RE: Busreise zum Nordkapp, Juli 2018

#1 von daf43 , 27.07.2018 11:29

Busreise zum Nordkapp, 08. -23.Juli 2018


Ich war seit 1962 bereits 5-mal in Norwegen (z.T. mit Schweden und Finnland), anfangs mit Zelt, später mit Frau und Wohnwagen.

Danach war ich von Fjord-Norwegen (also Südwest-Norwegen) am meisten begeistert, der hohe Norden dagegen erschien mit immer (trotz Nordkapp) recht eintönig mit Tausenden Kilometern durch ewig gleiche - aber schöne -Landschaften.

Aber meine Frau wollte unbedingt zu den Lofoten und da hat sich eine Busreise über Norwegen zum Nordkapp und über Finnland zurück angeboten.
(1966 machte ich eine Campingreise (mit Zelt) entgegen dem Uhrzeiger).


1. Tag
Um Mitternacht startete der Bus Richtung Kiel. Trotz viel Verkehr kamen wir frühzeitig (also mehrere Stunden vor der Abfahrt der Fähre) in Kiel an. Zum Entspannen und Spazierengehen hatten wir bei Laboe genügend Freizeit. Am späten Nachmittag dann auf die Fähre nach Oslo (Außenkabine) und konnten die Aussicht den ganzen Abend und in der hellen Nacht genießen.

Die Fähre mit leichtem "touch" in Richtung Traumschiff hatte schöne Kabinen (Meerblick) und beim Abendessen in einem der großen Speiseräume gab es ein üppiges Buffet. Allerdings gibt es festgelegte Essenszeiten, das muss man der hohen Zahl an Passagieren einfach akzeptieren.

ca. 700 km mit dem Bus.


2. Tag
Bei der Ankunft des Schiffes am Morgen in Oslo (17 h Fahrzeit) schien die Sonne, es waren nur wenige Wolken zu sehen. Bei einer Stadtrundfahrt sahen wir die bekannten Sehenswürdigkeiten. Leider darf man inzwischen dank der in Oslo stark vertretenen GRÜNEN nicht mehr mit dem Bus zur Innenstadt fahren. Das moderne Theater und das Rathaus blieben also außen vor. Dafür hatten wir genügend Zeit für den Vigeland-Park mit den unzähligen Skulpturen, wurden dort aber von einem Regenschauer überrascht (naja, die wichtigsten Fotos hatten wir bereits). Danach stand noch das königliche Schloss und das Wikinger-Museum mit verschiedenen Booten und sonstigen Relikten auf dem Programm.
Außerhalb des Ortes besuchten wir anschließend noch den Holmenkollen (Sprungschanze, Fernblick) , bevor dann die Fahrt Richtung Mjösa-See startete.

Bei Hamar, einer Zwischenstation, gibt es ein Eislauf-Stadion, das in auffälliger Weise ein umgedrehtes Wikingerschiff (Vikingskipet) darstellen soll.

In Lillehammer, der Olympia-Stadt von 1994 haben wir noch die Sprungschanze und weitere Einrichtungen besichtigt, dann ging es ins Hotel.
Auch abends war es noch herrlich warm, hell sowieso, also machten nach dem Abendessen fast alle Mitreisenden noch einen Stadtbummel durch die schöne Altstadt von Lillehammer.
ca. 200 km mit dem Bus.



3. Tag
Bei weiterhin sonnigem Wetter fuhren wir durchs Gudbrandsdal bis nachkamen wir nach Ringebu mit seiner schönen Stabkirche. Nach deren Besichtigung ging es durch eine schöne Berglandschaft (Dovrefjell) nach Dombas, einem belebten Kreuzungspunkt mitten in der Landschaft.

Ich kenne in Norwegen "von früher" solche Straßenkreuzungspunkte, die damals nicht mehr als eine Hütte/Kiosk war, in der zeit danach zumindest ein kleiner Supermarkt und heute: Tankstelle, Hotel, Restaurants, Supermarkt und viele, viele Parkplätze.

Natürlich folgte dann in Trondheim ein größere Besichtigungstour zum Nidaros-Dom, dann über die Brücke (gamle bybro) in die Altstadt mit ihren bunten Lagerhäuser am Nidelva. Fast wie in Bergen, aber hier weitgehend renoviert und modernisiert mit tollen Wohnungen und Restaurants.
Danach noch ein paar Kilometer bis zu unserem Hotel in Hell.

ca. 375 km mit dem Bus.


4. Tag
Heutiges Ziel ist Mo i Rana. Auf gut ausgebauter Straße und mäßigem Verkehr geht es durch eine wunderschöne Naturlandschaft, allerdings ohne Überraschungen.
Mo i Rana liegt so günstig am warmen Fjord, dass dort Getreide und viele Gemüsearten angepflanzt werden.

Anmerkung 1
Im Prinzip führt in Norwegen nur eine einzige durchgängige Straße (E 6) in den hohen Norden, zumal Norwegen hier immer schmäler wird.
Meistens ist die Geschwindigkeit auf 80 kmh begrenzt, bei der kleinsten Unregelmäßigkeit an der Straße sofort 70 oder gar 60 kmh. Zahlreiche Radaranlagen und das "fahrerische Temperament" der Norweger sorgen für eine geruhsame (Schnarch)-Fahrt.

