RE: Burgundische Weine, Märkte, Kirchen ...

#1 von piefke ( gelöscht ) , 03.07.2007 20:54

Unsere ursprüngliche Idee war es, die Weinbaugebiete Burgunds nacheinander abzuklappern und die jeweiligen Weine ausgiebig zu probieren. Anfangen wollten wir in Chablis (mit selbigem CP bzw. dem in Andryes), dann die Cote d`Or (CP Santenay oder Arnay le Duc), weiter zur Cote Chalonnais und Cote Maconnais (CP Laives) und zum Schluss dann noch das Beaujaulais (CP Fleury). Ja, und dann kam das miese Wetter und die ziemlich düsteren Vorhersagen der Fernsehwetterfrösche und der neue dicke Wohnwagen. Was tun? Doch lieber in die Provence? Aber jedes Jahr in die Provence? Und wenn der Mistral weht? Kompromiss: Wir fangen in der Mitte an und fahren zuerst nach Laives. Wenn das Wetter dann so wird, wie vorhersagt, sind wir auf jeden Fall in ein paar Stunden in der Provence.

An einem windigen und regenverhangenen Maisonntag machten wir uns auf die Reise. Oiiij, das ist aber ein schicker Lkw. Warum fährt der Dussel denn so dicht auf? Ach du meine Güte, das ist ja unser neuer Wohnwagen. Mann ist der breit!! Bordrechner auf Durchschnittsverbrauch umschalten: 11,9 l. Meine Frau tröstet: Wir haben Gegenwind und auf die Länge der Strecke wird das auch noch weniger. Mit 2 bis 2,5 Liter Mehrverbrauch hast du schließlich gerechnet. Hatte ich das? Mit Troll hinten dran wären das keine 8 gewesen, plus zweieinhalb also zehneinhalb, das sind aber anderthalb Liter mehr!!! Hallo, Schatz, wir haben Urlaub.

Grummel, grummel.

Nach ca 520 km steuerten wir dann den CP in Laives, d.h. in der Nähe dieses schönen Dorfes an. Wieder eine Enttäuschung. HD hatte bei seiner Beschreibung des Platzes geschrieben, er wäre von zwei schnuckligen Französinnen empfangen worden. Ich fahre extra da lang, wo diese Pförtnerhäuschen stehen und renke mir fast den Hals aus. Bude zu, keine schicken Französinnen. Ich glaube, die Saarländer werden in Frankreich doch immer noch bevorzugt behandelt. Schließlich waren sie ja fast mal so etwas wie Landsleute. Unbegrüßt also weiter zum Campingplatz. Die Anmeldeformalitäten regelt meine Frau, ich gucke mir derweil den Platz an und suche die Parzelle aus. Schneidig fahre ich sie dann an und steige aus, den Rest machen wir mit dem Mover, sage ich zu meinem Schatz. Verdammt, wir stehen falsch rum. Macht doch nichts, wir haben doch den Mover. Also Ohren, äh Rollen angelegt, Batteriehauptschalter auf ein, Fernbedienung auf ein und los. Ein Meter, anderthalb Meter, die Moverrrollen drehen durch. Das Gras ist nass und vor dem einen Rad hat ein unverschämter Regenwurm ein Häufchen Erde produziert. Einfach fester andrehen, die Rollen, rät meine Frau. Geht nicht fester. Hmmm! Sch..sswerkstatt. Die haben die Moverrollen 4 statt 2 cm vom inneren Rand des Wohnwagenrads montiert. Na ja, mit List und Tücke und immer schön den Weg des geringsten Widerstandes gesucht und gefunden kriegen wir den Wohnwagen dann doch noch so hin, wie wir wollen.

Croissants und Baguette können wir ab 7 Uhr kriegen, verrät mir meine Frau. Wenigstens etwas, schließlich sind wir ja Frühaufsteher. Am nächsten Morgen, nach dem ersten schläfrigen Blinzeln, ein Blick auf die Uhr. Halb neun! Wieso, wir wachen doch immer um halb sieben auf. In Burgund offensichtlich nicht. Da wir, wie gesagt, Urlaub haben, will ich nicht weiter mäkeln. Der CP gefällt mir. Er wird von einem Ehepaar gemänädscht, und die beiden wissen, was auf ihrem Platz abläuft. Wie L´Épervière ist er auch sowohl Dauer- wie Durchgangsplatz. D.h. die Weißhäute kommen auf der A oder N 6 ab Nachmittag aus dem Norden und wollen in den Süden und bei den Braunhäuten ist es umgekehrt. Erstaunlich viele Braunhäute bleiben aber noch ein oder zwei Tage in Laives. Die drei Seen können allesamt umwandert - na ja, umspaziert - werden; ein gefundenes Fressen für unseren Fitnesstrainer, der uns täglich zu einem dieser Spaziergänge anhielt.

