RE: Scottlandreise 2. Fortsetzung

#1 von Canadafan ( gelöscht ) , 27.03.2006 20:51

04.07.

Vom Campingplatz gehen wir zu Fuß ca. 1,5 km nach Stepps zum Bahnhof, wo wir die Tickets nach Glasgow lösen wollen. Eine nette Schottin bemerkt wohl unsere Unsicherheit dabei und berät und hilft uns dabei. Außerdem gibt sie uns noch ein paar gute Tipps für Glasgow mit auf den Weg.
Ein paar haltestationen und wir sind mitten in Glasgow. Da das Wetter vielversprechend aussieht (d.h. es regnet nicht) entschließen wir uns zu einer Sightseeing Tour , die direkt an der Queen Street Station, wo wir aus dem Zug ausgestiegen sind, beginnt. Schon bald sind wir von der viktorianischen Baukunst in der City beeindruckt. Hier tun sich besonders die Gebäude auf dem Universitäts-gelände hervor.
Von der hilfsbereiten Dame auf dem Bahnhof in Stepps hatten wir den Tipp erhalten unbedingt den „Barras“ im Glasgower East End zu besuchen.
Da man die Sightseeing Busse an jeder Station verlassen kann und mit einem der nächsten die Tour fortführen kann, steigen wir am Peoples Palace aus und gehen durch das große rote Tor auf den riesigen Markt, der sich über mehrere Straßen erstreckt. Hier herrscht ein volkstümliches Treiben. Marktschreier mit ihren Ständen, kleine Läden und Geschäfte – alle möglichen Eindrücke für Ohr, Auge und Nase – alles das wird uns hier vermittelt. Man hat den Eindruck vom rostigen Nagel bis zum Ziegenbock alles hier kaufen zu können. Der Hamburger Fischmarkt lässt grüssen!
Dann setzen wir unsere Tour fort. Beeindruckend ist für uns auch das Science Centre am River Clyde. Es beinhaltet u.a. ein IMAX Theater, die Science Mall und den über 100 m hohen Glasgow Tower, von dem man eine herrliche Aussicht auf Glasgow hat.
Zurück am George Square, dem Zentrum der Innenstadt halten wir uns noch etwas auf. Mitten auf dem Platz steht eine 25 m hohe Säule. Auf ihr steht nicht Georg III – wie man vermuten könnte – sondern Sir Walter Scott. Noch ein paar andere Denkmäler für Königin Victoria und Prinz Albert, James Watt und natürlich Robert Burns , James Watt u. a. befinden sich hier auf dem Platz, der am Spätnachmittag im warmen Sonnenschein liegt. Viele Straßenkünstler zeigen ihr Programm – von Langeweile also keine Rede.
Vom nahen Bahnhof fahren wir zurück nach Stepps zum Campingplatz. Glasgow war die Stipvisite wert!

05.07.