Anmerkung 2
Voller Schreck trifft man unterwegs auf kilometerlange Neubaustrecken, wo für die neue Straße etwa 100 Meter breite Schneißen mitten in die Natur gerissen werden, man wird regelrecht traurig oder zornig.
Allerdings haben wir erfahren (und dann auch bemerkt), dass an die Randzone der fertigen Straße sofort große Mengen Walderde beigekarrt wird und Grünzeug und Bäume angepflanzt werden; nach einem Jahr sieht es aus wie "nix passiert".
Und die alte Straße, sofern sie nicht als Umgehung gebraucht wird, wird ebenfalls naturiert, also Teer und Belag entfernt und aufgeforstet.Sie ist dann verschwunden.
Allerdings, wenn sich so eine Baustelle über 20 - 30 km hinzieht und das in mehr oder weniger großen Abständen wiederholt, weiß man nicht, ob man weinen oder lachen soll, zumal inzwischen auch die großen Umwege an den Fjorden entlang durch kilometerlange Tunnels abgekürzt werden.


ca. 450 km mit dem Bus.


5. Tag
Weiter geht es nach Norden. Erwartungsvoll nähern wir uns dem Polarkreis bei Lönsdal, mit entsprechendem Denkmal natürlich....und ganz in der Nähe sieht man (bei 25 °C Außentemperatur) auf einem Schneefeld eine Herde mit Rentieren.

Von hier aus hat man einen schönen Blick auf den Svartisen, dem größten Gletscher im Norden. Wenig später dann einen weiteren tollen Blick nach Westen, auf die Alpen-ähnlichen Berge der Lofoten, die aus dem Meer aufsteigen, wirklich großartig.


Anmerkung 3
Um auf die Lofoten zu gelangen, müsste man von Bodö aus mit der Fähre fahren. Aber unserem Fahrer ist es schon zweimal passiert, dass diese Fähre wegen techn. Mängel ausgefallen ist und er dann mit den ganzen Touristen an Bord über Nacht warten musste, bis die nächste Fähre kam. (Auch die Fähre von Bodö nach Svolvaer fährt zu touristen-unfreundlicher Zeit).
So hat er schon zuhause beschlossen, wie im letzten Jahr die nördliche Fähre von Bognes nach Lödingen zu nehmen, auch wenn es dann bis zum Südzipfel der Lofoten so um die 300 km sind, die wir auch wieder zurück fahren müssen.

Also auf die Fähre nach Lödingen (ca. 1,5 h Fahrzeit) auf Vesteraalen und fahren dann zu den Lofoten, vorbei an Svolwaer und zwar gaaaanz weit in den Süden. Wir übernachten bei Leknes in inzwischen modern eingerichteten, roten Fischerhütten ("Rorbuer"), romantisch direkt am Meer gelegen.

Noch immer schönes sonniges Wetter, abends ein frischer Wind, der den Anorak erfordert.

ca. 500 km mit dem Bus, ca. 40 km mit der Fähre.


6. Tag
Heute geht es weiter bis zum Südzipfel der Lofoten, in den Ort mit dem kürzesten Namen der Welt : "A" ( allerdings mit dem kleinen o obendrauf). Ein Zwischenstopp im Fischerort Nusfjord (belebtes Museumsdorf) zeigt uns, wie er früher hier zuging.

Überall in der Gegend sieht man die Trockengerüste für die Dorsche, welche dort von Januar bis März/April ausgenommen und getrocknet werden. Die Dorschhälften sind zwar entfernt, aber es hängen noch getrocknete Köpfe und andere "Fischteile" zum Trocknen am Strand.

Am Abend fuhren wir noch zu einem Strand ganz im Westen der Inseln, durch einen engen Tunnel (huhu, Bus hat gerade so durchgepasst, was wäre bei Gegenverkehr passiert?). Auf der anderen Seite dann ein schöner Sandstrand und viele Autofahrer, die auch auf einen tollen Sonnenuntergang hofften.
Im Gegensatz zum letzten Jahr ist das Parken dort inzwischen kostenpflichtig, der Bus hätte 25 € gekostet. Da der Himmel aber dicht verhangen war, haben wir den Parkplatz dankend abgelehnt und sind zurück zum Hotel.

ca. 50 km mit dem Bus.



7. Tag
Heute verlassen wir die Lofoten und Vesteraalen, diesmal allerdings ohne Fähre und fahren weiter nach Norden durch eine herrliche, letztlich aber doch immer ähnliche Landschaft. Unterwegs steht eine Ansammlung von "Lappen-Zelten" auf einem Parkplatz. In der Region wohnen die Samen und die haben natürlich einiges Sonderbare und auch Schöne zu verkaufen.
Am Nachmittag erreichen wir Tromsö: Auf den Bergen liegen Schneereste, im Hafen liegen mehrere Kreuzfahrtschiffe und am Ortseingang liegt eine tolle Kirche ("Ishavskatedralen"), die wir natürlich besichtigen.
Und nach dem Abendessen steht noch ein ausgiebiger Stadtbummel (im kurz-ärmeligen Hemd) auf dem Programm.

ca. 485 km mit dem Bus.


8. Tag
Die Fahrt nach Alta bei bestem Sommerwetter führt wieder durch eine schöne Landschaft, man könnte immer wieder die Seen und Berge fotografieren, insbesondere die Lyngen-Alpen.
Am späten Nachmittag erreichen wir Alta. Der Ort gilt als der wärmste im Norden und ist nahezu frostfrei, heute sogar sommerlich warm.
Vor Alta gibt es einige uralte (2000 Jahre) Felszeichnungen der Samen, natürlich inzwischen als Freilicht- Museum hergerichtet, samt Museum-Gebäude.

ca. 310 km mit dem Bus.


9. Tag
Heute fahren wir zuerst nach Hammerfest, der nördlichsten Stadt der Welt.

Anmerkung 4
Inzwischen hat der etwas nördlicher gelegen kleine Ort Honningsvag auch Stadtrechte und kämpft mit Hammerfest um das Prädikat "nördlichste Stadt der Welt").



