RE: Westwärts!

#1 von beisl01 , 17.11.2006 16:16

Auch der Norden hat seine Reize. Zumindest der Norden Frankreichs. Damit meine ich die Bretagne und die Normandie. Es ist auch schon wieder Jahre her, dass wir dieses Gebiet bereisten. Vor allem von der Normandie sahen wir nur einen kleinen Teil. Es gibt ganz bestimmt eine weitere Reise dorthin. Der erste längere Aufenthalt war in der Normandie, der Heimat der drei C's. Nein, nicht die Camping-Zeitschrift ist damit gemeint, sondern Camembert, Calvados und Cidre.

Unser Standort für eine Woche war der Schloßcampingplatz "Le Colombier" bei Moyaux. Ein Spitzenplatz, stilvoll, Restaurant beim Schloss, zusätzlich eine kleine Crepérie, beheiztes Schwimmbad, Tennisplatz, Kaminstube mit Bar und Bibliothek im Taubenturm, die deutsche Übersetzung für "Colombier". Besitzer des Platzes ist eine französisch-deutsche Familie, es gibt also keine Sprachprobleme.

Von hier aus unternahmen wir unsere Ausflüge in die Umgebung. So sahen wir Rouen (Jeanne d'Arc), Le Havre (Seinemündung), Honfleur (historische Stadt und Hafen), Deauville und Trouville (Sommerfrische der Pariser und Engländer). Caen und Lisieux besuchten wir auch, ja selbst das Museum und der Garten von Claude Monet in Giverny waren uns einen Tagesausflug wert.

Für Pferdeliebhaber: die Normannen sind Pferdenarren, deshalb wird auch der Pferdesport und damit die Gelegenheit zum Reiten groß geschrieben. Klimatisch ist das Reiseziel nicht mit den südlichen Gefilden zu vergleichen. Damit es keine Missverständnisse gibt, es regnet nicht den ganzen Tag und kalt ist auch nicht. Ganz im Gegenteil, die Temperaturen sind angenehm. Vom Atlantik treffen die Druckgebilde, die Hochs und die Tiefs, ungebremst auf das alte Europa. Das gilt vor allem für die westliche Bretagne. Deshalb wechselt das lokale Wetter tagsüber häufig recht schnell. Wie die nicht wetterverwöhnten Briten sagen: "five seasons a day". Die für Schönwetter verantwortlichen Hochs wandern ja im Wetterjahr ausgehend vom Norden immer weiter in den Süden, bis Azorenhochs ausgeprägt und stabil unseren Sommer wettermäßig beeinflussen. Deshalb ist auch die beste Reisezeit für diese Ecke Frankreichs das späte Frühjahr bzw. der Frühsommer.

In der Normandie wird mit Butter und Sahne gekocht. Und wenn der Bauch keinen Platz mehr lässt, ein Glas Calvados schafft das berühmt-berüchtigte "Trou normand", das normannische Loch, das wieder Platz zum Essen schafft.

Weiter fuhren wir dann Richtung Westen, vorbei am berühmten Mont Saint Michel. Der Fluss "Couesnon" ist nach einer alten Vereinbarung der beiden alten Herzogtümer Bretagne und Normandie die Grenze zwischen beiden. Im Schwemmland bei der Mündung wechselte der Fluss öfter mal sein Bett. Jetzt mündet er westlich des Klosterbergs. Deshalb gehört der Mont Saint Michel zur Normandie, obwohl auch die Bretonen den berühmten Wallfahrtsort für sich reklamieren.

Unser Ziel war die berühmte "Côte de Granit rose". das sind die riesigen Granitfelsen an der Küste zwischen der Ile de Brehat und dem Ort Trébeurden. Das beeindruckenste Felsenchaos ist zwischen den Orten Perros-Guirec und Trébeurden. Der kleine Ort Ploumanac'h legte seinen Park inmitten der Felsen an. Die haben dann auch Namen wie Napoleons Hut, die Schildkröte, das Gesicht des Affen.

