konzentration.

Auf dem CP treffen wir uns mit einem Camperfreund, der mit dem Fotoapparat die Provence unsicher macht und mit uns die abendlichen Weinproben genießt.

Leider bläst plötzlich der Mistral, abends wird es empfindlich kalt, morgens sind es nur noch 14 °C. Gut, dass wir sowieso bald nach Hause müssen.

8. Etappe 12. Oktober: Vaison-la-Romaine – Guebwiller (616 km)

Am Abreisetag bläst uns ein kräftiger Mistral entgegen und dicke Regenwolken über den Bergen verheißen schlechtes Wetter. Und tatsächlich, unterwegs gibt es Regenschauer. Bis etwa Valence fahren wir wegen der Windböen gezwungenermaßen langsamer als die LKWs, danach haben wir zwar immer noch Gegenwind, aber der Golf Plus hält auch auf schwachen Steigungen seine 100 – 105 auf dem Tacho im 6. Gang, enorm. Allerdings steigt der Verbrauch für die 600 km auf ca. 12 l/100 km, während der Bordcomputer unverdrossen optimistische 10,5 l/100 anzeigt.
So kommen wir schneller als kalkuliert vorwärts und erreichen sehr früh unser zuerst geplantes Etappenziel Dole. Aber warum sollen wir bereits um 14:00 Uhr hier in der Kälte (12 °C, regnerisch) herumlaufen? also weiter ins Elsass, wo wir nach insgesamt 8 h ankommen.
Auf dem Platz in Guebwiller-Issenheim waren wir noch nicht (CP Florival 14 €). Ein ebener Platz mit großen, gekiesten Stellplätzen, durch niedrige Büsche eingeteilt und sauberen Sanitäranlagen. Wir werden von einem netten Besitzerehepaar empfangen, leider sind nur 2 weitere Plätze und ein paar Mobilheime belegt. Auch die Mobilheime an einer Platzseite machen einen ansprechenden Eindruck.
An zwei Seiten führen in einigem Abstand Straßen vorbei, aber nachts ist es ruhig. In Platznähe gibt es einen Supermarkt und am Ortsrand von Guebwiller (ca. 3 km entfernt) gibt es reichlich Parkplätze. In Guebwiller ist wohl auch die Saison schon zu Ende,alles still und der Ort erscheint auch weniger weinselig als die Orte ein paar Kilometer weiter nördlich. Aber wir finden ein nettes Restaurant, um unseren Urlaub mit einem deftigen Elsässer Essen, begleitet von Edelzwicker und Pinot noir, ausklingen zu lassen.

(Wenn es klappt, wird im nächsten Frühjahr unser privates Ancampen auf dem Florival stattfinden).

9. Etappe 13. Oktober: Guebwiller – Ludwigshafen (260 km)
Diese Strecke durchs Elsass findet unser Gespann inzwischen von alleine. So bleibt genügend Gelegenheit für einen Blick auf die von der Sonne beschienenen Landschaft, die herbstbunten Weinberge, die Weinorte, die Vogesen und dann entlang der heimatlichen Weinstraße geht es zum Abstellplatz, wo der geleerte Wohni nun mit 4 bar auf den Reifen bis zum Frühjahr Wind und Wetter alleine ausstehen muss.

Fazit: nahezu 5 schöne Wochen ohne Kratzer und Blessuren überstanden, die Hinfahrt über die Alpen bis auf den Abschnitt Castellane – Grasse nicht unbedingt reizvoll. Die Cote d’Azur auch in der Nebensaison zumindest zwischen Cannes und Nizza mit schrecklichem Verkehr, geradezu idyllisch dagegen der Abschnitt Cavalaire – le Lavandou mit herrlich warmem Meerwasser (24 °C), die eindrucksvollen Calanques und Aix, aber besonders „unsere“ Dentelles de Montmirail und der gute Rotwein, das wird uns in Erinnerung bleiben und ruft nach Wiederholung in ein paar Jahren.
Die Landschaft war weniger vertrocknet als befürchtet, der frühe Herbstregen hat sogar für neues Grün der Wiesen gesorgt und manche Blume ist erneut aufgeblüht.
Insgesamt sind wir 3520 km gefahren, davon 2170 km mit dem Wohnwagen.

