RE: Hausbooturlaub in Südfrankreich - Camping auf dem Wasser

#1 von sunshine , 27.12.2006 20:26

Hallo Camperfriends,

heute möchte ich euch einmal von einer Urlaubsform erzählen, die sich ideal mit dem Campen verbinden lässt bzw. eigentlich Camping auf dem Wasser ist: Urlaub mit dem Hausboot.

In unserem Freundeskreis träumten vor allem die Männer davon, einmal „Kapitän“ auf einem Hausboot zu sein. Als unsere Kinder in das Teenageralter kamen und keine große Lust mehr hatten, allein mit den Eltern zu verreisen, haben wir den ersten Versuch gestartet und ein Hausboot gemietet. Wir, das waren damals drei Familien mit je zwei Kindern (drei fünfzehnjährige Jungs, zwei Mädels mit 17 und 18 und ein Junge mit 18 ).

Wir mieteten also ein Hausboot in Südfrankreich am Canal du Midi, das wir in den Pfingstferien Ende Mai in Agde für eine Woche übernahmen, um damit bis nach Carcassonne zu tuckern. Tuckern ist genau das passende Wort, denn so ein Hausbooturlaub könnte unter dem Motto „Die Entdeckung der Langsamkeit“ stehen.




Für diese Art Hausbooturlaub benötigt man keinen Bootsführerschein, denn die Boote fahren höchstens 8 Stundenkilometer schnell. Da wir 12 Personen sind, müssen wir natürlich das größtmögliche Modell wählen und das ist gut 12 Meter lang. Die Einweisung in das Boot fahren geht dann vor Ort sehr schnell: Nach der Einführung in die Bootstechnik machten wir gleich die Leinen los, legten ab und unser Guide zeigte uns, wie wir das Boot auf dem schmalen Canal mit Hilfe des Ruders und des Rückwärtsganges wenden können. Das klappte gut und nun sollten wir wieder am Ufer anlegen. Auch das beherrschten wir und so wurde uns nur noch gezeigt, wie man ordentliche Knoten macht, um das Boot zu vertäuen und dann hieß es schon „Bon Voyage!“ und wir tuckerten alleine los, einem genialen Urlaub entgegen.

Und wir lernten das Boot fahren, das An- und Ablegen und das Schleusen durch „learning by doing“, wie hier immer so schön gesagt wird. Unsere halbwüchsigen Kinder waren alle mit Feuereifer bei der Sache, halfen beim anlegen und Schleusen, steuerten selbst das Boot und waren jeden Tag rundum zufrieden. Jeden Abend suchten wir einen schönen Anlegeplatz mit Morgen- und Abendsonne, meist in Fahrradnähe eines kleinen Ortes, machten das Boot fest und begannen, das Abendessen vorzubereiten. Wir trugen Tisch und Stühle auf die Wiese am Ufer und setzten meist den Grill in Betrieb. Am Canal du Midi kann man nämlich überall anlegen und wenn es keine Möglichkeit gibt, das Boot festzumachen, schlägt man lange Erdnägel in den Boden und befestigt das Boot daran. Das funktioniert gut, da der Canal ja keine Strömung hat. Wegen der vorbeifahrenden Boote muss man es allerdings schon gut vertäuen. Ab und zu muss man in einem Ort oder einem Hafen das Frischwasser nachtanken und sonst braucht man sich eigentlich um nichts kümmern. Wenn es Probleme technischer Art gibt, setzt man sich telefonisch mit der Base in Verbindung und die schickt dann ihre Mechaniker direkt zum Boot. Bei uns fiel damals die Wasserpumpe aus, dreißig Minuten nach dem Anruf war der Monteur zur Stelle und reparierte die Pumpe.

