RE: Normannische Cidre, Märkte, Strände ...

#1 von piefke ( gelöscht ) , 23.10.2007 17:12

Seit einigen Jahren fahren wir - zwecks Pedicure und Auffüllung der Antigrippemitteldepots - Ende September, Anfang Oktober für eine Woche, 10 Tage ans Meer. Lange Zeit auf den Campingplatz "Ter Duinen" bei De Haan, an der belgischen Nordseeküste. Man konnte wundervoll am Strand zwischen De Haan und Wenduine barfuß durch Sand und Pfützen stapfen. Unser Fitnesstrainer war begeistert, besonders wenn er ins Wasser konnte. Leider wurde in den letzten Jahren der Campingplatz immer voller in unserer Zeit. Deshalb sind wir im vergangenen Jahr nach Nordfrankreich ausgewichen. Der Campingplatz und der Strand waren auch ganz in Ordnung. Aber bedauerlicherweise hatten unsere Altvorderen in Erwartung der Alliierten die ganze Gegend dicht an dicht mit Bunkern bepflastert. Das hat uns wenig bis gar nicht gefallen. Deshalb haben wir uns in diesem Jahr überlegt: wir fahren in die Normandie. Na ja, das ist ganz schön weit. Nur für eine Woche oder 10 Tage lohnt sich das eigentlich nicht. Also bleiben wir länger.
Selbstverständlich haben wir die Anfahrt nicht an einem Tag geschafft. Wir übernachteten in Peronne. Der Platz, über den es nichts weiter zu sagen gibt, wurde gegen Abend ziemlich voll; halb Holland strömte anscheinend aus Spanien nach Hause.
Am nächsten Morgen, nach einem gemütlichen Frühstück, brachen wir dann auf zu unserem ersten Ziel in der Normandie, dem Campingplatz "Reine Mathilde" in Ethreham, in der Nähe von Bayeux. Dort wollten wir ein paar Tage bleiben, um uns den berühmten Teppich von Bayeux wieder einmal anzusehen und die dortigen Märkte und Strände zu erkunden. Über den CP hatte ich in irgendeinem Forum gelesen, dass er sehr nett sei und große Stellplätze habe. Beides traf zu. Allerdings versetzten mich die Zufahrtsstraßen in Angst und Schrecken. Sie waren so schmal, dass zwei Twingos oder so nur dann aneinander vorbei kamen, wenn die Fahrer respektive Fahrerinnen kräftig den Bauch eingezogen haben. Gott sei Dank hatten wir nur zwei Radfahrerinnen als Gegenverkehr. Mit dem verflossenen Troll hätte ich mich auf diesen Straßen wohler gefühlt.
Am Ende der ersten Platzbesichtigungsrunde kamen wir bei unserem Gegenüber nahe vorbei und sahen, dass an dessen Wohnwagen eine Karte von Nordamerika gepinselt war. Da der Eigner, wohnhaft im Landkreis Sonthofen, gerade seine Nase zur Tür hinausstreckte, fragte ich ihn skeptisch: Aber da waren sie mit der nicht, oder? Der - das war seine Lander Graziella, dieser Ganzkunststofftroll aus Italien. Als Antwort hörte ich in eindeutig Berliner Schnauze; Aba klar!
Er war tatsächlich mit Frau, Toyota Land Cruiser (3 Liter Diesel) und dem italienischen Vollplastikwohnwagen anderthalb Jahre durch Amerika zigeunert. Auto und Wohnwagen waren ein gutes Vierteljahr vor dem (amerikanischen) Reisebeginn in Rotterdam in Container verstaut und über den Atlantik geschippert worden. Die beiden waren dann später hinterher geflogen. Eigentlich hatten sie für die Tour durch Nordamerika, von Neufundland runter an den Golf von Mexiko, rüber an den Stillen Ozean und hoch nach Alaska bis an dessen äußersten Zipfel, nur ein dreiviertel Jahr geplant. Das haben sie auch geschafft. Aber dann hatten sie Lust, die erste Route annähernd noch einmal zu machen und die US-Immigrationsbehörde hatte auch nichts dagegen. Seine Erzählung über die beiden Touren war atemberaubend. Wir haben eine gute Stunde, während er erzählte, unentwegt mit den Ohren geschlackert. Unter anderem hatten sie bei der ersten Tour New Orleans vor Kathrin besucht und auf der zweiten dann nach Kathrin.