Die recht große Stadt besichtigen wir erst von oben, denn es gibt oberhalb des Ortes eine natürliche Terrasse, die als Aussichtsplattform fungiert. Danach "erlaufen" wir uns die Stadt samt seinem Markt, der dank der etwa 25 °C gut belebt ist und gehen natürlich auch zur berühmten "Meridian-Säule".
Trotzdem: Hammerfest wirk karg und industriell, aber die auffällige Hammerfest-Kirke versöhnt etwas.

Danach fahren wir weiter durch einen lagen Tunnel unterm Meer hindurch auf die Insel Mageröya, auf der das Nordkap liegt, zuerst aber zum Hotel in Honningsvag.



Anmerkung 5
Inzwischen wird das Nordkapp nicht nur von den Autotouristen gestürmt, sondern auch von den Kreuzfahrtschiffen, wo dann die Reisenden mit ganze Kolonnen von Bussen das Nordkapp stürmen.
Außerdem gibt es im Großraum nur 4 Hotels, die dem immensen Ansturm nicht gewachsen sind. Wer nicht Monate voraus das Hotel reserviert hat, muss schlimmstenfalls mehrere Stunden nach Süden fahren, um ein freies Bett zu finden
.

Wir fahren also zuerst zum gebuchten Hotel (naja, es war noch das beste), dann ein paar Stunden vor Mitternacht von dort aus zum Nordkapp , um dort die Mitternachtssonne zu genießen und den großen Ausstellungspavillon (natürlich mit Restaurant usw.).

Wir sind allerdings nicht allein, mindestens 15 Busse stehen da, unzählige Autos und natürlich Womos.

Anfangs ist der Himmel noch etwas bewölkt, aber gegen Mitternacht lösen sich die Wolken auf und wir haben nahezu durchgängig wolkenfrei die Mitternachtssonne.
Der wirklich nördliche Punkt ist eine kleine Felsnase in Sichtweite der Nordkapp-Klippe. Diese wäre aber für Touristennicht zugänglich zu machen, also bleibt das touristische Nordkapp symbolisch der nördlichste Punkt de europäischen Festlandes.

ca. 385 km mit dem Bus.


Anmerkung 6:
"Normalerweise" erwartet den Besucher hier auch im Sommer ein wolkenverhangener Himmel, meist sogar neblig mit Regen und etwa 6-8 Grad samt unangenehmem Wind, aber heute waren es etwa 16 Grad.
Als ich 1966 das Nordkapp besuchen wollte, gab's dort kalter Regen und dichter Nebel. Ich bin deshalb gleich weiter nach Hammerfest gefahren... am nächsten Tag das gleiche Wetter, also nix mit Nordkapp.....aber heute, hihi.


Anmerkung 7
Bekanntlich ist ja Alkohol in Norwegen nicht frei zugänglich, sondern Wein und Schnaps muss in speziellen Geschäften mit bestimmten Öffnungszeiten gekauft werden und ist sauteuer. So kostet ein Bier (0,33) im Hotel so 6-9 €, aber es schmeckt nicht besonders gut und wird "schaumfrei" wie in England eingeschenkt. Man kann also leichten Herzens darauf verzichten. Wenn man allerdings den ganzen Tag nur Wasser getrunken hat, will man schon mal einen anderen Geschmack im Mund haben und überredet sich trotzdem zu einem Bier und bereut es.
Die Norweger haben da keine Hemmungen, verdienen sie doch etwa das doppelte. Aber ganz ohne Schaum, brrrr, das kennen die wohl nicht besser(hihi).

Im Hotel wird auch ein Glas Wein (0,16 l, 0,2 l so für 8 - 10 € angeboten. Im Zimmer stand eine Flasche "französischer Rotwein", identisch bei Globus für 1,80 €, dort für 12,80 €.


Anmerkung 8
Als Ex-Camper schaut man natürlich immer noch auf die Camper. Dabei ist mir aufgefallen, dass inzwischen hier "oben" auffällig mehr einheimische Camper unterwegs sind als Deutsche und andere "Südländer". Meistens sind es riesige Wohnwagen und große Wohnmobile, nur selten kleine und dann sind es alte Typen (die Mobile!!).
Entlang der Straßen gibt es unendlich viele Parkplätze/Stellplätze, die auch von Wohnwagen und Zeltlern genutzt werden. Teilweise mit Sanitäranlagen, aber auch locker gehandhabte Campingplätze, die wohl etwas kosten.
Also wenn ich je einen Womo-Urlaub machen würde, dann wäre Skandinavien das einzige Ziel, wo ich, als "Wohnmobil-"Hasser", aus praktischen Gründen ein Womo nutzen und genießen würde....zu spät für mich.




10. Tag
Heute also erfolgt der Richtungswechsel nach Süden, die "Heimreise" beginnt. Allerdings geht es erstmal mehr nach Osten als nach Süden, Richtung Finnland. In Karasjok, dem letzten größeren Ort vor der finnischen Grenze, machen wir einen Halt, um die letzten Norwegischen Kronen zu verbraten. In Finnland wird nämlich in € bezahlt.
Dann geht es auf die von mir so verhasste Route durch ein tagelanges, meist ebenes Waldgebiet mit unzähligen Seen und ab und zu einem Hügel.

Zum Glück hat unser Fahrer einige Tipps von finnischen Kollegen bekommen und so fährt er uns, sofern möglich, teilweise auf der Karte im Zick-Zack, zu ein paar nette, verborgene Plätze, die durchaus Freude machen.
Am Inarisee vorbei fahren wir heute bis nach Saarisälkä, einem Wintersportort, der sich im Sommer total auf durchreisende Busse eingestellt hat. Keine schlechte Empfehlung!, zumal nicht nur wir Touristen, sondern auch einige Rentiere frei durch die Stadt bummeln.

ca. 430 km mit dem Bus.


