RE: Mit dem Wohnwagen 2004 nach Fjord-Norwegen

#1 von daf43 , 24.05.2019 09:45

Hallo,
angeregt vom Island-Thema habe ich mal wieder einen alten Norwegen-Reisebericht von 2004 aus der Versenkung geholt (falls es jemand interessiert).

In der Zeit von 1962 bis 1972 war ich mehrmals mit Zelt oder in Hütten oder Zimmer in Norwegen unterwegs. Nachdem ich mit meiner Frau 1972 zum letzten Mal in Norwegen war, wollten wir jetzt endlich wieder einmal auf einer 5-wöchigen Fahrt das Land erkunden.
Wir haben uns bewusst nur für den südlichen Teil bis Trondheim entschieden, weil ich die ewig lange und manchmal eintönige Fahrt zum Nordkapp (hin- und zurück ab Trondheim 3.000 km) nicht noch mal machen wollte.

Wir, das bin ich, 61 Jahre – in Alterteilzeit –und meine Frau (54) und unser Gespann Toyota RAV4 (150 PS-Benziner) mit Wohnwagen Dethleffs Camper 440 DB.

Reisebericht

29.05. Packen
Heute ist Packen angesagt. Nach dramatischen Berichten über die hohen Preise für Essen im Restaurant und in norwegischen Supermärkten haben wir zum ersten Mal größere Mengen Konserven eingepackt (für 250 €). Der RAV hat dadurch eine besonders satte Straßenlage.
Da wir auf Grund der großen Entfernungen nur jeweils wenige Tage an einem Ort bleiben können, wird statt des großen Sonnendaches nur ein Schutzdach (3 m x 2 m) eingepackt.

30.05. Ludwigshafen/Rhein – Neumünster (620 km)
Es herrscht zum Glück wenig LKW-Verkehr und wir haben leichten Rückenwind. So können wir sehr oft die „Tacho 100“ einhalten und schaffen mit zwei kurzen Pausen die Tagesetappe in 7 ½ Stunden.
Leichter Südost-Wind , leicht bewölkt, maximal 26 °C.

CP: Forellensee, Padenstedt: 16,20 €/Tag
Der gewählte einfache Campingplatz bei Neumünster ist voller Dauercamper und schmiegt sich idyllisch an die Autobahn, aber günstiger Wind lässt uns trotzdem schlafen.

31.05. Neumünster – Friedrichshavn/DK (462 km)
Bei strahlend blauem Himmel und kräftigem Südost-Wind, allerdings etwas böig, kommen wir wieder schnell voran. Hier in Nordjütland ist es sehr windig bei 19 °C und strahlende Sonne.

CP: Nordstrand, Frederikshavn 160 DKK/Nacht = 21,50 €/Tag
Der große Platz liegt kurz hinter einem hässlichen Industriegebiet und ist – entgegen der ADAC-Beschreibung - durch eine öffentliche Straße und einen viel befahrenen Radweg vom Strand getrennt. Die öffentliche Straße wird am Abend von jugendlichen Moped- und Mantafahrer als Beschleunigungsstrecke benutzt – sehr unterhaltsam. Tipp: Besser die Plätze vor Frederikshavn ( Saebo) anfahren.

01.06. Rundfahrt in Nordjütland (160 km)
Bei strahlend blauem Himmel und 19 °C stehen wir bei Skågen an der Stelle, wo Nord- und Ostsee zusammentreffen. Nach der Besichtigung einer in Dünen verwehten Kirche („tilsandede Kirke“ geht es weiter nach Hirtshals und über Hjörring zurück nach Federikshavn.

02.06. Fahrt nach Ålborg (145 km)
Heute ist es richtig heiss in der Sonne, obwohl die Schattentemperatur nur 20°C beträgt. Die ganze Stadt wirkt ungemein sommerlich, die Mädchen tragen Kleidung wie sonst im Urlaub im Süden.
In einem Restaurant in der schönen Altstadt essen wir Teller mit typischen dänischen Spezialitäten.

03.06. Fähre Frederikshavn – Larvik/N (33 km)
Die Fähre hatten wir schon zu Hause übers Internet gebucht. Jetzt in der Vorsaison kostet sie 216 € (für die Rückreise im Juli wären 400 € fällig).
Nach einer schönen Überfahrt – Sonne 19 °C – erreichen wir Norwegen. Entgegen der Empfehlung des ADAC-Campingführers suchen wir einen laut norwegischem Campingführer besseren Campingplatz auf. Es erwartet uns eine abstoßend hässliche Dauercamperkolonie, niemand ist hier. Hier hilft nur Umkehr und auf den empfohlenen Platz in Stavern.

Camping Stolpestad, Stavern 220 NOK = 26,10 €/Tag
Der Platz ist auch von Dauercampern geprägt, wie alle im Umkreis. Jedoch fehlt die von uns Reisecampern sonst so hämisch kommentierte „Gartenzwergidylle“. Ich sage nichts mehr dagegen, denn die norwegischen Dauerplätze sind ganz einfach schrecklich.
Allerdings gibt es für Reisecamper eine schöne Wiese, die uns als einzigen Gästen allein gehört.

04.06. Besichtigung von Stavern und Larvik , Wanderung auf dem Küstenweg (30 km)
Nachdem es morgens noch geregnet hat (12 °C), kommt doch noch die Sonne und wir können bei 17 °C wandern gehen.
In Larvik fällt uns erstmals die Weitläufigkeit der norwegischen Orte auf, es gibt keinen kuscheligen Ortskern und der schönste Platz im Ort ist das Einkaufszentrum.
Schöner ist die Wanderung ( 3 h) auf dem markierten Küstenweg, vorbei an unzähligen Ferienhäuschen und Hütten, die versteckt hinter Felsen und Bäumen liegen.