Wir alle empfanden das Hausbootfahren wie Camping auf dem Wasser. Unsere Tour führte uns von Agde über Villeneuve, Beziers, Columbiers, Argeliers, Minervois, La Redorte und Trebes nach Carcassonne. Wir fuhren im Spaziergängertempo durch Weinberge und grüne Ebenen, über Viadukte und durch verschlafene Orte und einmal sogar durch einen Tunnel. Aufregende Erlebnisse gab es jeden Tag: Einmal riss uns das Haltetau in einer Schleuse, ein anderes Mal fingen die Kinder mit der Angel einen riesigen Fisch, dem wir aber wieder die Freiheit schenkten, weil keiner Appetit auf einen Fisch hatte, der vielleicht das isst, was wir durch die Toilette in den Canal pumpen. Zusätzlich hatten wir noch ein Schlauchboot mit Außenborder mit, mit dem die Kids gerne ihre Touren fuhren. Uns allen war keine Sekunde langweilig. Viel zu schnell ging die Woche vorbei und wir kamen in Carcassonne an und machten das Boot mit Blick auf die mittelalterliche Festung fest. Ein Teil der Besatzung fuhr dann mit dem Zug nach Agde, um die Autos zu holen, während der Rest packte und „klar Schiff“ machte. Abends machten wir dann noch einen Bummel zur alten Festung von Carcassonne, aßen dort zu Abend und tranken danach das letzte Glas Rotwein auf Deck. Nachdem am nächsten Morgen das Boot ausgeräumt war und der Mitarbeiter des Verleihers es inspiziert hatte, fuhren wir weiter ans Meer. In Marseillan Plage hatten wir drei nebeneinander liegende Mietzelte auf dem Campingplatz „Nouvelle Floride“ für die zweite Urlaubswoche gebucht. Diese Zelte sind komplett ausgestattet, so dass man nur mit Schlafsäcken und Kleidung anzureisen braucht. Von unserem Platz aus machten wir Ausflüge nach Beziers und in die Pyrenäen, genossen Meer und Strand und ließen es uns gut gehen.

Ein rundum gelungener Urlaub, den wir mit fast identischer Besetzung zwei Jahre später in Frankreich am Lot wiederholten und wiederum zwei Jahre später - nun ohne Kinder – in Italien in der Lagune von Venedig, beide Male mit einer angehängten Campingwoche. Im Anschluss an die Venedigtour campten wir eine Woche in Chioggia, wir mit dem Wohnwagen, unsere Freunde mit Igluzelt bzw. im gemieteten Mobilhome.






Ein billiges Vergnügen ist so ein Hausbooturlaub natürlich nicht. Die Preise sind aber gestaffelt, so dass die Boote (ebenso wie auch die Mietzelte) in der Vorsaison deutlich billiger sind. Und wer sich mit mehreren Personen ein großes Boot teilt, fährt natürlich auch etwas preiswerter.

Ich denke, wir werden bestimmt bald wieder einen Hausbooturlaub planen.



 
sunshine
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RE: Hausbooturlaub in Südfrankreich - Camping auf dem Wasser

#2 von Camper94 ( gelöscht ) , 27.12.2006 21:55

Hallo sunshine,

danke für den schönen und interessanten Bericht! Die Gegend um den Teil des Canal de Midi, auf dem Ihr unterwegs wart, kennen wir gut. Wir waren schon oft in der Region, allerdings noch nie auf einem Hausboot.

Haben wir das richtig verstanden, dass die Hausboote keinen Fäkalientank haben?


Camper94

RE: Hausbooturlaub in Südfrankreich - Camping auf dem Wasser

#3 von sunshine , 27.12.2006 23:19

Hallo Camper 94,

du hast das ganz richtig verstanden - die Toiletten auf allen Hausbooten funktionierten nach dem selben Prinzip: Rechts und links neben der Schüssel gibt es einen Hebel - mit einem Hebel wird Wasser aus dem Kanal, dem Fluss, der Lagune in die Schüssel hoch gepumpt, mit dem anderen Hebel wird der Toiletteninhalt ins Wasser gepumpt...

