RE: Canada - Alaska - Reise vom 24.07. - 23.08.2005 mit Womo

#1 von Canadafan ( gelöscht ) , 05.03.2006 13:05

Canada – Alaska – Reise vom 24.07. –23.08.2005 mit Wohnmobil

24.07.
Am 24.07. starten wir mit insgesamt 7 Personen zu unserer diesjährigen Reise nach Kanada und Alaska. Für mich ist es die 13., für Claudia (meine Frau) die 11., für Karola & Bernd sowie für Monika & Manfred die 3. (allerdings das 1. mal Yukon und Alaska), für Anita die 1. Reise auf diesen Kontinent.
Endlich hebt die Maschine der Air Canada in Frankfurt ab. Wir haben bis auf Anita alle Fensterplatz und sehen bei klarer Sicht und ruhigem Flug wie die Maschine über Grönland fliegt. Nach ein paar Whiskey und Dosenbier (natürlich Canadian) fliegen wir über die Hudson Bay und Edmonton und nähern uns nach 9 1/2 Std Calgary. Im weiten Bogen zieht der Pilot die Maschine über den Bow River und die Skyline von Calgary zur Landebahn im Norden der Stadt. Sehr rasch ist die Zollabwicklung durch und wir werden von den White Hatters (ehrenamtliche Bedienstete auf dem Flughafen) mit "Welcome in Calgary - May I help you" begrüßt. Da ich nun schon oft hier war , kann ich das freundliche Hilfeangebot ablehnen und wir gehen mit unserem Gepäck zum Bussteig. Hier werden wir vom Shuttlebus des Travelodge Hotels kostenlos zum Hotel gebracht.
Nach dem Einchecken und dem Ablegen des Gepäcks nehme ich Verbindung zum Wohnmobilverleiher Fraserway auf. Hier erlebe ich eine freudige Überraschung: eine Bedienstete wird heute Abend noch kommen, um die schriftlichen Formalitäten zur Übergabe der Wohnmobile abwickeln. So sparen wir morgen viel Zeit.
Nach der Abwicklung der Formalitäten essen wir im Restaurant die ersten kanadischen Steaks und liegen schon bald im Bett.

25.07.
Schon früh werden wir vom Wohnmobilverleiher am Hotel zur Übergabe abgeholt. Bei Fraserway stehen unsere 3 Motorhomes (je 22 feet) und der Pick-Up-Camper für Anita bereit. Die Übergabe (in deutscher Sprache) geht schnell über die Bühne und schon bald sind wir mit dem Song "North To Alaska" im jeweiligen CD-Player auf den Hwy. 2 nach Norden. Unterwegs kaufen wir in Airdrie im Supermarkt und Liquor Store ein, sodaß wir für die nächsten 4 - 5 Tage "versorgt" sind.
Fast schnurgerade geht es Richtung Edmonton, vorbei an wallenden Getreidefeldern . Bei Red Deer häufen sich die Ölpumpen rechts und links der Straße in ihrer rhythmischen Auf- und Abbewegung.
Der Verkehr wird dichter und wir nähern uns der Hauptstadt der Provinz Alberta. Aber auch der vorher fast wolkenlose Himmel wird dichter. Schwarze Gewitterwolken ziehen auf und kurz danach werden wir mit Blitz und Donner in Edmonton begrüßt. Doch so schnell wie es kam, ist es auch wieder vorbei. Wir finden schon bald das Haus von Janette und Ron, einem kanadischen Paar, die ich vor 2 Jahren kennengelernt habe. Sie haben mir angeboten, daß ich mit meinen Freunden mit den Wohnmobilen auf ihrem Grundstück (und dem der Nachbarin) übernachten kann, da die Stellplätze auf Campgrounds in und um Edmonton wegen einer Großveranstaltung schon lange ausgebucht waren.
Groß ist die Wiedersehensfreude. Bald schon sitzen wir bei den beiden Kanadiern im Wohnzimmer. Es gibt bei Bier, Whiskey und Elchwurst (!) viel zu erzählen. Da beide kein Wort deutsch sprechen, hilft der Alkohol die Barrieren zu durchbrechen und es wird ein lustiger Abend. Doch auch irgendwann ist auch das zu Ende und wir suchen gegen 01:00 h unsere Wohnmobile auf. Nicht ohne das Versprechen von Ron, daß er uns noch für unsere weitere Reise Elchwurst (er hat gemerkt, daß die uns gut schmeckte) zu besorgen. Wie will er das mitten in der Nacht bewerkstelligen?

26.07.
Wir frühstücken gemeinsam mit Ron und Janette. Auf dem Frühstückstisch liegen verpackt drei Würste für uns. Auf meine Frage, wo er die so früh besorgt habe, antwortet er, daß er in der Nacht noch einen Freund angerufen hätte und der habe sie morgens um 04:00 Uhr gebracht. Canada live!!!
Wir verabschieden uns und fahren zur West Edmonton Mall, der größten Einkaufshalle der Welt. 1985 wurde dieser 1,1 Milliarden Can$ teure Konsumtempel eröffnet. 80 Restaurants, über 800 Geschäfte, 26 Kinos, ein Eisstadion, ein Amusementpark mit einer 14 Stockwerk hohen Achterbahn, eine Schwimmhalle mit 22 Riesenrutschen, der originalgetreue Nachbau der Santa Maria (C. Kolumbus), einem Minigolfplatz und, und,und... alles unter einem Dach.
Über den Hwy. 16 verlassen wir Edmonton zunächst in Richtung Westen. Hinter Convel biegen wir auf den Hwy. 43 Richtung Whitecourt ab. Die Fahrt ist recht eintönig - der Hwy. sechspurig. Nach Whitecourt wird es einsamer und der Hwy. ist auf vielen Meilen eine Baustelle. Auch hier wird für die 6-spurige Weiterführung gebaut.
Bei Fox Creek durchfahren wir eine Gewitterfront. Doch kurz danach lacht wieder die Sonne vom Himmel.
Wir kommen nach Valleyview, wo wir kurz vor dem Ort auf Sherk's RV Park nach 359 km Tagesetappe eintreffen. Die Besitzerin ist eine sehr hilfsbereiten nette ältere Dame.
Wir entschließen uns zu grillen und schon bald liegen die Steaks und Mushrooms (Champignons) auf dem Grill. Wir sitzen noch bis Mitternacht am Campfire. Es ist warm und fast taghell.

27.07.
Bei dichtem Nebel starten wir um 08:30 Uhr. Gegen 10:30 sind wir in Grande Praerie, wo wir wieder einen Liquor Store aufsuchen (unser Biervorräte gehen zur Neige). 130 km haben wir noch bis zu unserem heutigen Etappenziel. Dabei fahren wir durch das nörd-lichste Getreideanbaugebiet von Alberta. Speziell Weizen, Gerste und Hafer werden hier angebaut und gezüchtet.10 km hinter Demmit verlassen wir die Provinz Alberta und gleichzeitig die Mountain Time Zone. Wir stellen die Uhr eine Stunde zurück und sind in British Columbia (Pacific Time Zone).
Wir nähern uns nach 255 km Dawson Creek. Hier halten wir am Info Centre und machen die obligatorischen Fotos an Meilenstein "0". Hier beginnt der weltberühmte Alaska Highway, der nach 1.422 Meilen (2.290 Km) in Delta Junction endet. Heute ist er keine Wildnisstraße mehr, sondern eine Straße durch die Wildnis. Dabei geht er 940 km durch British Columbia, 1.030 km durch den Yukon und 320 km durch Alaska.
Die Bombardierung von Pearl Harbor im Dezember 1941 veranlasste die Amerikaner innerhalb kürzester Zeit (Bauzeit März 42 - November 42) diese Landverbindung nach Alaska zu schaffen. Die Trasse inklusive 133 Brücken, 8.000 Abwasserkanäle, ananeinder-gereiht mehr als 57 Meilen, sorgten für Kosten in Höhe von US$ 140 Millionen.
Heute ist der Highway fast ausschließlich geteert und bietet ein unvergessliches Ereignis mit landschaftlicher Schönheit und Vielfalt.
Auf dem Mile "0" RV Park bleiben wir heute Nacht.

28.07.
Schon um 07:30 Uhr starten wir heute. Schier endlos lang zieht sich Band des Alaska Hwy. vor uns her. Dann überqueren wir den Peace River, der eine Herausforderung an die damaligen Brückenbauer stellte. Der Ort gegenüber ist Taylor und 20 km danach sehen wir die vielen Bohrtürme von Fort St.John, die sich auch "Energie-Haupstadt" von Canada nennt. Ebenso wird sie aufgrund der vielen Bohrtüme auch "Hauptstadt der neuen Totempfähle" genannt. Nun wird die Fahrt noch einsamer. Farmland, etwas Prärie, dann tauchen wir in die endlosen Wälder des Nordens ein. Die erste kleine Siedlung ist Wonowon., was nichts anderes als "Hunderteins - eins-null-eins" bedeutet. Es sind genau 101 Meilen von Dawson Creek (Mile "0" bis hierhin. So einfach konnte damals Namensgebung sein. Etwa 150 Menschen leben hier.
Schließlich erreichen wir nach 454 km Fort Nelson gegen 16:00 Uhr. Auf dem Westend Campground schließen wir unsere Fahrzeuge an und gehen in das kleine Museum mit seinen Exponaten vom Bau des Alaska Hwy. Nach der langen Fahrt heute ist jeder um 20:00 Uhr in seinem Wohnmobil verschwunden. Außerdem wollen wir morgen schon früh starten.

