RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#1 von sunshine , 02.09.2009 22:51

Hallo liebe Camperfriends,
da ist er nun, mein Schwedenreisebericht! Es hat uns beiden Spaß gemacht, dieses Land ein wenig zu erkunden.
Hier nun also meine Eindrücke von einem wunderschönen Land, in dem ich bestimmt nicht zum letzten Mal gewesen bin:

Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

Die Anreise (Sonntag, 9. August / Montag, 10. August)

Die Sonne hebt sich gerade über den Dunstschleier, als wir am Sonntag gegen halb acht losfahren. Auf angenehm leeren Autobahnen geht es Richtung Norden. Mein Mann kennt die Strecke gut, erst hinter Hamburg beginnt für ihn Neuland.

Gegen halb sechs erreichen wir dann Glücksburg, das an der Flensburger Förde liegt – und haben Glück: Auf dem „Camping Schwennau“ bekommen wir den einzigen freien Platz direkt am Wasser. (Ab Montag war er dann reserviert.)
Leider können wir das schöne Plätzchen nicht lange draußen genießen, denn ein Regenschauer treibt uns in den Wohnwagen. So fällt der geplante Abendspaziergang aus und wir vespern noch ein wenig französische Salami mit Badischem Rosé, surfen noch etwas im Internet und gehen recht früh zu Bett.

Der Montagmorgen ist trocken und wir verlassen nach dem Frühstück gegen halb zehn den Campingplatz.
In Glücksburg halten wir am Wasserschloss an, das wir am Vortag von der Straße aus gesehen haben und sehen uns dort ein bisschen um. Das Schloss stammt aus dem 16. Jahrhundert, ist liebevoll restauriert und bietet einen stimmungsvollen Anblick.
Auf der Suche nach einer Tankstelle geraten wir in die Flensburger Innenstadt – ein hübscher Anblick! Hier also sind Wolfgangs „Punkte“ zu Hause…*grins*

Kurz nach Flensburg passieren wir die Grenze – an den vielen Sex-Shops erkennt man sofort, dass man in Dänemark ist.
Durch endlose Getreidefelder führt die Autobahn, insgesamt eine etwas eintönige Fahrt. Wir hören Dänisches Radio und verstehen nichts. Die erste Brücke (kostenlos) ist deshalb eine willkommene Abwechslung. Viel imposanter ist die kostenpflichtige Storbeltbrücke. Direkt nach der Brücke machen wir Rast am Parkplatz des „Ice Boat Museums“ – im Sonnenschein, mit schönem Blick auf das technische Wunderwerk.

Danach geht es weiter durch Dänemark in Richtung Kopenhagen und von dort aus über die zweite große Brücke nach Malmö. Auf der Öresundbrücke passieren wir die Landesgrenze und sind in SVERIGE.

 
sunshine
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#2 von sunshine , 02.09.2009 22:58

Malmö empfängt uns mit Sonnenschein und 26 Grad. Wir fahren Richtung Ystad und mein Schatz stellt brav den Tempomat auf 85 km/h ein. Auch hier geht es durch Getreidefelder, aber sie sind hügelig und zum Teil schon abgeerntet, wobei aber das Stroh noch auf den Feldern liegt. Im klaren Abendlicht liegt ein goldener Schimmer über der Landschaft.

Wir passieren Ystad und fahren weiter in Richtung Löderups Strandbad, wo wir den „Camping Backarak“ ansteuern. Er ist noch recht gut belegt. Die erste Reihe ist voll und ein Schweizer schnappt uns den schönen Platz in der zweiten Reihe vor der Nase weg. Also wird es die dritte Reihe, aber auch von hier aus kann man noch aufs Meer gucken. Bis alles steht, ist es 19 Uhr.

Eigentlich müssten wir noch einkaufen, aber dazu ist es wohl zu spät.
Eigentlich müssten wir noch Schwedenkronen holen, aber wo?
(520 SEK hatten wir noch in der Schublade, davon konnten wir die 130 SEK für die Marke auf der Campingcard bezahlen).
Also schwingen wir uns auf die Räder, um irgendwo eine Kleinigkeit zu essen. Wolfgang steuert das ca. 5 Kilometer entfernte Kåseberga an – es geht bergauf und bergab und ich bin schon ganz geschwächt vom Hunger! Aber in Kåseberga ist wenig los und so strampeln wir wieder nach Löderups Strandbad zurück, wo wir eine Pizzeria gesehen hatten. Hier lassen wir uns im Garten nieder und Wolfgang bestellt ein Bier und ich einen Cider. Der Cider wird hier nicht nur aus Äpfeln gemacht, sondern aus allen möglichen Beeren und auch aus Birnen. Er erfrischt auf jeden Fall nach der Strampelei.
Wir verspeisen unsere Pizza und radeln dann durch den Wald zum Campingplatz zurück. Es ist ein lauer Abend, den wir mit einem Gläschen Prosecco im Kerzenschein draußen genießen. „Es gibt heute Nacht noch Regen“, sagte uns ein Schwede in der Pizzeria.

 
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#3 von sunshine , 02.09.2009 23:06

In Skåne – rund um Ystad (Dienstag 11.8. – Donnerstag, 13.8)

Der Schwede hatte recht, in der Nacht hat es wohl geregnet – wir haben nichts davon mitbekommen – morgens ist es aber wieder trocken. Eine Schar Graugänse zieht lautstark und in Formation über den Campingplatz, während wir frühstücken. Gegen halb elf kommt die Sonne durch die Wolken und verbreitet angenehme Wärme.
Wir schauen den Zeltcampern beim Abbauen und Packen zu und bewundern zwei Frauen, die mit dick bepackten Fahrrädern starten.

Später fahren wir dann nach Ystad und parken in der Nähe der Centralstation. Wir laufen zur Altstadt, wo wir zuerst einmal Schwedische Kronen am Bankautomaten der SEB (meines Mannes Arbeitgeber) ziehen. Dann schlendern wir durch Ystads hübsche Gässchen und schauen einer Militärparade zu – Soldaten in Tarnkleidung und schmuckem roten Barrett ziehen trommelnd über den Stortorget.
Wir sehen uns die schöne Kirche St. Maria Kyrka an. Hinter den Bankreihen ist eine Spielecke für Kleinkinder eingerichtet – ein großer runder Tisch mit Kinderstühlchen rundum, mit Bilderbüchern, Mal – und Spielsachen und einer Pinnwand mit bunten Kinderzeichnungen.
Ich glaube, wir können von den Schweden noch einiges lernen.
Auf dem Rückweg zum Auto erwischt uns ein heftiger Regenschauer, der uns in einen Hauseingang flüchten lässt, zum Glück aber nur kurz dauert. Anschließend laufen wir am Fährhafen entlang, wo die Fähren nach Bornholm und Polen ablegen. Als eifrige Leserin von Henning Mankells Büchern sind mir die Örtlichkeiten schon irgendwie vertraut.
Nach dem Einkauf im Supermarkt fahren wir zum Campingplatz zurück. Es ist inzwischen wieder sonnig, aber bei stürmischem Wind.
Wolfgang kocht Kalbfleisch mit Pfifferlingen, Bandnudeln und grünem Salat.
Nach Sonnenuntergang legt sich der Wind und es wird ein gemütlicher „Draußensitzabend“.

