RE: Dänemark 2008

#1 von Tenere ( gelöscht ) , 30.10.2008 15:51

Dänemark Reise 2008

26.09.08
Direkt mit dem Beginn der Ferien geht es das erste Mal mit unserem neuen Troll auf große Fahrt. Die Reise soll uns nach Dänemark führen. Tatsächlich schaffen wir es Münster schon um 14:00 Uhr zu verlassen, Rekord. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass Elina noch in der Schule war und ich noch arbeiten musste. Unsere Überlegungen, dass an diesem Freitag, es ist immerhin auch Ferienbeginn im Rest von NRW, das Verkehrsaufkommen noch nicht so hoch ist, bewahrheitet sich. Ein Stau bleibt aber auch uns nicht erspart. Kurz hinter Hamburg reihen wir uns in den Stau der Urlauber ein, die in Richtung Rügen und deutsche Ostseeküste unterwegs sind. Kurze Zeit später wechseln die Massen auf die A20 und wir erreichen gegen 20:00 Uhr das Etappenziel Puttgarden. Da wir am nächsten Morgen eine frühe Fähre erwischen wollen, übernachten wir auf einem großen Parkplatz in der Nähe des Anlegers.

27.09.08
Nach einer ruhigen und kalten Nacht fahren wir um 08:20 auf die Fähre.
Der kaum vorhandene Seegang erfreut und erleichtert mich deutlich. Fähren sind einfach nichts für mich. Nach gemütlichen 45 Minuten haben wir wieder festen Boden unter den Rädern, verlassen Rodbyhavn über die Autobahn, um direkt an der nächsten Ausfahrt auf die 297 in Richtung Nykoebing zu wechseln. Nach einer kurzen Stadtrundfahrt geht es direkt weiter über die 271 nach Stubbekoeping. In Stubbekoeping wollen wir mit der historischen Fähre nach Nyby übersetzen. Leider fährt die Fähre nur in der Hauptsaison und die ist in Dänemark im Herbst schon vorbei. Diese Erkenntnis sollten wir bald noch öfter haben. Wir schlendern kurz durch den Ort und kaufen bei einem Bäcker dänische Süßstücke, die wir am Strand am Rande des Hafens genießen.



Da wir ja nun die Fähre nicht nutzen können, planen wir um und fahren über die beeindruckende Faro-Brücke: Die Brücke verbindet die Inseln Falster und Seeland.
Eigentlich sind es zwei Brücken, die jeweils auf der kleinen Insel Bogö enden bzw. beginnen.
Auf Bogö verlassen wir die E44 und fahren in Richtung Möns. Direkt an de Rampe der Brücke liegt ein Parkplatz von dem man einen herrlichen Blick auf die schöne Schrägseilbrücke hat. Ich klaue mal bei Wiki ein Bild.



Nun sind es nur noch ein paar Kilometer bis zu unserer ersten Station dem Campingplatz Monsklint. Der erste Eindruck der Insel Mön ist beeindruckend. Anders als erwartet ist die Insel nicht flach. Die Straße windet sich in vielen Kurven über Dutzende Hügel von denen man immer wieder einen anderen Blick genießt. Wir haben Glück. Die Sonne taucht die Felder und Wälder ständig in wechselnde Farben. Das glitzernde Meer tut so als wäre es nur
ein Steinwurf entfernt.



Schließlich erreichen wir den Campingplatz Monsklint. Der Platz erstreckt sich rechts und links der Straße zu den berühmten Klippen. Wir wählen den rechten Teil. Die Rezeption ist nicht besetzt aber wir werden per Aushang gebeten, uns einen Stellplatz zu suchen. Schnell ist dieser gefunden. Elina schießt den Strom an, Veronika kümmert sich um das Sonnensegel
und ich mache den Rest. Der Aufbau ist in 30 Minuten abgeschlossen. So macht Camping Spaß. Der Platz ist super. Einzelne Wiesen liegen auf unterschiedlichen Hügeln. Die Stellplätze sind, was ich mag, nicht parzelliert. Das ganze Gelände ist mit viel Liebe angelegt und sehr gepflegt. Ein großer Spielplatz gehört ebenso dazu wie ein kleines Bistro. Wir sind uns einig. Dieser Platz gehört zu den absolut Besten, die wir je besucht haben.