29.07.
Richtig ausgeruht starten wir heute schon um 07:00 h. Wie es sich später herausstellt, hat sich das gelohnt: Wer Tiere in freier Wildbahn beobachten will, hat morgens und in der Dämmerung abends die beste Gelegenheit. Außerdem ist unser "Single" Anita jeden Morgen schon früh auf. Auch bei Bernd und Karola ist meist schon Licht im Womo, wenn Claudia und ich wach werden. Lediglich Monika u. Manni müssen öfters geweckt werden. Naj, sie sind noch nicht so lange verheiratet......
Kurz hinter Fort Nelson steht ein wunderbarer Schwarzbär am Straßenrand und genießt das taufrische Gras zum Frühstück. Über Funk mache ich die nachfolgenden Womo aufmerksam. Wir halten an, und dann ist nur das Surren und Klicken der Kameras zu hören. Meister Petz läßt sich durch uns gar nicht stören.
Bei der Weiterfahrt läuft eine Elchkuh vor uns über die Straße. Doch bis ich die Video-Kamera hoch habe und sie anläuft ist das Tier mit seinen großen Schritten im Wald verschwunden. Schade -.
Ein kleiner Schwarzbär (wo ist die Mutter ?) läßt sich dagegen kurze Zeit später von uns ablichten, ebenso ein (brauner) Grizzly.
Wir passieren nun den (für mich) schönsten Teil des Alaska Hwy. Dabei folgen wir dem Tetsa River ehe wir bis auf 1.295 m zum Summit Lake Pass hochklettern. Eine grandiose Landschaft öffnet sich. Am Straßenrand tummeln sich einige Cariboos,ein Bulle trinkt direkt neben meinem Wohnmobil aus einer Wasserlache. Ich könnte ihm über das Fell streicheln, so nahe ist er. Etwas später treffen wir auf eine große Anzahl Gebirgsschafe. Wir müssen anhalten, denn sie sind mitten auf der Fahrbahn und lecken den Fahrbahnbelag nach Salzen u. anderen Mineralien ab. Heute ist ein Glückstag - dazu noch strahlender Sonnenschein mit "Postkartenhimmel". Die begeisterung aller klingt durch die Funkgeräte.
Zunächst gehts wieder bergab in das McDonald River Valley. Auch hier haben wir noch ein paar Cariboos vor der Kamera. Dann erreichen wir den Muncho Lake, einen der schönsten Seen am Hwy. Er ist 11 km lang, 1,6 km breit und bis zu 122 m tief. Seine Farben sind von dunkelgrün bis blau mit allen möglichen Schattierungen. Ringsherum bewaldete Berghänge mit schneebedeckten Gipfeln, darüber der strahlend blaue Himmel...
die Welt ist schön!Es ist zwar sehr windig hier, trotzdem verweilen wir ein wenig.
Nur noch 65 km sind es zu unserem heutigen Etappenziel: Liard Hot Springs.
Wir sind heute deshalb früh losgefahren, da ich gegen Mittag in Liard sein wollte. Erfahrungsgemäß sind die Campmöglichkeiten schon am frühen Nachmittag hier erschöpft. Wir kommen gegen 13:00 h nach 297 km an und erhalten 4 Stellplätze nebeneinander. Toll !!!.Die Womo werden angeschlossen, wir ziehen unsere Jogginganzüge an, packen ein paar Handtücher ein und gehen auf einem Brettersteg ca. 400 m zu den Heißen Quellen.Diese Quellen waren schon bei den indianern und Trappern bekannt. Natürlich war es auch eine willkommene Erholungsmöglichkeit für die Soldaten während des Baues des Alska Hwy.
Es gibt zwei naturbelassene Pools, den "Alpha Pool" und noch einmal 200 m weiter oben den "Beta Pool". Sie haben eine Wassertemperatur von 42°C -52°C. Neben einer wunder-schönen Flora (14 verschiedene wilde Orchideenarten), kann man gelegentlich auch Schwarzbären und Elche sehen. Auf dem Heimweg - nach dem Relaxen im warmen Wasser - shen wir an den "Hanging Gardens" noch ein kleines putzmunteres Tier. Ist es ein Erdhörnchen oder ein Murmeltier ? Wir wissen es nicht.
Zurück auf dem Campingplatz nehmen unsere Frauen noch ein ausgiebiges Sonnenbad, während wir Kerle den Grillabend am Campfire vorbereiten.
Abends sitzen wir am Feuer und lassen diesen unvergesslichen Tag noch einmal an uns vorbeigehen. Wir beschließen, morgen früh wieder um 07:00 Uhr zu starten.

30.08.
Wieder hat es sich gelohnt: Nach ein paar km sehe ich am langen Band des Hwy. am Horizont einige braune Punkte. Als wir näher kommen, erkenne ich eine riesige Herde Bisons, die hier grast. Welch ein Anblick! Das tiefe Grunzen der mächtigen Bullen, die umhertollenden Kälber und rundherum alles so friedlich. Ich werde "in meine Karl-May-Zeit" zurückversetzt.
Schließlich erreichen wir die Grenze der Provinz British Columbia/Yukon Territory. An dem großen Yukon-Schild, welches uns darauf hinweist, daß wir nun im "True North - dem wahren Norden" sind, werden die obligatorischen Bilder gemacht. Der Name "Yukon" kommt aus der Indianersprache und bedeutet "Großer Fluß".
6 km sind es noch bis Watson Lake, was früher Fish Lake hieß. 1898 ließ sich ein Goldsuche namens Frank Watson mit seiner Indianerfrau hier nieder. Er gab später dem ort seinen Namen.
Watson Lake war während des Baues des Alaska Hwy. ein wichtiger Stützpunkt mit Flug-platz. Unter den damaligen Soldaten war auch der Leutnant Ca rl.W. Lindley aus Denville, Illionois. Er hatte Heimweh und stellte deshalb ein Schild mit entsprechender Meilenangabe zu seinem Heimatort auf. Andere Soldaten folgten ihm, später kamen Schider von Touristen dazu, so enstand bis heute ein Schilderwald (Signpost Forest) mit über 50.000(!) Schildern.
Auch wir hängen unsere mitgebrachten Schilder auf. Doch zunächst suche ich die von mir 1996 und 2003 aufgehängten Exemplare. Ich finde sie bald und fixiere mein drittes:

Alaska Tour 2005
Karola & Bernd
Monika & Manfred
Claudia & Werner
Anita
-----------------
Homberg/Ohm
Germany

Eigentlich hatten wir vor, in Watson Lake zu bleiben. Wir beschließen aber, weiter zu fahren. Schier endlos erscheint uns das Band des Alaska Highway. vor uns. Nach 471 km erreichen wir Teslin, ein kleines Indianerdorf mit 400 Einw. am Nisutlin River.Am Yukon Hotel und RV Park checken wir ein. Hier können wir mit den Besitzern deutsch reden. Sie haben sich vor Jahren hier niedergelassen.
Wir schließen die Fahrzeuge an und machen einen Bummel durch den kleinen Ort. In einem Indianer-Souvenierladen frage ich nach einem Mittel gegen Moskitostiche. Er hat keins. Da er - wie dort üblich - dennoch weiterhelfen will, zeigt er mir sein Wohnhaus und sagt mir, ich soll bei seiner Frau nachfragen. Ich bin so frei - klingel an dem Haus und die Frau reicht mir einen Stift zum Einreiben nach dem Moskito Biss. Ihr Mann hatte sie per Tel. schon verständigt. Bezahlen durfte ich die Hilfeleistung nicht - sie wäre sonst beleidigt gewesen.
Dann zeige ich meinen Freunden noch das kleine George Johnston Museum. Dieser Indianer (1884 -1972) war Trapper und Fotograf. Er brachte 1928 das erste Auto nach Teslin. Da es aber zu der Zeit noch keine Straßen gab, baute er sich selbst ein 5 km lange Piste. Im Winter wurden "seine Straßen" durch zugefrorene Flüsse und Seen länger. Er band Wolle um die Reifen um sie griffiger zu machen.
Abends sitzen wir noch lange zusammen. Es ist um 23:30 Uhr noch fast taghell.