Natürlich macht eine solche Erzählung durch einen zungenfertigen Berliner Lust, auch so was zu machen.Ich fürchte nur, weder für uns, noch für unser Auto oder unseren Wohnwagen wäre eine solche Reise wirklich förderlich. Denn unser Sonthofener Berliner kannte in seiner Graziella jede einzelne Schraube persönlich, und sein Landcruiser brauchte nach der Heimkehr einen dreiwöchigen Wellnesssaufenthalt beim Schrauber seines Vertrauens.
Gott sei Dank fuhr der bayerische Berliner am nächsten Morgen schon weiter, wir konnten uns in unser mickriges Abenteuer Normandie stürzen ohne alle naselang Minderwertigkeitskomplexe zu kriegen. Unser erstes Ziel war Bayeux. Nein, nicht der Teppich, sondern der Markt von Bayeux. Es war einer von der mittelgroßen Sorte und vermutlich - außer uns - nur von Einheimischen frequentiert. Wir verbrachten gut zwei Stunden auf ihm; beguckten die Händler, die Kunden und die Angebote. Kauften eine Knolle frischen Knoblauch, ein Glas Honig, Radieschen und Käse und trollten uns dann zufrieden zurück zur Königin Mathilde.
Am nächsten Sonntag, das wussten wir von früher, würden wir einen Riesenmarkt zu sehen kriegen und zwar in Caen. Und tatsächlich, er war nicht nur so riesig, wie wir ihn in Erinnerung hatten, sondern in den vergangenen 8 Jahren auch noch kräftig gewachsen. Dieser Großstadtmarkt hat uns nicht nur für ein paar Stunden auf das Beste unterhalten, sondern auch noch leckeres Brot, Kartoffeln (Ratte) sowie ein weiteres Glas Honig eingebracht.
Wir haben in dieser Ecke der Normadie natürlich nicht nur Märkte besucht und jeden Tag zwei neue Sorten Cidre probiert, nein, wir sind selbstverständlich auch an die Küste gefahren und zwar nach Colleville s.M. Ein wunderbarer Strand und nur ein einziger, dazu auch noch gut getarnter Bunker. Wir reihten uns also zum Zweck der Pedicüre barfuß in die dünne Reihe der Strandwanderer ein. Viele von ihnen fahndeten offensichtlich nach Krebsen oder Austern oder was weiß ich für Meeresviehzeugs. Wir begnügten uns damit, jedesmal, wenn wir ein "trou normand" fanden, es aufzuheben und mitzunehmen; am Ende hatten wir zwei ganze Flaschen voll (15jährig).
Nach einer Weile reichte es uns, wir machten uns ans Umziehen. Unser eigentliches Ziel in der Normandie war nämlich der CP "Le Ranch". In angemessener Zeit - und bangen Minuten auf den engen Straßen rund um "Reine Mathilde" - erreichten wir ihn auch. Schon in Ethreham waren wir ziemlich allein gewesen, in "Le Ranch" waren wir nun ganz allein - jedenfalls für ein paar Tage. Denn am Wochenende trudelten immer noch ein paar der Dauercamper ein und hin und wieder auch ein Gespann (aus München), ein Womo (irgendwo aus den neuen Bundesländern) oder ein Zelt mit verfrorenen Holländern. Alle stellten sich weit weg von uns.
Der Strand vor "Le Ranch" ist tatsächlich beeindruckend schön. Aber da es ziemlich kühl geworden war und eine lebhafte Brise pfiff ( so Windstärke 5 bis 6 nach den Schaumkrönchen auf den Wellen geurteilt) war es nichts mehr mit Strandpediküre, wir behielten schön die Schuhe an (es regenete übrigens während unserer ganzen Reise auch hinreichend, aber daran waren wir von Burgund her schon gewöhnt). Da der 15. September schon einige Zeit vorbei war, fühlte sich der CP auch nicht mehr verpflichtet, uns morgens mit Baguette und Croissants zu beliefern (in Peronne und Ethreham hatte das noch vorzüglich geklappt). Meine weitaus bessere Hälfte mußte also jeden Morgen nach Les Pieux fahren ( so etwa 6 km), damit wir anständig frühstücken konnten. Aber es hat sich gelohnt. Sie entdeckte auf Anhieb den besten Bäcker (von dreien auf dem großen Marktplatz). Wir schwelgten in wunderbaren Croissants und knusprigstem Baguette (beides hat in unserer persönlichen Wertung 4 Sterne bekommen).
