RE: Von Rerik nach Wismar

#1 von Tscharlie , 24.05.2019 19:25

Eine kleine Geschichte zur Fahrt von Rerik nach Wismar.
7:00 Uhr aufstehen, es eilt nicht, daher erstmal Richtung Sani-Gebäude.
Frühstück, der Tank muss aufgefüllt werden, also gut einen Liter Tee trinken, zwei Brote mit Marmelade, das muss reichen.
Start gegen 8:45, schon der Campingplatz hat die erste Herausforderung, Steigung Richtung Ausfahrt.
Man, es ist noch früh, der Körper noch im Ruhemodus. Dann die bekannte Strecke nach Rerik, langsam wachen die Beine auf, noch fast kein Wind, das ist gut, denn der wird mich als Gegenwind bis Wismar begleiten. Ortsdurchfahrt Rerik, dann gehts am Naturschutzgebiet das zwischen Salzhaff und dem Radweg liegt entlang. Man merkt schon, es ist leichter Gegenwind. Die 21 Gänge des Tourenrades habe ich mir in den letzten Tagen "erarbeitet", jetzt weiß ich wann ich welchen Gang brauche. Erstmal einbremsen über 20 km/h soll es nicht gehen, also vorne mittlerer Zahnkranz, hinten 2-6 je nach Steigung und Gefälle. Der mittlere vordere passt von 15-25 km/h.
Die Strecke hat fast überall Radweg. Noch bin ich allein unterwegs, ein paar Auto fahren auf der Straße vorbei, Radfahrer gibts noch keine.
In Rakow halte ich kurz an, das Gefühl würde sagen, gerade aus, aber ich habe mir eine der Wegkarten die überall an kleinen Radrastplätzen hängen abfotografiert, die meinen nein nach rechts, also gut mache ich das halt so. Wieder auf dem Radweg, jetzt nimmt der Gegenwind Fahrt auf, also gehe ich auf 16-18 km/h zurück, wenns eben ist. Eine freche Schwalbe zeigt mir wie lässig das ginge, "wenn man ein Vöglein wär", sie kommt von hinten ca. 50 cm über mir schwenkt sie kurz links-rechts um dann in einem eleganten Abwärtsbogen vor mir dahin zu sausen. Ja, ja du freches kleines Ding, hätte ich jetzt mein Motorrad, würdest du ganz schön alt aussehen mit deiner Angeberei.
Mancher Berg zwingt mich bei dem Gegenwind vorne auf den großen Zahnkranz zu gehen und hinten 1-3 zu wählen, das ist dann für Geschwindigkeiten 8-15 km/h.
Nach ca. 25 km komme ich auf den höchsten Punkt der Tour, Wismar kann man schon ahnen. Also bergab wieder den mittleren Zahnkranz nehmen, weil doch ganz schön viel Wind. Mich überholt ein Fitter auf einem sportlichen Tourenrad, ah, da könnte ich mich anhängen, im Windschatten wird er mich nicht los, das habe ich die Tage vorher schon ausprobiert. Aber, der Parfümgeruch seines Deo, Waschmittel oder Duschgel, läßt mich diese Tat schnell vergessen, besser ein paar 100 Meter Abstand halten.
Der Tageskilometerzähler zeigt 30 km an, als ich das Ortsschild Wismar erreiche, aber zum Zentrum ist es noch ein Stück, der Radweg geht Richtung Seehafen, dann macht er einen weiten Bogen und man ist im Zentrum, der Zähler zeigt 37 km als ich mein Rad anbinde und zufuß durch Wismar laufe, denn wie vorhergesagt, das Kopfsteinpflaster ist auch mit den 28er Rädern, der gedämpften Gabel und der Sitzfederung fast nicht zu meistern. Nach den genau 2 Stunden radfahren, muss ich erst wieder gehen lernen.
Ich gönne mir am alten Hafen, aber gegenüber der schönen "Zeile" einen Kaffee und ein Stück Kuchen.
Ein kleiner Rundgang bringt mich in die Nikolaikirche, 1381 bis 1487 erbaut, ich beginne mich zu fragen, wieso muss ein christliches Gebäude derart mächtig sein, schnell verlasse ich diesen Protzbau wieder. Man versucht übrigens jeden zu einer "freiwilligen" Spende von 2 € zu überreden, auch das finde ich sonderbar, entweder verlangt man Eintritt oder läßt es eben.
Ich grüble bei der Rückfahrt, aber klar ich bin ein Freund es hl. Franziskus, das prägt.
So wieder beim Fahrrad, schau an der "Bordcomputer", bei dem ich nicht weis wie man den abnimmt, ist noch dran.
Noch eine kleine Runde durch Wismar, am alten Hafen wird ganz draußen ein Einkaufszentrum betoniert. Alte Bilder kommen hoch, die Stahlgewebe, das war mal mein Beruf, muss im letzten Jahrtausend gewesen sein, aber die Erinnerungen sind ganz nah.
So jetzt gehts zurück.
Schon in Wismar merke ich, ich habe Rückenwind!
Am Ortsschild zeigt der Kilometerzähler 42 km und 2:15 Fahrzeit.
So jetzt gilts, machen wir mal auf Sport.
Jetzt kommt der große Zahnkranz vorne ins Spiel, der ist für Geschwindigkeiten von 20-30 km/h. Meine Muskeln freuen sich auf die Arbeit.
Also los! Zuerst gehts gerade dahin, locker und vorsichtig klingle ich Pedelecfahrer an, um mit einem "Danke" vorbeizudüsen. Aber war da nicht der Höhepunkt der Tour, da muss ich rauf. Das geht aber fast im "Schwalbenflug".
[[File:2019052401.jpg|none|auto]]
Hier eine kurze Pause, nein die Beine brauchen sie nicht, aber der Gemüt.
Das ist der Blick zum Salzhaff, rechts die Ausläufer der Halbinsel Wustrow, links die Insel Langenwerder und Poel.
Nun aber los, mit 25-35 km/h richtig, großer Zahnkranz vorne und 6-7 hinten gehts Richtung Rerik.
Hier noch die Karte die überall hier "rumhängt.
[[File:20190524.jpg|none|auto]]