Am Mittwochmorgen weckt uns wieder der stürmische Wind und es ist bedeckt – gegen halb elf kommt aber die Sonne heraus.
Wir fahren nach Simrishamn, einem hübschen, etwas verschlafenen Küstenort, der mir durch Inspektor Wallander in Henning Mankells Büchern ein Begriff ist.

Am Hafen schauen wir zu, wie ein von Möwen umschwärmtes Fischerboot anlegt und wie ein schöner alter Zweimaster ablegt, während wir ein Eis schlecken (1 € für eine riesige Kugel).
Anschließend schlendern wir durch Simrishamns hübsche Geschäftsstraße, wo sich Läden und Lokale aneinanderreihen, bis wir bei der Nikolaikirche aus dem 12. Jahrhundert angelangen. Besonders gefallen mir hier die zwei Statuen des Bildhauers Carl Milles vor dem Kirchportal. Anscheinend war er einmal zu Besuch in Simrishamn und versprach der Gemeinde, ihr eine seiner Skulpturen zu schenken, wenn sie die Kirche von ihrem hässlichen Putz befreien würde. So geschah es dann und deshalb hat Simrishamn nun eine wunderschöne Natursteinkirche mit zwei Skulpturen von Carl Milles davor.
Schön sind auch Simrishamns Nebengässchen mit den niedrigen alten Wohnhäusern, die allesamt gefällig restauriert sind.

An der Küste entlang fahren wir dann wieder zurück. Die Küste ist unverbaut und große Gehöfte und kleine Weiler liegen in Traumlage am Meer.

 
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#4 von sunshine , 02.09.2009 23:10

Wir fahren bis Kåseberga, wo wir zur Schiffssetzung „Ales stenar“ hochsteigen, die mit fast 70 Metern Länge als größte in Skandinavien gilt. 58 Felsblöcke bilden die Form eines Schiffs. Ich empfinde es als magischen Ort, der im klaren Schwedischen Licht unter Bilderbuchwolken einen besonderen Zauber ausstrahlt. Hoch über der Küste hat man einen weiten Blick über Land und Meer. Besonders gefällt mir auch, dass kein Verkaufsstand in der Nähe ist und dass für den Besuch dieser Attraktion nicht abkassiert wird.

In der Fischräucherei kaufen wir Fisch und in der Bäckerei nebenan frisches Schwarzbrot (übrigens das leckerste, das wir im Schwedenurlaub gegessen haben), was wir dann am Campingplatz mit einem gemischten Salat, leicht gesalzener Butter und einem Badischen Riesling genießen – wie es sich gehört in der Abendsonne.

Obwohl der Wind sich nach Sonnenuntergang wieder legt, wird es ein kühler Abend und ich krame zum ersten Mal Jeans und Socken aus dem Schrank.
Am Donnerstag frühstücken wir in der Morgensonne und packen dann zusammen. Unsere Wohnwagennachbarn heißen hier übrigens Solifer, Polar und Kabe - wir verabschieden uns von den netten Flensburger Nachbarn im Bürstner, die uns mit reichlich Tipps und Prospekten eingedeckt hatten – und verlassen diesen netten Ort, für den wir pro Nacht 22 € (inklusive Strom) bezahlen.
Wusstet ihr übrigens, dass man mit einer dreiviertelvollen Kaffeetasse auf dem Autodach einen guten Kilometer weit fahren kann, ohne etwas zu verschütten, wenn man einen Fahrradträger montiert hat?

 
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#5 von sunshine , 02.09.2009 23:19

In Blekinge – Sturkö und Karlskrona (Donnerstag, 13.8. – Samstag, 15.8.)

Unser Navi leitet uns auf kleinen Schonischen Straßen durch endlose Getreidefelder in Richtung Kristianstad. Langsam verändert die Landschaft ihr Gesicht und wird waldreicher. Am Straßenrand tauchen die ersten Elch- Wildwechsel- Warnschilder auf und ich halte stets Ausschau nach diesen sanften Riesen mit den knubbeligen Knien – ich hoffe, ich bekomme einen dieser Gesellen in Natura zu sehen.

Um Kristianstad schüttet es wie aus Kübeln, aber in Karlhamn scheint schon wieder die Sonne. Unser Ziel ist Karlskrona und wir steuern einen Campingplatz in den Schären an, den „Sturkö- Camping“ auf der gleichnamigen Insel. Der Platz liegt hübsch am Wasser und wir suchen uns einen Platz ganz vorne aus. Das soll man tun, wenn die Rezeption gerade nicht besetzt ist. Ein Schild verkündet, dass heute niemand mehr kommt und man sich morgen anmelden soll. (Der Sturköcamping hat sehr schöne Sanitäranlagen, die mir nach den eher provisorisch angelegten Räumlichkeiten in Löderups Strandbad mit Gemeinschaftsduschen in Containern geradezu luxuriös vorkommen.)

Wir lassen also die Seele baumeln, schauen auf die Schärenküste und auf das Spiel der Sonne mit den Wolken. Ich lese ein wenig in „Die italienischen Schuhe“ von Henning Mankell und freue mich, dass gerade heute im Buch Karlskrona erwähnt wird. Gegen später kocht Wolfgang Paprikagemüse und grillt auf der neuen Grillplatte zwei Steaks dazu, die phantastisch schmecken.
Nach Sonnenuntergang spiele ich noch ein wenig Gitarre – fast habe ich Scheu, diese Ruhe hier mit meinen Gitarrenklängen zu stören.
Es ist wieder ein „Lange-Hose-und-Socken-Abend“. Wolfgang sieht noch drei Sternschnuppen, nachdem ich mich schon ins warme Bett gekuschelt habe.

Am Freitag wecken uns Sonnenstrahlen und Wolfgang geht zuallererst zur Rezeption, um uns anzumelden. Der Chef grinst und meint, wir seien wohl die, die so schief stehen. Ja, genau, die sind wir. Aber jetzt in der Nachsaison hat niemand etwas dagegen, wenn man seinen Wohnwagen nach dem Sonnenstand ausrichtet.
Wir bekommen auch Brötchen ohne Vorbestellung, da diese ja am Vortag nicht möglich war. Den Frühstückstisch tragen wir nach vorne ans Ufer und genießen einen herrlichen Blick über die Schären in der wärmenden Morgensonne.