Nach einer kleinen Pause wollen wir aber schnell zu den viel gerühmten Kreidefelsen. Die Klippen bilden praktisch das Gegenstück zu den Kreidefelsen auf der Insel Rügen. Mit dem Auto fahren wir zu dem brandneuen ‚Geocenter‘, einer geologischen Ausstellung. Hier beginnen verschiedene Wanderungen entlang der Küste. Zuerst laufen wir oben am Rand der bis zu 130m hohen Klippen. Die Ostsee schimmert Türkis. Die Kreide leuchtet durch die Sonne angestrahlt mal strahlend weiß oder im Schatten gelblich. Elina und ich sind mutiger als Veronika und trauen uns nahe an die Kante, die nur hier und da von einem Zaun abgeschirmt wird. Nach einiger Zeit kommen wir an eine Treppe, die hinab an den Strand führt. Über 500 Stufen, selbst gezählt, geht es Meter für Meter nach unten. Die Anstrengung, ich laufe lieber bergan als bergab, wird mit einem spektakulären Blick belohnt. Am Strand entlang laufen wir wieder zurück zum Geocenter.





Mit Einbruch der Dämmerung sind wir wieder am Wohnwagen. Wir essen eine Kleinigkeit und fallen recht früh todmüde ins Bett. Mitten in der Nacht springt Elina wie ein kleiner Laubfrosch in unser Bett. An ihren Füßen merke ich, wie kalt es ist. Eng aneinander gekuschelt warte ich auf den Sonnenaufgang.

28.09.08

Der Morgen präsentiert sich wieder mit einem strahlend blauen Himmel. Heute wollen wir erneut zu den Kreidefelsen und das Schlösschen Liselund wartet auf unseren Besuch. Das Schloss Liselund hat eigentlich wenig mit einem Schloss zu tun. Die Anlage ist als Sommerhaus der Familie Calmettenborg gedacht und wurde nach der Dame des Hauses Elisabeth benannt. Der umliegende Park ist frei zugänglich. Stundenlang schlendern wir durch den riesigen Garten. Wir entdecken mal eine kleine Laube oder ein verwunschenes Haus und klauen ein paar Kastanien.






Mittags sind wir wieder am Wohni. Es ist so warm, dass wir den Mittagskaffee draußen genießen können. Später suchen wir am Strand noch ein paar Steine. Wir sind fast alleine, spielen mit dem Hund und bestaunen die großen Skandinavienfähren, die am Horizont entlang dampfen. Auf dem Rückweg stehen wir plötzlich inmitten einer Rebhuhn-Versammlung. Ein paar Hundert Tiere tummeln sich rechts und links der Straße. Mittendrin sind wir. Keine 10 Meter von uns entfernt, grasen friedlich ein paar Rehe. Wir sind wie vor den Kopf geschlagen und trauen unseren Augen nicht. Hier kann man wirklich noch von unberührter Natur sprechen. Zur Feier des Tages gönnen wir uns original dänische Hotdogs.



29.09.08

Es ist Montag. Ganz wie geplant packen wir unseren Krempel, zahlen für die zwei Nächte ca 55€ und verlassen die Insel Mön in Richtung Kopenhagen. Unterwegs machen wir in der Stadt Koge halt. Angeblich einer der schönsten Städte Dänemarks. Wir sind jedoch recht enttäuscht. Nach diesem Reinfall ist uns die Lust auf Städtetrips vergangen. Das immer schlechter werdende Wetter trägt seinen Teil bei. So beschließen wir den geplanten Oma-besuch vorzuziehen. Die Oma ist praktischerweise mit meiner Schwester nebst Familie in Gilleleije, die dort in einem Ferienhaus die Herbstferien verbringen. Auf dem Weg dorthin findet Veronika im dänischen Campingführer einen Platz in der Nähe des Hauses, der noch geöffnet hat. Wie gesagt lt. Campingführer, denn kaum sind wir in die Einfahrt des Platzes eingebogen, kommt uns ein Däne auf einem Rasentraktor entgegen und gibt uns wild gestikulierend zu verstehen, dass der Platz geschlossen ist. Leider ist der nächste mögliche Platz aber bestimmt 50 Kilometer entfernt. Wie stellen uns dumm und verstehen das dänisch englische Gemurmel nicht. Schlussendlich dürfen wir bleiben. Da wir die einzigen Gäste sind, kommen wir in den Genuss, jeden Abend ein anderes Familienbad benutzen zu können. Das nenne ich Luxus. Leider ist es aber sonst sehr einsam. Wäre die Familie nicht in der Nähe, wir wären sofort weitergefahren. Der Platz eignet sich allerdings gut um Kopenhagen besuchen und einige Sehenswürdigkeiten abzuklappern.
In der Nacht gibt es ein kräftiges Gewitter, das sich anscheinend fest vorgenommen hat, unseren kleinen Wohnwagen zu fluten. Leider hat es damit auch Erfolg. Denn je länger die Nacht dauert umso mehr schmiegt sich Veronika an mich. Ich freu mich über die Zuneigung. Doch später weiß ich auch, warum ich zu dieser Ehre kam. Durch die Dichtung des Heckfensters tropft es langsam aber stätig auf ihre Matratze. Die Nacht ist entsprechend früh vorbei.