Unser Standplatz war der Campingplatz "Le Ranolien" zwischen Perros-Guirec und Ploumanac'h. Die Ausstattung ist Spitze, unser Stellplatz war sehr groß (rund 250 qm) und lag etwas abseits mit Blick auf das Felsenmeer im Stadtpark und die kleine Bucht (Pors Rolland) vor dem Eingang. Ein Spaziergang auf dem Zöllnerweg entlang der Küste ist ein Muss in der Gegend. "Le Ranolien" ist perfekt ausgestattet. Mehrere Becken, sogar überdacht und beheizt und eine große Rutsche bilden eine beeindruckende Badelandschaft. Leider machen sich heute aber auch immer mehr mietbare Mobil-Homes auf dem Platzgelände breit.

Die Küsten der Bretagne sind zum Baden nicht so gut geeignet, die Tidenhöhen (die Unterschiede zwischen den Tief- und den Hochwasserständen) sind beachtlich, bis zu 15 Meter. Deshalb ist die Badelandschaft bei Ebbe für Kinder und auch Erwachsene ganz toll. Aber auch in den in die Felsen eingebetteten kleinen Buchten, die bei Ebbe trockenfallen, sind prima Jagdreviere für die "Fischer zu Fuß". Ausgestattet mit Spieß und Kescher finden sich manche Krebse und Muscheln, die in Eimern gesammelt werden. Für Kinder ein Erlebnis.

Fischliebhaber sind bestens aufgehoben in der Bretagne. Fischgerichte aller Art und Platten mit Meeresfrüchten gibt's in allen Restaurants. Auch Selbstversorger kommen auf ihre Kosten. Jeder Supermarkt hat eine Fischabteilung, mit einem Angebot in Hülle und Fülle, das frischer nicht sein kann. Wer Fisch nicht so zugetan ist, wird auch gut satt. Die mit allerlei Füllungen versehenen, leicht salzigen "Galettes" und danach die süßen "Crepes", zusammen mit Cidre, der stilecht aus der Tasse getrunken wird, sind auch eine sättigende Mahlzeit.

Für die Hobbyornithologen interessant sind die Sept Ilês. Die Inseln sind wenige Kilometer vor der Küste. Auf einer von ihnen nistet in den Monaten Mai bis Mitte Juli die einzige Baßtölpelkolonie Frankreichs. Weitere Seevögel, die dort ihre Brutplätze haben, sind Dreizehenmöven, die putzigen Papageientaucher, Krähenscharben, Kormorane und andere Arten. Selbst eine Kolonie Seehunde sind in den Gewässern um die Inseln beheimatet. Eine andere Insel der Gruppe war mit einem Kloster und einem Fort zur Verteidigung der Region bebaut. Heute sind das nur noch Ruinen. Von Perros-Guirec aus fahren regelmäßig Schiffe zu den Inseln. Die Schiffsführer sind sehr erfahren und erklären in mehreren Sprachen die Lebensumstände und die Verhaltensweisen der Seevögel. Auf der Insel mit den Ruinen legen die Schiffe zu einem kleinen Spaziergang auch an. Die Fahrt ist zu empfehlen.

Wir fuhren dann weiter bis zum äußersten westlichen Zipfel des europäischen Festlandes. Fälschlicher Weise herrscht die Meinung vor, das sei die Pointe du Raz. Stimmt aber nicht, das ist eine Felsenspitze bei Le Conquet, westlich der großen Stadt Brest.

Unser Campingplatz hieß "Le Théven" und war ein Gemeindeplatz (Camp Municipal). Toll gelegen, sauber, ganz ordentlich ausgestattet und viel Platz zum ausbreiten. Zu Fuß konnten wir nach Le Conquet gehen, für Ortsbesuche waren wir auf das Auto nicht angewiesen.

Von hier aus besuchten wir die "Aber". Mit "Aber" werden die Mündungstrichter der Flüsschen und Bäche bezeichnet, die einige Kilometer wie Fjorde ins Land reichen können. Der berühmteste ist "Aber Wrac'h". Weitere Ausflugsziele waren Morlaix, die Stadt Brest mit dem Hafen und mit seinem riesigen Aquarium Oceanopolis.