[color=red]31.08.[/color]
Strahlender Sonnenschein liegt schon um 06:30 Uhr über dem See und weckt uns. Kleine Nebelschwaden steigen hoch und im Schilf sind ein paar Wasservögel zu hören, die den tag begrüssen.
Nach dem Frühstück geht's weiter auf dem Alcan.(so nennen die Einheimischen den Alaska Hwy). Wir fahren ein Stück entlang an den Ufern des Marsh Lakes, ehe wir uns Whitehorse nähern. Das die Hauptstadt des Yukon nicht mehr weit ist, davon zeugen die riesigen Reklametafeln links und rechts der Fahrbahn.
Am Miles Canyon halten wir an. Hier waren die tückischen Stromschnellen des Yukon Rivers, die vielen Booten der damaligen Goldsucher zum Verhängnis wurden. Von mehr als 7.000 Booten, die im Mai 1898 diese Stelle passierten, kenterten mehr als 1150 innerhalb jeder Woche. Der Fluß ist hier nur 30 m breit. Da die Gischt der Stromschnellen hier wie die wehende (weiße) Mähne von Pferden aussah, gaben die Bewohner damals dem Ort den Namen "Whitehorse".
Nach 217 km Tagesetappe checken wir auf dem wunderschönen Hi Country RV Park oberhalb von Whitehorse für 2 Nächte ein und belegen unsere Stellplätze. Mit meinem Wohnmobil fahren wir dann in die 22.000 Einw. zählende Hauptstadt des Yukon. Es geht hier sehr beschaulich zu, nicht nur weil heute Sonntag ist. Wir schauen uns ein wenig um und kehren zurück zum Campingplatz, wo wir wieder bei Bier, Whiskey, Steaks und Country Musik am Campfire sitzen. Wieder ist es bis in die Nacht sehr warm und hell.

01.08.
Manfred und ich fahren mit unseren Wohnmobilen zur Vermieterstation von Fraserway in Whitehorse.Wir wollen kleine Beanstandungen (Direktwasseranschluss tropft an meinem Auto u.ä.) beheben lassen.
Auch hier ein kleines, aber erwähnenswertes Erlebnis am Rande: Bei unsere Fahrt in die Stadt verliere ich in einer Linkskurve aus dem Stauraum hinten rechts einen Karton des wertvollen Kokanee Gerstensaftes in Dosen. Manfred, der hinter mir fuhr sah die Dosen, wie sie über die Piste rollten. Er informiert mich über Funk,wir suchen einen geeigneten Wendeplatz und fahren zurück. Als wir die Stelle erreichen, ist außer einer Dose nichts mehr zu finden. Plötzlich hält ein 5 -achsiger Truck mit Auflieger neben mir , der Fahrer springt heraus und fragt, ob ich etwas suchen würde. Als ich ihm mein Mißgeschick schildere, lacht er, macht die große Ladeklappe auf und reicht mir den Karton mit den z.T. verbeulten Dosen. Als ich ihm zwei der Dósen geben will, verneint er und sagt, daß dies wohl selbstverständlich wäre. Dazu muß ich sagen, auch er hat mit seinem Riesentruck wenden müssen, um wieder an die Stelle zu kommen. Unvorstellbar - aber wahr!!!!.
Wie in Calgary finden wir sehr nettes, hilfsbereites und deutschsprachiges Personal bei Fraserway vor. Bald schon sind alle Mängel (kostenlos !) beseitigt , da kommt auch Bernd mit den Frauen an. Denen erzählen wir lachend die o.g. Story. Auch sie wollen das zunächst nicht glauben. Aber als ich den Karton mit den verbeulten Dosen zeige .., kriege ich natürlich gesagt, was für ein Trollo ich bin, daß ich das Fach nicht abgeschlossen habe. Wer den Schaden hat, braucht für Spott usw....
Wir gehen in das sehr informative Visitor Centre, erfahren viel über Whitehorse und Yukon und machen Shopping.
Schließlich fahren wir mit der alten Nostalgiebahn am Yukon entlang. Bei der Rückfahrt darf Bernd den Trolly steuern und bremsen. Wir haben viel Spaß dabei.
Zurück am Campingplatz wird wieder gegrillt und Vorbereitungen für eine Überraschung für morgen früh getroffen. Dabei müssen wir aufpassen, daß Bernd und Karola nichts mitkriegen.

02.08.
Karola und Bernd haben heute Silberhochzeitstag. Ich hatte am Abend vorher den Platz-besitzer nach dem Schlüssel für einen Schuppen gefragt, der in kälteren Jahreszeiten wohl als Aufenthaltsraum mit Kamin, Theke ,Tischen und Stühlen dient. Als er den Zweck erfuhr, war auch das selbstverständlich. Schon sehr früh hatten die Frauen und wir ein Frühstücksbuffet vorbereitet, der Platz des Paares war mit Blumen geschmückt und auch der Sekt stand gekühlt bereit. Nun wurden die beiden abgeholt und es wurde gratuliert.
Trotz allem starten wir um 08:00 Uhr. Es geht zügig voran auf dem Hwy. Doch kommen wir in mehrere riesige Baustellen. Durch den Permanent-Frost hier oben können nur in den paar Sommermonaten Straßen gebaut werden. Und hier wird der Alcan mehrspurig ausgebaut. Einen kleinen Stopp machen wir in Haines Junction, wo wir in den Kluane (sprich: Klu-wa-ni) Nationalpark kommen. Entlang der schneebedeckten Kluane Gebirgskette mit den vielen über 2.000 m hohen Gipfeln erreichen wir den Kluane Lake, der mit 70 km Länge der größte See im Yukon ist. Kurz vor den Infotafeln führt rechts eine Schotterstraße nach 5 km in die Ghosttown Silver City. Hier an der Mündung des Silver Creek in den Kluane Lake enstand 1903/04 diese kleine Siedlung, die später Silver City getauft wurde. Von hier wurde auch die Ausrüstung von Whitehorse über den Kluane Lake nach Burwash Landing gebracht, wenn die Eisdecke des Sees geschmölzen war, als dort 1913 in der Nähe Gold gefunden wurde. Als die Vorkommnisse um 1920 erschöpft waren und eine Straße um den See herum gebaut war, verringerte sich die Einwohnerzahl schlagartig. Zurück blieben ca 23. Holzgebäude, die heute langsam in sich zusammenfallen.
Etwas mehr als 30 km weiter kommen wir nach Destruction Bay. Weniger als 100 Menschen leben hier. Auch dieser Ort enstand beim Bau des Alcan. Es war ein Ruhe- bzw. Ablösungscamp für die Lkw Fahrer. Auch wurden hier kleinere Reparaturen duchgeführt. Ein Sturm zerstörte damals das Camp. Daher der Name destruction = Zerstörung). Nur noch 17 km sind es bis zum Etappenziel Burwash Landing. Doch welch ein Shit: wiede lange Wartezeit an einer Baustelle. Dabei sehen wir rechts die verheerenden Ausmaße des großen Waldbrandes von 2004. Von Wald ist nichts mehr zusehen. Nur verkohlte Baumstämme und mittlerweile wieder grünes Buschwerk.
Direkt am Kluane Lake bekommen wir in Burwash Landing auf dem kleinen Campingplatz unsere Stellplätze. Schnell ist Kaffee gekocht und wir sitzen bei Schwarzwälder (!) Hochzeitstorte und Kaffee zusammen.
Auch dieser Ort mit seinen etwas mehr als 80 Einw. hat ein Museeum. Die Tiere des Nordens sind in mühevoller Arbeit in der Umgebung ihres natürlichen Lebensraumes dargestellt. Sehenswert!- Ebenso die kleine Kirche mit dem angrenzenden Schulraum.
Am See sitzen wir noch bis 21:30 Uhr zusammen. Es gibt viel zu erzählen.