Nun mäkelten wir erst einmal an unserem neuen Wohnwagen rum. Der Wagen ist ein 4-Schläfer, hat aber für Handtücher und Waschlappen nur ganze zwei Haken. Geschirrtücher und Händehandtuch, oder Haken für die Küchenschürze bzw. Jacken u.ä. kommen bei ihm nicht vor. Und der Fußboden ist ja so was von schmutzempfindlich. Wir werden auf jeden Fall noch eine zweite Serviceklappe hinten rechts einbauen müssen, denn das Schuhproblem ist auch bei diesem WW noch ein Problem, wobei die Klappe innen sogar eine noch schlechtere Lösung darstellt als die im Troll.

Danach grübelten wir darüber nach, was wir denn nun machen. Gleich ab in den Süden? Später in die Gegend um Vezelay oder ins Beaujaulais? Wir beschlossen frau-, mann- und dackelhaft den Unbilden des burgundischen Wetters zu trotzen. Zu diesem – eigentlich doch - erstaunlichen Beschluss verhalf uns auch ein ausgeliehenes Weinbuch. Das verlockte uns, vielleicht doch noch mit der geplanten "Pilgerreise zu den Weinen Burgunds" zu beginnen. Denn einige bekannte Weinorte der Cote Chalonnais sind ganz in der Nähe und das Gleiche gilt für einige Weinorte des Maconnais. Allerdings haben wir unsere ursprüngliche Vorstellung, von Degustation zu Degustation zu taumeln, aufgegeben. Es gibt einfach zu viele davon in Burgund. Das hält unsere Leber nicht aus und wenn wir kaufen sollten, wären wir wohl bald ruiniert. Wir suchen uns die Cooperative in Buxy aus, fahren hin und stellen fest, die haben viel mehr als wir haben wollen oder brauchen bzw. bezahlen können. Dazu haben sie auch noch eine junge, freundliche Saumelieuse, die hat ein Jahr in Baden gearbeitet und kann uns auf deutsch beraten. Wir kaufen zwei Schächtelchen und diverse Einzelflaschen und damit ist das Thema Wein abgehakt.

Nächstes Urlaubsthema sind die Märkte. Im Dorf um die Ecke, in Sennecy le Grand, gibt es gleich einen. Klein war er, aber immerhin haben wir Radieschen und Kirschen vom Bauern kaufen können. Einer der vielen Reisebuchschreiber, die uns in den Staukästen begleiten, meinte, der Markt in Macon habe bereits südländisches Flair. Wenn schon nicht Provence, dann sollte es wenigstens ein bisschen Südländisch sein. Aber das stimmt für Macon nur insofern, wenn man unter südländisch maghrebinisch versteht. Es gab eine Menge jüngerer Männer mit weißem Käppi und Vollbart; uns schienen sie allesamt schrecklich finster zu gucken. Wir fühlten uns nicht wohl und verzogen uns schnell wieder, nach dem wir ein Glas Bienenhonig gekauft hatten.

Und dann Louhans. Ich hatte aus früheren Jahrzehnten einen wunderbaren, großen Markt in Erinnerung, von dem ich meinte, er sei in Bourg en Bresse gewesen. Nur als wir vor zwei Jahren dort mal übernachteten, sah die Stadt ganz anders aus, als ich sie meinte, in der Erinnerung zu haben. Als wir auf Louhans zufuhren, erkannte ich schlagartig, warum das so war. Denn der Markt meiner trügerischen Erinnerung war der von Louhans. Ein Prachtstück von Markt. Vom kleinen Bäuerchen bzw. seiner Frau mit den Produkten ihres Hofes bis zum türkischen Gemüsehändler waren alle Anbieter vertreten. Und noch schöner als der Markt selbst waren die Arkadengänge rechts und links neben den Marktbuden. Schöne Geschäfte, eines neben dem anderen. Tolle Bäckereien, Metzgereien, deren Schaufensterdekoration einem das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ. Und ein wunderschönes Haushaltswarengeschäft, in dem wir endlich eine ausreichende Zahl von Creme brulée Förmchen bekamen. Daneben kauften wir natürlich auch noch Käse, Obst, Eier und was unser Magen sonst noch begehrte. Den Markt in Louhans können wir Montags nur jedermann wärmstens empfehlen.