Gegen Mittag fahren wir nach Karlskrona.
Wir stellen das Auto ab und laufen zuerst hoch zum großen Platz, zum Stortorget, wo rund um das Denkmal des Stadtgründers König Karl XI ein paar Marktstände aufgestellt sind. Mit dem Stadtplan suchen wir dann Schwedens älteste Holzkirche, die Admiralitätskyrkan. Davor steht als Holzfigur der „alte Rosenbom“, der vielen bekannt ist aus dem Roman“ Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ von Selma Lagerlöf und der gerne seinen Hut für Spendenwillige lüpft.
Weiter geht es in Richtung Hafen. Hier gibt es Vorführungen alten Handwerks und ein Armeelager aus König Karls Zeiten zu bestaunen, das mit Soldaten in historischen Kostümen belebt ist. Ein Regenschauer treibt uns ins Zelt der Touristeninformation. Als er aufhört gehen wir weiter und gelangen über eine Brücke auf die östlich gelegene Insel Stumholmen. Hier schauen wir uns eine Ausstellung alter Boote an und daneben eine Werkstatt, wo alte Boote restauriert werden oder nach alten Plänen neu gebaut werden und bestaunen diese Handwerkskunst. Neben dem Marinemuseum kann man drei Schiffe besichtigen, ein Minensuchschiff, ein Torpedoboot und einen alten Schulsegler. Der Eintritt ist überall frei.
Für das Marinemuseum reicht unsere Parkzeit nicht mehr und außerdem werden die Füße so langsam müde, so dass wir uns auf den Rückweg machen.

Auf dem Heimweg schauen wir uns dann noch den „Dragsö Camping“ nahe der Stadt an. Er liegt schön an der Scherenküste mit Blick zur Stadt, sieht aber noch ziemlich vollgestopft aus. Da haben wir es auf unserem Inselchen ruhiger. Nach dem Einkauf im gut sortierten Supermarkt fahren wir dann auf unsere idyllische Schäreninsel zurück.
Wolfgang kocht heute Spaghetti mit einer sahnigen Soße mit Lachs, Zuckererbsen und Tomatenstückchen – überaus lecker!
Der kühle Abend verlockt allerdings nicht zum langen Draußensitzen.
Der Samstagmorgen ist windstill, warm und sonnig.

Nach dem Frühstück an unserem Sonnenplätzchen packen wir zusammen, bezahlen (20 € mit Strom) und machen uns wieder auf den Weg. Unser nächstes Ziel ist die Sonneninsel Öland.

 
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#6 von sunshine , 02.09.2009 23:25

Auf Öland – der Norden (Samstag 15.8. – Montag 17.8.)

Gegen halb zwölf verlassen wir die kleine Schäreninsel Sturkö und fahren auf schmalen Landsträßchen in Richtung Kalmar.
Es ist etwas wärmer, als die letzten zwei Tage, dafür bedeckt sich der Himmel aber zusehends.

In Kalmar fahren wir über die 6 Kilometer lange kostenfreie Brücke nach Öland. Wir fahren auf einer kleinen Nebenstraße parallel zur Hauptstraße in Richtung Norden, passieren unzählige Gehöfte und Windmühlen, können aber nur selten einen Blick aufs Meer erhaschen. Erst kurz vor Beginn der Inselspitze gibt es im Norden Campingplätze. Wir schauen mehrere an, bei einem drehen wir schon an der Pforte um, weil uns die Lage nicht gefällt. Von der Lage her gefällt uns der erste Platz in der Reihe, „Wikegards Semesterby“ sehr gut. Er liegt auf einer Anhöhe hinter den Dünen und man genießt einen weiten Blick übers Meer. Es ist aber an diesem Tag sehr windig und der Platz bietet kaum Schutz durch Bäume oder Hecken.

So entscheiden wir uns schließlich für „Böda Hamns Camping“, der an einer schönen Sandbucht direkt neben einem kleinen Hafen liegt. Im vorderen Platzteil kann man sich direkt hinter der Düne unter hohen Kiefern niederlassen und fühlt sich unvermittelt an den Französischen Atlantik versetzt – aber nur fast, denn zwischen den Baumstämmen blitzen die falunroten Holzhäuschen. Morgen beginnt übrigens die Nachsaison, anstatt um acht gibt es erst um neun Brötchen.

Wir machen einen Spaziergang zum Hafen vor, wo der Wind ganz heftig bläst. In einem der Zelte wird gerade eine Musikanlage aufgebaut – oh, schön, Lifemusik! Das wollen wir natürlich sehen.
Links vom Hafen ist der Womostellplatz, schön am Wasser gelegen. Im Gegensatz zum Campingplatz ist er noch gut gefüllt.
Wolfgang kocht heute Geschnetzeltes mit Champignons und wir speisen an unserem windgeschützten Platz. Bisher hatten wir übrigens nur hervorragendes Fleisch in Schweden.
Leider beginnt es zu regnen an Schwedens sonnenverwöhntestem Ort. Wir spazieren trotzdem zum Hafen vor, aber die Musiker haben wegen des Regens ihre Anlage bereits wieder abgebaut. Also setzen wir uns in „Kapten Blåskaggs Öl und Whisky- Pub“ und plaudern bei einem Whisky bzw. einem Glas Wein noch ein wenig mit dem Chef über Japanischen Whisky.

 
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#7 von sunshine , 02.09.2009 23:32

Am Sonntag hat es Morgensonne – Trägershirtwarme sogar! Schön! Wir dehnen das Frühstück ziemlich aus und entschließen uns, zur Nordspitze radeln, zum Leuchtturm „Långe Erik“. Vorsichtshalber packe ich Fleecepulli und Regenjacke in den Fahrradkorb – man weiß ja nie…

Es wird aber ein traumhaft schöner Sommertag und wir radeln abwechselnd durch Wälder und an der Küste entlang. Öland ist die Radfahrinsel schlechthin- es gibt nur wenige, sehr sanfte Steigungen.
Beim „Långe Erik“ machen wir Rast und machen uns dann auf den Rückweg. Eine zweite Rast machen wir in Byxelkork in einem Café am Meer, wo wir ein Eis essen. Inzwischen haben wir heftigen Gegenwind, aber das warme Abendlicht versöhnt mit den Strapazen. Nach der Rückkehr zeigt der Kilometerzähler an, dass wir 44 Kilometer geradelt sind. Ich lege mich mit meinem Buch an den Strand in die Abendsonne und Wolfgang hört Musik. Später grillen wir dann. Der Tag bleibt superschön und am Abend zeigt das Thermometer um neun immer noch 21 Grad an.