05.06. Fahrt in die Küstenstädte Kragerø und Risør (257 km)
Bei heiterem Wetter und 19 °C fahren wir auf bestens ausgebauten Straßen mit strengen 80 kmh durchs Land. Die Norweger überholen äußerst selten, sie fahren lieber nur 70 kmh, sie lieben Kolonnenfahren. Es juckt im Gaspedal, aber man ist ja Gast im Land.
Die beiden Hafenstädte liegen sehr schön in Buchten, es herrscht buntes Treiben.
Leider schließen die Geschäfte samstags bereits um 14-15 Uhr, dann sind die Orte „tot“.
Also zurück zum Platz und nochmals eine Küstenwanderung (1 ½ h) in die andere Richtung.

06.06. Stavern – Kinsarvik am Hardangerfjord (360 km)
Bei schönem Wetter (19 °C) fahren wir mit dem Gespann durch Telemark quer durch Südnorwegen. Die Landschaft ist zwar nett anzuschauen, aber sie kommt bekannt vor. Deshalb geht es zügig durch bis zum Haukelifjell (Hochfläche). Dort auf über 1000 m sind es nur noch 7 °C und es ist trüb. Trotzdem eine tolle, ungewohnte Atmosphäre. Gleich geht es wieder ein paar Hundert Höhenmeter mit einigen „Tunnelen“ runter nach Røldal und gleich wieder gewaltig hoch auf gut ausgebauten Straßen und Tunnel, dann wieder runter – vorbei am Låtefoss (Wasserfall), bis wir in Odda wieder auf Meereshöhe sind. Den Sørfjord entlang -einem Seitenarm des Hardangerfjords – fahren wir bis zum Campingplatz in Kinsarvik.
Der Hardangerfjord ist ein recht lieblicher Fjord, überall gedeihen Apfel-, Birnen- und Kirschbäume. Toll der Kontrast der fast südländischen Landschaft zum den schneebedeckten Höhen des Folgefonngletschers.

CP: Hardangertun in Kinsarvik 190 NOK = 22,60 €/Tag
In der Gegend stehen zwei gute Plätze zur Auswahl: Hardangertun in Kinsarvik und in Lofthus Lofthus-Camping. Da Lofthus-Camping etwas erhöht und weiter im Fjord liegt und nur über eine schmale Straße zu erreichen ist, entscheiden wir uns für Hardangertun, der an der Straße liegt (Verkehr stört nicht, nachts absolut ruhig).
Dummerweise werden die Hütten in der Nebensaison auch als Schullandheim benutzt. Bei unserem Aufenthalt sind anderntags ungefähr 80 Jugendliche eingetroffen, die dann abends über den Platz toben- naja.

07.06. Wanderung ins Husedal, Besichtigung von Lofthus (20 km)
Überall in Norwegen gibt es tolle Wasserfälle, die entweder mehrere hundert Meter frei fallen oder in mehreren Stufen. Wir wandern direkt vom Platz aus zu den Wasserfällen im Husedal, anfangs auf einem Fahrweg, dann auf immer schmaleren Pfaden mit kräftigen Steigungen. Trotz einsetzendem Regen (14 °C) und rutschigem Boden beeindruckt die Landschaft, die Pflanzen, die Einsamkeit.
Abends fahren wir durch die Obstplantagen noch nach Lofthus und bewundern die Aussicht.

08.06. Fahrt zum Vøringfossen und mit dem Schiff nach Utne (76 km)
Trotz regnerischem Wetter bei 12 °C wollen wir heute nach Eidsfjord und zum berühmten Vøringfossen, dem angeblich schönsten Wasserfall Norwegens. Durch eine beeindruckende Schlucht geht es bergauf zum Wasserfall. Zuerst sieht man vor lauter Nebel nix, die armen Busturisten sind frustiert, denn sie müssen weiter. Wir bleiben noch in der Gegend und zum Glück wird es später heller und wir können den Wasserfall von mehreren Plattformen aus fotografieren.
Am Nachmittag kommt die Sonne raus (18 °C) und wir nutzen das schöne Wetter für eine Schifffahrt nach Utne. Zwar ist das Freilichtmuseum nach 17.00 Uhr geschlossen, aber die alten Häuser können von außen besichtigt werden.

09.06. Kinsarvik- Bergen (160 km)
Zuerst wird der Fjord bei Brimnes mit der Fähre überquert (61 NOK), dann geht’s auf der E 7 am Hardangerfjord entlang über Norheimsund nach Bergen. Wir haben Sonne bei 18 °C. Diese Straße ist sehr eng, teilweise einspurig mit Ausweichstellen und hat einen schlechten Belag. Wir brauchen deshalb doppelt so lange wie sonst für eine solche Entfernung. Aber sie hat was, es macht nämlich auch Spaß, tolle Aussichten und es gibt wenig Verkehr.
Eine kleine Wanderung im Ort und über blühende Wiesen lässt den Tag ausklingen.

CP: Lone-Camping in Haukeland 175 NOK = 20,80 €/Nacht

Es ist der empfohlene Platz für Bergen. Eine große Wiese am See und mehrere Terassen, ruhig gelegen, allerdings auch in der Vorsaison durch die abends eintreffenden Wohnmobile ganz gut belegt.

10.06. Mit dem Bus nach Bergen
Die ganze Nacht hat es geregnet, es sind nur noch 12 °C.
Die dem Platz gegenüber liegende Bushaltestelle bietet sich als bequeme Anfahrt an, im Bus gibt es ab 60 Pensionär-Rabatt (halber Preis, man muss den Fahrer aber dafür ansprechen).
Bergen ist ein Muss, endlich mal eine belebte Stadt mit tollem Fischmarkt und – natürlich – Tausenden von Touristen, die das gleiche sehen wollen. Wir leisten uns eine Fischsuppe bei den Bryggen und fahren dann mit der Standseilbahn auf den Aussichtsberg Flöyen. Nach kurzem Regenschauer – wie immer in Bergen – klart es auf, gerade als wir fotografieren, dann wird es wieder trüb. Wir gehen dann außerhalb des überlaufenen Zentrums spazieren und finden ganz tolle Häuser, alte und neue. Erst als uns am späten Nachmittag die Füße schmerzen, fahren wir mit dem Bus zurück zum WoWa.