Aber wir lieben ja nicht nur Essen und Trinken, sondern auch Rosen. Anfang Mai, als das schlechte Wetter begann, waren wir im Rosarium in Sangerhausen gewesen. Jetzt hatten wir ganz dicht dabei, in Chalons sur Saone, ein weiteres Rosarium. Also nichts wie hin. Wir waren überwältigt; von der Gesamtanlage zunächst und dann auch vom Rosarium. Es war so eine Art Freizeitzentrum, mit Rugbyplatz, Tennisplätzen, einer kleinen Marina und einem Golfplatz, der in das Rosarium integriert war. Von der Weitläufigkeit des Rosariums in Chalons kann man in Sangerhausen nur träumen. Allerdings vermute ich, dass in Sachsen-Anhalt die schöneren Rosen stehen, denn die einzelnen Rosenbeete an der Saone waren zwar in der Regel sehr imposant, aber keines von ihnen duftete.

Und nun zu unserem dritten burgundischen Urlaubsthema, den Kirchen. St. Philibert in Tournus ist seit Jahrzehnten eine meiner Lieblingskirchen! Wir sind schon aus dem tiefen Jura extra ihretwegen nach Tournus gefahren. Selbstverständlich stand sie auch diesmal ganz oben auf der Liste. Da der Himmel bedeckt ist, parken wir am Bahnhof und lassen Piefke als Wachhund im Auto. Später sehen wir dann, dass er sowieso nicht mit in die Kirche hineingedurft hätte. Das verstehe ich nicht. Aber offenbar denken einige Gläubige, dass der liebe Gott nur uns Menschen geschaffen und den Rest der Evolution überlassen hat, und darum braucht sich ein guter Christenmensch nicht zukümmern. Wie dem auch sei, St. Philibert beeindruckt uns erneut ungemein. Wie der Baumeister diese Steinmassen so grazil übereinander getürmt hat, wie er insbesondere die riesige Fassade geradezu reliefartig fein gegliedert hat, das lässt uns immer wieder staunen. Und in die dicken, wuchtigen aus Ziegelsteinen gemauerten Rundpfeiler im Inneren, die weder eine Basis noch ein Kapitell haben, bin ich richtiggehend verliebt.

Natürlich stand auch Cluny auf unserem Plan. Wir wollten da aber keineswegs besichtigen, was von Kirche und Kloster noch da war (das hatten wir schon vor 30 Jahren hinter uns gebracht und waren von dem geistlichen Größenwahn nicht übermäßig begeistert), sondern wir wollten uns die Stadt, die dazu gehört, ansehen. Wir fanden sie sehr interessant. Statt Filialen von irgendwelchen Ketten gab es viele Einzelhandelsgeschäfte. Unter ihnen ein Haushaltswarengeschäft, das mir - bildlich gesprochen - das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ. Leider fand ich keine rationale Begründung, um irgendwas zu kaufen.

Anschließend machten wir uns noch auf nach Solutré und bestiegen den Berg auch in angemessenem Tempo, d.h. in mehr als 20 Minuten. Da Francois Mitterand jedes Jahr seiner Präsidentschaft da hoch gepilgert ist, war der Weg vorzüglich ausgebaut. Eine tolle Rundumsicht hat man von da oben; bis zum Jura hin, heißt es im Reiseführer. Der Bursche hatte offensichtlich Sonnenschein, wir leider nicht. Der Wein von den Clos, die wir von oben sahen, gehört zu den teuersten Burgunds; uns reicht das Ansehen der Weinstöcke.

Autun und seine Kathedrale St. Lazare haben wir auch noch von Laives aus besichtigt. Sehr eindrucksvoll, ja imposant in ihrem Gemisch der Baustile, aber sie brachte in mir keine Saite zum klingen. Eine "ecclesia triumphans" muss offensichtlich mehr bieten als nur Größe und Schönheit, um mich zu beeindrucken. Auch das berühmte Tympanon berührte mich wenig. Das mag auch daran gelegen haben, dass hinter uns die Motoren zweier oder dreier Reisebusse munter vor sich hinröhrten.