Das ausgedehnte Frühstück verführte uns in den ersten Tagen denn auch prompt zum ausgiebigem Faulenzen. Wir begnügten uns weitgehend mit dem Strand vor der Wohnwagentür und ansonsten lasen wir. Vor allem Kriminelles, also Donna Leon, Rita Mae Brown, Fred Vargas, Patricia Cornwell und Arne Dahl. Das Lesehighlight aber war Iréne Némirovsky "Suite francais", ein ebenso bedrückender wie beeindruckender Roman über die Wochen der Besetzung Frankreichs durch die Wehrmacht.
Ansonsten probierten wir selbstverständlich weiterhin jeden Tag mindestens eine neue Sorte Cidre und besuchten auch den Markt in Les Pieux. Er bestand aus zwei langen, dem Bürgersteig zugewandte Reihen von Marktständen entlang des großen Marktplatzes, in der Mitte rollte in Maßen der Verkehr weiter. Meine Göga fand, was sie schon lange suchte, ein Paar Klocks, aus Leder und sie waren Danois. Sie kosteten nur 20 €. Außerdem kaufte meine liebe Ehefrau noch das teuere Endstück einer knallharten Salami und auf meinen Wunsch ein sanftes, weiches Brioche-Brot. Nachmittags machten wir eine kleine Wanderung zum Cap du Rozel. Sie dauerte gut eine Stunde und bescherte uns herrliche Ausblicke auf die beiden Buchten nördlich und südlich des Kaps.
Aber dann reichte uns die Faulenzerei auch. Nach dem nächsten Frühstück brachen wir zur Besichtigung der Westküste des Cotentin auf. Und zwar sind wir von Le Rozel aus nordwärts gefahren und dann ostwärts bis kurz vor Cherbourg. Wir haben jede Menge Kaps besucht und uns an der schönen Küste und den wilden Felsen ergötzt, wir haben England, d.h. seine Kanalinseln angestarrt. Obwohl sie zwischen 40 und 50 Kilometer entfernt waren, haben wir sie gut erkennen können. Wir sind an der Cogema vorbeigefahren, der Quelle jener bei uns so beliebten Castortransporte. Sie lag strahlend da - in der Sonne und schien kein Wässerchen trüben zu können. Und dann haben wir, nach der Besichtigung von Nez de Jobourg, ein schönes Picknick gemacht. Wir saßen im Laderaum unseres Autos und ließen uns von der Sonne verwöhnen, der kalte Wind rauschte über uns hinweg. Schließlich wollten wir uns im Weichbild von Cherbourg noch ein normannisches Kirchlein aus dem X./XI. Jh. ansehen. Da dort aber gerade eine große Beerdigung stattfand, konnten wir es nur von außen betrachten. Danach haben wir uns beeilt, so schnell wie möglich nach Hause zu kommen. Die Reise (Hinfahrt) war zwar nur 70 bis 80 Kilometer lang, da wir einige Male aber tüchtig laufen mussten, war sie in gewisser Weise doch anstrengend. Dazu dauerte sie auch noch rund 6,5 Stunden.
Am nächsten Morgen, beim Frühstück, meinte meine bessere Hälfte, dass ihr und mir nun der Cidre schon zu den Ohren raustropfen würde. Wir sollten doch noch irgendwohin fahren, wo Wein aus Trauben gemacht würde. Ein Blick auf die Karte ließ uns erkennen: das Loiretal war das nächste Weinanbaugebiet. Und in Vouvray wollten wir ja sowieso schon immer Mal schön Wein kaufen. Also angespannt und losgefahren.