11.06. Bergen – Flåm (Sognefjord-Gebiet) 150 km
Bei srömendem Regen und 12 °C starten wir in Bergen. Ab Voss wird es zusehens besser und bald haben wir wieder 20 °C. Wieder begeistert uns die Landschaft (wie jeden Tag erneut), besonders das enge Nærøydalen, gefolgt vom langen Gudvangen-Tunnel. Aus dem Tunnel raus sofort die Abfahrt Flåm, dahinter geht es in den nächsten Tunnel.
Auf dem Campingplatz bekommen wir, weil wir einige Tage bleiben wollen, den wohl schönsten Platz zugewiesen. Vom Platz aus sieht man die riesigen Kreuzfahrtschiffe im Hafen liegen und die Dampfbahn, die durch Flåmsdalen hoch nach Myrdal fährt.
Das schöne Wetter animiert uns zu einer 2-stündigen Wanderung ins Flåm-Tal bis zur Dorfkirche, vorbei am Wasserfall und über üppig blühende Blumenwiesen, toll.

CP: Flåm Camping & Vandrerhjem 140 NOK/Nacht = 16,60 €
Sehr schöner Wiesenplatz mit Obstbäumen und mehreren Terassen mit toller Aussicht.

12.06. Mit der Flåm-Bahn nach Myrdal
Natürlich wollen wir auch mit der berühmten Flåmbahn fahren und mit uns viele, viele andere auch. Neben den Campern sind die Passagiere der Kreuzfahrtschiffe dabei sowie Busreisende und solche, die von der Bahnlinie Oslo-Bergen einen Abstecher machen. Also internationales Publikum ist angesagt.
Die Fahrt mit der Bimmelbahn (150 NOK einfach, 250 hin und zurück) durch eine grandiose Landschaft mit Sicht auf die Wasserfälle und den Fluss, Umkehrtunnel und Galerien an einer steilen Felswand hinauf auf die Hochfläche auf über 860 m, wo noch Schneereste liegen.
Den Rückweg von 21 km wollen wir uns erwandern. Zuerst geht es am Bach entlang (mit Wasserfall-Einlagen) in steilen Serpentinen bergab (dieser Weg wird als Radstrecke empfohlen, aber die wenigen Radfahrer haben wegen der vielen Steine geschoben)
Anschließend folgt ein Sandweg und nach der Hälfte der Strecke beginnt ein asphaltierter Fahrweg. Die meisten Mitwanderer haben hier (vernünftigerweise) aufgegeben und sind mit der Bahn weiter gefahren. Für uns begann ein mühsam langer Weg, aber in wunderschöner Landschaft bei strahlender Sonne und 21°C. Nach 5 h waren wir am Ziel.

13.06. „Kreuzfahrt“ in den Nærøy-Fjord (4 ½ h, 228 NOK = 27,00 €)
Der Nærøy -Fjord ist als der schmalste Fjord Norwegens bekannt. Natürlich wollen wir ihn befahren. Aber - na ja, ausgerechnet die engste Stelle ist völlig unspektakulär an einem Abschnitt mit relativ flachen Bergen. Ohne Hinweis des Kapitäns hätte man es gar nicht bemerkt. Die Fahrt selbst war toll, weil man in mehrere Fjorde hineinsehen kann.
Morgens waren es noch 22 °C, dann wurde es regnerisch und nur noch 16 °C.

14.06. Fahrt zur Stabkirche in Borgund und den Snøvegen von Lærdal nach Aurland (150 km)
Zuerst durchfahren wir nach Aurland den längsten Straßentunnel der Welt, der Lærdalstunnelen (24,5 km, ca. 20 min Fahrzeit bei 80 kmh). Damit die Tunnelangst genommen wird, gibt es alle 7 km eine mit blauem Tageslicht beleuchtete Halle, die ein Tunnelende vortäuschen soll.
Wieder durch ein eindruckvolles Tal geht es hoch nach Borgund und dann steht sie da, die älteste nahezu original erhaltene Stabkirche (50 NOK). Nach Besichtgung und einigen Fotos geht es zurück nach Lærdalsøyri und von dort statt dem langen Tunnel auf der alten Straße nach Aurland.
Der „Snøvegen“ führt als schmale, aber gut ausgebaute Nebenstraße durch ein wunderschönes Tal langsam hoch bis in die Schneeregion. Dann geht es lange über die Hochfläche, wo jetzt noch links und rechts Schneewände die Straße begleiten. Am Ende der Hochfläche ein atemberaubender Blick aus über 1000 Meter Höhe hinab auf die steil abstürzenden Berge in die Fjorde. Dann geht es steil, ganz schön happig,bergab und wenn man denkt, man wäre unten, wird die Straße plötzlich arg eng mit wenig Ausweichen, da freut man sich auf jedes entgegenkommende Wohnmobil.
Tagsüber regnerisch mit 13 °C, auf der Hochfläche nur 3 °C.

15.06. Flåm – Loen 200 km
Erst mal mit der Fähre über den Fjord (66 NOK), dann auf guter Straße über Sognedal nach Fjærland. Auch hier wieder zwei Tunnel, einer mit Maut (150 NOK). Trotz leichtem regen eine wunderbare Landschaft, man fährt direkt an einer Gletscherzunge (Bøyabreen) vorbei, unglaublich. Dann geht es ab Skei auf recht schlechter Straße wieder bergauf auf eine Hochfläche und wieder unter zu einem Seitenarm des Nordfjord. Die Straße am Fjord entlang ist eng mit Ausweichen, zum Glück fährt ein LKW voraus und „räumt“ uns die Straße.
Jetzt müssen wir entscheiden: Entweder ins Oldedalen oder ins Lodalen. Beide Täler sind über schmale Straßen mit Ausweichstellen zu erreichen und sollen tolle Campingplätze haben.
Wir entscheiden uns für den am einfachsten zu erreichenden Tjugen-Camping am Beginn des Londalen. Es regnet bei 8°C.

