RE: Marokko-Rundreise mit dem Wohnwagen

#1 von Gelöschtes Mitglied , 18.11.2006 18:28

EDIT: Der bisher hier genutzte Bilderdienst verlinkt (wirbt) zu Inhalten oberhalb meiner Toleranzschwelle, was ich beim Einstellen der Beiträge nicht wusste. Ich habe die Fotos daher entfernt. Ich füge sie wieder ein, wenn ich eine für mich akzeptable Lösung gefunden habe. Soweit erforderlich, habe ich den Text angepasst, damit der Beitrag verständlich bleibt.

Ich möchte heute über eine Reiseform berichten, der für manche der leibhaftige Gräuel ist (in der Regel haben sie es aber nie probiert) und die andere über alles lieben:
Die geführte Tour.
(Wer wissen möchte, mit wem wir so zufrieden waren, darf mich fragen).

Meine Frau hat häufig bedauert, dass es ihr nie möglich war, mich auf Reisen in arabische Länder zu begleiten. So habe ich mich vor einigen Jahren entschlossen, ihr eine Campingreise in ein solches Land vorzuschlagen.

Und weil wir solo als Unerfahrene ein ungutes Gefühl gehabt hätten, eben mit Reiseleitung. Vorweg genommen: Wir kämen nie auf die Idee, uns in dieser Form z.B. für eine Toskanarundreise zu binden – eine Tour aber in eine vergleichbare Region: Gerne wieder.

Wir haben also auf den Tipp eines Kollegen hin eine geführte Tour durch Marokko gebucht. Die Buchung schloss die Fähre von Spanien, alle Übernachtungen, zahlreiche Mahlzeiten, geführte Besichtigungen und natürlich die Reiseleitung ein.

Die Gruppe setzte sich auch etwa 20 WoMo und 3 Gespannen zusammen, zwei davon mit 4x4 Antrieb und wir mit unserem Golf IV TDI 66 kw (wir sind nie stecken geblieben und haben die WoMos kräftig mit durch den Sand geschoben). Nationalitäten D, AU, CH und NL.

Übernachtet wurde auf Campingplätzen, in der Wüste (eine minimale Autarkie ist also erforderlich. Aber man muss dazu in aller Regel nichts um- oder zusätzlich einbauen. WC ist ja vorhanden, Waschbecken auch - wäre sonst entbehrlich - und das bisschen Licht abends spendet der Akku des Zugfahrzeuges. Und einen extra Wasservorrat nimmt man ohnehin mit.) und bei Hotels/Gaststätten, deren Einrichtungen genutzt werden konnten.

Der Tagesverlauf war seitens der Reiseleitung so organisiert: Morgens gegen 9:00 Uhr Zusammenkunft aller, Ausgabe der Reiseroute (schriftlich) für den Tag mit Hinweis auf Besonderheiten, ggf. weitere Besonderheiten wie Treffpunkte unterwegs wegen Besichtigungen. Gefahren wurde grundsätzlich solo (Ausnahme Wüstenpisten mit Führer) – natürlich fanden sich schnell Gruppen, die sich zwanglos verabredeten.

Die Route führte in sehr lockeren Etappen von Malaga nach Melilla, Taourit, nach Südosten die Nähe der algerischen Grenze nach Erfoud, Erg Chebbi, dann nach Südwesten Quarzazate, über Tata nach Goulimine, an den Atlantik bei Sidi Fini und weider nach Norden Agadir, Marrakesch, Fes El Araich – Ceuta – Algeciras. Die Kosten hielt ich für sehr angemessen.


Anmerkung zum Hund: Vergesst alles, was ihr in Reiseführern über Hunde in moslemischen Ländern lest: Ich frage immer , grundsätzlich und überall zuvor, ob unser Hund willkommen ist. Er war es vorbehaltlos immer (nur in eine Koranschule durfte er nicht - in die Kirchen Europas ja doch auch nicht). Nur immer zu bedenken: Einen folgsam an der Leine geführten größeren Hund kennt man außerhalb der Großstädte nicht - und man hat vor ihnen (im Gegensatz zu den scheuen Halbstreunern) einen Heidenrespekt (dito in der südlichen Türkei).

Da erzähle ich eine nette Begebenheit am Rande eines Ortes: Ich gehe mit unserem Hund etwas spazieren, da kommen zwei Jungs um die Ecke - sehen den Hund und rennen vor Angst schreiend weg. Ich lass unseren Hund "sitz" machen, nach einiger Zeit trauen sich die Buben näher und verlieren ihre Angst. Ich lass unseren Hund Pfötchen geben und erkläre ihnen, sie sollten " bonjour" sagen und die Hand ausstrecken - der Hund gibt Pfötchen. Als wir wieder am CP sind, drängen sich mehrer Kinder und auch Erwachsene. Es geht offensichtlich um unseren Hund. Ich vestehe das Kauderwelsch nicht und finde jemanden, der übersetzt. Sie wollen den Hund sehen, der "Bonjour" sagen kann!