11. Tag
Heute werden wir den Polarkreis (nördlich von Rovaniemi) von Norden her überschreiten. Natürlich gibt es dort eine große "Polarkreis-Station", zumal dort nach eigenem Verständnis ja der Weihnachtmann wohnt und man von hier aus Weihnachtskarten an seine Lieben schreiben kann, die verlässlich genau zu Weihnachten zugestellt werden.
Wir bummeln durch die vielen Geschäfte, weniger wegen der Weihnachtsstimmung, sondern weil draußen inzwischen 33 °C herrschen (am nördlichen Polarkreis, verrückt).
Später geht es weiter bis an die Ostsee, nach Oulu.
Als wird den Fluss überqueren, sehen wir unzählige Badegäste am Strand, es sieht tatsächlich so aus wie bei uns am Baggerweiher. Wahnsinn, die hüpfen- fast am Polarkreis -im warmen Wasser herum.

ca. 470 mit dem Bus .


12. Tag - Ruhetag
Bei tollem Wetter und großer Hitze (bald wieder 30 °C) erleben wir in Oulu eine nette Stadtführung. Dabei erfahren wir, dass hier in Oulu die einzige Schwarzbirke der Welt gefunden wurde (die Blätter sind tatsächlich dunkelrot/schwarz). Daraus wurden dann alle Schwarzbirken der Welt gezüchtet!!
Am Nachmittag genießen wir (in glühender Hitze, deutlich über 30 °C) den Markt und die umliegenden Lokale und Geschäfte.
Beim Bier ist es wieder das gleiche: sauteuer. Egal welche Menge, ob 0,3 l - 0,4 l - 0,5 l usw. immer wird es in den gleichen, globigen, großen Gläsern ohne Schaum serviert.
Aber Oulu wirkt sehr lebhaft, es gibt am Meer viele Spazierwege und - wie gesagt - ein schöner Markt viel vielen Ständen (Obst, Gemüse) und abends Musik.

ca. 0 km mit dem Bus.


13. Tag
Zuerst entlang dem Bottnischen Meerbusen (Ostsee), dann wieder ins Landesinnere durch die endlose Seen-Landschaft. Allerdings werden die riesigen Seen durch starke Verzweigungen und unzählige Inseln unterbrochen, sie werden gar nicht als groß erfasst, weil selten ein weitreichender Seeblick gelingt.
Wieder fährt unserer Fahrer ein paar interessante Umwege. Vorbei an einer großen Holzkirche (als Sommerkirche benutzt) erreichen wir am Nachmittag dann Lahti.

Lahti ist eine moderne Stadt und wurde durch den Wintersport bekannt, aber sonst nichts Aufregendes zu sehen.

ca. 570 km mit dem Bus.

14. Tag
Heute fahren wir eine relativ kurze Strecke nach Helsinki. Von einer Fremdenführerin werden wir durch die Stadt geführt und sehen so Felsenkirche, das Sibelius-Denkmal und den Dom samt Domplatz.
Da Hochsommer ist, wirkt die Stadt durch die vielen Touristen nahezu "südländisch", zumal der große Markt und die Markthalle vor lauter Obst, Gemüse und Fisch fast überquellen.
Am Abend fährt dann der Bus mit uns auf die Fähre nach Stockholm.

Unsere Reiseleiterin hat uns vorgewarnt: auf dieser Fähre fahren große Reisgruppen aus Ostasien mit, die auf ihrer Europa-Rundreise Helsinki-Stockholm bereisen. Und tatsächlich, heute Abend geht es am Büffet extrem laut und hektisch zu, da müssen wir erst einmal tiiiiief durchatmen.

ca. 110 km mit dem Bus.


15. Tag
Die Überfahrt nach Stockholm dauerte etwa 17 Stunden, wobei das Schiff morgen gegen 4:00 Uhr in Mariehamn (Aaland-Inseln) einen Zwischenstopp einlegte. Dort ist zollfreies Gebiet und da nutzen die Finnen die Gelegenheit, um dort Unmengen (?) von Alkohol einzukaufen und auf dem Rückweg noch mal das gleiche. Die fahren also 2 x 17 h mit dem Fährschiff, nur um Alkohol zu bunkern!!
Bei schönen Wetter stehen wir auf der fast endlos langen Durchfahrt durch die Schären nach Stockholm auf Deck und bewundern die unzähligen Inseln und Inselchen samt den schnuckligen Häusern und natürlich ein paar Protz-Villen.

Eine Stockholm-Besichtigung ist aus Zeitgründen nicht möglich (die Fähre Göteborg-Kiel wartet nicht auf uns.
So fahren wir quer durch Südschweden, u. a. auch am Vätternsee entlang, machen ab und zu kleine Foto- und Pippi-Pausen und erreichen gemütlich die Fähre in Göteborg.
Auch hier ist die Ausfahrt aus dem Hafen ein herrliches Erlebnis, der Ort wäre bestimmt eine Kurz-Reise wert.

ca. 470 km mit dem Bus.

16. Tag
Nach einer weiteren Nachtfahrt auf dem weniger schmucken und etwas älteren Fährschiff erreichen wir morgens Kiel.
Im Gegensatz zu den Hafen-Ausfahrten in Oslo und Stockholm, wo es direkt auf die Autobahn geht, stehen wir in Kiel zuerst einmal im Stau.
Wir fahren wegen des starken Verkehrs lieber östlich der einen kleinen Umweg und kommen bis auf die Baustellen bei Hannover relativ ungehindert in der Heimat an.

ca. 700 km mit dem Bus.


Fazit:

Es war eine schöne, aber auch anstrengende Fahrt, nicht zuletzt das Traumwetter (okay, manchmal eher zu heiß ließ die Strapazen der Fahrt (trifft uns weniger) gut überstehen.
Bei aller landschaftlicher Schönheit bleibe ich bei meiner Aussage: Fjord-Norwegen gefällt mir immer noch am besten. Aber die Sehnsucht nach dem Nordkapp ist es der großen Überzahl der Touristen wert, auf dem Weg dorthin und zurück tagelang durch eine schöne, aber auch über lange Strecken "langweilige" Landschaft zu fahren.