Am Montagfrüh ist es immer noch warm. Wir frühstücken um acht und verlassen gegen halb zehn den Platz . Mit Strom bezahlen wir 15 € pro Nacht für den Platz, denn ab jetzt gelten die Nebensaisonpreise.

Wir fahren wieder Richtung Inselmitte und wie immer halte ich Ausschau nach Elchen (ich liebe diese Elch- Warnschilder geradezu!) – und was sehe ich? Kamele! Auf mehreren Wiesen weiden sie neben der Straße, bestimmt um die zwanzig Stück. Wer will denn in Schweden Kamele sehen?

 
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#8 von sunshine , 02.09.2009 23:37

Kalmar (Montag 17.8.)

Über die Ölandsbron fahren wir nach Kalmar und checken gegen halb zwölf im stadtnahen „Stensö Camping“ ein. Wir suchen uns einen Sonnenplatz auf der hintersten Wiese am Waldrand.
Mit den Rädern fahren wir dann in die Stadt. Zuerst besuchen wir das Wahrzeichen der Stadt, das imposante Vasa- Schloss direkt am Meer. Wir machen einen Rundgang durch die Säle und Gemächer und über den Burgwall.

Danach radeln wir durch den Schlosspark weiter zur Innenstadt, wo wir die Räder abstellen und ein wenig durch die Einkaufsstraßen bummeln. Kalmar ist eine lebendige Stadt mit viel jungem Publikum.
Am Hafen schauen wir ein wenig die Schiffe an – für meinen Schatz das Highlight jeder Stadtbesichtigung – und essen dann am frühen Abend eine Pizza in der Fußgängerzone.

Am Meer entlang radeln wir dann zum Campingplatz zurück, wo wir einen warmen Abend draußen genießen, leider ohne Abendsonne, die sich vorzeitig hinter den Wolken versteckt.

Abends haben wir dann noch ein witziges Erlebnis: Ich sage gerade zu meinem Schatz „.. vielleicht kommt ja hier mal ein Elch vorbei…“, als wir ein Geräusch hören. Ein Reh spaziert knapp fünf Meter an unserem Wohnwagen vorbei und verschwindet dann im Wald. Ich gehe schnell den Fotoapparat holen, falls als nächstes ein Elch kommt. Leider kommt aber keiner – dafür leichter Regen gegen 21 Uhr.

Am nächsten Morgen weckt uns wieder die Sonne, aber es ist kühler geworden.
Noch vor dem Frühstück flickt mein Schatz einen Platten an meinem Fahrrad. Da muss ich wohl gestern in einen Dorn geradelt sein – tja, wenn er immer solche Mountainbike- Strecken aussucht…
Nach dem Frühstück checken wir aus und bezahlen 19 € (wie immer mit Strom), dafür war das Warmduschen aber kostenlos, während an allen bisherigen Campingplätzen die Automaten an den Duschen mit Fünfkronenstücken gefüttert werden mussten.

Zuerst suchen wir in Kalmar einen Wohnwagenhändler auf, da das Gestänge unseres Sonnensegels uns so langsam vor den Augen wegrostet. Ein Gestänge gibt es dort zwar nicht, dafür aber gebrauchte Wohnwagen. Wolfgang hat sich hier in Schweden in die KABE- Wohnwagen verguckt und meint, wenn unser alter WILK mal nicht mehr ist, will er nach einem KABE schauen – einem alten natürlich.

So fahren wir unverrichteter Dinge weiter – nicht ganz: immerhin habe ich einen Schwedischen Toaster für 6 € erstanden. Jetzt kann es in die Wildnis gehen! Unser nächstes Ziel ist der Åsnensee und dort der Camping „Getnö Gård“.

 
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#9 von sunshine , 02.09.2009 23:43

In Småland – Åsnensee (Dienstag 18.8. – Freitag 21.8.)

Unterwegs kaufen wir noch an einem Supermarkt in Tingsryd ein, der wunderschön am Seeufer liegt.
Gegen halb drei erreichen wir den „Getnö Gård“ und nehmen uns ein Plätzchen ganz vorne mit Blick zum See. Leider gibt es nicht viel Abendsonne an unserem Platz. Der Campingplatz liegt idyllisch mitten im Wald am See und für jeden Platz gibt es eine eigene Feuerstelle.

Erst spät am Abend gibt es noch ein paar Sonnenstrahlen vor unserem Wohnwagen. Mein Schatz kocht leckeres Rindfleisch mit Oliven gefüllt und serviert dazu knusprige Bratkartöffelchen. Nach Sonnenuntergang entzünden wir dann unser Lagerfeuer und schauen abwechselnd in die Flammen und in den Sternenhimmel. Mein Schatz verfeuert den kompletten zuvor gesammelten Holzstapel.

Eine tiefe Ruhe liegt über dem Platz, man hört morgens nur Kinderstimmen und Vogelgezwitscher. Viele Familien zieht es hierher und ich denke, der Wald und der See sind für die Kinder ein einziger riesiger Abenteuerspielplatz. Wir haben herrliche Morgensonne und Wolfgang puzzelt ein wenig am Wohnwagen herum und ersetzt zwei Reflektoren, die er in Kalmar gekauft hat, während ich in der Sonne sitze und mit unserer Tochter telefoniere .

Nachmittags laufen wir einen der Rundwege, die direkt im Campingplatz beginnen. Wir nehmen den längsten (5 Kilometer) und verlassen ihn an der Kehre, um weiter bis zur Inselspitze zu gehen. Dort ist das Lager für die Kajakfahrer. Es gibt mehrere große Feuerstellen, offene Unterstände, eine Trinkwasserpumpe, eine Toilette und einen überdachten Holzplatz, wo Holz, Äxte und Sägen bereit liegen. Sogar eine Finnische Sauna gibt es – und einen Briefkasten, wo man die Platzgebühr einwirft.
Auf dem Rückweg halten wir nach Pilzen Ausschau, finden aber nicht viel, nur eine bildschöne Kolonie weißer und grüner Knollenblätterpilze, zwei einsame Parasol sowie einige Täublinge und Birkenreizker. Die Heidelbeeren sind größtenteils abgeerntet. Immer wieder zieht der See die Blicke auf sich, in dem sich die Wolken am klaren, tiefblauen Schwedenhimmel spiegeln.