 
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RE: Von Rerik nach Wismar

#2 von daf43 , 24.05.2019 19:59

Hallo,
bin in Gedanken mitgeradelt, da ich die Ecke kenne.


Das Fotografieren der ausgehängten Wander/Radkarten haben wir auch gerne gemacht, denn für manchen Kurzaufenthalt lohnte isch nicht, extra irgendwo einen Landkartenverkauf zu suchen.

 
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RE: Von Rerik nach Wismar

#3 von Winni , 24.05.2019 20:04

Ja, so geht Radtour.

 
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RE: Von Rerik nach Wismar

#4 von Doris ( gelöscht ) , 24.05.2019 20:10

Zitat von daf43

Das Fotografieren der ausgehängten Wander/Radkarten haben wir auch gerne gemacht, denn für manchen Kurzaufenthalt lohnte isch nicht, extra irgendwo einen Landkartenverkauf zu suchen.



Wir haben sowas im Wohnwagen, gabs auf dem CP .....

Doris

RE: Von Rerik nach Wismar

#5 von bieber , 25.05.2019 20:10

Da kann man dann immer noch nachher gucken, wo es lang ging!

Danke schön fürs Mitnehmen!

 
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RE: Von Rerik nach Wismar

#6 von Kast , 26.05.2019 09:06

Gar nicht so lange her, dass wir in der Ecke waren - und doch schon Geschichte.
Danke fürs Mitnehmen!

 
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RE: Von Rerik nach Wismar

#7 von Tscharlie , 26.05.2019 09:18

Ich kann das ja mit einem kleinen Bericht: Fahrt von Rerik nach Kühlungsborn ergänzen.
Start in Rerik, zuert mal rauf auf den Berg 78,5 m zum Leuchtturm.

Dann den Berg wieder runter nach Kühlungsborn

Wie sie sehen sehen sie nix.

 
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RE: Von Rerik nach Wismar

#8 von R.Fuller , 26.05.2019 10:42

Schön!

Auch solche Touren sind für mich lesenswert.

 
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RE: Von Rerik nach Wismar

#9 von Tscharlie , 26.05.2019 15:52

Heute bei leichtem Regen nochmal los. Zuerst gegen den Wind nach Rerik, besser erstmal Gegenwind, dann ist es später leichter, also wieder die Richtung Wismar. Dann irgendwann ein Schwenk nach links, da fällt mir ein: Heiligendamm kenne ich ja noch gar nicht. Also erstmal den inneren Kompaß eingestellt, dahin wo das sein sollte. Upps wohl ein wenig zu weit nach links gekommen, der Leuchtturm taucht auf, diesmal nicht aus dem Nebel sondern ins Blickfeld. Übrigens, leichter Regen macht nichts, denn der Fahrtwind trocknet einen ebenso schnell wieder.
Zur Strecke zurück. Also wieder nach Kühlungsborn, da außenrum und dann die Küste entlang nach Heiligendamm.
Da fast am Leuchtturm bin ich ja "obenauf" der Wind kommt von hinten, also heissaaaa Gas. Jetzt schauen die Schwalben aber blöd, nix mehr mit mich foppen, aus der Bahn, sonst schnapp ich euch! Bei guten 40 km/h sind die Schwalben auch nicht mehr viel schneller.
Der Rad- und Fußweg zwischen Kühlungsborn und Heiligendamm ist ziemlich "nett" würden die Engländer sagen. Aber bei dem Wetter das jeden Augenblick nach Regen aussieht ist nicht viel los. Muss aber an einem sonnigen Sonntag unfahrbar sein.
Heiligendamm. Hm, das war wohl früher mal was, heute versucht man zwischen den Altbauten auf schickimicki zu machen. Aber egal, ich kaufe mir eine Kugel Schokoeis (1,20 €), das hat bei 11 Grad den Vorteil dass es nicht gleich wegläuft.
So nun aber mal das Navi befragt, wie komme ich jetzt wohl am Besten heim. Das meldet 15 km, aaaber, da sind Berge dazwischen und Gegenwind fast genau von vorne. Uff. Aber ich wollte ja Sport treiben, als aufgehts.
Unterwegs noch schnell 2 Stück Kuchen bei eine Hofladen gekauft (je 2,40 € und dann nach Hause it´s teetime.
Die meiste Zeit kein Regen, wieder 50 km per Fahrrad unterwegs, das hat was!