Nach den Notizen unserer Reiseleiterin sind wir insgesamt ca. 6.600 km mit dem Bus gefahren und ca. 1600 km mit den Fährschiffen.

Übrigens: die gesamte Reise kostet komplett inkl. Verpflegung 2.500 € pro Person.

 
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RE: Busreise zum Nordkapp, Juli 2018

#2 von HD , 27.07.2018 12:18

Danke, aber ohne Südnorwegen, Westnorwegen mit Bergen? -Nö. Nordnorwegen kann mir gestohlen bleiben und Oslo brauche ich auch nicht. Hirtshals-Kritiansand wäre meine Fähre gewesen läuft auch nur 4 Stunden.
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RE: Busreise zum Nordkapp, Juli 2018

#3 von donalfredo , 27.07.2018 12:30

Danke dir, Dieter, für deinen aufschlußreichen Bericht.
Seit vielen Jahren planen wir so etwas, seit genausovielen Jahren verschieben wir es.
Blöd, es nicht früher gemacht zu haben, ich bin aber nicht sicher, ob es mir heute noch in den Kram passen würden.
Wir wurden von verschiedenen Freunden bereits gewarnt, daß sich die ganze Chose zu einer einzigen Geldmaschine entwickelt, und wenn ich lese, daß ein Bus für eine kurze Zeit 25 €uro Parkgebühr bezahlen soll, bestätigt das meinen Verdacht.
Wir werden wohl eine Reise dieser Art mit dem Schiff machen, die Küste entlangfahren, die Lofoten mitnehmen (das Nordkapp auslassen) und von dort aus entweder nach Island fahren oder Schottland und die Hebriden mitnehmen.
Es gibt die große Qual der Wahl, ich bin mir aber ziemlich sicher, daß ich mir eine Busreise deiner Art nicht antun würde.
Danke erneut für deinen Bericht - gibt's denn auch ein paar Bilder dazu?

 
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RE: Busreise zum Nordkapp, Juli 2018

#4 von Winni , 27.07.2018 12:35

Tolle Reise, Dieter. Auch vom Preis her akzeptabel. So ungefähr stellen wir uns eine Reiseroute mit dem Wohnie vor, wenn wir Pensionisten sind. Mit dem passenden Oldtimer zum
Ziehen.

 
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RE: Busreise zum Nordkapp, Juli 2018

#5 von daf43 , 27.07.2018 12:35

Hallo,
ich stelle eigentlich nie Bilder ein, zumal es im Internet dazu viele schöne gibt.

 
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RE: Busreise zum Nordkapp, Juli 2018

#6 von Kast , 27.07.2018 12:37

Danke für den schön geschriebenen Reisebericht mit dem du uns an deiner Reise teilhaben lässt. Der Text lässt in meinem Kopf die entsprechenden Bilder entstehen.

 
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RE: Busreise zum Nordkapp, Juli 2018

#7 von daf43 , 27.07.2018 12:37

Hallo HD,

Alte Erinnerung von 2004: Mit dem Wohnwagen nach Fjordnorwegen
In der Zeit von 1962 bis 1972 war ich mehrmals mit Zelt oder in Hütten oder Zimmer in Norwegen unterwegs. Nachdem ich mit meiner Frau 1972 zum letzten Mal in Norwegen war, wollten wir jetzt endlich wieder einmal auf einer 5-wöchigen Fahrt das Land erkunden.
Wir haben uns bewusst nur für den südlichen Teil bis Trondheim entschieden, weil ich die ewig lange und manchmal eintönige Fahrt zum Nordkapp (hin- und zurück ab Trondheim 3.000 km) nicht noch mal machen wollte.

Wir, das bin ich, 61 Jahre – in Alterteilzeit –und meine Frau (54) und unser Gespann Toyota RAV4 (150 PS-Benziner) mit Wohnwagen Dethleffs Camper 440 DB.

Reisebericht

29.05. Packen
Heute ist Packen angesagt. Nach dramatischen Berichten über die hohen Preise für Essen im Restaurant und in norwegischen Supermärkten haben wir zum ersten Mal größere Mengen Konserven eingepackt (für 250 €). Der RAV hat dadurch eine besonders satte Straßenlage.
Da wir auf Grund der großen Entfernungen nur jeweils wenige Tage an einem Ort bleiben können, wird statt des großen Sonnendaches nur ein Schutzdach (3 m x 2 m) eingepackt.

30.05. Ludwigshafen/Rhein – Neumünster (620 km)
Es herrscht zum Glück wenig LKW-Verkehr und wir haben leichten Rückenwind. So können wir sehr oft die „Tacho 100“ einhalten und schaffen mit zwei kurzen Pausen die Tagesetappe in 7 ½ Stunden.
Leichter Südost-Wind , leicht bewölkt, maximal 26 °C.

CP: Forellensee, Padenstedt: 16,20 €/Tag
Der gewählte einfache Campingplatz bei Neumünster ist voller Dauercamper und schmiegt sich idyllisch an die Autobahn, aber günstiger Wind lässt uns trotzdem schlafen.

31.05. Neumünster – Friedrichshavn/DK (462 km)
Bei strahlend blauem Himmel und kräftigem Südost-Wind, allerdings etwas böig, kommen wir wieder schnell voran. Hier in Nordjütland ist es sehr windig bei 19 °C und strahlende Sonne.