03.08.
Wieder um 07:00 Uhr starten wir. Es ist windig und frisch, doch scheint die Sonne. Immer weiter geht es nach Norden. Nach 175 km erreichen wir Beaver Lodge, den letzten Ort auf kanadischer Seite mit seinen 150 Einw. Unmittelbar dahinter die kanadische Grenzstation. Hier will niemand etwas von uns und wir fahren ohne anzuhalten durch. Noch 32 km sind es, dann sind wir in Alaska.
Auf der nun kurvenreichen Strecke sehen wir noch einen Koyoten - sonst ist nicht viel zu sehen. Vor der Grenze halten wir an und machen Gruppen- und Einzelbiler am Willkommensschild nach Alaska. Schließlich sind wir an der Zollstation. Als wir das Gebäude betreten haben, sehen wir außen einen großen Schwarzbär über die Straße laufen. Keine Kamera dabei..., sie liegt im Auto. Wir bezahlen jeder US$ 6, füllen die Formulare aus - und sind in Alaska. Jetzt sind die Entfernungen nur noch in Meilen angegeben. Auch die Uhr wird eine Stunde zurückgestellt (Alaska Time Zone).
Mit einer Gesamtfläche von 1.518.717 km² ist Alaska 6 mal so groß wie die Bundesrepublik. Flächenmäßig ist es somit der größte Staat der USA - einwohnermäßig mit 550.000 der kleinste.
17 der höchsten Berge der USA sind hier, der höchste Mt.McKinley (Denali) 6.194 m.
1867 wurde Alaska von Russland für 7,2 Mil. Dollar abgekauft. Das waren nicht einmal 5 Cent pro ha.
Am Tetlin Wildlife Refuge halten wir an und sehen uns die Erklärungen der Tierwelt an. Eine Indianerin demonstriert hier die Schmuckherstellung.
Dann geht es weiter bis Tok, dem ersten Ort nach der Grenze in Alaska. Dieser Ort nennt sich auch "Hauptstadt der Schlittenhunde", da jeder 3. Bürger der 1.400 Einw. zählenden Gemeinde mit Zucht oder Training der Huskies zu tun hat. Ebenso nennt sie sich auch "Hauptstraße Alaskas", da von hier aus Straßen in alle Richtungen des Staates führen. Ursprünglich hieß der Ort To-ky-o. Da nach dem Überfall auf Pearl Harbour am 05.12.1941 bei den Amis alles verhasst war, was japanisch klang, hieß der Ort von nun an nur noch "Tok".
Wir checken nun nach 344 km auf dem Tok Village RV Park ein und hissen heute neben der deutschen und kanadischen Flagge (was wir bisher auf jedem Campingplatz gemacht haben) noch die alaskanische.
Abends hören wir den Klängen einer Country Band zu, die (für meine Ohren) richtig schöne Musik macht. Natürlich fehlt auch hier der Erfolgssong "North To Alaska" von Johnny Horton nicht. Dabei singt alles mit. Country Musik, Campfire, nette Menschen, wahnsinnge Landschaft - Seele, was willst du mehr?
04. 08.
Um 08:00 Uhr starten wir heute. Von der Beschaffenheit ist es das beste Stück des Alcan. Auch die Landschaft ist wunderschön. Kurz vor Delta Junction überquert wieder ein Elch die Straße - wieder das selbe Spiel, bis die Kamera bereit ist, ist er auf seinen langen Beinen im Wald verschwunden.
Nach 175 km in Delta Junction erreichen wir das Ende des Alaska Highways. Von Dawson Creek - Mile 0 - bis hier zum Meilenstein haben wir 1.422 Meilen hinter uns gebracht. Diese Straße hat uns alles geboten, teils wunderbar ausgebaut, teils holprig mit "Frostbeulen", gefährliche Baustellen, manchmal meilenweit schnurgerade, oft sehr kurvenreich, lange Gefällstrecken und Steigungen aber immer durch faszinierende, abwechslungsreiche Landschaft. Wir sind stolz, die Straße komplett gefahren zu sein und holen uns im Infocentre für einen US$ die Urkunde ab, die besagt daß wir die Straße mit all ihren Tücken und Herausforderungen befahren haben. Noch ein paar Bilder am Meilenstein 1422, dann gehts weiter in Richtung Fairbanks.
Nach 14 km kommen wir an die Alaska Pipeline, die hier über den Nanana River gespannt ist. 1968 wurde in der Prudhoe Bay Öl gefunden. man beschloß die 1.280 km bis Valdez mittels einer Pipeline zu überbrücken.
Am 27.03.1975 wurde das erste Rohr verlegt, am 31.05.1977 das letzte Rohr verschweist. 70.000 Männer und Frauen haben an diesem gigantischen Projekt mitgearbeitet. 380 Meilen verläuft sie unter der Erde,78.000 Pfeiler tragen sie auf der Überlandstrecke, 13 Flüsse, 3 Gebirgszüge überquert die gigantische Rohrleitung. 10 Pumpstationen zwischen dem Polarmeer und Valdez sorgen dafür, daß täglich 1,8 Barrel Öl in fluß bleiben und in Valdez ankommen.
Wir besuchen noch Rikas Roadhouse, welches 1910 errichtet wurde und 1923 an die Schwedin Rika Wallen verkauft wurde, die es schon seit 1917 leitete. Bis 1940 stand es unter ihrer Obhut, 1969 verstarb sie. Das Roadhouse liegt in einer wunderschönen Parkanlage und beinhaltet neben einem Museem auch ein Restaurant und Souvenierladen. Alles sehenswert.
Wir entschließen uns, nicht - wie vorgesehen - in Delta Junction zu bleiben, sondern bis zu einem Wildnis Campingplatz, den ich schon 1996 aufsuchte, in der Nähe von Paxson am Denali Hwy. zu fahren.
Zunächst führt uns der Richardson Hwy. fast immer entlang der Alaska Pipeline nach Süden. Rundherum eine faszinierende Bergwelt. Hinter dem schön gelegenen Summit Lake erreichen wir die pulsierende Weltstadt Paxson mit ihren 30 (!) Einwohnern. Aber es gibt eine Tankstelle. Ist auch wichtig, den Bernd hatte Angst, er würde sein Vehicle trocken fahren. Hinter der Tankstelle biegen wir rechts ab. Es geht steil bergauf. Oben angekommen öffnet sich die Tundra vor uns. Dann endet nach 22 km auch die Teerstraße. Von nun an nur noch Schotterpiste. Doch für heute haben wir unser Ziel erreicht. 368 km sind es heute gewesen, um am Tangle River Wilderness Campground zu landen. Hier gibt es keine eingeteilten Stellplätze, keinen Stromanschluß, Duschen, WC. Blumsklos (sehr, sehr sauber), Firepits und Handwasserpumpe, das finden wir vor. (Übrigens schwärmt Bernd heute noch von diesem Campingplatz und will, wenn wieder, öfter solche aufsuchen - nicht nur, weil sie nichts kosten.
Heute Abend spielt das Wetter nicht so mit, Leichter Regen und Sonne wechseln sich ab.
Auch die Mückenplage ist schlimm. Also liegen wir um 20:30 h alle im Bett.