Am Wohnwagen zurück radeln wir über den weitläufigen Platz zur Rezeption, um Brot zu kaufen. Aber es gibt keins mehr und das am Vortag gekaufte, vermeintliche Schwarzbrot entpuppte sich beim Frühstück als eine Art Früchtebrot, was nicht sonderlich gut zu Gegrilltem schmecken würde. Also fahren wir mit dem Auto ins 10 Kilometer entfernte Ryd, um Brot zu kaufen.

Wir grillen auf unserem alten Koffergrill mit Holzkohle Steaks und essen Salat dazu. Mit der Glut entzünden wir dann das Lagerfeuer. Auch heute ist der Himmel sternenklar und verspricht einen schönen Tag für morgen. So viele Sterne wie hier habe ich noch selten gesehen, sogar die Milchstraße ist deutlich zu erkennen.

 
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#10 von sunshine , 02.09.2009 23:46

Am Donnerstag haben wir wieder einen schönen hochsommerlichen Morgen mit T-Shirt-Temperaturen zum Frühstück – nicht mal eine Schwedische Bilderbuchwolke steht am tiefblauen Himmel und das Thermometer zeigt 26 Grad im Schatten an. Wolfgang nimmt sich nochmal den Vorderreifen meines Fahrrads vor, der immer noch Luft verliert.

Ansonsten machen wir einen lupenreinen Faulenzertag aus diesem herrlichen Sommertag und lesen und faulenzen in der Sonne. Abends essen wir recht früh und setzen uns dann mit unseren Büchern und einem Glas Wein auf das Bänkchen am Seeufer, das direkt vor unserem Platz liegt und wo die letzten Strahlen der Abendsonne hinfallen. Dort erreicht uns der Anruf unseres Sohnes, der von 37 Grad in der Heimat berichtet. Wir sind hier mit den zehn Grad weniger mehr als zufrieden.

Nach Sonnenuntergang entzünden wir wieder unser Lagerfeuer. Langsam senkt sich die Dunkelheit über den Platz und ringsum flackern die Feuerchen, und die Kinder, die tagsüber fleißig Holz gesammelt haben, füttern die Flammen und haben ihren Spaß daran. Ansonsten ist es stockdunkel, denn Lampen gibt es hier keine.

Es liegt schon ein besonderer Zauber über diesem Naturplatz. Empfindlichere Naturen mögen sich vielleicht daran stören, dass aus den Duschen nur Seewasser kommt und an den Spülbecken nur kaltes Wasser – uns hat es nicht gestört und die herrliche Natur und das Lagerfeuer machen das leicht wieder wett.
Mit der Dunkelheit kommen dann die Sterne – einen Sternenhimmel wie hier kann man in unseren Breiten nur am Winterhimmel bewundern.

In Småland – Bolmensee und Naturpark Store Mosse (Freitag 21.8. – Sonntag 23.8.)

Am Freitagmorgen ist es warm aber bedeckt und regnet sogar ein paar Tröpfchen. Es lohnt sich aber kaum, den Tisch unter das Sonnensegel zu stellen. Nach dem Frühstück packen wir dann zusammen – über den Bolmensee wollen wir an die Westküste reisen.

Um elf checken wir aus. Der „Getnö Gård“ lässt sich die Idylle gut bezahlen – umgerechnet 21 € kostet der Platz und satte 4,50€ für den Strom kommen noch dazu – auf Öland hatten wir für den Platz direkt am Meer insgesamt glatte zehn Euro weniger bezahlt. (Der „Getnö Gård“ war damit übrigens der teuerste Platz unseres ganzen Schwedenurlaubs.)
Egal – es war trotzdem schön.

Bei bedecktem Himmel fahren wir Richtung Bolmensee, stocken unterwegs unsere Lebensmittelvorräte wieder auf und erreichen gegen halb zwei „Bolmsö Island Camping“, wo wir uns wie immer direkt am Wasser niederlassen.
Ab vier regnet es bis gegen sieben. Später sitzen wir dann aber wieder draußen.

 
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#11 von sunshine , 02.09.2009 23:58

Am Samstag gibt es wieder Morgensonne, ist aber noch kühl und am Himmel sind viele Wolken.
Unser Campingplatz liegt auf der Bolmsöinsel, die auf der einen Seite durch einen Damm und auf der anderen Seite durch eine (kostenlose) Seilfähre mit dem Festland verbunden ist. Direkt neben dem Campingplatz ist der Anleger der Fähre, die halbstündlich dort festmacht.

Nach dem Frühstück fahren wir mit der Seilfähre aufs Festland und von dort aus nach Värnamo. Unser Ziel ist der Store Mosse Nationalpark, Schwedens größtes Moorgebiet (fast 8000 Hektar groß außerhalb Lapplands.
Am Parkplatz „Östra Rockne“ stellen wir das Auto ab und laufen los. Es gibt mehrere Wandertouren dort, z.B. einen Rundweg um den teilweise verlandeten See Kävsjön. Der erscheint uns aber mit 14 Kilometern in Anbetracht der vielen Wolken zu lang, aber wir laufen einfach mal los. Es geht durch naturbelassene Waldgebiete und auf Holzbohlen über die Moorgebiete. Wir entdecken viele Pilze unterwegs und nehmen die Pfifferlinge natürlich mit.

Nach einiger Zeit erwischt uns ein ordentlicher Regenschauer. Es ist kein besonderes Vergnügen, auf rutschigen Holzbohlen übers Moor zu balancieren und über sumpfige Waldwege mit schlüpfrigen Baumwurzeln zu stapfen. Zum Glück hört der Regen nach 30 Minuten wieder auf. Na gut, jetzt haben wir schon fast die halbe Strecke geschafft, dann können wir auch den Rundweg zu Ende gehen. Eine gute Entscheidung – besonders schön ist das gut zwei Kilometer lange Stück über die „Store Gangflyet“, das schwimmende Moor, wo die Pflanzendecke auf einer seichten Wasserfläche aufliegt.

Unsere Campingplatznachbarn waren ganz begeistert vom „Naturum“, aber da haben wir nur kurz reingeschaut, weil es schon recht spät war und wir noch 3 Kilometer Weg bis zum Auto hatten.
Als wir dort ankommen, spüren wir doch die 14 Kilometer in den Beinen – aber Hosenbeine und Regenjacken sind unterwegs wieder getrocknet.
Es war trotz des Regenschauers eine wirklich schöne Tour durch die zum Teil rau anmutende Moorlandschaft.
Vogelliebhaber können im Frühling viele Vögel (Singschwäne, Kraniche, Kiebitze, Gänse und viele andere Vogelarten) von Vogelbeobachtungstürmen aus bei der Brut beobachten.