CP: Tjugen-Camping 140 NOK/Nacht = 16,60 €
Schöne Wiese etwas weg von der kaum befahrenen Straße, daneben ein toller Fluss. Wir waren teilweise die einzigen Gäste.

Während unseres Aufenthaltes haben wir auch die anderen Plätze besichtigt:
1. Camping Sande/Loendalen: Der Platz liegt zwar am See, aber man fährt 10 km über eine enge Straße. Außerdem stehen die Dauercamper hässlich am See. Also für mich nicht zu empfehlen.
2. Camping Gryta/Oldenvatn
3. Camping Gytri/Oldenvatn
Die beiden Plätze liegen nebeneinander, beide mit toller Sicht auf den See, sogar schöner als „unser“ Tjugen-Camping. Gryta machte den besseren Eindruck.

16.06. Wanderung im Londalen
Die ganze Nacht (6 °C) und am Morgen Regen, mittags etwas besser, aber nur 9 °C. Trotzdem mit dem Regenschirm 3 h gewandert.

17.06. Wanderung zum Bødal-Gletscher (5 ¼ h)
Mit dem Auto ins Londalen bis Bødal auf den Parkplatz. Dann von 0 auf 800 m zum Gletscher. Zuerst steil bergan auf einem mautpflichtigen Asphaltweg, dann ein Sangweg und ab Bødalseter auf einem abenteuerlichen Pfad mit viel Wasser, Bächlein und Brücklein zum Gletscher. Da werden die Wanderschuhe endlich mal richtig gefordert. Anfangs strahlende Sonne bei 16 ^C, dann kommen Wolken auf. Es ist schon toll, an einer Gletscherzunge zu stehen und die gewaltigen Eismassen bewundern. Da der Gletscher auch bei näherer Anfahrt auf dem mautpflichtigen Weg noch recht weit ist, gab es nur wenige Wanderer.

18.06. Rundfahrt Hellesylt- Fähre nach Geiranger- alter Strynvejen (182 km)
Bei schönem Wetter nach Hellesylt zur Fähre (270 NOK). Leider wird es dann trüber, aber die berühmten Wasserfälle „Sieben Schwestern“ kann man sehen. In Geiranger viel Trubel durch eine Unmenge von Bussen, die Gäste abholen oder bringen (Ach, war es vor 30 Jahren hier noch so ruhig). Trotzdem erhalten wir in einem Lokal eine wirklich köstliche Fischsuppe. Nur noch 10 °C.
Die folgende Panorama-Straße Richtung Grotli geht gewaltig hoch, ist aber gut ausgebaut und erlaubt wohl die schönsten Blicke von Norwegen ins Tal.
(Anmerkung: Die Straße könnte von der Breite trotz einiger Kehren auch mit Wohnwagen befahren werden, es gibt auch keine Sperrschilder. Allerdings haben die wenigen Wohnwagen, die nach Geiranger herunterkamen, stinkende Bremsen gehabt. Ich würde es nicht empfehlen, mit dem Auto kann man besser anhalten und schauen).
Als wir „oben“ sind, nehmen wir den Umweg über den alten Stryn-Weg. Er geht von Grotli wieder zurück nach Stryn. Es ist ein schmaler Sandweg mit Ausweichen, aber kaum Schlaglöcher. Es wird eine Fahrt wie in der „guten alten Zeit“.
Trotz 3 °C machte die Fahrt durch teilweise meterhohen Schneewände unheimlich Spaß. Am Ende geht es dann gewaltig bergab bis zum Fjord. das kennt man inzwischen, aber es ist immer wieder ein Erlebnis, von der Sicht und vom Fahrerischen.
Abends wird das Wetter freundlicher bei 13 °C.

19.06. Fahrt nach Oldedalen (30 km), 2 h Wanderung zum Briksdals-Gletscher
Der Briksdalsbreen ist der wohl bekannteste Gletscher von Jotunheimen. Da er relativ einfach zu erreichen ist, kommen entsprechend viele Besucher – so wie wir auch - dort hin.
Vom Parkplatz aus kann man in 45 min hochlaufen. Für Bequeme fahren Pferdekutschen hoch und optisch sehr schlimm, auch noch motorisierte Wagen.
Es ist eine wahre Völkerwanderung. Doch bis ganz zum Gletscher muss man doch noch über einen steinigen und felsigen Pfad gehen. Am Gletscher dann schöne blaue „Eisberge“ im See, beeindruckend die Eistürme. Am Fuß ist das „Basislager“ für eine ein- oder mehrstündige Gletscherwanderung. Die Wanderer werden mit Steigeisen, Sturzhelm, Pickel und Seil maskiert und steigen in den Gletscher ein. Selbst in der Vorsaison herrscht hier ein riesiger Andrang, es gibt Warteschlangen.
Abwechselnd Schauer und Sonne, 18-19 °C.

20.06. Loen – Ålesund ( 143 km)
Zuerst wieder über die Höhe nach Hellesylt, dann wieder hoch Richtung Stranda, wieder auf 0 Meter, dann wieder hoch und runter zur Fähre über den Nordfjord (61 NOK), von dort aus auf breiter Straße Richtung Ålesund. Blauer Himmel bei 20 °C, mittags Wolken.

CP: Prinsen 180 NOK/Tag =21,40 €
Der Platz liegt günstig vor Ålesund. Nettes Wiesengelände mit Bächlein direkt am Meer, im Hintergrund viele Hütten. Gut besucht (Ein weiterer CP näher an Ålesund soll nicht so gut sein).