Über die M 80, dann A 82, verlassen wir Glasgow.Die Fahrt geht zunächst entlang des River Clyde. Doch hier sind die Eindrücke des gestrigen Tages in Glasgow nicht so schön. Schornsteine, riesige Lagerhallen und Mietskasernen begleiten uns bis nach Dumbarton mit seinem zwischen zwei Hügel eingepressten Castle.
Jetzt wird auch die Landschaft interessanter. Wir nähern uns einer der bekanntesten Ferienregionen Schottlands, dem Loch Lomond. Seit 2002 ist Loch Lomond der erste Nationalpark in Schottland und in den Ferien zieht es die Glasgower an die Ufer, wie die Berliner zum Wannsee. Mit 33 km Länge, bis 8 km Breite und 215 m Tiefe ist er der größte Binnesee von Großbritannien.
Am Westufer fahren wir entlang des Sees und passieren kleine Ortschaften und Bootsanlegestellen ehe wir nach Luss kommen. Diese Sommerfrische hat 200 Einw. und wird oftmals als schönstes an der Westküste gepriesen. Außerdem wurde hier die bei den Schotten beliebte Seifenoper „Take The High Road“ gedreht.
Wir stellen unser Womo auf dem großen Parkplatz ab und gehen in das kleine , verträumte Dörfchen. Nur schade – es regnet wieder. Durch enge Gassen gehen wir an schmucken, weiß getünchten Häuschen mit kleinen Läden vorbei – überwiegend Souvenierläden und Tea Shops. Die kleinen Gässchen, die malerischen Winkel und die verträumte Atmosphäre, trotz der vielen Besucher, machen Luss zu einem lohnenswerten Besuch. Wenn doch nur die Sonne scheinen würde!!!!!!
Weiter geht es auf der A 82 nach norden. Das nächste kleine Örtchen mit 100 Einw. ist Tarbet, was aus dem Gaäischen übersetzt „schleppen“ bedeutet. Hier legten früher die räuberischen Wikinger mit ihren Langbooten an, zogen sie auf Rollen über die schmalle Landenge, um dann ihre Plünderungen fortzusetzen.
Hier verlassen wir Loch Lomond und biegen auf die A 83 nach Westen ab. Neben uns erheben sich sanfte bewaldete Hügel. Dann geht es bergauf in den Argyll Forest. Auf dem 262 m hohen Pass „Rest and be Thankful“ mit seinem viel besuchten Parkplatz machen wir unsere Mittagspause. Unter uns sehen wir das enge Tal und rechts und links die bewaldeten Hügel. Dann erreichen wir die Nordspitze des Loch Fyne und schließlich Inveraray. Ganze 750 Einwohner hat der Ort, ist aber als Modellort aus dem 18. Jahrhundert sehr bekannt. Wir parken unser Womo an der Hauptstraße (eigentlich gibt es nur diese Straße) und sehen uns das Örtchen näher an. Die Klänge eines Dudelsackspielers, natürlich im Kilt, begleiten uns.
Die meisten der schwarz-weißen Häuschen rechts und links der High Street stehen unter Denkmalschutz. Ein Souvenierladen reiht sich an den anderen. Natürlich ist die
Attraktion von Inveraray das Castle mit seinen grau-grünen Spitztürmen. Aber als Kulturbanause interessiert mich was ganz anderes: The Historic Jail – das alte Gefängnis. Nachdem man 4,5 engl. Pfund p.P. Eintritt gezahlt hat, kommt man zunächst in das Gerichtsgebäude. Dieses imposante Gebüde wurde von 1816 – 1820 erbaut und diente als Stadtgericht in Zivil- und Strafsachen.Im Gerichtssaal wird durch lebendgroße sprechende Puppen eine Verhandlung dargestellt. Auf der einen Seite befinden sich 15 Personen (Jury, die Rechtsanwälte sitzen unter dem Richter, ein Zeuge steht und sagt aus, der Angeklgte sitzt zwischen zwei Polizisten. Die Szene belegt eine Verhandlung um 1850.
Danach kommt man in den Innenhof, wo zwei mit Mauern umgebene und mit Stahl-matten nach oben abgesicherte „Spazierkäfige“ sind.
Nach rechts wir man in das neue Gefängnis von 1848 geleitet. Es galt als Musterbeispiel seiner Zeit: verbesserte Sicherheit, Einzelzellen, Heizungs-u. Ventilationssysteme, Wassertoiletten und genügend Waschgelegenheiten. Auch hier stellen lebensgroße Puppen das Leben im Knast dar. Im oberen Stockwerk ist sogar Saal, der für sportliche Betätigung bei schlechtem Wetter von den Gefangenen genutzt wurde.
Über den Hof gelangt man in das alte Gefängnis, welches in 1820 erbaut wurde. Auf 8 kleinen Zellen waren manchmal mehr als 20 Männer, Frauen und Kinder untergebracht. An den einzelnen Zellen sind Schilder angebvracht, die die Geschichte von einzelnen Gefangenen beschreibt. Die Zellen sind auch wie damals eingerichtet.
Nach dieser interessanten Besichtigung fahren wir weiter am Westufer des Loch Fyne bis Tarbert. Der besuch dieses Ortes wurde mir von Einheimischen vorgeschlagen. Nur wenige Urlauber verirren sich in diesen kleinen, romantischen und stillen Küstenort, der als einer der schönsten Schottlands gilt. Hoch über dem Ort thronen die Ruinen der alten Festung und im kleinen Hafen, wo Krabben, Hummer und Fisch in Kisten verladen werden, spiegeln sich die bunten Fassaden der Häuser im Wasser. Hier essen wir dann auch die legendären „Fish and Chips“, die mir nirgendwo so gut schmeckten, wie hier.
Wir fahren zurück bis Lochgilphead, wo wir auf dem dortigen Caravan Park einen Stellplatz finden. Er liegt genau an der Bucht des Loch Gilp. Dieser Platz ist sehr gepflegt mit vorbildlichen san. Anlagen. Ebenso sind die Stellplätze hervorragend eingerichtet und mit umgerechnet € 11,00 für schottische Verhältnisse gar nicht so teuer.
Mit der Gewissheit heute viel gesehen und viel Eindrücke gesammelt zu haben, machen wir noch einen Abendspaziergang an der nahen Bucht des Loch Gilp.