Auf jeden Fall hatten wir keine Lust mehr auf Fische aus diesen Gewässern...


 
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RE: Hausbooturlaub in Südfrankreich - Camping auf dem Wasser

#4 von ben ( gelöscht ) , 28.12.2006 09:41

Hallo sunshine,

danke für den Bericht. Wie sieht das eigentlich in der Lagune von Venedig mit den Verkehrsregeln aus. Dort fahrt ihr doch mit dem Hausboot zwischen rasenden Wassertaxis und der Berufsschifffahrt umher. Außerdem gibt es eine umfangreiche Betonnung dort. Habt ihr jemanden an Bord gehabt, der einen entsprechenden Führerschein oder wenigstens entsprechende Kenntnisse hat? Wenn ihr eine Hauptfahrrinne quert, muss sich doch jemand auskennen, auch wenn die Boote führerscheinfrei sind. Oder?

Gruß
ben


ben

RE: Hausbooturlaub in Südfrankreich - Camping auf dem Wasser

#5 von Stephan ( gelöscht ) , 28.12.2006 10:10

Hallo sunshine,

danke für diesen Bericht! Unsere Urlaubsplanung 2007 sah eigentlich auch eine Hausbootwoche (allerdings in MeckPomm) vor. Leider gibt unser Budget es doch nicht her, denn wir sind auf die Sommerferien angewiesen und da sind die Preise exorbitant hoch . Trotzdem werden wir den Plan nicht ganz aufgeben - vielleicht später einmal

PS: Die in MeckPomm angebotenen Hausboote waren alle mit Abwassertank ausgestattet.


Stephan

RE: Hausbooturlaub in Südfrankreich - Camping auf dem Wasser

#6 von Michi ( gelöscht ) , 28.12.2006 10:19

Hallo Sunshine,

von mir auch ein Dankeschön für den Reisebericht.
Ich mache zwar gerade den Bootsführerschein wegen dem Verein, aber so ein Urlaub auf dem Hausboot
reizt mich schon ne ganze Zeit lang.
Mal sehen wie es in den nächsten Jahren aussieht, ob sowas zustande kommt mit noch ein paar Freunden.

In Deutschland sieht das mit den Abwässern etwas anders aus.
Z. B. dürfen bei uns am See nur Polizei und Wasserretter mit Motorbooten drauf.
Und übernachten darf man auch nicht, eben wegen Abwasser und Co.
Die Vorschriften sind in D relativ streng im Vergleich zu unseren Nachbarländern.

Gruß Michi


Michi

RE: Hausbooturlaub in Südfrankreich - Camping auf dem Wasser

#7 von daf43 , 28.12.2006 10:29

Hallo Iris,
vielen Dank für diesen netten Bericht. Ich selbst habe eine solche Bootsfahrt noch nicht gemacht, aber ein guter Freund schon mehrmals. Seine Erkenntnisse:
-Man muss sich schon gut verstehen, um auf so engem Raum miteinander auszukommen (im Gegensatz zum CP hat man den ganzen Tag, wenn man nicht anlegt, kaum "Auslauf").
-Man sollte möglichst Einwegmiete machen, denn besonders bei der Rückfahrt kann eine Strecke mit vielen Schleusen auch nerven.
-Eine Woche reicht völlig aus, lieber ein anderes mal auch wieder eine Woche.
Das sind nur einige Gedanken dazu, mein Freund plant schon die nächste Fahrt.
daf43


 
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RE: Hausbooturlaub in Südfrankreich - Camping auf dem Wasser

#8 von sunshine , 28.12.2006 10:30

Hallo ben,
einen Bootsführerschein hat keiner von uns, allerdings wollen die Männer das mal in nächster Zukunft angehen.

Natürlich haben wir uns schon im Vorfeld etwas schlau gemacht. Ein empfehlenswertes Buch für eine Tour um Venedig ist "Lagunengeheimnisse" von Günter Lengnink. Außerdem bekommt man ein richtig dickes Handbuch bei der Einweisung mit überreicht, das wir öfters zu Rate zogen. Berufsschifffahrt hat immer Vorrang (an Schleusen beispielsweise) vor Freizeitschifffahrt.