Nachmittags besuchen wir die nördlich von Ålesund liegenden Inseln Gierske und Gudøy (69 km). Dazu muss man außer einer Brücke auch noch zwei Unterwassertunnel (einer mit unterirdischer Kehre im Fels) befahren. Mit 10% Gefälle geht es 153 m unters Meer und dann sofort wieder mit 10% Steigung hoch. Schon toll. Gierske ist flach und hat eine nette Kirche (wegen hohem Eintrittsgeld nicht besucht).
Godøy hat einen hohen Felsen als Mitte und am Westende gibt es einen kleinen Fischerort mit altem Leuchtturm und einige altere Anbauten, die als Ausstellungsraum und Cafe dienen. Dort essen wir endlich die typischen „Sveler“ mit Puderzucker, Rømme und Syltetøy gegessen (Svele: Waffelteig, wie Pfannkuchen gebacken).

21.06. Ålesund und Aquarium
Heute Morgen mal wieder Regen und 12 °C. Ålesund ist bis auf einige verhuschte Touristen wie ausgestorben. Vom Ort geht ein extrem steiler Treppenweg zum Panoramaberg Kniven. Da ich nicht schwindelfrei bin, fahren wir die Straße hoch. Ein Traumblick auf Ålesund und die vielen bewohnten und unbewohnten Inseln, zumal das Wetter besser wurde.
Anschließend besuchen wir das neue “Aquarium“. Hier hat sich der Eintrittspreis wirklich gelohnt. Man kann eine Menge großer und kleiner Fische sehen, auch Zuchtlachse im Netz wie in den Fjorden.
Da die Sonne durchkommt und die Temperatur inzwischen auf 16 °C gestiegen ist, machen wir noch eine kleine Wanderung um die Buchten mit den alten Bunkern.

22.06. Ålesund – Åndalsnes (130 km)
Auch heute wieder gute Straßen, mehrere Tunnel, aber weniger spektakulär, man hat schon so viel gesehen. Heiter bis wolkig bei 17 °C.

CP: Mjelva Camping 130 NOK/Tag = 15,40 €
Zuerst wollen wir auf den CP Trollstiggen, aber der liegt recht düster, von steilen Felshängen umgeben. Deshalb fahren wir zurück auf den Mjelva-Camping. Leider sind die Plätze auf der schönsten Aussichtsterasse für einen holländischen Club reserviert, aber wir finden einen begeisternd schönen Platz neben einer Baumgruppe und haben so 300 qm für uns.
Ein weiterer Platz direkt in Åndalsnes ist sehr einfach und war außer von Dauercampern kaum besucht).
In Åndalsnes gibt es so etwas wie ein Zentrum und den Bahnhof für die Rauma-Bahn.

23.06. Fahrt mit dem Auto über Molde und Kristiansund nach Trondheim (360 km)
Das Wetter verspricht schön zu werden. Deshalb unternehmen wir bereits heute die geplante Tour nach Trondheim. Zuerst besuchen wir Molde (Fähre 88 NOK), von dort weiter Blick über die Bucht auf die Berge des Romsdals und weiter. Eine ummtriebige Stadt, aber, wie fast alle, sehr nüchtern (nicht wegen fehlendem Alkohol!). In den Außenbezirken nette kleine Häuser.
Von dort aus über die RV 64 (Antlantikweg) Richtung Kristiansund. Da kommt eine abenteuerlich „schräge“ Brücke. Es ist eine Bogenbrücke, die eine Kurve macht und sieht deshalb etwas gekippt aus.
Vor Kristiansund noch mal eine Fähre (83 NOK), dann sind wir dort. Strahlende Sonne, aber ein kalter Wind, wir frösteln, aber die Einheimischen tragen lockere Sommerkleider. Nachdem wir uns in einer Cafeteria gestärkt haben, geht es auf die letzte Etappe nach Trondheim. Aber erst einmal durch einen Tunnel (75 NOK), dann folgt eine recht schmale, kurvenreiche Straße durch eine Waldlandschaft, nicht aufregend, ganz nett. Dazwischen mal wieder eine Fähre (78 NOK). Ab Orkanger wird die Straße breiter, aufatmen! Sofort folgt dann eine Mautstelle (15 NOK) für einige Kilometerchen, dann ein Stau an der Baustelle. Kaum vorbei, die nächste Mautstelle (15 NOK- wo ist die neue Straße?).
Langsam wird es spät, deshalb reservieren wir telefonisch ein Hotel in Trondheim. Danke, lieber Reiseführer „Reise-Know-how“ für die exakte Hotelbeschreibung, aber leider die falsche Telefonnummer. Zum Glück hatten wir den Trondheim-Prospekt mit der richtigen Telefonnummer schon vorher in einer Tourist-Info erhalten.
Abends kostet die Einfahrt in die Stadt nichts mehr. Schnell – trotz viel Verkehr, aber guter Beifahrerin – haben wir das Hotel gefunden.
Im Zimmerpreis ist das Abendbuffet (kalte Platten und Getränke) enthalten. Wir kommen um 20:30 an, das Buffet wird pünktlich um 21:00 abgeräumt, also hopp-hopp, wir werden noch satt..
Aber der Tag ist noch nicht zu Ende. Heute wird in Norwegen der Sommeranfang gefeiert. Die Sonne steht noch immer strahlend am Himmel, es sind 20 °C. Wir starten unsere Stadtbesichtigung, auch wenn alle Geschäften schon lange geschlossen sind. An der „alten Werft“ gibt es viele Lokale, da sitzt offensichtlich die ganze Stadt im Freien und feiert. Als wir so um Mitternacht ins Bett gehen, ist es immer noch fast taghell.

Hotel: Comfort Hotel „Bakeriet“ 940 NOK (= 111,50 € für 2 Personen mit Abendbuffet und Frühstücksbüffet.

24.06. Trondheim – Åndalsnes (303 km)
Morgens sind es in Trondheim schon 21 °C. Auf der Fahrt nach Süden herrscht auf der E 6 recht viel Betrieb (wir waren bisher ja nur auf „Nebenstrecken“). Trotz 80 kmh kommen wir gut voran, einmal darf man sogar 90 kmh fahren!!! Kaum ein Norweger nutzt das, die bleiben lieber bei 75-80 kmh. Dann geht es über das Dovrefjell (Hochfläche und Naturschutzgebiet, Regen bei 8 °C) und dann ab Dombas ins Romsdal. So ab Björli folgen wir dem Fluss Rauma. So viele Stromschnellen und Wasserfälle sieht man selten. Für uns ist das der schönste Fluss in Norwegen. Man muss immer wieder anhalten und schauen, schauen. Wunderbar. Leider regnet es auch etwas in Andalsnes bei 17 °C.