CP: Nordstrand, Frederikshavn 160 DKK/Nacht = 21,50 €/Tag
Der große Platz liegt kurz hinter einem hässlichen Industriegebiet und ist – entgegen der ADAC-Beschreibung - durch eine öffentliche Straße und einen viel befahrenen Radweg vom Strand getrennt. Die öffentliche Straße wird am Abend von jugendlichen Moped- und Mantafahrer als Beschleunigungsstrecke benutzt – sehr unterhaltsam. Tipp: Besser die Plätze vor Frederikshavn ( Saebo) anfahren.

01.06. Rundfahrt in Nordjütland (160 km)
Bei strahlend blauem Himmel und 19 °C stehen wir bei Skågen an der Stelle, wo Nord- und Ostsee zusammentreffen. Nach der Besichtigung einer in Dünen verwehten Kirche („tilsandede Kirke“ geht es weiter nach Hirtshals und über Hjörring zurück nach Federikshavn.

02.06. Fahrt nach Ålborg (145 km)
Heute ist es richtig heiss in der Sonne, obwohl die Schattentemperatur nur 20°C beträgt. Die ganze Stadt wirkt ungemein sommerlich, die Mädchen tragen Kleidung wie sonst im Urlaub im Süden.
In einem Restaurant in der schönen Altstadt essen wir Teller mit typischen dänischen Spezialitäten.

03.06. Fähre Frederikshavn – Larvik/N (33 km)
Die Fähre hatten wir schon zu Hause übers Internet gebucht. Jetzt in der Vorsaison kostet sie 216 € (für die Rückreise im Juli wären 400 € fällig).
Nach einer schönen Überfahrt – Sonne 19 °C – erreichen wir Norwegen. Entgegen der Empfehlung des ADAC-Campingführers suchen wir einen laut norwegischem Campingführer besseren Campingplatz auf. Es erwartet uns eine abstoßend hässliche Dauercamperkolonie, niemand ist hier. Hier hilft nur Umkehr und auf den empfohlenen Platz in Stavern.

Camping Stolpestad, Stavern 220 NOK = 26,10 €/Tag
Der Platz ist auch von Dauercampern geprägt, wie alle im Umkreis. Jedoch fehlt die von uns Reisecampern sonst so hämisch kommentierte „Gartenzwergidylle“. Ich sage nichts mehr dagegen, denn die norwegischen Dauerplätze sind ganz einfach schrecklich.
Allerdings gibt es für Reisecamper eine schöne Wiese, die uns als einzigen Gästen allein gehört.

04.06. Besichtigung von Stavern und Larvik , Wanderung auf dem Küstenweg (30 km)
Nachdem es morgens noch geregnet hat (12 °C), kommt doch noch die Sonne und wir können bei 17 °C wandern gehen.
In Larvik fällt uns erstmals die Weitläufigkeit der norwegischen Orte auf, es gibt keinen kuscheligen Ortskern und der schönste Platz im Ort ist das Einkaufszentrum.
Schöner ist die Wanderung ( 3 h) auf dem markierten Küstenweg, vorbei an unzähligen Ferienhäuschen und Hütten, die versteckt hinter Felsen und Bäumen liegen.

05.06. Fahrt in die Küstenstädte Kragerø und Risør (257 km)
Bei heiterem Wetter und 19 °C fahren wir auf bestens ausgebauten Straßen mit strengen 80 kmh durchs Land. Die Norweger überholen äußerst selten, sie fahren lieber nur 70 kmh, sie lieben Kolonnenfahren. Es juckt im Gaspedal, aber man ist ja Gast im Land.
Die beiden Hafenstädte liegen sehr schön in Buchten, es herrscht buntes Treiben.
Leider schließen die Geschäfte samstags bereits um 14-15 Uhr, dann sind die Orte „tot“.
Also zurück zum Platz und nochmals eine Küstenwanderung (1 ½ h) in die andere Richtung.

06.06. Stavern – Kinsarvik am Hardangerfjord (360 km)
Bei schönem Wetter (19 °C) fahren wir mit dem Gespann durch Telemark quer durch Südnorwegen. Die Landschaft ist zwar nett anzuschauen, aber sie kommt bekannt vor. Deshalb geht es zügig durch bis zum Haukelifjell (Hochfläche). Dort auf über 1000 m sind es nur noch 7 °C und es ist trüb. Trotzdem eine tolle, ungewohnte Atmosphäre. Gleich geht es wieder ein paar Hundert Höhenmeter mit einigen „Tunnelen“ runter nach Røldal und gleich wieder gewaltig hoch auf gut ausgebauten Straßen und Tunnel, dann wieder runter – vorbei am Låtefoss (Wasserfall), bis wir in Odda wieder auf Meereshöhe sind. Den Sørfjord entlang -einem Seitenarm des Hardangerfjords – fahren wir bis zum Campingplatz in Kinsarvik.
Der Hardangerfjord ist ein recht lieblicher Fjord, überall gedeihen Apfel-, Birnen- und Kirschbäume. Toll der Kontrast der fast südländischen Landschaft zum den schneebedeckten Höhen des Folgefonngletschers.

CP: Hardangertun in Kinsarvik 190 NOK = 22,60 €/Tag
In der Gegend stehen zwei gute Plätze zur Auswahl: Hardangertun in Kinsarvik und in Lofthus Lofthus-Camping. Da Lofthus-Camping etwas erhöht und weiter im Fjord liegt und nur über eine schmale Straße zu erreichen ist, entscheiden wir uns für Hardangertun, der an der Straße liegt (Verkehr stört nicht, nachts absolut ruhig).
Dummerweise werden die Hütten in der Nebensaison auch als Schullandheim benutzt. Bei unserem Aufenthalt sind anderntags ungefähr 80 Jugendliche eingetroffen, die dann abends über den Platz toben- naja.