Danach verließen wir Laives und machten uns auf die Räder Richtung Chablis. Ziel war der Campingplatz von Andryes. Ein wunderschöner Terrassenplatz im Wald, der aber auch – vor allem für seine holländischen Besucher - eine von der Sonne verwöhnte große Wiese hat. Er wurde vor drei Jahren von einem holländischen Ehepaar übernommen und ist in vielen Bereichen noch "im Ausbau". Das Baguette und die Croissants liefert der Patron an den Wohnwagen. Treuherzig überreicht er einem die Bestellung "eigenhändig". Die sanitären Einrichtungen sind halbwegs ausreichend und waren während unserer Anwesenheit auch immer sauber. Dass der gesamte Platz gepflegt gewesen sei, möchte ich ganz und gar nicht behaupten. Trotzdem war es ein Platz voller Atmosphäre. Er wurde eingegliedert in die Liste der Plätze, die wir wieder beehren werden - wenn wir denn jemals noch einmal in seine Nähe kommen sollten. Auch unser Fitnesstrainer findet, dass die unmittelbare Umgebung des Platzes ausreichend für Bewegung sorgen kann, wozu er uns dann auch täglich gewissenhaft anhält.

Da das Thema Wein bereits abgehakt war, begnügten wir uns damit, eine Flasche Chablis Premier Cru zu kaufen, nur um festzustellen: nein, Chablis schmeckt uns nicht.

Einen größeren Markt gab es nur in Avallon. Er versetzte uns in Erstaunen. Der Markt ist gewissermaßen zwiegespalten. Unten für´s "Volk". In der Mitte dann eine echte, rechte Markthalle mit doppelbögigen vielstufigen Aufgang. Darin viele schöne Stände, häufig von Bauern aus der Umgebung betrieben. Wir kauften Filet vom Charollaisrind, frische Pfifferlinge aus dem Morvan, Eier von glücklichen Hühnern, Feigen, Ziegenkäse und Ähnliches, denn meine bessere Hälfte hatte bei mir ein Geburtstagsessen für sich bestellt. Geht man zum anderen Ausgang der Halle hinaus, gelangt man auf den Markt für die "gehobenen Stände". Hier haben wir nur noch ein paar kleine Kartoffeln (Ratte) gekauft. In der Stadt gibt es außerdem ein paar schöne Geschäftsstraßen, aber erstaunlicherweise keine ausländischen Zeitungen zu kaufen, noch nicht einmal eine holländische oder die Bildzeitung. Wir empfanden das nicht unbedingt als Mangel.

Als erste Kirche hatten wir selbstverständlich Vezelay auf dem Programm. Die Kirche ist gewiss imponierend und groß und hell, und sie hat wunderschöne romanische Kapitelle, aber sie hat mich in keiner Weise berührt. Mit einer Ausnahme: dem inneren Tympanon. Dargestellt wird die Ausgießung des heiligen Geistes - das selbstverständlich jeden guten Christen ungemein interessiert. Ich aber finde die vielen Details dieser um1130 herum entstandenen Bildergeschichte am allerschönsten. Beispielsweise jenen Pygmäen, der eine Leiter braucht, um sein Pferd besteigen zu können. Piefke durfte sich auch über den freuen - tat er aber nicht. Er ist so eine Art Kulturbanause.

Auxerre mit seinen Kirchen stand als nächstes auf der Tagesordnung. Eine Anfahrt von knapp 50 km war zu bewältigen und dann konnten wir vom östlichen Yonne-Ufer das Panorama von Auxerre am gegenüberliegenden Ufer bestaunen. Den Fluss überquerten wir auf einer schicken Fußgängerbrücke und anschließend ging es steil bergauf bis zu Kathedrale. Die ist ein wundervoll eleganter gotischer Bau, hell und ansprechend, wenn auch - wegen von der EU geförderter Restaurationsmaßnahmen - weitgehend eingerüstet. Die zweite berühmte Kirche, St. Germain, mit einer Krypta und Fresken aus karolingischer Zeit fanden wir erst, nachdem wir 10 Minuten falsch und dann 20 Minuten richtig gegangen waren. Nur zu sehen bekamen wir nichts, denn: Frankreich ist genau so bürokratisch wie Deutschland. Wenn 12.30 Pause ist, wird man um 12.00 - ähnlich wie in Memleben - nicht mehr hineingelassen. Außerdem hatten diese beiden Altertümer beim grünen Michelin nur einen Stern, dann können sie doch kaum was "wert" gewesen sein - oder taugt vielleicht der Führer in diesem Fall nichts?