25.06. Trollstigen und Fjordrundfahrt (175 km).
Heute steht der berühmte Trollstiggen auf dem Programm. Durch ein weites Tal nähert man sich der Trollwand, dann geht es in einigen Serpentinen „an der glatten Wand“ hoch, ganz in der Nähe ein grandioser Wasserfall. An einigen Souvenierläden vorbei kommt man auf eine Aussichtsterrasse mit tollen Blick ins Tal.
Heute war es erst bedeckt, aber 17 °C warm, dann wurde es kälter 13 °C und Regen kam auf.
Auf der Strecke Valldal- Sjøholt -Åndalsnes immer wieder Regengüsse.

26.06. Mit der Rauma-Bahn nach Bjørli
Am Wochende wird der alte Dampfzug der Raumabahn eingesetzt. In 1 ½ Stunden keucht die Bahn von Meereshöhe auf 700 Meter, immer entlang der Rauma. Wieder sind wir von dem abenteuerlich fließenden Fluss begeistert. Damit die Bahn die Höhe überwinden kann, fährt sie auf der einen Bergseite hoch, überquert auf einer alten Steinbrücke den schäumenden Fluss, klettert auf der anderen Bergseite in Gegenrichtung den Berg weiter hoch, macht eine Wende in einem Tunnel im Felsen und erreicht dann nach einer weiteren Steigung endlich Bjørli. Nach einer Kaffepause geht es wieder zurück, wieder sind alle begeistert.
Morgens 11 °C und leichter Regen, mittags nur noch wolkig bei 14 °C.

27.06. Åndalsnes – Lillehammer (261 km)
Abfahrt in Åndalsnes bei 8 °C, Ankunft in Lillehammer bei sommerlichen 24 °C. Es herrscht wenig Verkehr, deshalb kommen wir zügig voran (wir rasen nicht, bei 80 kmh kann man gut spazierenschauen)

CP: Lillehammer Motel & Camping 225 NOK/Tag = 26,70 €

Der Platz liegt verkehrsgünstig, aber in einem Industriegebiet (sieht man auf dem Platz nicht) mit Blick auf den Mjøsa-See. Die untere Terasse ist durch die Schnellstraße ganz schon laut, weiter oben hört man praktisch nichts mehr. Man kann in 20 min in Zentrum von Lillehammer laufen.
Wir machen nur einen kleinen Spaziergang und geniesen die Wärme.

28.06. Lillehammer und das Freiluftmuseum Maihaugen
Zu Fuß geht es bei 17 °C zuerst nach Lillehammer Zentrum. Hier ist richtig was los, fast eine Großstadt (Achtung, wir kommen gerade vom Land). Anschließend gehen wir noch zum Freiluftmuseum. Dort stehen alte Häuser meist aus dem Gudbrandsdal, von alt bis neu (1970). Leider können einige komplett eingerichtete Häuser innen nur mit Führung besichtigt werden. Das ist recht langatmig (englisch) und wir verlieren bald die Geduld und genießen die Optik von außen. Nachdem wir seit 6 Stunden auf den Füßen sind, machen wir uns auf den Heimweg und werden von einem regelrechten Unwetter überrascht. Zum Glück sind wir gleich neben der einzigen Unterführung weit und breit und können uns so während des schlimmsten Regens unterstellen. Abends ist es wieder besser bei 17 °C.


29.06. Verschiedenes um Lillehammer (80 km + 2 ½ h Wanderung)
Heute machen wir zuerst einen Einkaufsbummel in Lillehammer (kaufen aber nix) , besichtigen die Sprungschanzen von oben und unten: Verrückt, da runterzuspringen. Aber einige Jugendliche springen trotzdem auf feuchtem Matten statt Schnee.
Dann geht es ins Gebirge auf 800 m Höhe, wo bei den Olympischen Spielen 1994 Langlauf, Slalom und Abfahrtslauf stattgefunden haben (Nordseter und Sjuseter. Eine Wanderung um den Sjusøen schließt den Tag ab.
Zuerst geht es auf bequemem Weg gut markiert immer um den See, dann wird recht breiter Bach von Stein zu Stein hüpfend überquert und dann kommt der Moor. Auf Holzstegen, die beim Überqueren oft bis ins Wasser eintauchen, balanciert man sich über eine große Moorfläche und später über sehr viele Sumpflöcher. Endlich kommen wieder trockene Wege. Obwohl wir flott unterwegs waren, haben wir statt der angegebenen 1 ½ h doch 2 ¼ h gebraucht.
In Lillehammer 17 °C, auf der Hochebene 12 °C, Sonne und viel Wolken.

30.06. Lillehammer – Oslo (190 km)
Entlang dem Mjøsa-See auf guten Straßen, wenig Verkehr und sonnigem Wetter nach Oslo. Endlich kommen wir auf eine richtige Autobahn. Die bisher auf der Karte als Autobahn ausgewiesenen Strecken waren nämlich nur Autostraßen, also einspurig je Richtung wie Bundesstraßen, aber Verbot für Radfahrer und Fußgänger.
Erlaubte Höchstgeschwindigkeit 90 kmh, sogar 100 kmh, teuflisch.

CP: Camping Ekeberg 250 NOK/Tag = 29,70 €.
Schön gelegener Platz auf einer riesigen Wiese mit einigen wenigen Bäumen, teilweise Panoramablick auf Oslo. Extrem wenig Stromanschlüsse. Man zahlt bei Einfahrt (auch den Strom) und findet dann meist keine freie Steckdose, trotz 35 NOK/Tag allein für Strom. Mit abenteuerlich verlegten Verlängerungskabeln und Doppelsteckern, die im Gelände herumliegen, versuchen die Camper zu improvisieren. Besser erst keinen Strom nehmen.