30.09.08

Während die Familie das Frühstück vorbereitet, kümmere ich mich um das Fenster. Nachdem ich den Dreck aus den Dichtungen gekratzt habe, ist, Gott sei Dank, alles wieder dicht. Später treffen wir uns mit dem Rest der Familie und fahren nach Helsingor um dem berühmtesten Dänen aller Dänen unsere Aufwartung zu machen. Wir drei besichtigen gleich gerne alte Gemäuer und bald wandeln wir (wenn ein Behrendt überhaupt wandeln kann) durch die Festung Kronenburg. In den Katakomben des Schlosses wird es dann richtig spannend, wohnt hier unten doch der Beschützer aller Dänen, Holger Danske. Nach der Legende kehrte dieser unbesiegbare Krieger vom Heimweh geplagt von einem Feldzug nach Dänemark zurück und fiel dort in einen tiefen Schlaf. Sollte das dänische Königreich von einem Feind ernsthaft bedroht sein, dann wird Holger Danske wieder erwachen und in den Kampf ziehen. Als wir ihn besuchen, bleibt er sitzen, wir sind also keine ernsthafte Bedrohung für Dänemark.




Gerne wären wäre ich noch durch die Stadt gebummelt aber die Damen wollen noch ein anderes touristisches Highlight ansehen und so verlassen wir Helsingor, bei starkem Regen,
in südlicher Richtung. Kurze später darf ich das Haus bewundern in dem eine gewisse 'Karen Blixen' Bücher geschrieben hat. Jaja ich weiß, weltbekannte Bücher. Für mich ist das nichts. Lange müssen wir auf eine Führung durch das Anwesen warten. Ein blasser, zu dünner Student der sich bemüht extra leise zu sprechen, um der Würde des Hauses gerecht zu werden oder wie ich viel eher glaube besonders intellektuell zu tun, führt uns durch das Haus. Nach 10 Minuten ist Elina und mir langweilig. Wir beide haben, es ist inzwischen früher Nachmitttag, nur noch Hunger, und wenn wir Hunger haben, haben wir auch schlechte Laune. Schnell sind wir im Auto und düsen nach Gilleije um dort einen Haufen frischer Fischbrötchen einzuwerfen. Aus den Fischbrötchen sind dann doch große Burger geworden die wir mit Blick auf den Hafen und unter den Augen der hungrigen Möwen verspeisen




Als wir am Abend in den Troll verschwinden, trommelt schon wieder Regen auf das Dach. Langsam geht uns die Witterung auf den Geist und der leere Campingplatz drückt auch aufs Gemüt. Wir beratschlagen die Möglichkeiten und fassen den Beschluss am nächsten Tag nach Kopenhagen zu fahren, dann noch eine Nacht zu bleiben und am Donnerstag wieder Richtung Heimat zu schwenken. Veronika schlägt vor auf Fehmarn zu stoppen aber ich kann mich mit dem Gedanken nicht anfreunden. Zu Unrecht, wie ich später lerne.