 
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RE: Von Rerik nach Wismar

#10 von R.Fuller , 26.05.2019 16:16

Man, man, Du verwöhnst uns mit Deinen Berichten.

 
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RE: Von Rerik nach Wismar

#11 von HD , 26.05.2019 16:34

Du bist wohl nicht für die Schwalben interessant. Ich hab nachgelesen, sie können bis 65km/h
Wenn Schwalben niedrig fliegen, wird man Regenwetter kriegen. Fliegen sie bis in die Höh’n, bleibt das Wetter noch recht schön!“

Aber sie sind faszinierende Luftakrobaten. Sie können sogar Insekten im Flug von der Wasseroberfläche aufnehmen. Kuhställe waren ihr Revier.
Schade, es gibt immer weniger von ihnen. Wir hatten früher ein paar Nester am Haus, keiner wäre auf die Idee gekommen die Nester zu zerstören wegen Vogelkot. Ich mochte ihren schrillen Schrei und das Piepsen der Jungen.
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RE: Von Rerik nach Wismar

#12 von Tscharlie , 26.05.2019 17:23

Das mit der Flughöhe stimmt normalerweise, aber hier müßte unterirdisches Wetter sein, denn sie fliegen in 20 cm bis 3 m Höhe.
In dieser Höhe sind hier die Fluginsekten, Insekten die höher fliegen sind ratzfatz in Usedom.

PS: Schwalben können über 70 km/h schnell sein, aber nicht wenn ein blöder Bayer auf dem Fahrrad sie "jagt", sondern auf der Flucht vor Raubvögeln. Das hier sind Rauchschwalben die sowieso niedriger jagen als Mehlschwalben.

 
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RE: Von Rerik nach Wismar

#13 von HD , 26.05.2019 17:43

Immerhin, Dank an Dich für den Reisebericht. Du weißt, er spricht mich nicht SEHR an, ich war erst vor ein paar Jahren dort und zwar die Ostseeküste von Polen bis Lübeck.
Mir sind dort zuviele Gebote,, Verbote, Parkgebühren, Gebühren wie Kurtaxen etc.
Es gibt schöne Städte und Dörfer, Pöl ging, ansonst Tourirummel auch auf denn Seebrücken. Auf Kühlungsborn kann ich pfeifen.
Du weißt wo ich lieber bin.
HD

Ach ja, wie kommst Du bei der Einordnung des Bericht des auf NORDEUROPA.
Das ist doch die BRD, die ist doch nicht zu Nordeeuropa zuzuordnen??

 
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RE: Von Rerik nach Wismar

#14 von Tscharlie , 26.05.2019 17:53

Der CP Kühlungsborn, wäre was zum "campingabgewöhnen". Der Ort selbst hat nichts, außer den zwei Strandpromenaden. Heiligendamm ist ein "witz".
Aber hier bei Rerik (Ostssecamp Seeblick) da ist es für mich genau richtig.
Ruhiger CP, direkt am Meer, 10 m über NN, also hat man ein wenig Sicht.
Wir haben uns ja bewußt entschieden, einfach mal "innezuhalten", das geht hier super.
Wer jeden Tag was anschauen will, der ist hier ziemlich schnell fertig.
Wer die Ruhe genießen kann, die ruhige unaufgeregte Landschaft, das ausgelichene Meer, der ist hier richtig, zumindet bevor hier das "Halligalli" richtig los geht, dann ist hier alles rammelvoll. CP, Ferienwohnungen, alle Einkaufsmöglichkeiten, alle Radwege, einfach alles, so berichtet von einer Dauercamperin, die hier von April bis Oktober ist, sie kauft für 4 Wochen ein und igelt sich dann in ihrer Behausung ein, bis der Touristentsunami verbeigeschwappt ist.

 
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