Aber nicht direkt an die Loire, sondern - auf nachdrücklichen Wunsch meiner lieben Frau - erst einmal zum Mont St. Michel. Wir hatten schon einmal versucht, diesen - aus meiner Sicht - dämlichen Berg zu besichtigen, hatten damals aber schon Kilometer vor den Parkplätzen im Stau gesteckt. Das hatte meiner Frau auch nicht gefallen und sie hatte mir erlaubt, umzukehren. Diesmal, Anfang Oktober, hatte ich aber kein Glück. Kein Stau vor den Parkplätzen, die waren auch nur mäßig gefüllt, d.h. wir brauchten nur etwa einen dreiviertel Kilometer bis zum Eingang zu laufen. Also rein und - Schreckstarre. Vor mir so eine Art Drosselgasse, nur viel enger. Angefüllt vor allem mit Japanern beiderlei Geschlechts, vielleicht waren auch ein paar Chinesen dabei. Alle hatten jedenfalls Pokerfaces, rissen jeden zweiten Schritt ihre Lifestylecamera hoch und staksten - wahrscheinlich wegen des von der Weiblichkeit vor allem gepflegten Kleidungsstils - wie Robocops im Wechsel links an einem Souvenirladen und rechts an einem Restaurant vorbei bergauf.
Als in Frankfurt die "Alte Oper" noch eine Ruine war, tobte in der Stadt eine lebhafte Diskussion darüber, was man damit anfangen solle. Der damalige Bürgermeister, Rudi Arndt, machte den schönen Vorschlag, doch am besten ein paar Zentner Dynamit drunter zupacken und zu zünden. Angesichts dieses dämlichen Bergs waren mir ähnliche Gedanken durch den Kopf geschossen. Wenn man dieses Dingens und ähnliche bauliche Selbstdarstellungsgesten einer "ecclasiae triumphans" nicht gebaut hätte, dann hätten die Franzosen sicher schon lange vor Henri Quattre Sonntags ein Huhn im Topf haben können. Na, sei es drum. Jetzt waren wir da, also musssten wir auch durch. Gemeinsam mit unserem Fitnesstrainer drängten wir uns umgeben vor allem von Asiaten langsam bergauf. Und plötzlich standen wir vor Stufen, Stufen, Stufen, nichts als Stufen. Wir guckten uns an, wir betrachteten unseren Fitnesstrainer. Gut, Sumoringerformat hat er ja nicht, aber mehr als 12 Kilo diese vielen Stufen erst hoch und dann wieder runter zu schleppen, dazu war selbst meine St. Michel-süchtige Frau nicht bereit. Hurra, wir kehrten um. Ab sofort braucht der Mont St. Michel auch nicht mehr in die Luft gejagt zu werden; ich muss ja nie wieder hin.
Am nächsten Tag machten wir uns auf zu einer knapp vierstündigen Fahrt über etwa 280 km an die Loire. Wir haben uns den Campingplatz "Accacia" direkt an der Loire/D 571 ausgesucht im Örtchen La Ville-aux-Dames. Ein Volltreffer ist der Platz nicht, es sind viele Dauercamper/Dauerwohner da und wir haben uns dummerweise unter eine stattliche Eiche gestellt. In unregelmäßigen Abständen kracht es über uns, eine dicke Eichel ist auf's Dach geknallt. Hoffentlich gibt das keine Beulen. Auf jeden Fall werden wir wohl heute Nacht hin und wieder senkrecht im Bett sitzen vor Schreck, bis uns schlaftrunken einfällt: aha, eine Eichel. Am nächsten Morgen haben wir den WW natürlich "umgemovert" und hatten in der nächsten Nacht unsere Ruhe.
Erstes Ziel hier an der Loire war Vouvray, es lag gleich auf dem anderen Loireufer. Das Örtchen selbst kann man nicht unbedingt als Schönheit bezeichnen, was es einmalig macht, ist seine Weinsorte. Wir, d.h. meine liebe Frau Gemahlin, degustierten ausgiebig und wurden anschließend eine ganze Menge Euros los. Der Mensch kann schließlich nicht allein von Burgunder leben. Außerdem gibt es in Vouvray noch eine Charcuterie, deren Ruf, was ihr Rillete und ihr Rillon betrifft, schon bis nach Paris gedrungen sein soll (meint jedenfalls der Herr Reiseführer). Auch sie zog uns diverse Euros aus der Tasche; sie waren - wie wir dann in der Heimat feststellten - gut angelegt.