01.10.08

Nach einem kurzen Frühstück waten wir durch die Pfützen zum Auto und machen uns auf den Weg nach Kopenhagen. Da ich große Städte eigentlich meist als zu hektisch empfinde, bin ich gespannt, was uns in Kopenhagen erwartet. Nach einer kurzen Anfahrt spuckt und das gut ausgebaute Autobahnsystem fast in der Innenstadt aus. Grundsätzlich ist Kopenhagen sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen aber wir wollen das Auto als Hundekörbchen nutzen, um Selma immer mal wieder ins Auto zu bringen. Schließlich wissen wir nicht, wie die junge Hündin auf eine Großstadt reagiert. Wir parken in einer Tiefgarage direkt an der Einkaufsstraße Ströget. Von hier beeilen wir uns zum Schloss Amalienborg zu kommen, denn um 12:00 ist dort die Wachablösung. Im Unterschied zu der Wachablösung in London ist die dänische Ausführung, sagen wir mal, lockerer. Es wird nicht geschrien und die Wachen, die übrigens auch Bärenfellmützen tragen, dürfen sich selbständig bewegen und freundlich gucken, wenn sie fotografiert werden. Nach diesem Schauspiel laufen wir zum alten Hafenbecken Nyhaven. Am Nyhaven reiht sich ein Restaurant an das Nächste. Hunderte von Tischen stehen auf dem Hafenkai. Im Sommer ist es hier bestimmt wunderbar. Wir haben aber etwas anderes im Sinn. Von hier starten nämlich auch Ausflugsschiffe, die ähnlich wie in Amsterdam, die Grachten und den Hafen Kopenhagens befahren. Wir bezahlen einen moderaten Preis und was uns besonders freut, ist das der Hund mit an Bord darf. Zunächst fahren wir durch den alten Militärhafen der inzwischen aber eine der begehrtesten Wohnadresse der Stadt ist.
Nach 15 mehr oder weniger langweiligen Minuten geht es zur kleinen Meerjungfrau. Warum diese mehr mickerige Dame das Wahrzeichen der Stadt ist, hat sich mir nicht erschlossen. Tatsache ist, so weit, wie sie außerhalb der Stadt versteckt ist, wird sie wohl noch länger Jungfrau bleiben. Ehe wir uns versehen, fährt das Schiffchen wieder in Richtung Ausgangsort. Nah ja, was haben wir auch für das Geld erwartet? Doch weit gefehlt, der Kapitän biegt erneut in eine Gracht ab und nun geht es erst richtig los. Wir werden an praktisch jeder Sehenswürdigkeit vorbeigefahren, die Kopenhagen zu bieten hat. Zum Beispiel die neue Oper (ein Geschenk der Maersk Reederei an die Stadt, immerhin 300 Millionen Euro teuer), die neue königliche Bibliothek, immer im Wechsel mit alten Gebäuden wie der alten Börse oder dem Theater. Wir sind begeistert. Selten habe ich eine Stadt erlebt, die mich so in ihren Bann gezogen hat wie Kopenhagen. Zum Abschluss besuchen wir noch, bei starkem Regen, das Nationalmuseum. Da Veronika leider mit Selma draußen warten muss, machen Elina und ich nur eine kleine Tour durch eine Ausstellung über die Inuit. Die schiere Masse der ausgestellten Dinge ist gigantisch.

Auf dem Rückweg zum Auto erwischt uns ein starker Regen. Nass und kaputt stehen wir schließlich vor dem ‚Betahlautomat‘ unseres Parkhauses. Während Veronika bezahlt, lade ich Kind und Hund ins Auto. Plötzlich gellt ein Schrei durch die Tiefgarage, der mir das Blut in den Adern gefrieren lässt. Veronika kommt blass zum Auto gelaufen und mit stammelnden Worten erklärt sie mir das Problem. Für gute 6 Stunden parken sollen wir stolze 35 € berappen. Was bleibt uns übrig, zähneknirschend bezahlen wir. In Zukunft werden wir die Preistafeln in Städten gründlich bzw. überhaupt lesen. Unser Campingwart, der übrigens für 24 Stunden auf seinem Platz 5 € weniger kassiert, erklärt uns das die Parkgebühren volle Absicht sind und das in Kopenhagen praktisch keine Möglichkeit existiert ein Auto günstiger abzustellen. Die Stadt möchte die Autos aus dem Stadtzentrum verbannen und plant eine Innenstadtmaut ähnlich wie in London einzuführen. Trotzdem der 35 € , Kopenhagen ist für uns eine der Top-Metropolen. Die Stadt kann mit ihren europäischen Schwestern locker mithalten. Für mich steht Kopenhagen auf Platz 1.

02.10.08

Die Nacht war, wenn erstaunt es, wieder durch heftigen Regen begleitet. Wir haben nun endgültig die Nasen voll. Genug ist genug. Schnell sind die Stützen hochgekurbelt und wir verlassen Nordseeland in südlicher Richtung. Kurz diskutieren wir die Möglichkeit über die Störebelt-Brücke an die Nordsee zu wechseln. Doch das ist uns dann doch zu weit. Nach ein paar Stunden stehen wir in Rödbyhavn in der Schlange der Fahrzeuge, die auf eine Fährüberfahrt warten. Der Sturm wackelt an unserem Auto und bei dem Gedanken an die zu erwartenden Wellen wird mir schon ganz komisch. Zu allem Überfluss wird eine kleinere Fähre aus dem Verkehr genommen. Unsere Wartezeit verlängert sich auf 2 Stunden. So ein Schiet. Die Überfahrt verläuft dann aber, Gott sei Dank, gänzlich unspektakulär.