Die bretonische Sprache ist keltischen Ursprungs, nicht mit Französisch verwandt. Die Bretonen kommen ja auch von den Britischen Inseln. Der Wortstamm von Bretagne und von Britannien ist der gleiche. Überhaupt fühlen sich die Bretonen ihren Brüdern auf den Inseln gegenüber dem Kanal verbunden. Viele Besucher von der Irischen Insel, aus Schottland und aus England fanden wir bei unserem Besuch des bretonischen Nordens vor. Auffallend ist auch, alle Ortsschilder sind zweisprachig, nämlich bretonisch und französisch. Bretonisch wird auch noch im äußersten Westen als Umgangssprache gesprochen.

Unsere Rückreise führte über Rennes, Le Mans, Fontainebleau, St.-Dizier, Verdun, Metz, Saarbrücken zurück nach Hause. Ein sehr schöner vierwöchiger Urlaub endete.


 
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RE: Westwärts!

#2 von morgenröte , 17.11.2006 18:07

Hallo beisel,

deine Berichte haben Spaß gemacht. Du bist ja sehr aktiv im Urlaub. Wir gucken uns meist nur auf der Hinreise etwas an, zurück geht es dann schneller.

Besonders der Duft der Eintopfgerichte hat es mir angetan!

Gruß Andrea


 
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RE: Westwärts!

#3 von HD , 17.11.2006 19:02

Danke, beisl - für den schönen Reisebericht - und auch hier konnte wieder im Geiste mitfahren und schöne Erinnerungen aufwärmen.

Gruss HD


 
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RE: Westwärts!

#4 von sunshine , 17.11.2006 19:08

Hallo beisl,
schön, dass ich nun wenigstens von dir lesen konnte, was wir uns diesen Sommer nicht anschauen konnten. Wegen der Schlechtwetterlage und unseren jungen Mitreisenden sind wir nur wenige Tage in der Bretagne geblieben und dann in den Süden geflüchtet. Zu zweit hätten wir das sicher nicht getan.
Danke für deinen interessanten Bericht, er macht so richtig Lust auf diesen schönen Landstrich.


 
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RE: Westwärts!

#5 von beisl01 , 17.11.2006 19:09

Hallo Morgenröte,

im Urlaub versuchen wir immer eine gesunde Mischung aus Aktivitäten (Ausflügen, Radtouren, Wanderungen, Besichtigungen) und Faulenzen zu finden. Meist ist es so, dass auf einen Aktivtag ein Faulenzertag folgt.

Das versuchen wir auch auf der Hin- bzw. Rückreise hinzukriegen. Es kommt immer wieder vor, dass wir zwei Tage auf einem Platz bleiben. So versuchen wir unsere Urlaubsatmosphäre in den Alltag zu übertragen.

Leben und Leben lassen ist das Motto.


 
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RE: Westwärts!

#6 von Touringfan ( gelöscht ) , 18.11.2006 16:17

Hallo beisl01,

toller Bericht, hab ich gleich abgespeichert. Gute Tipps kann man immer gebrauchen, besonders wenn wir mal unsere, im Kopf schon fertige, Atlantikküstentour in die Tat umsetzen.

Grüße Gerhard


Touringfan

RE: Westwärts!

#7 von Camper94 ( gelöscht ) , 19.11.2006 18:37

Hallo beisl01,

vielen Dank für Deinen schönen Reisebericht. Die Bretagne ist immer eine Reise wert. Bei uns ist es leider schon einige Zeit her, dass wir dort waren.


Camper94

RE: Westwärts!

#8 von Taubi , 19.11.2006 18:49

Moin,
danke Beisl01,sehr schön geschriebener Reisebericht.
Ich war schon mal in der Ecke und beim lesen habe ich im Kopf einen Film abgespielt...sehr schön.

Die Bretagne ist in meinen Augen wild und doch irgendwie lieblich.


 
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