Die Betonnung in der Lagune war schon etwas heimtückisch und unsere Männer sind sich mehr als einmal darüber in die Haare geraten, wie man an manchen Stellen richtig fahren muss. Aber letztendlich haben wir unsere Touren ohne Zusammenstoß gemeistert.

Für einen absoluten Anfänger würde ich die Lagune aber nicht empfehlen. Hierfür ist der Canal du Midi (oder ein anderer Kanal) besser geeignet. Und das Schleusen lernt man hier von der Pike auf...

@ Michi und Stephan:
Unsere südlichen Nachbarn sind, was den Umweltschutz anbelangt, wohl etwas gedankenloser als wir hier.


 
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RE: Hausbooturlaub in Südfrankreich - Camping auf dem Wasser

#9 von sunshine , 28.12.2006 11:53

Hallo Dieter,

du hast völlig recht, man muss sich sehr gut verstehen auf so einem Boot, weil man sich nicht aus dem Weg gehen kann. Ich würde so eine Tour nicht mit allen unseren Freunden in Betracht ziehen, weil wir ja gegenseitig unsere Stärken und Schwächen sehr gut kennen...

Wir hatten übrigens immer zwei Fahrräder an Bord. Gerade an den Flüssen und Kanälen kann man sehr schön auf den Dreidelpfaden neben dem Boot her bzw. voraus radeln. Und wer Bewegung braucht, joggt ein wenig neben dem Boot her. Auf Bewegung muss man also nicht unbedingt verzichten.

Wir haben übrigens alle drei Touren als Einwegtouren durchgeführt.***

Die Suchtgefahr ist aber trotz der beschriebenen Nachteile beim Hausbooturlaub sehr groß...

*** edit:
Das stimmt so nicht ganz, nur auf dem Canal du Midi sind wir eine Einwegstrecke gefahren. Auf dem Lot war das Revier damals noch neu und recht klein, so dass wir das Boot wieder am Startpunkt abgeben mussten.
Genau so war es auch in der Lagune von Venedig - aber dort hat man sehr viele Wahlmöglichkeiten, welche Strecken man fahren kann.

Danke für deinen Hinweis, IX_MAX... ops:


 
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RE: Hausbooturlaub in Südfrankreich - Camping auf dem Wasser

#10 von babsie ( gelöscht ) , 26.05.2007 10:37

Hallo!

Schön, noch ein "alter" Thread, der mich interessiert!!! :huepf1:

Wir haben schon zweimal eine Tour mit dem Hausboot auf dem Canal du Rhone à Séte gemacht - es war wirklich wunderschön.

Diesen Kanal haben wir gewählt, weil es dort keine Schleusen gibt (und wir Neulinge waren), und wir haben die Tour zweimal gemacht, weil es beim ersten Mal einen Sterbefall in der Familie gab und wir abbrechen mußten.

Abgesehen davon, dass Hausbooturlaub wirklich sehr teuer ist, fanden wir diese Art, Urlaub zu machen, einfach nur toll. Es ist genauso leger wie Campingurlaub, man kann den ganzen Tag die Seele baumeln lassen und einfach nur ausspannen.

Die Landschaft der Camargue bietet zwar nicht so viel wie am Canal du Midi, aber wir haben trotzdem mit den Rädern einiges erkundet und viel gesehen. Allerdings waren wir alleine mit unserem Hund unterwegs - mit noch einem weiteren Paar wäre mir der Raum zu eng geworden und ich hätte zu wenig Privatsphäre gehabt.

Naja, jetzt haben wir ja einen WW und werden nächstes Jahr damit nach Frankreich fahren - das wird sicher genau so schön, aber viiiel günstiger!!!

LG

Barbara

babsie

   

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