RE: Pays Bigouden

#1 von beisl01 , 16.11.2006 23:58

In die Bretagne zieht es uns immer wieder, weil dort unter anderem auch das Klima so erträglich ist. Wetter ist schon ein Thema, es ist aber ein Vorurteil zu meinen, es herrsche nur schlechtes Wetter. Die Temperaturen sind normalerweise moderat und ausgeglichen, ja es kann sogar warm und sonnig sein, wie es während unserer Reise in der südlichen Bretagne der Fall war.

Unsere Reise führte uns über Saarbrücken, Metz, Nancy, St.-Dizier bis zum Lac du Der-Chantcoq. Aan diesem aufgestautem Gewässer übernachteten wir auf dem Campingplatz Presqu'île de Champaubert. Auf der Route Nationale 4 ging’s vorbei an Vitry-le-François, Sézanne, um dann bei Fontenay-Trésigny über Melun und Fontainebleau nach Orléans zu fahren. Weil wir Orléans schon von früheren Reisen her kennen, fuhren wir diesmal durch die Stadt, um auf der RN152 in das Loire-Tal einzubiegen. Kurz vor Blois kommt Suèvres. Am Rande der Ortschaft, hinter einer hohen Mauer zur Strasse hin, versteckt in einem großen Park und Obstgarten ist um ein kleines Schlösschen herum der Campingplatz Château de la Grenouillère.

Der Platz war für vier Tage unser Standquartier, um die Schlösser der Loire und andere Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Beaugency, Chambord, Blois, Chenonceaux und Cheverny sind ja in unmittelbarer Nähe. Das Loire-Tal wird nicht umsonst der Garten Frankreichs und das Tal der Könige genannt. Ein paar Worte zum Campingplatz: es ist ein Spitzenplatz, gut ausgestattet, mit großen Stellplätzen, ein annehmbares Restaurant mit zusätzlichem Buffet und Pizzeria, mit geheiztem Schwimmbad und Spielplätzen für die Kinder versehen. Ein Nachteil ist aber die Bahnlinie, die ungefähr einen Kilometer am Platz vorbeiführt. Es ist eine viel befahrene Strecke, auf der auch lange Güterzüge verkehren, und die machen Lärm, der auf dem Platz zu hören ist. Wenn wir wieder das Loire-Tal besuchen, suchen wir einen Platz, auf dem nicht soviel Eisenbahnlärm zu hören ist.

Von Blois aus fuhren wir auf den Nationalstraßen über Vendôme, Le Mans, Laval nach Rennes. Bekannt ist ja, dass Rennes das Tor zur Bretagne ist. Normalerweise halten wir immer für einen Kurzbesuch, wir wollten aber weiterkommen und fuhren vorbei an Ploërmel bis Josselin.

In Josselin ist das Stammschloß des Adelsgeschlechts der Rohan. Das Familienmotto der Rohans war ja: "Roi ne puis, Prince ne daigne, Rohan suis". Sinngemäß übersetzt lautet das: König kann ich nicht sein, Prinz ist meiner unwürdig, ein Rohan bin ich. Deshalb hatten die Rohans auch immer wieder Konflikte mit den Herrschenden, seien es die Herzöge der Bretagne oder später die französische Krone. Um 1630 kämpfte als Anführer der Hugenotten Henri de Rohan gegen Kardinal Richelieu und seine königlichen Truppen. Die eroberten die Festung, die wieder einmal geschleift wurde. Richelieu soll voll Ironie zu Rohan gesagt haben: "Mein Herr, ich habe gerade einen guten Treffer in ihrem Kegelspiel getan". Heute noch stehen drei 60 m hohe Türme, sie erinnern an aufgereihte Kegel, was Richelieu zu dem Spruch veranlasst haben soll.
Den Innenhof ziert eine reich dekorierte Fassade. das Erdgeschoss ist zu besichtigen. Die Familie Rohan besitzt auch heute noch das Schloss.

Bei Josselin fand auch der berühmte Kampf der 30 statt, der den lange währenden bretonischen Erbfolgekrieg beendete. Aan der Seite von Charles de Blois kämpften 30 Bretonen gegen 20 Engländer, 6 Deutsche und 4 Bretonen, die für Jean de Montfort antraten.

Wir übernachteten auf dem recht angenehmen Campinglatz le Bas de la Lande, nur wenige Meter vom Fluss Oust entfernt.

Unser nächstes Ziel war dann Quimper. Quimper, die Stadt des sagenhaften Königs Gradlon –nach dem die Stadt Ys in den Fluten versank-, und des Bischofs Corentin, ist nach unserem dafürhalten die bretonischste aller Städte. Am Fluss Odet gelegen, mit seiner Kathedrale und vielen historischen Bauten in der Altstadt, den Parkanlagen am Fluss entlang, dem Musée des Beaux Arts und dem Musée Départemental Bretone, ist Quimper in einem Tag nicht zu erforschen. Es bedarf schon einiger Tage, um sich die Schönheiten dieser Stadt zu erschließen.