05.08.
Morgens um 08:00 Uhr verlassen wir den Wilderness Campground. Von nun an liegen 180 km Schotterpiste oft von Wasserrinnen durchquert und mit Schlaglöchern übersäht vor uns. Diese Straße ist im Winter geschlossen. Im Sommer ist sie bei Trockenheit sehr staubig, hat es geregnet, ist sie schmierig und gefährlich. Bei entgegenkommenden Verkehr fliegen kleine Steinchen durch die Luft. Oftmals gehen Windschutzscheiben und Scheinwerfergläser zu bruch.
Am Horizont schneebedeckte Berggipfel der Alaska Range vor uns, ansonsten hügeliges Busch- und Grasland. Einzelne Flüsse und Bäche durchziehen das weite, offene Land.
Als wir uns langsam an die Protestgeräusche unseres Wohnmobils gewohnt haben, taucht im kniehohen Buschwerk neben uns eine Elchkuh auf und läuft etwa 30 m neben uns eine Weile mit. Erst an einem Bach mit höherem Gebüsch verschwindet sie. Ein Stück weiter, an einem kleinen See sitzt ein Weißkopfadler (Bald Eagle) auf einem dünnen Baumstumpf und vertilgt sein Frühstück. Er läßt sich nicht dabei stören, selbst als wir bis ca. 50 m herangehen, um zu filmen und fotografieren.
Etwas später sehen wir in einer Senke einen kapitalen Cariboobullen. Dann ist es erst mal vorbei mit der Tierwelt. Aber für das Auge bietet die Landschaft um uns herum weitere Genüsse, wenn auch die Aufmerksamkeit des jeweiligen Fahrers für die Straße gefragt ist. Irgendwann huscht noch ein Stacheltier (Orcupine) vor uns über die Straße, dann benötigt eine alaskanische Familie unsere Hilfe. Sie wollten mit ihrem Wohnmobil (ca. 9 m lang) auf eine kleine Anhöhe. Dabei mussten sie einen Graben durchqueren und haben natürlich das Vehikel hinten aufgesetzt. Ich warte bis meine Freunde zu uns aufgeschlossen haben, lege mich unter das Auto und hebe Stück für Stück die Achse hoch. Dabei wird Holz unter die Zwillingsreifen gegelegt. Als wir ihn fast frei haben, hält ein Trucker mit einem Tieflader, schaut kurz, hängt den Tieflader ab und zieht mit seiner Zugmaschine das Wohnmobil aus der misslichen Lage. Es ging nichts zu Bruch, da wir ja schon viel untergebaut hatten. Die Großfamilie, 4 Erwachsene - 3 Kinder, klatschen Beifall und bedanken sich 1000 mal. Mit "have a nice day" verabschieden wir uns.
Nun wechselt die Landschaft. Es geht bergauf und wir fahren durch kleinere Wäldchen. Neben, bzw. unter uns fließt der Nanana River und wir kommen wieder in "Zivilisation".
Kurz vor Cantwell endet auch die Schotterpiste und wir fahren auf Teerstraße weiter. Gott sei Dank haben alle 4 Fahrzeuge dies Tortur überstanden. Später stellt sich heraus, daß ein paar Gläser und Tassen in den Schränken die Rumpelei nicht überlebt haben.
Cantwell mit seine 150 Einwohnern ist der erste Ort nachdem wir den Campingplatz heute Morgen verlassen haben. Hier treffen wir auf einen deutschen Reisebus, einen Rotel-Bus aus Passau. Wir unterhalten uns ein wenig mit dem Fahrer und stellen fest, daß diese Art zu reisen für uns nichts ist. Die Schlafgelegenheiten in diesem Bus sehen wir als Kaninchenställe an. Aber, wem es Spaß macht -!? Warum nicht???
Wir kaufen noch ein, tanken und fahren dann zum Haupteingang des Denali Nationalparks.
Hier hole ich die schon im Frühjahr per Internet bestellten und bezahlten Tickets für uns ab.
Morgen früh wollen wir mit dem ersten Shuttle Bus um 05:30 h in den Park fahren. Die etwa 140 km lange Parkstraße ist bis auf 22 km am Anfang für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Die außerordentliche Fauna und Flora soll so wenig wie möglich gestört werden. Daher sorgt ein ausgeklügeltes System mit Shuttle Bussen, daß man diese subarktische Natur besuchen kann und die Möglichkeit hat, wilde Tiere aus nächster Nähe zu sehen. Man kann auch überall den Bus anhalten lassen und zu Fuß weiter wandern. Hat man keine Lust mehr, stoppt man einen nachfolgenden Bus und läßt sich mitnehmen. Man weiß also immer, wieviel Menschen im Park sind und begrenzt auch die Anzahl der Tagesbesucher. Daher meine Vorbestellung schon sehr früh. Wenn man an einem bestimmten Tag in der Hochsaison hinein will, muß man so verfahren. Wenn auch nicht ganz billig - in 2004 kostete das Ticket 23 US$ p.P., lohnt es sich immer.
Dann fahren wir 3,5 km weiter zum Denali Riverside Campground, den ich mit den Tickets zum Nationalpark für 2 Nächte vorausgebucht hatte. Hier schließen wir an und trinken gemeinsam Kaffee.
Wir stehen direkt am Steilhang des Nanana Rivers und schauen, bei herrlichem warmen Wetter dem Rafting auf dem Fluß zu. Ich bin froh, den Platz so früh gebucht zu haben, den er ist bald schon total voll. Nach den heutigen 234 km, davon 180 auf Schotterstraße liegen wir sehr früh im Bett, außerdem müssen wir morgen auch früh aufstehen
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06.08
Um 04:00 Uhr (!) heißt es für alle: "aufstehen". Kaffee wird gekocht, Brote für den Tag geschmiert (im Park gibt es keine Gastronomie), gefrühstückt, Rucksäcke gepackt usw. Mit meinem Wohnmobil fahren wir los und kommen um 05:15Uhr zum Parkoffice. Ein paar Autos stehen schon dort. Wir reihen uns in die Warteschlange des Shuttlebus ein. Die Fahrerin begrüßt alle sehr herzlich und gibt noch ein paar Verhaltensregeln für den Park und im Bus bekannt. Wir sind noch guter Hoffnung, was das Wetter anbelangt. Doch je weiter wir in den Park kommen desto mehr zieht es sich zu und die Wolken hängen sehr tief. Von der faszinierenden Bergwelt ist nichts zu sehen, außerdem ist es sehr kalt. Mir tut es für meine Freunde leid. Denn was hatte ich für grandioses Wetter, als ich das letzte mal hier war. Damals konnte ich den höchsten Berg Amerikas den Mt. McKinley (oder wie er heute wieder heißt: Denali = der Große) mit seinen 6.194 m fotografieren und filmen. Doch heute...
Einige Zwischenstopps, dann erreichen wir nach knapp 4 Std. den Fish Creek, unseren Wendepunkt. Ausgestiegen zum Wandern war keiner, das soll sich auch bei der Rückfahrt nicht ändern. Das Wetter wird noch schlechter, es regnet. Einige Cariboos, einen Wolf und die zotteligen weißen Gebirgsschafe, das war alles, was wir von der Tierwelt im Denali sahen. Damals kamen etliche Grizzlies und Elche noch dazu. Eigentlich sollte dieser Tag ein Höhepunkt unser Reise werden. Ich hatte soviel vom Denali geschwärmt und jetzt das - sprichwörtlich ins Wasser gefallen. Schade....
So waren wir auch wieder um 14:00 Uhr zurück.
Wir shoppten noch ein wenig in der nahegelegenen Feriensiedlung Rainbow Valley und fuhren zurück zum Campingplatz. Hier wurde dann abends gegrillt und wir saßen bis 23:30 Uhr zusammen. Bei mir war Frust...
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07.08.
Durch den Nanana Canyon verlassen wir um 08:00 Uhr den Campingplatz auf dem Parks Hwy. nach Süden. Links und rechts von uns ist Elchgebiet. Aber zu sehen ist nichts. Dafür viel Verkehr.
Am südlichen Ende des Nationalparks ist ein wunderschöner Rastplatz, von dem man den Denali bei klarer Sicht erspähen kann. Obwohl es heute wieder sehr warm ist und die Sonne scheint, sind die Berge wolkenverhangen.
Oftmals fahren wir an der Alaska Pipeline entlang, die hier parallel zum Hwy. verläuft. Auch die Berge legen mehr und mehr ihren "Schal und Hut" ab. Sie Sonne steht in vollem Glanz am Himmel. Warum ausgerechnet gestern so ein Mistwetter???
Eigentlich hatte ich vor, in Houston auf dem Campingplatz zu bleiben. Nach einer Befragung aller entschließen wir uns weiter zu fahren bis Wassilla. Hier kaufen wir ein und fahren weiter südlich zum Big Baer Campground. Nach 330 km finden wir den Platz, der sehr ruhig liegt, und er bietet uns das wunderschöne Gebirgspanorama der vor uns in der Sonne liegenden schnee- und gletscherbedeckten Matanuska Berge. Meine Stimmung wird wieder besser.

08.08.
Herrlich sehen die Berge auch in der Frühsonne aus.
Bei dichtem Verkehr fahren wir durch Anchorage. Aber heute wollen wir nur durchfahren ohne anzuhalten. Wir kommen mit unserer Kolonne reibungslos durch und biegen auf den Seward Hwy. ab. Dieser Hwy. verbindet Anchorage mit der Kenai Halbinsel und endet in Seward, einem kleinen Hafenstädtchen. Die Straße gilt als eine der szenenreichsten in Alaska. Statistisch gesehen sind die ersten 80 km südlich von Anchorage die unfall-trächtigsten in Alaska. Das kommt daher, daß man geneigt ist, den Blick von der Straße zu nehmen, um auf die Naturschönheiten links und rechts zu schauen.
Wir kommen an den Turnagain Arm. Am Beluga Point halten wir an. Mit etwas Glück kann man hier Belugawale beobachten. Wir haben das Glück heute nicht, sehen aber gegenüber 2 Weißkopfadler an ihrem Horst. Eine weitere Besonderheit ist auch der Gezeitenwechsel hier am Turnagain Arm. Der Wasserpegel steigt gegenüber Ebbe ca 10 m höher. Aber so lange wollen wir nicht bleiben.
Wir verlassen den Fjord und kommen in die Berge der Kenai Halbinsel. Dann kommen wir an den Platz, wo früher die kleine Gemeinde Girdwood stand. Den Ort gibt es noch, jedoch an anderer Stelle. Dafür sorgte die Erdbebenkatastrophe vom Karfreitag 1964, als der Boden teilweise bis 4 m absank und so große Flächen mit Meerwasser überspült wurden.
Am Abzweig zum Portage Glacier ist ein wunderbarer Wildpark, wo kranke oder verwaiste Tiere gepflegt, bzw. aufgezogen werden. Diesem Park statten wir einen Besuch ab und sehen Grizzly, Schwarzbär, Elch, Wapiti und, und, und... aus nächster Nähe und erfahren viel über das Schicksal der dort untergebrachten Tiere.
Nun geht es bergauf und wir kommen vorbei an herrlichen alpinen Wiesen, umrahmt von Tannen, Buchen, Espen und Birken. Wir durchqueren die Kenai Mountain Range, an deren Hängen eine Unzahl von kleinen Wasserfällen zu sehen ist. Heute bei strahlendem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel eine grandiose Bergwelt. Man könnte alle paar Meter anhalten und fotografieren und filmen!
Schließlich kommt der wunderbar gelegene Summit Lake mit seiner Lodge, wo wir anhalten. Aber der Betrieb heute hier ist zu arg, etliche Tourbusse mit asiatischen Touristen stehen hier. Hier Blider zu machen ist fast unmöglich - also weiter.
Die kleine Ortschaft Moose Pass (sie wirbt mit dem Slogan: falls deine Axt geschärft werden muß, lass es in diesem friedvollen Ort machen!) mit seinen 150 Einw. wird passiert und wir fahren weiter durch fantastische Natur.
7 km vor Seward führt eine Stichstraße zum 14 km entfernt liegenden Exit Glacier. Dieser Gletscher ist einer der 34, die zum 780 km² gro0en Harding Icefield gehören. Vom Parkplatz aus kann man zu dem Eisgiganten laufen. Unterwegs stehen jeweils Tafeln mit Jahreszahlen, wo der Gletscher in dem betrefeffenden Jahr gestanden hat. So stellt man fest, daß er in den letzten 30 Jahren etwa 150 m zurückgegangen ist. Auch heute kommt uns durch die Hitze sehr viel Schmelwasser entgegen. Dadurch bilden sich natürlich jede Menge Rinnsale, die wir durchqueren müssen, wenn wir bis an die Gletscherwand wollen. Es ist schon ein herrlicher Anblick, wie alle barfuß durch das kalte Wasser kneippen.
Nach dem Besuch des Gletschers fahren wir die paar km bis in den malerischen Hafenort Seward. Hier geht es auf den Public Campground, wo wir die Gebühr in einen Briefumschlag stecken mit Angaben, wann Ankunft, wann Abfahrt und Kennzeichen des Fahrzeugs.
3.000 Einwohner sind hier zu Hause und alles dreht sich hier ums Angeln. Wir machen einen Spaziergang zum nahegelegenen kleinen Hafen und sehen, wie die gefangenen Lachse und Halibut ausgenommen und filetiert werden. Jedes Jahr ist hier ein Wettangeln. Der größte gefangene Lachs wird mit 10.000 US$ prämiert. Das bedeutet, daß dabei ca. 45.000 Pfund Lachs an Land gezogen werden, was hier niemanden großartig verwundert. Bei einem Halbut -Wettangeln machten sogar 14 Teinehmer einer Hochzeitsgesellschaft mit und zogen - auch das ist Rekord - siebzehn Heilbutte mit insgesamt 2500 Pfund an einem einzigen Tag aus dem Wasser.
Die Hafenstadt liegt an der Resurrection Bay, die den Namen vom späteren Gouverneur Alexander Baranof erhielt, der während einer Segelreise bei einem Sturm hier Schutz fand. Da es am Ostersonntag geschah, nannter er die Bucht Resurrection (=Aufer-stehung) Bay.
Um 18:00 Uhr machen wir alle eine 4 stündige Schifffahrt mit der "Star of the Northwest.“ Neben der überwältigenden Gletscher- und Bergwelt sehen wir Seelöwen, Robben, Seeotter, Puffins, Kormorane, Adler und auf Berghängen White Goats, die zotteligen Bergschafe. Allerdings nicht - wie vor Jahren - Orkas. Gegen 21:00 Uhr bietet die Natur ein anderes Schauspiel. Nebelschwaden ziehen auf, die sich ganz langsam über die Berghänge zu Tal wälzen. Es sieht aus , wie die Gischt eines Wasserfalles, nur in verlangsamter Zeitlupe.
Ein Essen mit Fleisch, Fisch (Salmon) und Gemüse war ebenso im Fahrpreis wie Kaffee und Kuchen bei der Rückfahrt.
Die Fahrt von Anchorage nach Seward, Seward selbst und die Schiffstour waren ein Highlight unserer gesamten Tour. Das war nach der Rückkehr jedenfalls von allen zu hören, und wir saßen bei Bier und Whiskey noch lange zusammen.