Das Wetter ist wunderbar, Sonne und 22 °C, da fahren wir schnell mit dem Bus in die Innenstadt. In den Fußgängerzonen ist ein Riesenrummel, der wir schon mal genießen, mit unzähligen „Künstlern“, die spielend und singend und bettelnd auf sich aufmerksam machen, Es herrscht heitere Sommeratmosphäre. Wir essen im Freien und geniesen den Sommer.

01.07. Oslo, die Museumsinsel Bygdøy und Vigeland-Park
Trotz Regen gleich morgens wieder mit dem Bus in die Stadtmitte, dann weiter zum Boot nach Bygdøy. Wir besichtigen das Polarschiff Fram und gehen dann zur Kontiki und Ra II, die „Schiffe“ von Thor Heyerdal. Nachdem der Regen aufgehört hat, marschieren wir von dort bis zum Vigeland-Park und bewundern die imposanten Körper aus grauem Stein. Auf dem Rückweg wird noch das königliche Schloss passiert (Mette-Marit nicht gesehen) und dann geht’s wieder durch die Fußgängerzone zur Bushaltestelle. Bewölkt, 17 °C.

02.07. Oslo-Göteborg – Kopenhagen (590 km)
Wir waren uns nicht sicher, ob wir die Strecke ohne Anstrengung schaffen und haben mit einer Zwischenübernachtung gerechnet. Aber wir kamen trotz kräftigem Seiten- und Gegenwind zügig voran (wolkig 17 °C). Da wir landschaftlich verwöhnt waren, hatten wir keine Lust, nochmal unterwegs zu übernachten.
Fahrzeit (mit Pausen von 8:00 bis 17:00) , einschließlich Überfahrt mit der Fähre Helsingör/Helsingborg (Vogelfluglinie einschließlich Rödby/Puttgarden 1125 SEK = 122,70 €).
In Raum Kopenhagen wird es wieder warm bei 20 °C, aber dann fängt es an zu regnen.

CP: Camping Absalon 173 DKK/Tag = 23,30 €
Der riesige Platz liegt am westlichen Rand des Großraums Kopenhagen, nahe der Autobahn, aber leise. Durch den Regen der letzten Tage bilden große Teile des Platzes eine Seenlandschaft. Dank Vierradantrieb kann der WoWa problemlos rangiert werden.

03.07. Kopenhagen
Mit der S-Bahn nach Kopenhagen ins Zentrum, von dort aus kann man die wichtigsten Sehenswürdigkeiten erkunden (tolle Altstadt, schöne Geschäfte, pralles Leben). Natürlich auch die Meerjungfrau, die man vor lauter Touristen kaum sehen konnte und die beiden Schlösser usw.. Tagsüber bewölkt bei 16 °C. Gerade als wir in den Tivoli wollten, gibt es wieder einen gewaltigen Regen. Gerade können wir noch zum Bahnhof flüchten. Nach langem Warten beschließen wir, zum CP zurück zu fahren. Unterwegs schüttet es gewaltig, beim Austeigen lässt der Regen nach, wir kommen trocken an. Nur noch 13 °C.

04.07. Kopenhagen – Celle (455 km)
Nachdem es die ganze Nacht geregnet hat und keine Besserung in Sicht ist, beschließen wir, schon heute nach Deutschland zurück zu fahren.
Bei kräftigem Wind wird das Wetter immer besser, auf der Überfahrt von Fehmarn nach Deutschland regnet es nicht mehr, 13 °C. Aber kaum gefreut, kommt der Regen umso heftiger. Erst in der Lüneburger Heide wird es schön, trocken bei 20 °C.

CP: Im Stillen Winkel in Winsen an der Aller 16,00 €/Tag
Der Platz liegt an der Örtze, in der Nähe des Zusammenflusses mit der Aller. Einfacher, aber ruhiger Platz, die vielen Dauercamperplätze liegen verdeckt am Rand.

Abends gehen wir in einen Landgasthof wunderschön essen (und so preiswert!!), wir wussten nach 5 Wochen gar nicht mehr, wie so etwas ist.

05.07. Celle (30 km)und Winsen/Aller
Fast die ganze Nacht hat es geregnet. Trotzdem starten wir einen Stadtrundgang mit dem Regenschirm. Schade, nach oben ist die Sicht verdeckt. Deshalb gehen wir Mittagessen und dann wird das Wetter schöner, die Sonne kommt raus. 20 Minuten später ein starker Platzregen, also schnell zurück zum WoWa.

Gegen Abend wieder etwas freundlicher (15 °C) deshalb wagen wir noch eine
2-Stunden-Wanderung um Winsen (Windmühle, Bauernhäuser, Flussauen).

06.07. Celle- Ludwigshafen (488 km)
Heute nacht war es klar bei 6 °C. Aber schon wieder drohen Regenwolken, wir wollen nicht mehr und packen. Um 10:00 Uhr fahren wir ab und um 17:00 sind wir dank leichtem Rückenwind zu Hause. Endlich wieder Sonne und 27 °C.