Zwar keine Kirche aber trotzdem sehenswert war die Burg von Guedelon. D.h. eine Burg soll das ja erst werden. Im Augenblick ist es eine riesige Baustelle, auf der mit mittelalterlichen Werkzeugen und -techniken an einer gewaltigen Burg gebaut wird. Beeindruckend war aber zunächst der Parkplatz dieser Baustelle. Mindestens 15 bis 20 Busse und einige hunderte Pkw bevölkerten ihn schon zu früher Morgenstunde und deren Insassen folgerichtig die Burgbaustelle. Viele Schulklassen, ich tippe so 10 bis 12 jährige, die ihren Besuch z.T. offensichtlich gut vorbereitet hatten. Sie haben uns in dem weitläufigen Gelände aber in keiner Weise gestört, sondern belebten im Gegenteil die Baustelle auf eine vorteilhafte Weise.

Danach war wieder Umzugstag. Wir haben Andryes verlassen und sind rund 120 km südöstlich nach Arnay le Duc gefahren. Der neue Campingplatz liegt wieder am Wasser, aber diesmal ist es nur ein See. Der CP ist sehr groß und die einzelnen Plätze sind äußerst großzügig geschnitten. Zwei neue Sanitärgebäude waren noch im Bau, desgleichen ein Pool (ach ja, die anderen beiden Plätze hatten selbstverständlich ebenfalls Schwimmbäder). Etwa ein Drittel der Plätze dürften belegt sein. Vor allem - wie sich das in Frankreich gehört - von Holländern. Eine Handvoll der eingeborenen Bevölkerung ist aber auch vertreten. Der See ist in großen Teilen von Seerosen bedeckt und netterweise hat die Gemeinde einen bequemen Weg rund um den See angelegt; die neue Rennstrecke unseres Fitnesstrainers. Baguette und Croissants gibt es ab 8.30 Uhr. Sie sind nicht weiter erwähnenswert.

Auch in Arnay zeigte sich, dass Burgund - frei nach der alten Alpenkreuzerreklame - ein Regenland ist. Aber wir hatten ja einstimmig beschlossen, uns davon nicht stören zu lassen. Von Arnay aus haben wir das schöne und reiche Beaune besucht. Nein, wir wollten nicht das Hotel Dieu besichtigen, wie 400.000 andere Touristen, das hatten wir uns schon vor dreißig Jahren beguckt. Wir begnügten uns mit der Stadt. Und die war eindrucksvoll genug. Sauber, voller Menschen, und die Sonne strahlte vom Himmel, dass es eine Freude war. Angelockt hatte uns eigentlich der Hinweis, dass Mittwochs Markttag in Beaune sei. Doch der war eher mickrig. Das war aber auch kein Wunder, denn die Straßen des Stadtzentrums stecken voller Geschäfte. Gegen die hat ein fahrender Haushaltswarenhändler oder jemand, der Kleidung anbietet keine Chance. Also kamen die erst gar nicht. Beaune ist auch die Stadt, in der seit 1840 ein bekannter und beliebter Dijonsenf hergestellt wird. Wir erstanden ein Blecheimerchen mit Senf und stellten dann etwas enttäuscht fest, dass darin nur ein Glas Senf stand. Aber immerhin wird sein Ausgangsprodukt noch heute, wie vor 160 Jahren, mittels Steinwalzen gemahlen, so dass sich der Brei nicht - wie bei Amorasenf - erhitzen kann. Er schmeckt tatsächlich sehr gut.

Selbstverständlich haben wir auch den Markt in Arnay besucht und dabei festgestellt, dass vor dem Besuchen mitunter das Suchen steht . Es dauerte eine Weile, ehe wir ihn gefunden hatten. Sein Eingang sah aus wie ein Hauseingang. Nachdem wir ihn endlich entdeckt hatten standen wir stolzen 4 Ständen gegenüber. Immerhin war darunter ein vorzüglicher Gemüsestand, der uns dazu animierte Kirschen, Pfifferlinge und ähnlich teuere Sachen zu kaufen.

In der Nähe von Arnay liegt Saulieu (28 km). Ein Städtchen, das seit Jahrhunderten in dem Ruf steht, Leib und Seele seiner Gäste auf das beste zu versorgen. Es gibt tatsächlich auch heute noch eine Vielzahl von Restaurants und Hotels. Alle Preisklassen waren vorhanden. Von 190 € für´s Menu abwärts bis 18 €. Hätten wir Saulieu am 10. Juni in Reichweite gehabt und von seinen Qualitäten gewusst, wäre ich ums Kochen drumrum gekommen. Unser Essen war aber auch fein und hat gut geschmeckt. Saulieu kann – der Seele wegen - ebenfalls mit einer schönen Kirche dienen, die zudem sehr schöne Kapitelle besitzt. Wieder hatten wir das Vergnügen, sie uns in Gesellschaft von lebhaften Zweitklässnern ansehen zu können. Deren Besuch war von ihren Lehrerinnen bestens vorbereitet worden. Alle hatten sie große Bögen mit Texten und leeren Stellen in den Händen und einen weiteren Bogen, auf dem alle Kapitelle als Klebemarken vorhanden waren. So zogen sie von Säule zu Säule, beäugten die Kapitelle, danach ihren Klebbogen und jubelten was das Stimmchen hergab, wenn sie dort das richtige Klebebild entdeckt hatten. Selten haben wir – nacheinander, Piefke musste ja wieder draußen bleiben - eine so vergnügliche Kirchenbesichtigung gemacht.