06.07.

Auf der A 816 verlassen wir Lochgilphead in Richtung Norden. Heute ist wieder schönes Wetter. (Das heißt in Schottland, es regnet nicht). Die wunderschöne, wenn auch kurvenreiche Strecke bis Kilmartin birgt eine Fülle von prähistorischen Zeugnissen aus der Bronzezeit. .Im Umkreis von 10 km um das Dorf Kilmartin gibt es mehr als 150 Stätte. Auch auf dem Friedhof neben der kleinen Kirche sieht man viele erhaltene Grabsteine und Steinkreuze.
Etwa 14 km vor Oban sehen wir den Hinweis zu einem Sea Life Centre. Wir biegen ab. In Aquarien werden Fische des Atlantiks gezeigt. In einem Robbenbecken tummeln sich die Tiere und Seeotter laufen in einem Freigehege umher. Die Werbung „Die Attraktion an der Westküste“ finde ich übertrieben, denn ich habe für weniger Geld schon bessere Meerwasseraquarien gesehen.
Dann erreichen wir Oban, mit 8.100 Einwohnern, ist es mit seinem Naturhafen am Firth of Lorn der Ausgangspunkt zu Fährfahrten zu den vorgelagerten Hebriden-Inseln.
Hoch über der Stadt ist der McCaig Tower. Es ist die Nachbildung eines römischen Kolosseums. Der Bankier McCaig ließ dieses Denkmal in 1897 errichten. Zum einen sollte es ihn berühmt machen, zum anderen war es eine Arbeitsbeschaf-fungsmaßnahme, mit der er die Arbeitslosigkeit des Ortes bekämpfen wollte. Fertiggestellt wurde das Gebäude nie. Wir schauen dem munteren Treiben im Hafen zu und verlassen Oban in Richtung Norden.
Die A 828 ist sehr abwechslungsreich, aber auch manchmal sehr eng. Sie führt durch karstige Felsbrüche zum Ufer des Loch Linnhe. Immer entlang der Ostuferlinie erreichen wir Fort William. Dahinter biegen wir auf die A 830 ab und finden gegen 16:00 Uhr den am Nordufer gelegenen Linnhe Lochside Holiday Park. Schon hier will ich bemerken, daß es der schönstgelegenste und sauberste Campingplatz war, den wir auf unserer Schottlandreise besuchten. Wir richten unseren Stellplatz ein und können noch lange draußen sitzen und den Sonnenuntergang am Loch Linnhe beobachten. Gegenüber steigt der höchste Berg von Great Britain, der Ben Navis (1.343 m), empor.
(Fortsetzung folgt)


Canadafan

   

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