 
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RE: Mit dem Wohnwagen in die Provence und Cote d’Azur

#2 von daf43 , 13.01.2010 10:12

Hallo HD

hier ein aktueller Bericht, für oder gegen Deine etwas reservierte Einstellung zur Cote. Obs hilft?
Dieter

 
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RE: Mit dem Wohnwagen in die Provence und Cote d’Azur

#3 von morgenröte , 13.01.2010 12:38

War schön mal wieder mitzulesen, ich finde auch die Cote d Azur ist teils sehr voll und nicht schön zu fahren. Aber mal dort gewesen sein sollte man. Je weiter man Richtung span. Küste fährt desto ruhiger wird es. Selbst St Tropez Ramatuelle sind in der Vorsaison nicht so voll. In der Hauptreisezeit würde ich dort auch nicht mehr hin wollen.

Gruß Andrea

 
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RE: Mit dem Wohnwagen in die Provence und Cote d’Azur

#4 von HD , 13.01.2010 14:06

Hallo Dieter -
schön, dass Du den schönen Reisebericht auch hier eingestellt hat - ich hab ihn schon anderswo gelesen - ud natürlich abgespeichert.

Ich mag die Cote nicht, weil mir einfach die Plätze nicht gefallen wollen, das fängt schon beim Preis an, dann bewegt sich - auch in der Nebensaison - eine Autoschlange die Küstesntrasse lang und durch die Orte - wenn ich z.B. durch Cavallaire fahre - ist garnicht lang her, da hab ichs mal wieder probiert mit der Cote - und sehe die shortbehosten badelatschentragenden oberkörperverbrannten Touris dort rumlatschen - nicht wissend was sie tun sollen, dazu die Bettentürme - dann reicht es mir.
Die Cote ist eben nicht MEINE Campingwelt - und wie Winne pflege ich auch etwas meine Vorurteile, mag sein, dass die Cote ein solches Vorurteil ist. Ich fühl mich dort an den Stränden, auf den Plätzen einfach unwohl.
Ich MUSS ja nicht hin, ielleicht hab ich meine Cote nicht gefunden, weil ich nicht lange genug suchte.
Auch die Costa Brava ist an vielen Stellen nicht MEIN Ding, die schöne Bucht von Roses beispielsweise, dorten würde ich nicht campen wollen -und in Roses auch wieder diese badelaschenden Shortträger - ich kenne aber noch eine andere Costa Brava.
Trotzdem danke für den Bericht, man sollte niemals "nie" sagen.
Gruss HD

 
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RE: Mit dem Wohnwagen in die Provence und Cote d’Azur

#5 von Rolf ( gelöscht ) , 13.01.2010 17:10

Hallo Dieter,

danke für deinen schönen Bericht - ich bin (vor allem beim derzeitigen Wetter) gern mitgefahren!

Aber für die 14 Tage, die wir zu Ostern oder im Herbst wegkönnen, reicht uns die Wegstrecke bis St.Remy-de-Provence (knapp 1100km von Dortmund) völlig aus, zumal wir von einem Osterurlaub vor 20 Jahren (damals hatten wir noch 3 Wo Osterferien) wissen, dass die Küstenstraße an der Cote auch zu Ostern schon reichlich voll ist.

Gruß
Rolf

Rolf

RE: Mit dem Wohnwagen in die Provence und Cote d’Azur

#6 von daf43 , 13.01.2010 23:05

Hallo HD,

auch ich finde die Cote und andere überlaufene Badeorte keineswegs prickelnd, aber ganz tote Hose möchte ich auch nicht haben, eine nette Mischung von Trubel und Einsamkeit, das ist für mich das Richtige. Das muss niemand anders ebenso gefallen.

Noch ein kleiner Scherz so nebenbei: sind es nicht besonders viele Camper, die als badelatschende Shortsträger auffallen?
Und die sehen doch überall gleich aus, ob in Cavalaire oder an jedem andern noch so einsamen Strand.

daf43, der sich auch als Camper außerhalb des Platzes ordentlich kleidet. :/ :/

 
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Mit dem Wohnwagen in die Normandie und Bretagne
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