09.08.
Auf dem selben szenenreichen Weg den wir gestern gefahren sind, erreichen wir Anchorage. Heute haben wir nur ein paar mal angehalten, vor allem wenn Bergseen die umliegende Kulisse wiederspiegelten.
So kamen wir schon um 11:00 Uhr auf dem Ship Creek Landing Campground an. Hier begann auch die eigentliche Geschichte von Anchorage, als der damalige President W. Wilson in 1915 den Bau der alaskanischen Eisenbahn anordnete. Ship Creek Landing wurde als Hauptquartier bestimmt. Es entstand eine Zeltstadt am Ship Creek, die schnell auf 2.000 Bewohner anwuchs.
Am 09.07. 1915 wurden in einem festgelegten Gelände 600 Parzellen verkauft und es wurden feste Häuser errichtet. Anchorage war geboren. Durch den Bau der Eisenbahn, die Errichtung des Militärflughafens und Ankunft weiterer Armeetruppen wuchs die Stadt rasend schnell und konnte 1970 schon 184.775 Einw. zählen; heute sind es 275.000.
Wir gehen vom Campingplatz an den Bahnschienen entlang und kommen zu einer Ulu - Fabrik. Ulus sind Spezialmesser der Eskimos. Diese Fabrik sponsert einen alten Trolly, der uns in die Innenstadt von Anchorage bringt. Hier wird ein wenig Shopping gemacht, ehe wir zur Ulu-Fabrik zurückfahren. Nun werden ein paar dieser Ulus gekauft und wir gehen zum nahegelegenen Ship Creek, wo auf jedem Meter am Ufer oder im Wasser Angler stehen, die Lachse fangen. Ein unheimliches Schauspiel!
Zurück auf dem Campingplatz bemerken wir einen in Bremen zugelassenen zum Womo umfunktionierten Mercedes Lkw mit gepanzertem Militäraufbau (NVA), der auf Weltreise war. An der Außenwand hatte er seine Route (die geplante - die gefahrene)auf einer Weltkarte eingezeichnet. Wir Kerle unterhielten uns lange mit dem netten Herren aus Bremen - hochinteressant!!! Sein Motto ( er war so etwa 60 Jahre alt): "viele träumen und reden davon - die wenigsten machen es - irgendwann ist es zu spät" werde ich jedenfalls nicht mehr vergessen....
Unsere "Squaws" lagen derweil vorm Wohnmobil in der Sonne - sie wollten braun werden?!
Relativ früh - gegen 21:00 Uhr war heute jeder in seinem Wohnmobil verschwunden. Wir wollten am anderen Tag tanken und früh losfahren.

10.08.
Dennoch verlassen wir Anchorage erst um 09:00 Uhr. Manchmal ist der eben der Geist stark und das Fleisch schwach.
Die früh schon hochstehende Sonne und der strahlend blaue Himmel verheißen uns wieder einen wunderschönen Tag. Wir wollen heute 350 km bis zum Tolsona Wilderness Campground (für mich einer der schönsten in Alaska) kurz vor Glenallen fahren. Dazu biegen wir kurz vor Wassilla auf den Glen Hwy. nach rechts ab. Bald kommen wir an das Randgebiet der kleinen Stadt Palmer im Matanuska Valley. Hier wurden 1935 in einer einmaligen Aktion unter President Roosevelt 203 Siedlerfamilen - meist skandinavischer Herkunft - aus Michigan, Wisconsin und Minnesota umgesiedelt. Sie sollten das Land für Acker-und Gemüsebau urbar machen. Heute enden noch viele Namen der Bewohner auf ...son, was die skandinavische Herkunft unterstreicht.Palmer (4.100 Einw.) ist der einzigste Ort in Alaska, der ausschließlich von der Agrarwirtschaft lebt.
Danach geht's stetig bergauf. Unter uns fließt parallel der Straße der Matanuska River der einem weiten Tal im breiten, teils trockenem Flußnett seinen Weg sucht. Dahinter sind die gletscherbedeckten Gipfel der Chugach Mountain. Ständig haben wir Steigungen zu befahren, um dann wieder in Täler einzutauchen. Gegenüber der Zunge des Matanuska Glaciers machen wir auf einer Anhöhe auf einem Rastplatz unsere Mittagspause.
Nun wechselt die Landschaft wieder. Wir fahren durch Wälder mit kleineren und größeren Seen. Siedlungen gibt es gar keine. Lediglich ein paar einzelne Häuser sind zu sehen. Meist wohnen hier Athabasca Indianer vom Stamm der Chikaloon, die auch der Gegend den Namen gaben.
Auf dem wunderschönen, an einem Bach im Wald gelegenen Tolsona Wilderness Campground checken wir ein. Schon bald brennt unser Lagerfeuer und abends sitzen wir wieder bei Steaks und diversen Getränken am Feuer. Es ist lange sehr warm und hell - auch ohne das Feuer