Auf Fehmarn angekommen setzen sich die Mädels durch und wir suchen einen Campingplatz mit etwas Leben. Spontan fällt uns der Platz Wulfener Hals ein. Veronika kennt den Platz aus ihren aktiven Surferzeiten. So sind wir schnell einig und kurze Zeit später steht unser Troll, etwas einsam unter den vielen Möbelkoffern, auf seinem Stellplatz.
Bei unserer obligatorischen Platzrunde kann ich mir hier und da ein Schmunzeln nicht verkneifen. Wir können nur staunen was mancher Mitcamper so alles an Equipment auf seiner Parzelle aufbaut. Schnell biegen wir zum Strand ab. Hier bin ich das erste Mal positiv überrascht. Zwar gibt es hier leider einen Hundestrand aber anders als erwartet ist dieser Strand tatsächlich okay. Leider wird unser Ausflug durch, na was wohl, Regen beendet. Als Alternative schwingen wir uns ins Auto und erweitern entsprechend unseren Aktionsradius.
Mit jedem Kilometer, den wir von den touristischen Hochburgen entfernen, wird die Insel schöner. Der Regen wird immer heftiger und wird von Sturmböen über das Land gefegt. Wir schauen den überall aktiven Surfern und Kiten zu, die bei dem Wind die tollsten Sprünge wagen und wahnsinnige Geschwindigkeiten erreichen. Inzwischen sehe ich ein, dass ich für diesen Sport zu alt bin. Von Dorf zu Dorf geht die Fahrt. Überall gibt es Campingplätze. Vom einfachen Stellplatz, über Bauernhofcamping, bis zum 5 Sterne Luxusplatz ist alles vorhanden. Besonders gut gefallen uns die Plätze an der Nordküste. Teilweise liegen sie recht einsam oder gerade eben noch am Rand eines Dorfes. In einer Regenpause versuchen wir einen kleinen Spaziergang auf einem Deich. Kaum sind wir losgelaufen fängt es schon wieder an zu plästern. Durch den Wind kommt der Regen waagerecht über den Deich geweht.
Elina hat recht bald die Nase voll. An ihrer roten Nase und den leicht blauen Lippen kann man erkennen, wie kalt ihr sein muss. Wir beeilen uns zurück ins warme Auto zu gelangen.
30 Minuten später stehen wir in der Einkaufstraße von Burg, dem Hauptort der Insel. Nach den einsamen Stränden der Nordküste erleiden wir so etwas wie einen Kulturschock. Massen von Menschen schieben sich durch die Geschäfte. Es ist hektisch und laut. Ein Surfshop rettet uns aus dem Menschenstrom. Elina kriegt einen Schal, Handschuhe und ein Stirnband.

Da es wieder anfängt zu regnen, welche Überraschung, fahren wir zurück zum Wohnwagen, schmeißen die Truma an und dann kommt das, was meine Tochter einen gemütlichen Abend nennt. Wir legen einen Kinderfilm in den Laptop, kuscheln uns ins Bett und lachen gemeinsam über den wirklich netten Film. In der Nacht lässt der Wind nach.

03.10.08

Der Tag der Deutschen Einheit beginnt erstaunlicherweise mit Sonnenschein und strahlend blauen Himmel. Kurz nach dem Aufstehen sind wir schon am Wasser und machen eine Wanderung in Richtung Fehmarnsund-Brücke. Unterwegs essen wir ein Eis und quasseln über Gott und die Welt. Auf dem Rückweg wird der Himmel dunkler uns zum ich weiß nicht wievielten Mal kriegen wir den Hintern richtig nass.
Abends steht dann noch ein richtiges Highlight auf dem Programm. Der Campingplatz Wulfener Hals feiert ein Oktoberfest. Da müssen wir natürlich hin. Die Platzmitarbeiter laufen alle im Dirndl bzw. Lederhose rum, es gibt echtes bayrisches Bier, gebratene Hühner und Schweinshaxe. Nach 2 Bieren sind wir wieder verschwunden.