07.06. Wanderung ins Husedal, Besichtigung von Lofthus (20 km)
Überall in Norwegen gibt es tolle Wasserfälle, die entweder mehrere hundert Meter frei fallen oder in mehreren Stufen. Wir wandern direkt vom Platz aus zu den Wasserfällen im Husedal, anfangs auf einem Fahrweg, dann auf immer schmaleren Pfaden mit kräftigen Steigungen. Trotz einsetzendem Regen (14 °C) und rutschigem Boden beeindruckt die Landschaft, die Pflanzen, die Einsamkeit.
Abends fahren wir durch die Obstplantagen noch nach Lofthus und bewundern die Aussicht.

08.06. Fahrt zum Vøringfossen und mit dem Schiff nach Utne (76 km)
Trotz regnerischem Wetter bei 12 °C wollen wir heute nach Eidsfjord und zum berühmten Vøringfossen, dem angeblich schönsten Wasserfall Norwegens. Durch eine beeindruckende Schlucht geht es bergauf zum Wasserfall. Zuerst sieht man vor lauter Nebel nix, die armen Busturisten sind frustiert, denn sie müssen weiter. Wir bleiben noch in der Gegend und zum Glück wird es später heller und wir können den Wasserfall von mehreren Plattformen aus fotografieren.
Am Nachmittag kommt die Sonne raus (18 °C) und wir nutzen das schöne Wetter für eine Schifffahrt nach Utne. Zwar ist das Freilichtmuseum nach 17.00 Uhr geschlossen, aber die alten Häuser können von außen besichtigt werden.

09.06. Kinsarvik- Bergen (160 km)
Zuerst wird der Fjord bei Brimnes mit der Fähre überquert (61 NOK), dann geht’s auf der E 7 am Hardangerfjord entlang über Norheimsund nach Bergen. Wir haben Sonne bei 18 °C. Diese Straße ist sehr eng, teilweise einspurig mit Ausweichstellen und hat einen schlechten Belag. Wir brauchen deshalb doppelt so lange wie sonst für eine solche Entfernung. Aber sie hat was, es macht nämlich auch Spaß, tolle Aussichten und es gibt wenig Verkehr.
Eine kleine Wanderung im Ort und über blühende Wiesen lässt den Tag ausklingen.

CP: Lone-Camping in Haukeland 175 NOK = 20,80 €/Nacht

Es ist der empfohlene Platz für Bergen. Eine große Wiese am See und mehrere Terassen, ruhig gelegen, allerdings auch in der Vorsaison durch die abends eintreffenden Wohnmobile ganz gut belegt.

10.06. Mit dem Bus nach Bergen
Die ganze Nacht hat es geregnet, es sind nur noch 12 °C.
Die dem Platz gegenüber liegende Bushaltestelle bietet sich als bequeme Anfahrt an, im Bus gibt es ab 60 Pensionär-Rabatt (halber Preis, man muss den Fahrer aber dafür ansprechen).
Bergen ist ein Muss, endlich mal eine belebte Stadt mit tollem Fischmarkt und – natürlich – Tausenden von Touristen, die das gleiche sehen wollen. Wir leisten uns eine Fischsuppe bei den Bryggen und fahren dann mit der Standseilbahn auf den Aussichtsberg Flöyen. Nach kurzem Regenschauer – wie immer in Bergen – klart es auf, gerade als wir fotografieren, dann wird es wieder trüb. Wir gehen dann außerhalb des überlaufenen Zentrums spazieren und finden ganz tolle Häuser, alte und neue. Erst als uns am späten Nachmittag die Füße schmerzen, fahren wir mit dem Bus zurück zum WoWa.

11.06. Bergen – Flåm (Sognefjord-Gebiet) 150 km
Bei srömendem Regen und 12 °C starten wir in Bergen. Ab Voss wird es zusehens besser und bald haben wir wieder 20 °C. Wieder begeistert uns die Landschaft (wie jeden Tag erneut), besonders das enge Nærøydalen, gefolgt vom langen Gudvangen-Tunnel. Aus dem Tunnel raus sofort die Abfahrt Flåm, dahinter geht es in den nächsten Tunnel.
Auf dem Campingplatz bekommen wir, weil wir einige Tage bleiben wollen, den wohl schönsten Platz zugewiesen. Vom Platz aus sieht man die riesigen Kreuzfahrtschiffe im Hafen liegen und die Dampfbahn, die durch Flåmsdalen hoch nach Myrdal fährt.
Das schöne Wetter animiert uns zu einer 2-stündigen Wanderung ins Flåm-Tal bis zur Dorfkirche, vorbei am Wasserfall und über üppig blühende Blumenwiesen, toll.

CP: Flåm Camping & Vandrerhjem 140 NOK/Nacht = 16,60 €
Sehr schöner Wiesenplatz mit Obstbäumen und mehreren Terassen mit toller Aussicht.

12.06. Mit der Flåm-Bahn nach Myrdal
Natürlich wollen wir auch mit der berühmten Flåmbahn fahren und mit uns viele, viele andere auch. Neben den Campern sind die Passagiere der Kreuzfahrtschiffe dabei sowie Busreisende und solche, die von der Bahnlinie Oslo-Bergen einen Abstecher machen. Also internationales Publikum ist angesagt.
Die Fahrt mit der Bimmelbahn (150 NOK einfach, 250 hin und zurück) durch eine grandiose Landschaft mit Sicht auf die Wasserfälle und den Fluss, Umkehrtunnel und Galerien an einer steilen Felswand hinauf auf die Hochfläche auf über 860 m, wo noch Schneereste liegen.
Den Rückweg von 21 km wollen wir uns erwandern. Zuerst geht es am Bach entlang (mit Wasserfall-Einlagen) in steilen Serpentinen bergab (dieser Weg wird als Radstrecke empfohlen, aber die wenigen Radfahrer haben wegen der vielen Steine geschoben)
Anschließend folgt ein Sandweg und nach der Hälfte der Strecke beginnt ein asphaltierter Fahrweg. Die meisten Mitwanderer haben hier (vernünftigerweise) aufgegeben und sind mit der Bahn weiter gefahren. Für uns begann ein mühsam langer Weg, aber in wunderschöner Landschaft bei strahlender Sonne und 21°C. Nach 5 h waren wir am Ziel.