Unsere Pfifferlingsausbeute ist ziemlich groß, so dass wir abends den Speiseplan ändern – frisch schmecken sie doch am allerbesten!
Auf der Rückfahrt sehe ich am Waldrand zwei Rehe, leider aber keinen Elch.
In der Abendsonne, die bis zuletzt auf unseren Platz scheint, verspeisen wir unsere Pfifferlinge. Der Abend ist kühl, klägliche 14 Grad zeigt das Thermometer, so dass wir nicht sehr lange draußen sitzen.

 
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#12 von sunshine , 03.09.2009 00:04

Am Sonntagmorgen ist es wieder sonnig, aber kühl. Wir packen zusammen und bezahlen (23 € mit Strom).
Der kleine Familiencampingplatz hat uns gut gefallen, denn der Empfang war sehr freundlich. (Die Duschen sind allerdings ganz einfach, drei Kabinen mit Vorhängen und gemeinsamem Umkleideraum und eine einzige separate Kabine - und man braucht Duschmarken – aber es war alles stets blitzeblank) . Der Chef spricht perfekt Deutsch, da er mehrere Jahre in Deutschland gelebt hat. Er verkauft selbst Pfifferlinge an der Rezeption und erzählt uns, dass es für Steinpilze noch zu früh im Jahr sei.
Beim Frühstück beschließen wir, noch etwas weiter nördlich zu fahren und noch einen Blick auf die Bohuslän Küste mit ihren felsigen Schären nördlich von Göteborg zu werfen. Gegen halb elf verlassen wir mit der Seilfähre die Insel und fahren Richtung Göteborg.

Die Landstraßen sind jetzt am Sonntag noch leerer als an den Wochentagen. Erst auf der Autobahn um Göteborg herrscht mehr Verkehr.
Gegen 15 Uhr erreichen wir Lysekil, wieder mit der Fähre, und auch diese ist kostenlos.

In Bohuslän – Lysekil und Fiskebäcksil (Sonntag 23.8. – Dienstag 25.8.)

Kurz nach drei checken wir in „Siviks Camping“ ein. Es ist kein besonders schöner Platz, eine große Wiese ohne einen einzigen Baum und hinten ganz viele Mobilhomes – keine schönen falunroten Holzhäuschen, sondern solche, wie man sie überall sieht. Aber der Platz liegt dafür an einer von rosafarbenen Granitblöcken eingerahmten Bucht mit einem kleinen Hafen und er ist fast leer. Vorne steht gar niemand – vermutlich wegen des heftigen Windes.

Gegen Abend füllen sich aber einige der vorderen Plätze dann mit Womos.
Der Himmel bedeckt sich zusehends und es wird wegen des Windes ganz schön frisch. Wolfgang kocht heute die für gestern geplante Gemüsepfanne und wir essen mal zur Abwechslung drinnen.
Hinterher laufen wir den Pfad über die Felsen zum kleinen Hafen vor, setzen und dort ein wenig auf die Steine und schauen über die Schären. Später legt sich der Wind und wir sitzen noch ein wenig draußen.
In der Nacht steht Wolfgang dreimal auf und cremt seine zerstochenen Beine ein. Die Stiche hat er sich im Moor zugezogen. Ich habe keinen einzigen abbekommen – entweder lag das an meinen langen Hosen (Wolfgang hatte kurze an) oder am Ledum D6, das ich seit einigen Wochen brav schlucke. Ansonsten hatten wir aber keinen Kontakt mit diesen Biestern.

 
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#13 von sunshine , 03.09.2009 00:07

Es folgt ein sonniger, aber dunstiger Morgen mit 13 Grad – wir schmeißen die Heizung im Wohnwagen an. Mit der Sonne klettert das Thermometer aber schnell auf 17 Grad.

Nach dem Frühstück fahren wir nach Lysekil, das am Gullmarsfjord liegt und laut Reiseführer wie ein Englisches Seebad aussehen soll. Mangels Vergleichsmöglichkeiten kann ich nichts dazu sagen.
Hoch auf den Felsen thront über der Stadt die Kirche. Dorthin laufen wir zuerst. Nebenan ist ein Aussichtsturm, von dem aus man weit über das Land und die Küste schauen kann.
Das Innere der Kirche überrascht mich mal wieder: Hinten im Anschluss an die Kirchenbänke sind Tischchen aufgestellt wie in einem Café und es gibt ein Regal mit Zeitungen und Büchern sowie einen Kaffeeautomaten. Eine völlig andere Atmosphäre als bei uns herrscht in diesen Schwedischen Kirchen.

Wir besuchen noch das Haus des Meeres, das „Havets Hus“, wo das Leben im Gullmars Fjord, Schwedens einzigem Fjord, gezeigt wird. Ein sehr schön gemachtes Aquarium, wo man in Plexiglasröhren zwischen den Fischen durchlaufen kann. Flundern und Rochen sind in offenen Becken zu betrachten und für Kinder gibt es sogar ein „Streichelbecken“.
Ansonsten ist Lisekil eher eine nüchterne und schmucklose Stadt, aber auch diese Schlichtheit hat ihre Reize.
Mit der Fähre fahren wir danach weiter nach Fiskebäcksil, einem hübschen, aber sehr verschlafenen Fischerörtchen – nett anzusehen, aber völlig ausgestorben.
Wir fahren weiter über die Brücke zur Insel Orust. Landschaftlich ist es dort sehr schön mit felsigen Buchten und Inselchen, aber auch hier wirkt alles ziemlich ausgestorben.
Auf dem Rückweg kaufen wir noch ein und fahren dann nach Lysekil zurück.

Unser Campingplatz wirkt plötzlich gar nicht mehr ausgestorben – die vorderen Reihen sind fast komplett belegt. Weil es am Vortag so windig und sowieso alles leer war, hatten wir uns leichtsinnigerweise in die zweite Reihe gestellt. Aber wir hatten Glück – vor uns haben junge Leute zwei kleine Igluzelte aufgebaut, während rechts und links davon die großen Womos stehen. Hinter uns stehen zwei Schweizer Campingbusse und der Platz neben uns wird auch gerade belegt, von einem Schwedischen Wohnwagen, einem älteren Polar mit grünem Streifen und extravaganten schwarzen Spitzenvorhängen (ganz sicher nicht von IKEA!). Na sowas, so eng sind wir ja während des ganzen Urlaubs noch nicht gestanden. Aber macht nichts – morgens geht es ja sowieso weiter.

Wir bereiten unser Abendessen und speisen in der warmen Abendsonne (ja, es ist noch richtig warm geworden!) , während wir den Neuankömmlingen beim Baden zusehen. Das Wasser in der Bucht ist sehr flach, man muss sehr weit rauslaufen, denn es bleibt ewig knietief.
In der Enge gibt es dann allerlei Abendunterhaltung: Die Studenten vor uns diskutieren (auf deutsch) eifrig über Gott und die Welt, aus dem Hamburger Womo erklingen Opernarien und hinter uns wird in schönstem Schwyzerdütsch palavert.
Wir genießen den milden Abend und überlegen, wohin es morgen gehen soll.