Diese kleine Stadt hatte aber noch mehr zu bieten. Hier gab es nicht nur die FAZ, sondern auch die Süddeutsche. Wir waren platt. Außerdem hatte das Maison de press mit diesem Angebot auch noch sämtliche Michelinkarten. Wir konnten uns mit den drei Karten eindecken, die wir für nächstes Jahr brauchen, wenn es ins Poitou/Vendee gehen soll.

Am nächsten Tag begannen wir dann die Rückreise. 6 oder 7 Minuten vor 10 Uhr sind wir von Arnay le Duc abgefahren. Der erste Teil der Strecke war irgendwie befremdlich. Ich hatte den Eindruck, dass wir nach links hingen. Vermutlich hat der recht heftige Seitenwind dieses Gefühl ausgelöst. Als wir auf der A 6 und später dann auf der A 36 Richtung Mühlhausen brausten, gab es dieses komische Gefühl nicht mehr. Da haben wir dann auch Rückenwind gehabt. Der wirkte sich äußerst günstig auf unseren Verbrauch aus. Auf der Hinfahrt nach Laives haben wir 10,7 l verbraucht, auf der Fahrt nach Obernai (373 km) waren es nur 9,4 l.

Den dortigen CP hatte daf43 in seinem Abcampbericht vom Oktober vergangenen Jahres nicht unfreundlich erwähnt. Wir fanden seine Aussagen im Wesentlichen bestätigt, nur der Abwasserkanal stank nicht mehr. Allerdings schockte der Platz uns auch. Er war nämlich sehr gut belegt und zwar von Campern, die bei uns den Eindruck aufkommen ließen, wir seien in einem Altersheim mit starker Tendenz zum Pflegeheim gelandet. Ja gut, wir passten perfekt dahinein. Aber wenn noch ein paar Jüngere da gewesen wären, hätte ich bei dieser oder jener Gelegenheit sagen können: das habe ich in dem Alter aber besser, schöner, schneller gemacht.

Was uns den Platz aber geradezu ungenießbar gemacht hat, war die Tatsache, dass er es nicht mehr nötig hat, die Camper am Sonntagmorgen mit Baguette und Croissants zu versorgen. Als wir uns in die Stadt aufmachten, um eine Boulangerie zu finden, die Sonntags auf hatte, erlebten wir unser blaues Wunder. Unmengen von Autos und Menschen (vor allem Touristen) wuselten wie gequirlte K..ke durch die Straßen, eine Boulangerie fand sich nur am anderen Ende der Stadt. Obernai steckt also voller Touristen, der Campingplatz ist auch gut gefüllt; man glaubt folgerichtig, sich nicht mehr zu bemühen zu müssen. Nun, wir haben Obernai von der Liste der für uns existierenden Städte gestrichen.