Wir haben dieses Land ab Mitte September besucht - da ist es schon noch richtig warm, aber die Temperaturspitzen sind doch durch. Besonderer Vorbereitungen bedarf es nicht. Wir mussten einmal eine Schutzbriefleistung in Anspruch nehmen: Kurzes Handytelefonat zum ADAC-München und 10 Minuten später lag eine Fax mit der Kostenübernahmerklärung bei der deutsch sprechenden Vertretung in Agadir, welche alles Weitere bestens regelte.

Die Zusammensetzung der Gruppe war sehr vielschichtig: 3 Gespanne, dazu VW-Büsschen. Mini-WoMo und auch solche in Omnibusgröße. Altersgruppe Mitte 30 bis fortgeschrittene Rentner; erfahrene Weltenbummler wie blutige Anfänger. D, AU und CH vertrugen sich gut, feierten Geburtstage zusammen und leerten so manchen Becher Roten (in Marokko wird ein vorzüglicher Wein an- und ausgebaut, der allerdings in den kleineren Orten nicht zu kriegen ist) beim Lagerfeuer (das Holz dafür bringt man mit, denn daran herrscht hier großer Mangel und man nimmt das wenige den Einheimischen nicht weg; auch wenn es vielleicht irgendwo rumliegt).

Die Eindrücke von Landschaft, Kultur, Speisen, Geschichte, Architektur und Lebensart sind schlicht überwältigend. Wer mal etwas anderes - bei gebremster Abenteuerlust und Risikobereitschaft - erleben möchte, dem empfehle ich eine solche Tour uneingeschränkt. Und dies empfiehlt euch jemand, der sich ansonsten nicht gern von anderen sagen lässt, wo es langzugehen hat!

Wir haben den Fehler begangen, das Zugfahrzeug auf den Pisten nicht absolut geschlossen zu halten (wg. Hund, das Auto hatte keine Klimaanlage). Der Staub z.B. auf dem Instrumententräger ist nicht wieder zu entfernen und das Schiebedach wäre nur durch Austausch wieder funktionstüchtig geworden. Wechsel alle Filter nach Rückkehr ohnehin.

Trotzdem: Bei pechschwarzer Nacht, kristallklarem Himmel mit einem Becher Wein in der Hand mit seiner Partnerin bei knisternden Feuer in der Wüste die Sternschnuppen zählen und die Seele baumeln lassen, unendlich weit weg von allem ... man wird es sein Leben lang nicht vergessen.



RE: Marokko-Rundreise mit dem Wohnwagen

#2 von HD , 18.11.2006 20:09

Da kann ich nicht mitreden, HDF - das ärgert mich und ich beneide Dich ob Deiner Reise.
Trotzdem, "alter" Fahrensmann, es war schön, dass Du mich mitgenommen hast - Danke von mir dafür.
(Sag mal, E.... so unter uns - fühlste Dich wieder hier etwas "zu Hause"? - Du weisst ja, ich kann zwischen den Zeilen lesen)
Viele Grüsse von HD


 
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RE: Marokko-Rundreise mit dem Wohnwagen

#3 von wombiroo ( gelöscht ) , 18.11.2006 21:07

Boooh ey!

Geile Tour!

Sowas ist "geführt" aber sicherlich zu empfehlen, und es war ja auch nur eine "sanfte" Führung... - und das mit nem Golf, irre!

Danke für DEN Bericht!


wombiroo

RE: Marokko-Rundreise mit dem Wohnwagen

#4 von JustMe ( gelöscht ) , 18.11.2006 23:44

Stark! Super Sache! Das macht Lust und Mut auf Nachahmung ...
Danke für den Bericht!

... JustMe


JustMe

RE: Marokko-Rundreise mit dem Wohnwagen

#5 von beisl01 , 19.11.2006 09:49

Schöner Bericht mit starken Bildern. Danke dafür.

An so etwas denke ich auch immer wieder, nur, wie sag ich's meiner Frau?
Ihr sind Reisen in aussereuropäische Länder suspekt, da fährt sie nicht mit.....im Leewe net wie Becker Heinz immer sagt.


 
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RE: Marokko-Rundreise mit dem Wohnwagen

#6 von ben ( gelöscht ) , 19.11.2006 10:08

Hallo HDF,

danke für den Reisebericht. Mir geht es ein wenig wie HD: Ich werde ">neidisch.

Gruß
ben


ben

RE: Marokko-Rundreise mit dem Wohnwagen

#7 von sunshine , 19.11.2006 12:12

Hallo HDF,
ich wiederhole mich gerne: Schön, dass du uns hier wieder Anregungen lieferst, was wir noch auf die persönliche "Urlaubsträumeliste" setzen können.
Danke dafür!


 
sunshine
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RE: Marokko-Rundreise mit dem Wohnwagen

#8 von morgenröte , 19.11.2006 13:27

Märchenhafte Reise, traumhafte Bilder!!!!!!!!!!

Gruß Andrea


 
morgenröte
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RE: Marokko-Rundreise mit dem Wohnwagen

#9 von Camper94 ( gelöscht ) , 19.11.2006 19:06

Hallo HDF,

vielen Dank für Deinen interessanten Reisebericht mit Fotos. Eine solche Reise alleine zu unternehmen, wäre unserer Meinung nach viel zu gefährlich. Es hört sich so schon nach Abenteuer an. Alle Achtung, dass Ihr ohne Allrad so gut durchgekommen seid.


Camper94

   

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