Nicht das jetzt jemand meint, wir seien nur aufs Essen und Trinken aus und wollten Weltkulturerbegüter vor allem in die Luft sprengen. Nein, wenn man schon mal an der Loire ist, sollte man sich auch den Schlössern widmen. Deren Zahl ist allerdings immens und da wir schon ziemlich lange unterwegs waren, beschlossen wir, diesmal nur meinem Lieblingsschloß unsere Reverenz zu erweisen. Also auf nach Azay le Rideau.
Mit einem bisschen Autobahnfahrt um Tours und viel D-Straße kamen wir - praktisch im Nebel - auch hin. Und dann fing das Problem an. Wo zum Kuckuck ist das Chateau? Einmal durchs Dorf, nichts gesehen. Raus, auf einer anderen Straße wieder rein, nichst gesehen, auf einer dritten Sraße wieder rein und dann haben wir uns einfach auf einen Parkplatz gestellt und siehe da: ein Schild: Chateau 200 m. Also los. Es waren zwar mehr als 200 m, aber dann standen wir endlich vor dem Dienstbotengebäude, wo wir erst einmal abkassiert wurden. 7,50 € pro Nase.
Wir sind dann im Park um das Schloss drumherum geschlendert, weil ich finde, dass es von der Parkseite aus, wo man meistens jeweils nur einen der beiden Flügel sieht, am schönsten wirkt. Anschließend haben wir es natürlich auch von Innen besichtigt, schließlich waren wir lange nicht da. Na ja, wenn wir nicht hineingegangen wären, hätten wir auch nichts versäumt. Als wir das Schloss verließen, trafen die ersten Busladungen ein. Wir hatten es bis dahin, Gott sei Dank, sehr kommod gehabt.
Auf der Rückfahrt sind wir über Villandry gefahren. Die Parkplätze waren dort (gegen 11.30 Uhr) schon gut gefüllt; auch mit Bussen. Was wollten die da bloß? Ist doch alles abgeerntet. Quer durch Tours haben wir schließlich wieder unseren Wohnwagen erreicht.
Der nächste Tag wurde dann zum ersten Heimreisetag. Gegen 9.45 Uhr haben wir uns auf den Weg nach Chalons en Champagne gemacht, gute 420 km. Der Router hatte als reine Fahrzeit 5 Stunden 40 Minuten ausgerechnet; so ungefähr hat das auch gestimmt. Am Ende der Reise hatten wir noch ein paar bange Minuten zu überstehen: unser Dieselvorrat ging schneller zur Neige als ich erwartet hatte. Das lag wohl vor allem an dem spürbaren Gegenwind, den wir fast die ganze Strecke hatten. Der Verbrauch war lange Zeit über 12 Liter (12,5) und fiel erst sehr spät unter 12 Liter (11,6). Gott sei Dank kam gerade rechtzeitig noch die Tankstelle. Der CP ist ein -für uns - gut gelegener Etappenplatz, er hat alles, was man braucht und man fährt am nächsten Morgen ohne großes Bedauern weiter. Als wir die rund 450 Kilometer der letzten Etappe hinter uns gebracht hatten, ist wahrscheinlich der letzte Camperfriend bereits aus Gedern abgereist gewesen und HD hat schon geguckt, ob nicht doch noch einer in den tiefen Furchen vom Steyr hängen geblieben ist.
In gemeinsamer Arbeit mit meiner lieben Frau stellten wir fest, das wir in knapp drei Wochen 3400 Kilometer gefahren waren. Das hat uns gute 81 € Autobahngebühren und über 390 € fürs Tanken gekostet. Dagegen wirken die 205 € Campingplatzgebühren und 75 € für Eintritte nachgerade mickrig.
Hm ..., es war wirklich sehr schön, die Fußsohlen sind so samten wie ein Babypopo, von der grassierenden Magen-Darmgrippe sind wir verschont geblieben (bisher jedenfalls), der Vouvray schmeckt vortrefflich, aber irgendwie werden wir das Gefühl nicht los, unterm Strich war es nur - suboptimal. Das ist auch gut so. Denn wenn wir schon nicht durch Amerika zigeunern können, dann haben wir jetzt wenigstens eine Optimierungsaufgabe. Der Winter kann kommen!