Unser Standquartier sollte der Campingplatz L'Orangerie de Lanniron werden. Wir waren auch auf diesem Superplatz, der für sich betrachtet, wirklich einmalig ist. Am Ufer des Odet, im Park des bischöflichen Sommersitzes, in einer traumhaft schönen Umgebung gelegen. Aber, und das war es, was uns zu einem Platzwechsel veranlasste, in 5 km Entfernung ist der Beginn der Landebahn 27 des Flugplatzes von Quimper. L'Orangerie de Lanniron ist genau östlich des Aufsetzpunktes gelegen. Weil der Flugplatz regen Flugverkehr aufweist, ist alle halbe Stunde mit der Landung eines Verkehrsflugzeuges zu rechnen. Dann fliegen in ungefähr 100 m Höhe die Flieger über den Stellplatz. Der Lärm ist entsprechend.

Jedenfalls suchten wir einen anderen Campingplatz. Wir fanden in dem kleinen Dörfchen Ploubannalec, nur wenige Kilometer von der alten Stadt Pont l'Abbe entfernt. In Ploubannalec ist der Campingplatz Manoir de Kerlut.

Pont l'Abbe und auch Ploubannalec ist nicht weit entfernt von Benodet, dem St.-Tropez der Bretagne. Benodet liegt an der Mündung des Odet. Viele behaupten, er sei der schönste Fluss Frankreichs. Eine Fahrt mit dem Schiff flussaufwärts, vorbei an bezaubernden Gärten und hochherrschaftlichen Landhäusern, sollte jeder, der in der Gegend ist, unternehmen. Abhängig vom Wasserstand, entscheidet der Schiffsführer, wie weit flussauf gefahren wird. Bei Hochwasser bis kurz vor Quimper.

Zwischen dem längsten Sandstrand der Bretagne an der Baie d'Audierne im Westen und dem Odet im Osten ist im Südwesten von Quimper das Pays Bigouden. Der Name kommt von den ungewöhnlich hochgezogenen Festtagshaartrachten und -Hauben (coiffe-bigoudène), die hier häufiger als anderswo von den Frauen zum Kirchgang getragen werden. Das Pays Bigouden gilt mit Recht nach wie vor als einer vom Sommertourismus am wenigsten beeinflussten Küstenabschnitt.

Die Hafenstädtchen Saint-Guénolé, Kérity, Guilvinec, Léchiagat, Lesconil und Loctudy sind fischereimäßig sehr aktiv, dass für Segelyachten und andere Freizeitboote nur wenig Raum bleibt. Kommen die Kutter vom Fang zurück, kaufen viele Bewohner und auch Besucher die fangfrische Ware direkt von den Fischern auf den Booten.

Penmarc'h ist bekannt wegen des das ganze Pays Bigouden überstrahlenden Leuchtturms Phare de Eckmühl. Der deutsche Name Eckmühl kam zustande, weil die Marquise de Blocvuerille, Tochter des napoleonischen Generals Davout dem französischen Staat ein Vermögen vermachte unter der Bedingung, an einer gefährlichen Küste einen Leuchtturm zu errichten, benannt nach dem Namenstitel ihres Vaters.

Ausflüge nach Audierne, Dounarnenez, Pont-Aven (bekannt als Aufenthaltsort des weltberühmten Malers Paul Gaugin) standen auch auf unserem Programm.

Unsere Rückreise führte uns dann an die Loire-Mündung. Wir besuchten Nantes, Angers und Saumur. Weiter ging’s durch das ländliche Frankreich entlang dem Cher nach Bourges, vorbei an Charité-sur-Loire, Clamecy, Auxerre nach Troyes. Von Troyes aus fanden wir die Route über St.-Dizier, Bar-le-Duc, Verdun nach St.-Avold, wo wir ein letztes Mal übernachteten. Insgesamt nahmen wir uns für die Rückreise sechs Tage Zeit.


 
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RE: Pays Bigouden

#2 von HD , 17.11.2006 00:26

Und noch ein Bravo und Danke von HD, beisl01 - und auch diese Reise konnte ich wieder im Geiste mitfahren.
Irgendwie scheinen wir die gleichen Routen zu fahren, diesesmal sogar
an Saar und Mosel vorbei.
Und noch ein "Gemälde" für unser Wohnzimmer.
Wir haben schon eine sehr ansehnliche Gemäldesammlung.
Viele Grüsse von HD


 
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RE: Pays Bigouden

#3 von sunshine , 17.11.2006 07:10

Danke, beisl, für diesen tollen Bretagne - Bericht.
Wir waren schon öfters in dieser schönen Ecke Frankreichs und werden sie sicher auch wieder besuchen.


 
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