Fazit:
• Wir sind in den 5 ½ Wochen mit und ohne Wohnwagen 6520 km gefahren mit einem Durchschnittsverbrauch von 11,1 l/100 km.
• Bei Gegenwind lag der Gespannverbrauch bei Tacho 99 bei 14-15 l/100 km, bei Rückenwind nur bei 11,5-12 l/100 km. Ohne WoWa und bedingt durch die strenge Geschwindigkeitsbegrenzung in Norwegen (80 kmh) verbrauchte der RAV trotz Bergstrecken nur so um 8 l/100 km.
• Obwohl wir nur selten eine Kleinigkeit essen waren (außer An- und Abreise) und gefühlsmäßig sparsam gelebt haben, hat der gesamte Urlaub (einschließlich Proviant und Wein von zuhause) 3700 € gekostet.
• Superbenzin in Norwegen kostete zwischen 9,20 NOK und 10,20 NOK (1,09 –1,21 €)
• Wir sind durch weit über 100 Tunnei gefahren, die bis auf wenige ausreichen breit und beleuchtet waren.
• Die Mitternachtsonne haben wir nicht gesehen (erst ab Polarkreis), aber die Sonne scheint um diese Zeit z.B. in Andalsnes noch bis 22:00 und es wird nie richtig dunkel. Wir haben zum Schlafen die Dachluken verdunkelt, weil es zu hell war.
• Norwegen ist kein kulinarisches Erlebnis. Natürlich gibt es auch gute und extrem teure Restaurants, aber niemand geht hin. Man ist Selbstversorger (wohl auch die norwegischen Urlauber). Im Höchstfall geht man in ein Cafe und nimmt ein Smörrebrö oder ein Stück Kuchen und Kaffee, Kaffee,Kaffee.
• Es gibt reichlich Supermärkte, billige wie Rema 1000 oder Rimi, aber auch jede Menge COOP und SPAR mit komplettem internationalem und regionalem Angebot. Oft haben auch kleine Orte ein "Einkaufszentrum" mit 2-3 Super-Märkten nebeneinander. Da kommt so richtig "Großstadtgefühl" auf! Natürlich sind die Preise höher als in Deutschland. Aber man muss nicht zentnerweise Dosen vom Aldi mitnehmen, in der Gesamtbilanz schlagen diese Mehrkosten nicht durch.
• Die Campingplätze sind alle sehr weitläufig und haben eine schöne Lage. Dusche kostet extra ebenso Strom, der immer so um die 30 NOK/Tag kostet.
• Auf jedem Platz gibt es Kochstellen für Zeltcamper und trockene Sitzgelegenheiten. Zum Abspülen leider nur ein oder drei7vier Spülbecken, schon in der Vorsaison oft zu knapp.
• Jeder Platz hat einige Hütten, oft von einfach bis komfortabel. Eine Alternative für Zeltcamper und auch überlegenswert, wenn man nicht mit dem WoWa nach Norwegen will.
• Die Museen, viele Kirchen und sonstige Sehenswürdigkeiten kosten Geld, oft 40-80 NOK/Person, da kommt doch etwas zusammen.
• Die Straßen sind bis auf einige wenige Strecken im Fjordland bestens gepflegt und breit. Trotzdem geht es wesentlich enger zu als bei uns in Deutschland. Da muss man am Anfang ganz schön die „Ohren anlegen“, denn die einheimischen Busfahrer und LKW´s haben Übung und kennen ihre Breite. Sie fahren einfach mit vollem tempo weiter und der arme WoWa-Fahrer muss sich auf seiner Hälfte haarscharf an der Steinmauer entlangzirkeln. Anfangs gar nicht lustig.
• Die norwegischen PKW-Fahrer sind extrem langsam. Sie fahren schließlich oft nur in den nächsten Ort, außerdem gibt es übers Jahr viel Regen, viel Schnee, viel Dunkelheit, viele Tunnel usw.. Sie überholen kaum sondern trödeln lieber hinterher. Manchmal kann man sich selbst in entspannter Urlaubslaune darüber aufregen.
Jetzt wieder zurück in Deutschland fällt mit auf, wie extrem aggressiv dagegen hier gefahren wird. Der Mittelweg wäre wie immer der richtige.

Hallo, ich habe den inzwischen 15 Jahre alten Bericht nicht nach neueren Erkenntnissen umgeschrieben, sonder der ist original.
Nach einer Nordkapprundreise und der Island-Reise halte ich die 2004 gefahrene Route in Norwegen noch immer für die beste, wobei jeder natürlich seine eigene Meinung haben darf, denn die Möglichkeiten sind groß.

 
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RE: Mit dem Wohnwagen 2004 nach Fjord-Norwegen

#2 von bieber , 24.05.2019 10:37

Das ziehe ich zu gegebener Zeit wieder raus, vielen Dank! Norwegen haben wir noch auf der Wunschliste.

 
bieber
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RE: Mit dem Wohnwagen 2004 nach Fjord-Norwegen

#3 von Susanne , 24.05.2019 10:40

werde ich vermutlich nie hinkommen, umso schöner, diesen RB noch einmal zu lesen.

 
Susanne
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RE: Mit dem Wohnwagen 2004 nach Fjord-Norwegen

#4 von donalfredo , 21.07.2019 19:59

Schönen Dank für den Reisebericht.
Interessant ist auch der Satz über den Fahrstil der Norweger zuhause.
Liegt das vielleicht auch daran, daß ihnen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen zuhause das Fell über die Ohren gezogen wird?

In unserem Spanienwinter habe ich reichlich Norweger gesehen, in Südspanien gibt es Küstenstädte, da gibt's fast nur Norweger und die fahren dort wie Hölle.
Ohne Rücksicht und ohne Übersicht, ausschließlich teure, neue Wohnmobile mit Power ...

 
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RE: Mit dem Wohnwagen 2004 nach Fjord-Norwegen

#5 von Winni , 21.07.2019 20:46

Jo, diese Tour in etwas abgespeckter Form wäre mein Traum nochmal mit Oldtimer-Gespann, einfach um zu schauen, dass es geht.

 
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RE: Mit dem Wohnwagen 2004 nach Fjord-Norwegen

#6 von daf43 , 22.07.2019 09:10

Hallo,
wir waren ja letztes Jahr am Nordkapp (allerdings Busreise), aber an den gewaltigen Wohnmobilen der Norweger hat sich nichts geändert. Ja, die Geschwindigkeitsübertretungen in N sind sehr teuer, aber der "normale" Norweger fährt ja sowieso nur bis zum nächsten Supermarkt oder im Ort herum, für ihn gibt es ja sonst nichts zu sehen, alles nur Landschaft .

 
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