P.S. Habe gerade ein bißchen quergelesen. Was haben die Camperfrriends für ein Temperament!!

piefke

RE: Normannische Cidre, Märkte, Strände ...

#2 von Taubi , 23.10.2007 17:25

Moin Piefke,
danke für den schönen Reisebericht.

Die Zufahrtsstrassen zum Campingplatz "Reine Mathilde" in Ethreham sind mir bekannt.
Mir ist ein Traktor mit Anhänger entgegengekommen.Zum Glück war Links und rechts Platz satt.

 
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RE: Normannische Cidre, Märkte, Strände ...

#3 von Mephisto , 23.10.2007 17:57

Hallo Piefke,
ein schöner Bericht, erinnert mich an unsere Tagesabläufe in F. Aber im großen Urlaub bin ich echt zu faul mehr als ein/zweimal umzuziehen. Deine Ansicht vom Mont Saint Michel ist mit meiner deckungsgleich, aber nicht Villandry. Der/die Gärten sind zu allen Jahreszeiten schön. Wahrscheinlich hast Du auch die kniehohe Apfelbaumhecke verpasst, alleine die ist ja schon den Eintritt wert. Nachdem wir voriges Jahr an der Dordogne waren, weiß ich allerdings nicht mehr, ob die Loire noch unangefochten Nummer 1 ist. Das Flußtal der Dordogne ist sehr schön, viele alte Städte, ja ganze Ortschaften wie aus dem Mittelalter. Die Dichte von Schlössern, Burgen und Bastiden ist noch höher, die Schloßgärten ebenfalls sehr schön, und das Essen noch besser (Perigord) und bereits im Bergerac gibt es richtig gute Weine, da muß man nicht nach Bordeaux.
Ach, ich könnt schon wieder

 
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RE: Normannische Cidre, Märkte, Strände ...

#4 von sunshine , 23.10.2007 18:11

Hallo Piefke,
auch von mir ein herzliches Dankeschön für deinen schönen und kurzweiligen Reisebericht.
Viele der Orte habe ich auch schon besucht und konnte so ein wenig in Erinnerungen schwelgen.

Mit der kompletten Sprengung des Mont Saint Michel bin ich nicht einverstanden. Es würde genügen, die Souvenierläden weg zu sprengen, vielleicht blieben die Busladungen und die Japaner ja dann auch weg...

Aber sag mal, was sind Kartoffeln (Ratte)?

 
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RE: Normannische Cidre, Märkte, Strände ...

#5 von Killerdackel , 23.10.2007 18:12

Zitat von piefke
.......Wir guckten uns an, wir betrachteten unseren Fitnesstrainer. Gut, Sumoringerformat hat er ja nicht, aber mehr als 12 Kilo diese vielen Stufen erst hoch und dann wieder runter zu schleppen, dazu war selbst meine St. Michel-süchtige Frau nicht bereit. ......


DAS ist ein gar übermächtiges Gewicht fürn Dackel - DAS sollte runter !

Spannend geschriebener Bericht - DANKE dafür !

 
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RE: Normannische Cidre, Märkte, Strände ...

#6 von Hugo21 ( gelöscht ) , 23.10.2007 18:43

Hallo piefke,

schöner Bericht, vor dem Mont Saint Michel hab ich mich bisher immer drücken können, nach Deinem Bericht mit den Stufen braucht es auch nicht mehr, Danke :

Hugo21

RE: Normannische Cidre, Märkte, Strände ...

#7 von HD , 23.10.2007 20:50

Hallo Piefke - schöner Reisebericht, sehr kurzweilig zu lesen, gwürzt mit etwas Ironie. Danke dafür. In der Normandie war ich erst einmal - lange her.
Mephisto geb ich Recht - die Dordogne und das Perigord ist mir auch lieber als die Loire.
Gruss HD

 
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RE: Normannische Cidre, Märkte, Strände ...

#8 von Wintercamper , 23.10.2007 21:08

Mann, @Piefke! Ein schöner Bericht, genau nach meinem Geschmack!!!

Den Mt. St. Michel müsst ihr ABENDS besuchen. Quartier auf dem 800m entfernten CP und ab 16:00 Uhr mit dem Fahrrad dort hin. Erst wenn die Massentouristen gehen beginnt der Zauber.......

Danke für deine Mühe!

 
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RE: Normannische Cidre, Märkte, Strände ...