Nachdem wir am nächsten Morgen (Sonntag) altbackenes Brot gefrühstückt hatten, waren wir kurz nach 9 Uhr fertig zur Reise. Die verlief auch völlig problemlos. Obwohl wir nicht mehr so starken Rückenwind wie am Samstag hatten, habe ich bis kurz vor zu Hause einen Verbrauch von 9,3 l (nach Bordcomputer) bei einem Schnitt von 83 km/h gehabt (mit dem Troll auf der gleichen Strecke vor 2 Jahren 6,9 l bei einem Durchschnitt von 93). Das lag sicher auch an dem günstigen Straßenprofil. Wir sind bei Baden Baden von der französischen auf die deutsche Autobahn gewechselt, und der Verkehr war zwar nicht gerade schwach, aber wir wurden nirgendwo behindert. Gegen 1 Uhr liefen wir nach 328 km Fahrt wieder in den Heimathafen ein.
Was gab´s sonst noch unterwegs? Klar, ich bin unter den Wohnwagen gerobbt und habe nach dem Erwerb eines 17er Schlüssels die Moverrollen auf 2 cm Abstand eingestellt. 100% zufrieden bin ich trotzdem nicht, denn mir scheinen die Rollen, wenn ich sie kräftig anlege, nun die Räder/Achse wegzuschieben und auch bei jedem Tropfen Regen bzw. jeden Miniberg durchzudrehen. Also ein Fall für die Werkstatt.
Der Kühlschrank unseres neuen WW erwies sich als größenwahnsinnig. Er meint nämlich ein Tiefkühler zu sein. Wir haben ihn beim ersten Mal ein bisschen kleiner als empfohlen (Mittelstellung) eingestellt und als wir abends die Radieschen essen wollten, waren die gefroren. Auch die Gurke, die ebenfalls im Gemüsefach lag, war komplett vereist. Gott sei Dank wurde es in den nächsten Tagen wärmer und mit der Stellung 1 Minute nach 12 benahm sich unser Kühlschrank halbwegs so, wie es sich für ihn gehört. Auch ein Fall für die Werkstatt (Garantie).
Und schließlich mein TV Equipment: Kathrein Rechteckantenne, dazu passendes Shapegdreibein etc. pp. Beim Einrichten gelang es mir nur die Sender des ZDF Bouquets zu bekommen, nichts mit der ARD und also auch nichts mit Arte. Das aber wollten wir des Wetterberichtes wegen haben. Vermutung meiner Frau: der Mistral hat die Antenne letztes Jahr durch die Gegend geweht. Vielleicht hat sie doch einen Knacks abbekommen? Sie hat, wie ich zu Hause feststellen konnte. Kein Fall für die Werkstatt; sie wurde durch eine Schüssel ersetzt.
Trotzdem: Wir haben die Reise genossen! Vermutlich sogar wegen der mitteleuropäischen Wetterverhältnisse. Ob wir uns erholt haben, weiß ich nicht. Dazu müsste ich eine Antwort auf die Frage haben: Wovon können/müssen sich Rentner eigentlich erholen?

piefke

RE: Burgundische Weine, Märkte, Kirchen ...

#2 von sunshine , 03.07.2007 21:48

Hallo piefke,

herzlichen Dank für diesen amüsant verfassten Reisebericht vom Burgund, der in mir den Wunsch weckt, diesen Landstrich auch mal zu besuchen.

Ich muss gestehen, dass ich diese schöne Ecke Frankreichs nur vom Vorbeifahren her (auf dem Weg in die Provence... ) kenne
- aber du hast es ja selbst geschrieben - das Wetter...
Kann es sein, dass man als Rentner schlechtes Wetter im Urlaub besser wegsteckt, weil man nicht ein Jahr auf den nächsten Urlaub warten muss?

 
sunshine
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RE: Burgundische Weine, Märkte, Kirchen ...

#3 von HD , 03.07.2007 21:51

Vielen, vielen Dank, Pfiefke (das 2. "vielen" bezieht sich darauf, dass Du HD in Deinem Bericht erwähnt hast - ich meine zwar, zuviel der Ehre, aber
ich gestehe, mich doch etwas geschmeichelt gefühlt zu haben)
wo war ich? - ach ja - für diesen Reisebericht.

Ich gestehe, so richtig Burgund als Region - und NUR Burgund - zu besichtigen fiel mir noch nicht ein. Wie Du schriebst, das Wetter ist zwar mild, aber es regnet öfter, natürlich nur immer, wenn ich dort war. Nun gut, ein paar Sonnentage (insgesamt) waren wohl auch dabei.
Burgund liegt einfach auf meinem Anmarsch- und Rückweg und meist lasse ich mir auch einige Tage Zeit dafür - wenn ich nicht gleich ins Jura oder Savoien "abdrifte".

Chablis grand crue? - doch er schmeckt mir, der Wein aus der Chardonnay Traube, sogar sehr gut zu Fisch - bis auf den Preis eben, deswegen kaufte ich in Chablis auch keinen - meist kaufe ich den günstigeren und auch wohlschmeckenden Sanscerre aus ebendiesem hübschen Ort auf dem Hügel.
Und der rote Bourgogne schmeckt mir auch, ich liebe ihn geradezu und sein rubinrotes Funkeln im Glas - dieser Wein aus auschliesslich der fruchtigen und spät geernteten und sehr gegen Spätfröste empfindlichen Pinot Noir Traube, dem Spätburgunder, wie die Sorte hierzulande heisst .
Kaufen tue ich eher seltener - der Preis eben, aber wegen meines Berufes bekomme ich manchmal ein Fläschchen geschenkt.