Der Dienstagmorgen ist wieder dunstig, aber schön warm.
Gegen halb elf verlassen wir den „Siviks Camping“ in Lysekil. Es war kein so schlechter Platz – die Sanis waren reichlich vorhanden, modern und sehr gepflegt und das Warmduschen war gratis – wenn nicht die vielen Mobilhomes den Platz dominiert hätten. Kosten: 20 € mit Strom.
Auf der Autobahn fahren wir bis hinter Göteborg und danach geht es auf der Landstraße weiter, damit wir etwas mehr von der Landschaft sehen. Halland scheint uns aber eine nicht so attraktive Provinz Schwedens zu sein. Auch der angesteuerte Campingplatz bei Falkenberg sagt uns nicht so zu, da er so weit vom Meer entfernt liegt und einen ziemlich vollgestopften Eindruck macht.

Na, dann fahren wir eben noch ein Stückchen weiter, denn unser letzter Campingplatz in Schweden soll ein besonders schöner sein.

 
sunshine
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#14 von sunshine , 03.09.2009 00:12

Wieder in Skane – Båstad und Torekov (Dienstag 25.8. – Donnerstag 27.8.)

Ich krame in meinen Notizen und schlage den „First Camp Torekov“ bei Båstad vor.
Torekov liegt hinter einem Hügel, ca. 10 Kilometer von Båstad entfernt an einer Landspitze am Meer.
Der „First Camp Torekov“ ist ein recht großer Platz, aber das empfindet man in dem naturbelassenen Gelände gar nicht so. Wolfgang findet sofort einen hübschen Platz ganz vorne, etwas vorgelagert ohne direkte Nachbarn und mit traumhaftem Blick auf das Meer. Vorne am Meer steht ein alleinstehendes Haus mit ein paar umgedrehten Booten davor – ein malerischer Anblick!

Die Parzelle ist so riesig, dass unser Wohnwagen locker zweimal drauf passen würde. Auf dem Plan sehen wir dann, dass wir uns einen der wenigen, ganz teuren XXL- Plätze ausgesucht haben, aber den Luxus gönnen wir uns zum Abschluss. Und Wolfgang ist nach der Pleite in Falkenberg hin und weg von diesem Platz mit dem herrlichen Blick.
Hier gibt es auch W-LAN und Wolfgang richtet es ganz problemlos ein. Es funktioniert erstaunlich schnell und ich schaue nach den E-Mails und surfe ein wenig, während mein Schatz kocht.
Es gibt Rinderfilet in einer Soße mit getrockneten Tomaten, dazu Nudeln und einen Salat aus Zucchini und frischen Tomaten – sehr lecker!
Den verblüffend milden Abend genießen wir draußen mit einem Gläschen Wein aus unserem unerschöpflichen Vorrat.
In der Nacht gibt es ein heftiges Unwetter und wolkenbruchartiger Regen trommelt auf das Wohnwagendach.

Am Mittwochmorgen ist es dann aber wieder sonnig mit „Schwedenwolken“ und nicht mehr ganz so warm.
Wir fahren nach dem Frühstück nach Båstad, das uns schon bei der Durchfahrt am Vortag gefallen hat. Wir bummeln ein wenig durch die Geschäfte und über den Hafen. Båstad ist ein schmucker Ort mit kleinen, kopfsteingepflasterten Gässchen mit niedrigen Häusern hinter der Hauptstraße und einem schönen Hafen. Die Sommercafés dort haben leider schon fast alle geschlossen – die Saison neigt sich dem Ende zu. Båstad ist ganz sicher Tennisfans ein Begriff – hier finden immer die Swedish Open Båstad statt.
Tennis wird hier großgeschrieben – ein schöner Tennis Court und ganz viele Tennisplätze zeugen davon.

 
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#15 von sunshine , 03.09.2009 00:16

Abends radeln wir dann noch nach Torekov und sind beide ganz hingerissen von diesem hübschen Fischerdorf. Von hier aus kann man mit dem Boot zur unbewohnten Insel Halland Vaderö fahren, die als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist.

Ganz vorne von der Hafenmole aus können wir bis zum Campingplatz gucken und unseren Wohnwagen sehen.
Nach dem Abendessen radeln wir noch etwas in die andere Richtung. Ein Golfplatz liegt direkt neben dem Tennisplatz und ein schöner geteerter Radweg führt mittendurch. Danach geht es über Schotterstraßen weiter – auch hier ist Naturschutzgebiet und die Küste ist kaum bebaut. Nur hin und wieder sieht man ein einzelnes Haus in traumhafter Lage über dem Meer. Wir können uns fast nicht entscheiden, welches wir nehmen würden, wenn wir die Wahl hätten.
Unser letzter Abend ist ein warmer „Draußensitzabend“.

Schweden will uns wohl den Abschied schwermachen und wartet am Donnerstag noch einmal mit einem perfekten Sommertag auf.
Und so lassen wir das Packen ganz gemütlich angehen und verlassen erst kurz vor elf unseren schönen Platz, für den wir 21 € pro Nacht (mit Strom) bezahlen – das ist der Vorteil der Nachsaison.
(Im Spülhäuschen gab es sogar eine Industriespülmaschine (kostenlos). Wolfgang hat sie einmal ausprobiert - wegen der Technik natürlich *grins*- meinte aber, sein von Hand Spülen ergäbe ein deutlich besseres Spülergebnis.)

 
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#16 von sunshine , 03.09.2009 00:24

Heimreise (Donnerstag 27.8. - Freitag 28.8.)

Wir fahren im schönsten Sonnenschein nach Malmö, um wieder über die großen Brücken in Richtung Heimat zu fahren.

Bis Dänemark ist es eine angenehme Fahrt, aber dann geht die Hektik los mit Baustellen, hohem Verkehrsaufkommen und Stau. Ach, wie entspannt war die Fahrerei auf Schwedens Straßen!

Weil es doch recht spät wird, rufen wir von unterwegs am Campingplatz „Stover Strand“ hinter Hamburg an, um unsere verspätete Ankunft mitzuteilen. Kein Problem – wir sollen einfach über den Deich auf den vorderen Platzteil fahren, einen Schlüssel für den Stromkasten im Restaurant holen und uns am nächsten Morgen anmelden.
Das tun wir dann auch, nachdem wir um halb neun dort ankommen. Schnell lassen wir die Stützen runter und fallen dann im CP-Restaurant ein, um unseren Riesenhunger zu stillen.
Hinterher sitzen wir noch ein wenig vor unserem Wohnwagen an der Elbe – es ist immer noch 26 Grad warm.