#9 von conny , 23.10.2007 21:18

Hallo Piefke,

ach, was war das schön ... vielen Dank für den schönen Reisebericht.

 
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RE: Normannische Cidre, Märkte, Strände ...

#10 von piefke ( gelöscht ) , 24.10.2007 13:03

Hallo Allerseits,
ich danke für die Blumen. Ich werde mich bis zum Ancampen im nächsten Frühjahr an ihrem Duft berauschen.
@Mephisto & HD ... mit Villandry hast du sicher Recht, aber wir waren nicht nur einmal da. Mit der Dordogne weiß ich nicht, ob ich euch Recht geben soll. Wenn ich an der Loire in einem Schloß mal in eine französische Führung gerate, verstehe ich immer genau einen Satz: ...construit Francois Premier!
Passiert mir das an der Dordogne, verstehe ich gar nichts. Davon abgesehen, als wir das letzte Mal nach Sarlat rein wollten, war es hinter einem Wall von Holländern verborgen. Wir haben es überhaupt nicht zu sehen bekommen.
@Sunshine nein, auch die Souvenirläden brauchen nicht mehr gesprengt werden. Ich muß ja nicht mehr hin. Meine bessere Hälfte hat zwar gemurmelt, "wenn wir mal im November hier sind...", aber wir werden nie im November dort sein. Ratte ist eine französische Kartoffelsorte, sehr wohlschmeckend, festkochend, schlanke Form, mitunter sehr lang. Bestens für Kartoffelsalat geeignet, halbiert, geviertelt oder geachtelt mit der Schale in Olivenöl mit Knoblauch, Rosmarin, Pfeffer und Salz in der Pfanne oder im Backofen gebraten/gebacken ein Genuß; nicht zu entbehren fürKartoffelgyros.
@Killerdackel Sicher, ein Zierpüppchen ist Piefke nicht, aber eine Sofarolle auch nicht. Er ist ein mittelhessischer stabiler Naturbursche vom Schlage der Rauhhaardackel und jeder Versuch, ihn auf Diät zu setzen oder gar hungern zu lassen, würde den Tierschutzbund auf den Plan rufen.
@Wintercamper ... aber ische abe gar keine Fahrrad!
Mit dankenden Grüßen
piefke

piefke

RE: Normannische Cidre, Märkte, Strände ...

#11 von Michi ( gelöscht ) , 24.10.2007 13:44

Hallo piefke,

dankeschön für den schönen und spannenden Reisebericht.

Gruß Michi

Michi

RE: Normannische Cidre, Märkte, Strände ...

#12 von Mephisto , 24.10.2007 17:28

@ Piefke
Zuerst das Wichtige, wenn auch OT: Laß Dir wegen des Gewichtes Eures Dackels von dem Herrn aus BC nix einreden. Wir hatten vor unseren Zwergen zwei Normalschlagrüden, der eine 11 kg, der andere fast 12 kg. Beide waren austrainiert und hatten eine deutliche Taille, wenn man von hinten draufguckte. Allerdings hat aber der DTK, ich glaube jetzt ab 2008 verbindlich die 10 kg Grenze gesetzt, sonst gibt es keine Zuchtzulassung. Mittlerweile waren ja Brocken von 14 bis 15 kg aufgetaucht, die in keinen Fuchsbau mehr paßten.
Zur Dordogne: Sarlat ist überlaufen, ja, 60% Holländer, 30% Engländer, der Rest Deutsche etc (So wars im September). Liegt aber auch an der Geschichte der Gegend. Hier hockten die Engländer am längsten in Frankreich und begründeten die gegenseitige Freundschaft, daher auch Burgen und Bastiden, hier wurden die Hugenotten aus ihrem letzten Zufluchtsort in F rausgeschmissen. Die tauchten dann wieder in NL und an der Weser (Bad Karlshafen z.B.) auf. Gegenüber von Sarlat liegt oben auf dem Hügel die Bastide Domme, nicht ganz so überwältigend wie Sarlat (vor allem wenn Markt ist) aber deutlich ruhiger. Ein Vorteil hats aber doch mit den Holländern: die Preise sind etwas niedriger als sonst in F.

 
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Spätherbst an der Ahr (14.- 23.10.2007)
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