Auxerre - diese schöne Stadt am Ufer der Yonne mag ich besonders , mit seinen hübschen Hausbooten und Yachten am Ufer und seinen 3 weit sichtbaren Kirchen. Die Kathetrale St. Etienne war natürlich vor ein paar Tagen noch teilweise eingerüstet - rein musste ich trotzdem. Und, unten am Quai, kurz hinter der Autobrücke rechts - beim WOMO-Parkplatz ist eine Tierklinik, diese Ärzte haben meinem kleinen weissen Westi wahrscheinlich vor ein paar Jahren das Leben gerettet, er war stark dehydriert und die Nieren hätten wohl versagt, bis ich ihn zu Hause gehabt hätte. Ja, ich mag Auxerre, die Prefäktionsstadt an der Yonne, ich warne aber davor, die enge Altstadt mit dem WW zu befahren, es gibt viele rechtwinkelige und schmale Strassen.
HD
Gruss HD

 
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RE: Burgundische Weine, Märkte, Kirchen ...

#4 von Killerdackel , 03.07.2007 23:00

Wieder ein TOLLER Bericht.
Spezielle Grüße an Euern Fitneßtrainer !

 
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RE: Burgundische Weine, Märkte, Kirchen ...

#5 von Taubi , 03.07.2007 23:04

Moin,
danke für den ausführlichen Reisebericht.
Nach dem lesen will ich gerne anspannen und abhauen.

 
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RE: Burgundische Weine, Märkte, Kirchen ...

#6 von Susanne , 04.07.2007 08:22

hallo piefke,

schöner bericht, in dem ich mich gleich heimisch fühlte, da wir einen teil der ort auch schon bereisten.

reiseberichte haben aber (für mich) einen gravierenden nachteil: sie zeigen mir immer auf, dass es noch sooooooo viele schöne ecken auf unserer welt gibt, für die wir viel mehr zeit benötigen würden, um sie genauer kennenzulernen.

sie haben jedoch auch den vorteil, dass ich schneller weiß, was mir gefallen könnte .

ach ja und noch was piefke: was für einen schönen neuen wowa habt ihr denn jetzt???

 
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RE: Burgundische Weine, Märkte, Kirchen ...

#7 von Wintercamper , 04.07.2007 10:08

Sooooo ein toller Reisebericht! Ich finde auch, dass man sich auf Regentage mental einstellen kann, wenn man Lut auf die Gegend hat - dann merkts man´s irgendwie gar nicht mehr.

Susannes Frage liegt mir nach der Lektüre auch auf der Zunge: Was habt ihr denn nun für´n Wohni? (Vermutlich gibt´s längst einen anderen übersehenen Thread darüber...?)

 
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RE: Burgundische Weine, Märkte, Kirchen ...

#8 von Daniel , 04.07.2007 10:16

@ susanne und wintercamper
Knaus Azur

 
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RE: Burgundische Weine, Märkte, Kirchen ...

#9 von Susanne , 04.07.2007 13:23

danke daniel, das ist mir doch glatt durch die lappen gegangen, war in der woche in urlaub und hab wohl nicht sauber forum nachgelesen.

na dann noch herzlichen glückwunsch zum (vernünftigen) wowa piefke, auf dass es dir dein kreuz und damit deine gesamte gesundheit danken werden.

 
Susanne
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RE: Burgundische Weine, Märkte, Kirchen ...

#10 von piefke ( gelöscht ) , 05.07.2007 12:08

Zitat von Susanne
herzlichen glückwunsch zum (vernünftigen) wowa piefke, auf dass es dir dein kreuz und damit deine gesamte gesundheit danken werden.



Nanu, willst du dich bei Ben einkratzen? Aber im Ernst, der neue Wohnwagen bekommt meinen Lendenwirbeln aufs beste, es sei denn, ich krieche unterm Wohnwagen rum oder bestehe darauf, beim Vorzelt sämtliche möglichen Befestigungen mit Häringen zu versehen; und das immer schön gebückt.
Mit aufrechten Grüßen
piefke

piefke

RE: Burgundische Weine, Märkte, Kirchen ...

#11 von Susanne , 05.07.2007 12:54

Zitat von piefke

Nanu, willst du dich bei Ben einkratzen?



hallo piefke,

ne, ne, das hab ich nicht nötig, da ich noch nie zur touring- sondern schon immer zur wohnkisten-fraktion gehöre (zeltzeiten ausgenommen).

 
Susanne
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