Am nächsten Morgen nehmen wir die Reststrecke unter die Räder und kommen am Freitagabend gegen 18.30 Uhr in der Heimat an.

Tja, das war er, unser erster Schwedenurlaub.
Obwohl für Schwedenkenner das „richtige Schweden“ erst am Siljansee beginnt, waren wir begeistert von dem, was wir gesehen haben und sind randvoll gefüllt mit Eindrücken nach Hause gekommen.

Die Natur hat uns besonders gefallen, die lichten Birkenwälder, die glitzernden Seen in den dunklen Wäldern Smålands, die falunroten Häuser inmitten von sattem Grün, die unverbauten Küsten und immer wieder das klare Licht und der unbeschreiblich schöne Wolkenhimmel.
Beeindruckt hat uns auch der achtsame Umgang der Schweden mit der Natur – kein Müll in der Landschaft, keine Werbetafeln , die das Landschaftsbild verschandeln.
Die Campingplätze fand ich sehr angenehm, alles ein bisschen einfacher aber auch unkomplizierter und stets blitzsauber.
Für Schwedische Verhältnisse hatten wir wohl ganz angenehmes Wetter und konnten viel draußen sein, was wir beide sehr genossen haben. Abends war es oft kühl und die Fleecejacke war mein treuer Begleiter, aber darauf war ich eingestellt.
Natürlich sind wir viel im Auto gesessen, haben mehr als 3000 Kilometer zurückgelegt – das war eben der Preis dafür, dass wir ein wenig sehen wollten.
Es war superschön – Schweden, wir kommen garantiert wieder!

Hej då, sagt sunshine Iris,
die nun von der Mitternachtssonne in Lappland träumt…

 
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#17 von Kast , 03.09.2009 10:12

...wunderbar! Mir fehlen die richtigen Worte um danke zu sagen. Danke für die schöne Reisebeschreibung, die auch in anderen die Lust auf den Norden weckt (danke auch für die Arbeit, die damit verbunden ist).
Weil ich nicht jedes Mal schreibe, möchte ich bei dieser Gelegenheit allen danken, die sich hier die Mühe machen und ihren Reisebericht einstellen und bei uns anderen das Reisefieber „am Glühen“ halten.

Gruß
Karin

 
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#18 von ben ( gelöscht ) , 03.09.2009 10:14

Hallo sunshine,

schönes Reisetagebuch. So hätte es mir da oben auch gefallen. Viel Landschaft, leere Campinglätze, gutes Essen...

Hast du dir mal ein paar Lebensmittelpreise gemerkt?

Als Mod hier in diesem Forum einen Kabe? Das wäre grenzwertig. Oder?

Gruß ben

ben

RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#19 von Hadde ( gelöscht ) , 03.09.2009 10:34

Danke Iris!

Grsl Hadde

Hadde

RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#20 von sunshine , 03.09.2009 10:48

Hallo ihr Lieben,
ich denke, ich habe meine Begeisterung über dieses schöne Land wohl einigermaßen rüberbringen können.

Lebensmittelpreise habe ich mir nicht direkt gemerkt, ben. Ich empfand das Preisniveau aber ähnlich wie bei uns.

Wegen dem KABE:
Es müsste natürlich wieder ein Oldtimer sein, ganz klar.
In Kalmar haben wir schöne alte KABES gesehen, nicht ganz so alt wie unser jetziger, die umgerechnet bei 5000 € lagen.
Bei uns in Deutschland sind die natürlich nicht zu kriegen - mein Schatz hat schon gleich geschaut.
Wir sparen jetzt einfach mal und kaufen uns dann irgendwann mal den "Rentnerwohnwagen" direkt in Schweden...

 
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#21 von Aragorn1513 , 03.09.2009 11:23

Hallo Iris,

ein wunderschöner Reisebericht, der Lust macht auf dieses Land. Du hast Schweden geradezu schmackhaft gemacht. Danke!

Gruß - Alex

 
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#22 von Touringgit , 03.09.2009 13:30

Zitat von sunshine
... Obwohl für Schwedenkenner das „richtige Schweden“ erst am Siljansee beginnt, waren wir begeistert von dem, was wir gesehen haben und sind randvoll gefüllt mit Eindrücken nach Hause gekommen.



Hej Iris,

wunderschöner Bericht! Ich könnt schon wieder los, dabei sind wir gerade mal erst seit 2,5 Wochen wieder aus Schweden zurück.

Das "richtige Schweden" ist dort, wo man es selbst am schönsten findet.
Obwohl unser bevorzugtes Gebiet Dalarna ist, wo wir immer wieder hin müssen und es uns für längere Zeit gemütlich machen (wir haben dort 2 Lieblingscampingplätze, die wir immer wieder für längere Zeit ansteuern), habe ich viele Orte, die du oben beschrieben hast, wiedererkannt, wo wir auch schon waren und die wir mehr als sehenswert fanden. Man muss sich nur Zeit nehmen und kleinere Gebiete auf kleinen Straßen abgrasen, manchmal kreuz und quer und zick und zack und auch mal Schotterstraßen fahren. Da findet man oft die idyllischten Plätze, die in keinem Reiseführer stehen und wo man gleich für längere Zeit bleiben möchte. Wenn man nur die E-Straßen fährt und nicht nach rechts und links sieht, findet man solche Plätze nicht.

Ich denke, ihr seid jetzt auch mit dem Skandinavienvirus infiziert...

 
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#23 von sunshine , 03.09.2009 13:54

Hallo Touringgit,
ich werde dich bei Gelegenheit nach deinen Lieblingsplätzen in Dalarna fragen - so etwas vergesse ich garantiert nicht...

Wie war es denn dieses Jahr mit den Mücken im Norden?

Mit dem Skandinavien-Virus hast du wohl recht - wie viele solche Viren kann ein Mensch eigentlich aushalten?
Ich habe nämlich auch schon den Frankreich- Virus...

 
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#24 von Mephisto , 03.09.2009 14:42

Sehr schöner Bericht, Du hast einen wieder richtig mitgenommen auf Eure Reise.

 
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RE: Välkommen till Sverige – Südschweden 2009

#25 von Taubi , 03.09.2009 15:15

Hi,
danke fürs mitnehmen.Vieles kommt mir vertraut vor.
Ansonsten stimme ich Touringgit zu.Der Weg ist das Ziel.


@Ben:Lebensmittelpreise waren dieses Jahr fast wie in D.Benzin sogar 10-15 Cent billiger als in D.

 
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