04.10.08

Samstag ist Abreisetag, zumindest für viele unserer Mitcamper. Wir bleiben noch eine weitere Nacht. Den Tag verbummeln wir am Strand, fahren erneut nach Burg (war beim zweiten Mal gar nicht mehr schlimm), besuchen den Hafen und essen endlich ein paar Fischbrötchen.
Die Surfer und Kitern düsen wieder über das Wasser und ich erwische mich erneut bei dem Wunsch es ihnen nachzutun. Da es empfindlich kälter geworden ist, sind wir wieder früh in der heimeligen Gemütlichkeit des Trolls. Wir spielen eine Runde ‚Blockade‘, ein Brettspiel ähnlich wie Mensch-ärgere-dich-nicht, für uns das ultimative Campingspiel.



05.10.08

Bei strömenden Regen werden wir durch das Gekreische einer Kettensäge geweckt. Der nächtliche Sturm war wohl doch stärker als gedacht. Der Platz ist leicht in Mitleidenschaft gezogen worden. Hier und da hat es einen Baum erwischt. Ob die Brücke, die bei starkem Wind gesperrt wird, wohl noch geöffnet ist? An der Rezeption ist man auf solche Fragen aufgeschreckter Touristen bestens vorbereitet. Ja die Brücke ist noch auf, erfahre ich aber in geschätzten 2 Stunden wäre der Wind so weit auf West umgesprungen, dass ein Passieren des Sunds mit dem Wohnwagen unmöglich werden würde. Okay, dann mal los. Die Mädchen machen während sie den Verkehrsfunk hören den Troll innen reisefertig, während ich mich um den Rest kümmere. Kurze Zeit später fahren wir auf die Brücke. Der Wind kommt leicht von der Seite. Trotzdem kann ich deutlich spüren, mit welcher Wucht die Böen auf uns losgehen. Ein vor uns mit ca. 30km/h fahrendes Wohnmobil wird arg durchgeschüttelt.
Erst kurz vor Hamburg lässt der Sturm nach. Dafür kommt es aber zu einem anderen Sturm. Die Rückreisewelle des langen Wochenendes sorgt hinter Hamburg für einen 40-km-Stau!
Was tun sprach Zeus. Kurzentschlossen verlassen wir an der nächsten Abfahrt die Autobahn und folgen den berühmten orangen Pfeilen bis Osnabrück. Von dort schleichen wir uns über kleine Landstraßen nach Hause.


Fazit

Alles in allem waren wir nur eine Woche unterwegs. Uns kam es deutlich länger vor. Der Troll hat uns überzeugt. Wir konnten in die kleinsten Straßen fahren und mitten in den Städten parken. Dänemark hat uns als Reiseland überzeugt. Auch wenn in der Nachsaison
etwas schwierig ist einen geöffneten Campingplatz zu finden. Nach diversen Urlauben in Ferienhäusern an der Nord- und Ostseeküste ist mein Favorit für die schönste Ecke Dänemarks mit Abstand die Insel Mön. Intakte Natur, die beeindruckenden Kreidefelsen, nette Dörfer und Menschen. Die Region Seeland bietet jede Menge Sehenswürdigkeiten und natürlich eine der angenehmsten Großstädte Europas Kopenhagen. Die Ferienregion Gilleleije hat uns nicht so gut gefallen. Der Weg zum Strand wird oft durch die vielen Ferienhäuser der Kopenhagener verhindert. Die Häuser oder besser die Villen verstecken sich hinter hohen Mauern oder Zäunen. Man fährt kilometerlang an diesen Wänden vorbei. Wer sich aber für diese Art der Grundstücksbegrenzungen interessiert ist dort genau richtig.

Fehmarn ist einer dieser Orte dessen Schönheit sich für mich erst auf den zweiten Blick erschlossen hat. Hier kann man alles haben. Trubel, Animation wie aber auch Ruhe an fast menschenleeren Stränden. Es hat uns so gut gefallen, dass wir uns einen Osterurlaub auf Fehmarn gut vorstellen können.

Eine Erkenntnis hat uns aber doch sehr überrascht. Das so weit entfernt geglaubte Skandinavien ist für uns praktisch um die Ecke. Kopenhagen liegt näher an Münster als München. Schweden folglich viel näher als Italien. Auf die Reisemöglichkeiten der Süddeutschen war ich bisher immer etwas neidisch. Nun wo ich weiß, wie schnell wir im Norden sind, hat sich dieser Neid ein wenig gelegt.

Die Behrendts

P.S. Ich habe dieses beknackte gestrichene O nicht auf meiner Tastatur gefunden. Ein schönes rundes Ö tuts auch.