11.08.
Schon um 07:00 Uhr rollen wir wieder auf den Glen Hwy. Noch 22 km sind es bis zum nächsten Ort Glenallen. Dabei nähern wir uns immer mehr den Wrangell Mountains. In Glenallen (1.000 Einw.) fahren wir auf den Tok Cut Off Hwy.der uns nach Norden führt. Auch hier halten uns meilenlange Baustellen auf.
Wir erreichen ein paar kleine Siedlungen und schließlich sind wir um 11.00 Uhr in Tok, wo wir zu Beginn unserer Alaskareise schon mal waren. Beim Tanken beschließen wir weiter bis Dawson City zu fahren. Da liegt zwar ein weiter Weg noch vor uns - es ist aber noch früh am Tag. An einem Würstchenstand essen wir eine Cariboo Bratwurst (sehr lecker!), dann fahren wir 11 km aus Tok heraus auf den Taylor Hwy. Jetzt geht es steil bergauf. Heute ist dieser Hwy. zu 75% (bis zum Fork Creek) geteert; bei meiner letzten Reise begann hinter der Steigung schon die Schotterpiste. Wir klettern bis auf 1.700 m m am Mt. Fairplay hoch und haben eine herrliche Aussicht auf die Bergkette der Alaska
Range. Doch mit der guten Aussicht soll es sich bald ändern. Dichter Dunst liegt über der Gegend um uns und die Sonne kann nicht durch die Dunstglocke scheinen. Außerdem riecht es verbrannt.
Als wir in den kleinen Ort Chicken kommen, erfahren wir, daß bei Eagle weiter nördlich große Waldbrände sind. Der Wind kommt aus der Richtung, daher der Dunst. Aber nun zu Chicken: ganze 40 Einw. zählt das Kaff - und das auch nur im Sommer. Aber sie begrüßen ihre Gäste mit einem Schild: "Welcome in Beautiful Downtown Chicken"!
Schon 1886, zehn Jahre vor dem Klondike -Goldrausch wurde hier Gold gefunden. Damals nannten die Goldsucher ihr Dörfchen Ptarmigan, was Schneehuhn bedeutet. Diese Schneehühner gab es sehr oft in der Gegend und waren die Hauptnahrung der Miner. Da aber die Goldschürfer nicht so recht wußten, wie man es schreibt, nannten sie es kurz und bündig "Chicken".
Wir machen auch einen Stopp und gehen nach "Downtown" Chicken. Es besteht aus vier anaeinandergereihten Hütten.Ein Souvenierladen, ein Liquor Store, eine Bar und ein Restaurant. In puncto Sauberkeit sollte man hier nicht so empfindlich sein. Die Toilette besteht aus 4 "Donnerbalken". In jeder der Holzkabinen sind je 2 für Männlein und Weiblein. Die sind natürlich nebeneinander, damit es auf dem Örtchen nicht so langweilig wird! Dennoch herrscht hier reger Betrieb. Für Reisende ist es ein Muß hier anzuhalten.
Kurz hinter Chicken wird die Straßenbeschaffenheit schlechter. Die Straße wird enger und holpriger. Wieder schüttelt sich unser Wohnmobil und protestiert laut. Am Wade Creek liegt eine alte, velassene Dredge (Goldschürfmaschine) aus dem Jahr 1934. Sie rostet still vor sich hin. Wir bleiben stehen und machen uns Gedanken darüber unter welchen Bedingungen die Menschen damals das Material hierhergebracht haben. Da gab es noch nicht die Transportmittel und Straßen wie heute. Die Gedanken verstärken sich noch, als wir die schweren Umlenkrollen und Zahnräder im Innern der Dredge sehen.
Dann erreichen wir die Abzweigung nach Eagle. Wir kommen jetzt auf den Top of the World Highway in Richtung Dawson City. Bald schon macht der Hwy. seinem Namen alle Ehre. Wir erreichen die baumwuchsgrenze. Wenn nur der Dunst nicht wäre!!!
An Boundary, der letzten kleinen Siedlung mit Tankstelle erreichen wir die Grenzstation zwischen Alaska und Canada (Yukon). Eine sehr freundliche amerikanische Grenzbe-amtin fertigt uns ab indem sie ein paar Fragen stellt nach Waffen, in Alaska gekauften Zigaretten oder Alkohol, konntrolliert die Reisepässe. Als ich ihre Fragen verneine und sie darauf hinweise, daß die 3 Fahrzeuge hinter mir auch dazugehören und wir uns an der Reise erfreuen und deshalb keinen Alkohol trinken würden, können wir passieren, und sie wünscht uns weiterhin noch einen schönen Urlaub. Wenn die wüßte, wieviel Zigaretten und Whiskey wir dabei hatten!!- Glück gehabt. Von kanadischen Grenzbeamten war gar nichts zu sehen. 105 km sind es noch bis Dawson City.
Aber jetzt ist die Fahrbahn wieder geteert. Noch höher hinauf schlängelt sich der Top of the World Highway. Wir kommen durch die schroffen Felsengebilde des Castle Rock. Wenn nur die Sicht besser wäre!
Dann geht es lange Zeit bergab. Wir nähern uns dem Yukon und somit der alten Goldgräbermetropole Dawson City. 5 km vor Dawson hat man von einem Aussichtspunkt aus freie Sicht auf den Yukon River und die dahinterliegende Stadt mit dem Midnight Dome im Rücken.
Ein paar km und wir reihen uns in die Warteschlange zur Fähre ein. Ein Brücke wird nicht gebaut. So bringt uns die kostenlose Fähre über den Fluß. Etwa 10 Min. kämpft sie gegen die starke Strömung, dann haben wir unser Etappenziel nach 610 km (!) erreicht.
Dawson City war die erste Hauptstadt, nachdem in 1898 der Yukon eigenständiges Territorium wurde. Bedingt durch die günstigere Lage und besseren Verkehrsanbindungen wurde der Regierungssitz 1953 nach Whitehorse verlegt.
1960 wurde die Stadt zum "nationalen historischen Park" erklärt. Einige der alten Gebäude wurden nachgebaut, andere restauriert.
Am 16.08.1896 schürfen Skookum Jim und Dawson Charlie - zwei Indianer vom Tagish Stamm - mit ihrem amerikanischen Freund George Carmacks nch Gold. Sie hatten vorher schon Gold am Yukon gefunden, doch diesmal war es etwas besonderes: der Fundort sollte als das größte Goldvorkommen der Welt bekannt werden. Die Entdeckung geschah an einem Tag, die Auswirkungen sollten Jahre anhalten.
Die Nachricht über diesen Golfund verbreitete sich in Windeseile über die ganze Welt. Abenteurer setzten sich in Bewegung - einige wenige fanden ihr Glück, viele scheiter-ten.
Danach wuchs Dawson zunächst als morastiges Camp am Zusammenfluß von Klondike und Yukon stetig an. Innerhalb von 2 Jahren stieg die Einwohnerzahl auf über 30.000 an. Joe Ladue erkannte schnell die Marktlücke und erbaute ein Sägewerk und konstruierte Häuser. Das erste Wohnhaus stellte er am 01.09.1896 auf. Innerhalb von 6 Monaten hatte er über 500 Häuser errichtet. Ebenso verkaufte er die Baugrundstücke, die ersten für 5 - 300 US$, später für 400 US$.
Sehr schnell wurde Dawson die Stadt der sozialen Gegensätze. Während die einen schon zum Frühstück Kaviar und Hummer aßen, mußten andere mit altem Brot, Tee und Schmalz auskommen. Die einen hielten üppige Parties, während andere mit Skorbut, Syphilis, Typhus und anderen Krankheiten dahinsiechten. Es gab zwar viele Ärzte, doch für 200 US$ pro Arztbesuch konnten sich das nur wenige leisten.
Da die Häuser sehr schnell aufgebaut wurden, war Feuer die größte Gefahr., denn jegliche Art von Brandschutz wurde außer Acht gelassen. Die Stadt war gerade ein Jahr alt, als am 25.11.1897 in einem Saloon bei -25°C Außentemperaturen ein Feuer ausbrach. Eine Tänzerin hatte mit einer brennenden Lampe nach einer Rivalin geworfen. Der Saloon und die Oper wurden zerstört.
Ironischerweise war es die selbe Tänzerin, die am 18.10.1898 für ein erneutes Inferno sorgte. 2 Hotels, die Post und 22 Wohnhäuser brannten ab, weil die Frau eine brennende Kerze auf einem Holzklotz vergessen hatte.
Als am 13.06.1898 das eigenständige Yukon Territory gegründet war, kam ein Gerichtshof nach Dawson City. Die Stadt wurde "gesäubert". Eine Brandwehr bildete sich und es wurde ein Abwassersystem gebaut. Jetzt gab es auch Vorschriften über Trinkwassernutzung und Müllbeseitigung. Illegale Ansiedler mußten ihre Behausungen verlassen, Saloons , Theater und Geschäfte erhielten Lizenzen. Das Tragen von Handfeuerwaffen wurde verboten. Gerade als diese neuen Gesetze griffen, kam im Winter 1898 die Nachricht, daß in Nome ein großes Goldvorkommen sei. Viele verließen daraufhin über den zugefrorenen Yukon River die Stadt, andere warteten bis zum Frühjahr. Das war der Anfang vom Niedergang in Dawson City. Heute leben hier noch etwa 2.000 Menschen.
Wir fahren auf den Campingplatz in der Stadt und haben Glück, daß wir 4 Stellplätze für die nächsten 2 Nächte bekommen. Er ist zwar primitiv und teuer, aber dafür zentral gelegen.
Da wir heute doch viele km "geschrubbt" haben, wollen wir nichts mehr in Dawson unternehmen, sondern sitzen mit Traudel und Helmut aus der Steiermark bei Bier und österreichischem Obstler zusammen.
Ich habe Dawson City bewusst etwas mehr beschrieben. Noch heute geht ein unheimlicher Flair von dieser Stadt aus. Man fühlt sich zurückversetzt in die Zeit des Goldrausches. Dafür sorgen nicht nur die Häuser im damaligen Baustil und die Bretterbürgersteige (Boardwalks), sondern auch die Saloons und Diamant Tooth Gerties Gamble (Spiel)Hall.
Auch die Museen und das ehemalige Wohnhaus von Jack London sind sehenswert und strömen den Geist von damals aus.) Hier könnte man allein eine Woche bleiben.