Tenere

RE: Dänemark 2008

#2 von Susanne , 30.10.2008 16:16

hallo ulf,

schöner bericht, mön liebe ich und kopenhagen mag ich sehr, wenn es von uns aus nur nicht so weit wäre :/

 
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RE: Dänemark 2008

#3 von sunshine , 30.10.2008 16:27

Hallo Ulf,
Danke für den schönen Bericht und die tollen Fotos.
Ein bisschen weniger Regen hättet ihr euch sicher gewünscht.

Ich glaube, du mutierst so langsam zu einem richtigen Trollfahrer - zuerst dachte ich tatsächlich, du bist mit dem Troll in die Tiefgarage gefahren
- dann wäre der Preis ja noch einigermaßen gegangen...

Ich vermute, Elina ist besser im "Blockade" Spielen als du - zumindest dem Gesichtsausdruck nach zu beurteilen...

 
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RE: Dänemark 2008

#4 von wollfröschin ( gelöscht ) , 30.10.2008 16:36

Hallo Ulf,
sehr schöner Bericht mit schönen Bildern...
Wenn Martin dann irgendwann mal auch 365 Brückentage im Jahr hat, dann werde ich ihn mal überreden mit dem Boot da hoch zu tuckern... nur sollten wir bis dahin ein Boot haben was auch auf der See fahren kann, mit unserem Wollfrosch wäre das leider nicht möglich...
Dänemark ist ein schönes Land... aber meine Lieblingsinsel ist und bleibt Fanö... da habe ich die meisten Urlaube in der Kindheit verbracht.

Grüße us Kölle von der Fröschin

wollfröschin

RE: Dänemark 2008

#5 von Winni , 30.10.2008 16:37

die muss auch kein Paulaner trinken

 
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RE: Dänemark 2008

#6 von ~Egg*Florentine~ ( gelöscht ) , 30.10.2008 19:04

Hey Ulf, toller Bericht...!!
Eigentlich bin ich zur Zeit wieder sehr lesefaul, aber einmal angefangen liest sich dein bericht wirklich schön...

Dennoch sollte ich das berichtelesen in Zukunft lassen... da bekomme ich immer Fernweh

Das mit dem Regen ist schade, war bei uns, soweit ich mich erinnere aber nicht wirklich anders in Dänemark...!!
Na ja gut, ich war 5... aber an ein Bild meiner Patentante kann ich mich sehr gut erinnern... im Regen, mit Schirm, worauf ganz fett "Sauwetter" stand... Ihr Gesichtsausdruck bestätigt diese Aussage...

~Egg*Florentine~

RE: Dänemark 2008

#7 von Winni , 30.10.2008 19:44

dann fahrt mal in die Jammerbucht, dien heisst so, weil dort der Wind nette Geräusche macht. Ist eine der sonnenreichsten Gebiete Europas, allerdings auch immer sehr windig....da staunt der Südlandfahrer...

 
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RE: Dänemark 2008

#8 von Rolf ( gelöscht ) , 30.10.2008 20:15

Hallo Ulf,

danke für deinen schönen Bericht. Nur wenn ich lese, welches Wetter ihr hattet , bin ich doppelt froh, zur gleichen Zeit wieder in unserer geliebten Prvence (hallo Iris! ) bei (spät)sommerlichem Wetter gewesen zu sein.

Gruß
Rolf

Rolf

RE: Dänemark 2008

#9 von sunshine , 30.10.2008 20:18

Bin schon da.
Und wooo ist der Reisebericht???

 
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RE: Dänemark 2008

#10 von sebbarca , 30.10.2008 20:31

... ja es hat alles so seine Vor- und Nachteile. Nach über einem Jahr hier in Spanien kommt bei solch schönen Reiseberichten (der Regen betrifft uns beim Lesen im Zimmer nicht so sehr) schon mal ein weng Sehnsucht nach Nordeuropa auf. Ist schon weit weg von hier. Kopenhagen kenne ich ein wenig, hatte dort früher öfter mal beruflich zu tun. Ist wirklich eine schöne Stadt.
Es hat mir sehr viel Freude gemacht diesen Bericht zu lesen.

Hasta luego!
Klaus

 
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RE: Dänemark 2008

#11 von Rolf ( gelöscht ) , 30.10.2008 20:39

Hallo Iris!

Ist natürlich unter dem gegebenen Thema völlig OT, will aber trotzdem hier antworten:
Wir sind in den letzten 20 Jahren mindestens 8-, vielleicht auch 10-mal in St.-Remy-de-Provence gewesen. Im Lauf der Jahre haben wir so Vieles angeschaut, dass wir es genießen, nichts mehr besichtigen zu müssen, sondern dort wirklich zu entspannen. In der Sonne sitzen, Gott einen lieben Mann sein lassen, durchs Städtchen zu bummeln, wenns uns überkommt irgendwo hin fahren, irgendwo anzuhalten, dort zu spazieren und einfach zu genießen. Für uns der Himmel auf Erden, aber für einen Reisebericht nicht wirklich spannend.

Gruß
Rolf

Rolf

RE: Dänemark 2008

#12 von r.fuller ( gelöscht ) , 30.10.2008 20:49

Danke, ein schöner Bericht.

Da ich viele der Orte schon vor langer Zeit bereist habe, und auch immer mal wieder, 1976 habe ich noch im VW-Bus Mitten in Kopenhagen geschlafen, habe ich mich über den Bericht sehr gefreut.

Ich habe mir auch extra ein paar ruhige Minuten genommen, damit ich auch zwischen den Zeilen lesen konnte.

Ein paar TROLLBILDER habe ich aber doch vermisst.

Vielen Dank!

r.fuller

RE: Dänemark 2008

#13 von sunshine , 30.10.2008 20:50

Na gut, Rolf, dann verzeihe ich dir das...

@ Ulf: Hast du wenigstens Elina das Andersen Märchen von der kleinen Meerjungfrau vorgelesen, als ihr in Kopenhagen wart?
Das war früher immer mein Lieblingsmärchen.

 
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RE: Dänemark 2008

#14 von Tenere ( gelöscht ) , 30.10.2008 20:57

Ich hab versucht ihr Andersen vorzulesen kurz nachdem wir das Schloss Gravenstein, Andersen hat dort ein Märchen geschrieben, besichtigt haben. Irgendwie findet sie keinen Zugang.

Ulf

Tenere

RE: Dänemark 2008

#15 von Pappabaer , 30.10.2008 22:39

Hallo Ulf,

tolle Reise....kann ich z.T. nach voll ziehen...Fehmarn ist einfach geil...ich glaube es gibt kaum eine Strasse die wir da noch nicht befahren haben....und wir werden auch wieder mal hinfahren...allerdings nicht auf den Wulfener Hals...

 
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RE: Dänemark 2008

#16 von r.fuller ( gelöscht ) , 30.10.2008 22:55

Fehmarn ist eine schöne Insel,

aber verdammt spießig ,

r.fuller

RE: Dänemark 2008

#17 von wombiroo ( gelöscht ) , 30.10.2008 23:09

Schöne Reise, vor allem MönsKlint (remember 1979) und dann noch "Christiania" in Kopenhagen ... - haben wir damals per Radel gemacht von Berlin aus...

wombiroo

RE: Dänemark 2008

#18 von Killerdackel , 30.10.2008 23:12

Toller Bericht - fürn Dackel allerdings viiiiiel zu naß !

Wetter wär nix für bekennende SchönwetterCamper & Naturisten.

 
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RE: Dänemark 2008

#19 von Chap , 31.10.2008 09:08

Hallo Ulf,

toller Bericht, da bekomme ich sofort wieder Lust auf mein geliebtes Dänemark (wenn doch nur der Odin...).
Auch wir lieben die Insel Møn und haben auf unserer ersten Reise mit unserem alten Troll auf dem gleichen
CP gestanden.

@ Winni: Der Name Jammerbugt rührt nicht von den Windgeräuschen her, sondern von den vielen,
vielen Schiffsunglücken, die sich dort über die Jahrhunderte ereignet haben. (Klugscheißer-Modus aus)

Gruß Søren

 
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RE: Dänemark 2008

#20 von morgenröte , 31.10.2008 13:48

Hallo Ulf,

ihr habt viel gesehen trotz schlechten Wetters. Es freut mich, dass euch der neue Wohni gefällt.

Wenn es eisekalt ist, würde ich das Dach die Nacht runterziehen, nicht das nachher Tochter und Hund bei euch schlafen .

Gruß Andrea

 
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RE: Dänemark 2008

#21 von ben ( gelöscht ) , 31.10.2008 15:41

Hallo Tenere,

danke für den schönen Bericht. Hatte gar nicht gewusst, dass du so viele und lange Sätze schreiben kannst.

Gruß
ben

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