12.08.
Während die anderen noch schlafen fahre ich um 08:30 Uhr los, um eine Werkstatt zu suchen, die an unseren 4 Wohnmobilen den Ölwechsel durchführt. Bei der ersten Werk-statt werde ich abgewimmelt, aber gegenüber die Esso Tankstelle erklärt sich bereit. Bei mir wird der Service sofort durchgeführt. Danach informiere ich die anderen, die mittlerweile "das Licht der Welt" erblickt haben. Recht schnell ist alles erledigt und wir fahren zum Bonanza Creek, etwa 4 km vor Dawson City. Wir sind dabei in den Goldfelder, wo am 16.08.1896 der Goldrausch begann. Noch heute wird hier nach Gold gesucht, nur mit anderen Geräten als damals. Die größte Maschine von damals, die Dredge No.4 liegt heute noch im Gelände. Das Ungetüm ist heute ein Museum. Im ganzen Gebiet um die Maschine herum liegt kein Stein mehr, wo er mal ursprünglich gelegen hat. Alles wurde umgewälzt auf der Suche nach Gold.
Anschließend fahren wir auf den Midnight Dome, den Berg an dessen Fuß Dawson City liegt. Normalerweise hat man von oben einen herrlichen Blick auf Dawson, die Mündung des Klondike in den Yukon River und das Bonanza Goldfeld. Aber heute nichts- nur dichter Dunst.Dieser hat sich noch mehr verdichtet und der gruch nach verbranntem Hlz ist noch intensiver geworden. Beim Anschließenden Rundgang und Shopping in Dawson erfahren wir, daß mittlerweile mehrere Brände im Yukon entfacht sind.
Abends gehen wir noch ein wenig durch Dawson und landen schließlich in einer Bar mit Live Musik. Manfred und Monika waren am Abend zuvor schon mal dort.Dort treffen wir auch vier deutsche und einen schweizer Zimmergesellen, die auf der Walz sind. Diesejungen Leute haben natürlich viel zu erzählen und wir "alten Böcke" beneiden sie . Nicht nur wegen des "gefragt seins" bei den weiblichen Besucherinnen der Bar - sie konnten sich vor Verehrerinnen kaum retten. Viel Bier, die Country Musik, Tanz brachten auch uns in gute Stimmung. Um 00:30 Uhr gings zurück in unsere Wohnmobile. Dawson City wird keiner von uns so schnell vergessen.
13.08.
Mit etwas dicken Köpfen fahren wir heute um 08:00 Uhr los. Wir fahren in Richtung Süden, überqueren den Klondike, an dem wir noch ein Stück entlang fahren. Viel zu sehen gibt es auf dieser Strecke nicht.
Nach 180 km kommen wir nach Pelly Crossing, ein Indianerdorf mit 400 Einw. vom Stamm der Selkirk. Hier sehen wir die Reste des verheerenden Waldbrandes von 1965. Am 12.06.1965 brach hier das Feuer aus und es konnte erst Ende Juli gelöscht werden, als bereits 325.000 Acker Wald verbrannt waren.
Bei Minto kommen wir wieder an den Yukon River. 25 km vor Carmacks halten wir auf einem Rastplatz oberhalb der Five Finger Rapids. Diese unscheinbar aussehende Stromschnelle war einst ein großes Hindernis der damaligen Goldsucher auf ihrem Weg nach Dawson und wurde manchem zum Verhängnis. Dann erreichen wir den Ort Carmacks, indem auch die meisten der 450 Einw. Indianer sind. Essind Tutchonen vom Stamm der Little Salmon. Benannt wurde der Ort nach George Carmacks, einem der 3 Goldschürfer von 1896, der später mit seiner Indianerfrau unweit der Five Finger Rapids gewohnt hat.
Am Ufer des Yukon machen wir unsere Mittagspause. Ursprünglich wollte ich hier übernachten und am nächsten Tag die 600 km bis Watson Lake durch pure Wildnis über den Campbell Hwy. fahren. Aber als ich erzählte, daß diese Straße eine teils sehr schlechte Schotterpiste ist, kam Protest auf. Von diesen Straßen hatten meine Freunde zunächst genug. Also umdisponieren - wir fahren über Whitehorse und bleiben dort heute Nacht auf dem Hi Country Campground, den wir ja bereits kennen.
Die Strecke führt uns vorbei an etlichen kleineren und größeren Seen. Gegen 15:00 Uhr kommen wir in Whitehorse an und suchen zunächst Fraserway, die Vermieterstation auf, wo der Kühlschrank von Bernd und Karola repariert wird. Der hatte schon einige Tage den Geist aufgegeben.
Dann fahren wir zum Campingplatz und liegen nach der gestrigen kurzen Nacht und den heutigen 540 km gegen 21:00 Uhr im Bett.

14.08.
Um 08:00 beginnt unsere Reise gen Süden. Diese Strecke bis Watson Lake sind wir bereits am 30./31.07. gefahren. Kurz vor Watson Lake geht nach rechts der Hwy. 37, der Cassiar Hwy. ab. Kurz vorher machen wir an der Tankstelle mit seinem großen Andenken-laden Halt.
Kurz nach dem Abbiegen auf den Cassiar Hwy. verlassen wir das Yukon Territory und kommen nach British Columbia. 720 km ist der Cassiar Hwy. bis Kitwanga im Süden lang und wurde erst 1970 fertiggestellt.
Durch einsame, aber wunderschöne Gegend bewegen wir uns gen Süden. Nach 100 km kommen wir nach Good Hope Lake, einer Indianersiedlung am gleichnamigen See mit 100 Einw. Weiter geht es durch szenenreiche Landschaft und wir erreichen Jade City, einen Ort mit 12 (!) Einw. Wir bewundern die großen Jadeblöcke, aus denen hier die verschiedensten Kunstfiguren hergestellt werden.
Schließlich erreichen wir 68 km vor Dease Lake unser heutiges Etappenziel nach 561 km, den Moose Meadow Campground. Dieser Platz liegt mitten in der Wildnis und hat weder Strom- noch WQasseranschluß. Er liegt herrlich am Ufer des Dease River.
Abends sitzen wir noch lange am Lagerfeuer und genießen die Stille dieser hier so friedlichen Welt.

15.08.
Morgens weckt uns schon früh die aufgehende Sonne. Über dem See, auf dem einige Wasservögel ihre Runden drehen, steigen dünne Nebelschleier auf, die Berge haben z.T. einen weißen Schal bzw. Hut auf. Gegenüber schiebt ein Biber Astzweige im Wasser vor sich her und verschwindet in der Mündung eines Baches. Wie herrlich ist die Welt!!!!!
Doch wir müssen weiter. Wir fahren um 07:45 Uhr los.und kommen zunächst zügig voran.Kurz vor Iskut kommen wir in die erste Baustelle. Wartezeit! In Iskut (Indianerdorf 300 Einw.) tanken wir und wir kommen in die nächste Baustelle. Wieder 1/2 Std. Wartezeit. So geht es auf den nächsten 50 km weiter. Wir kommen kaum voran.
Unterwegs sehen wir noch eine Elchkuh mit Kalb am Waldesrand, sonst ist heute an Viechern nichts zu sehen. Klar bei dem Betrieb und Radau der großen Lkw und Bulldozzer.
Gegessen wird während der Fahrt. Wir haben durch die Baustellen viel Zeit verloren, wollen aber noch bis Hyder/Alaska. Nach wie vor ist die landschaft faszinierend. Hell leuchten die Gletscher der Coast Mountains vor uns. Doch kurz danach kommen wir zu allem Pberfluß auch noch in ein Gewittergebiet. Hinter Meziaden Junction, wo wir Richtung Stewart/Hyder abbiegen, wird es Gott sei Dank wieder klarer und die Sonne kommt durch.
Am Parkplatz des Bear Glaciers machen wir halt. Die Zunge des Gletschers reicht bis in den vor uns liegenden See, auf dem auch einige Eisbrocken schwimmen. Um uns herum stürzen etliche Wasserfälle von den hohen Felswänden. Die Fotoapparate sind ständig am klicken.
Nach 35 km erreichen wir Stewart. Dieser Ort hat etwa 1.000 Einw. und liegt am 145 km langen Fjord Portland Canal. Dieser Fjord bildet auch die natürliche Grenze zwischen Canada und Alaska.
3,5 km hinter Stewart erreichen wir den Grenzübergang und sind in Hyder/Alska. Hier müssen wir auch die Uhr wieder eine Stunde zurückstellen. Wir sind in der "freund-lichsten Geisterstadt Alaskas", wie sie sich selbst mit ihren 100 Einw. nennt.Hyde


Canadafan

   

Canada - Alaska - Reise (Fortsetzung)

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