13.06. „Kreuzfahrt“ in den Nærøy-Fjord (4 ½ h, 228 NOK = 27,00 €)
Der Nærøy -Fjord ist als der schmalste Fjord Norwegens bekannt. Natürlich wollen wir ihn befahren. Aber - na ja, ausgerechnet die engste Stelle ist völlig unspektakulär an einem Abschnitt mit relativ flachen Bergen. Ohne Hinweis des Kapitäns hätte man es gar nicht bemerkt. Die Fahrt selbst war toll, weil man in mehrere Fjorde hineinsehen kann.
Morgens waren es noch 22 °C, dann wurde es regnerisch und nur noch 16 °C.

14.06. Fahrt zur Stabkirche in Borgund und den Snøvegen von Lærdal nach Aurland (150 km)
Zuerst durchfahren wir nach Aurland den längsten Straßentunnel der Welt, der Lærdalstunnelen (24,5 km, ca. 20 min Fahrzeit bei 80 kmh). Damit die Tunnelangst genommen wird, gibt es alle 7 km eine mit blauem Tageslicht beleuchtete Halle, die ein Tunnelende vortäuschen soll.
Wieder durch ein eindruckvolles Tal geht es hoch nach Borgund und dann steht sie da, die älteste nahezu original erhaltene Stabkirche (50 NOK). Nach Besichtgung und einigen Fotos geht es zurück nach Lærdalsøyri und von dort statt dem langen Tunnel auf der alten Straße nach Aurland.
Der „Snøvegen“ führt als schmale, aber gut ausgebaute Nebenstraße durch ein wunderschönes Tal langsam hoch bis in die Schneeregion. Dann geht es lange über die Hochfläche, wo jetzt noch links und rechts Schneewände die Straße begleiten. Am Ende der Hochfläche ein atemberaubender Blick aus über 1000 Meter Höhe hinab auf die steil abstürzenden Berge in die Fjorde. Dann geht es steil, ganz schön happig,bergab und wenn man denkt, man wäre unten, wird die Straße plötzlich arg eng mit wenig Ausweichen, da freut man sich auf jedes entgegenkommende Wohnmobil.
Tagsüber regnerisch mit 13 °C, auf der Hochfläche nur 3 °C.

15.06. Flåm – Loen 200 km
Erst mal mit der Fähre über den Fjord (66 NOK), dann auf guter Straße über Sognedal nach Fjærland. Auch hier wieder zwei Tunnel, einer mit Maut (150 NOK). Trotz leichtem regen eine wunderbare Landschaft, man fährt direkt an einer Gletscherzunge (Bøyabreen) vorbei, unglaublich. Dann geht es ab Skei auf recht schlechter Straße wieder bergauf auf eine Hochfläche und wieder unter zu einem Seitenarm des Nordfjord. Die Straße am Fjord entlang ist eng mit Ausweichen, zum Glück fährt ein LKW voraus und „räumt“ uns die Straße.
Jetzt müssen wir entscheiden: Entweder ins Oldedalen oder ins Lodalen. Beide Täler sind über schmale Straßen mit Ausweichstellen zu erreichen und sollen tolle Campingplätze haben.
Wir entscheiden uns für den am einfachsten zu erreichenden Tjugen-Camping am Beginn des Londalen. Es regnet bei 8°C.

CP: Tjugen-Camping 140 NOK/Nacht = 16,60 €
Schöne Wiese etwas weg von der kaum befahrenen Straße, daneben ein toller Fluss. Wir waren teilweise die einzigen Gäste.

Während unseres Aufenthaltes haben wir auch die anderen Plätze besichtigt:
1. Camping Sande/Loendalen: Der Platz liegt zwar am See, aber man fährt 10 km über eine enge Straße. Außerdem stehen die Dauercamper hässlich am See. Also für mich nicht zu empfehlen.
2. Camping Gryta/Oldenvatn
3. Camping Gytri/Oldenvatn
Die beiden Plätze liegen nebeneinander, beide mit toller Sicht auf den See, sogar schöner als „unser“ Tjugen-Camping. Gryta machte den besseren Eindruck.

16.06. Wanderung im Londalen
Die ganze Nacht (6 °C) und am Morgen Regen, mittags etwas besser, aber nur 9 °C. Trotzdem mit dem Regenschirm 3 h gewandert.

17.06. Wanderung zum Bødal-Gletscher (5 ¼ h)
Mit dem Auto ins Londalen bis Bødal auf den Parkplatz. Dann von 0 auf 800 m zum Gletscher. Zuerst steil bergan auf einem mautpflichtigen Asphaltweg, dann ein Sangweg und ab Bødalseter auf einem abenteuerlichen Pfad mit viel Wasser, Bächlein und Brücklein zum Gletscher. Da werden die Wanderschuhe endlich mal richtig gefordert. Anfangs strahlende Sonne bei 16 ^C, dann kommen Wolken auf. Es ist schon toll, an einer Gletscherzunge zu stehen und die gewaltigen Eismassen bewundern. Da der Gletscher auch bei näherer Anfahrt auf dem mautpflichtigen Weg noch recht weit ist, gab es nur wenige Wanderer.

18.06. Rundfahrt Hellesylt- Fähre nach Geiranger- alter Strynvejen (182 km)
Bei schönem Wetter nach Hellesylt zur Fähre (270 NOK). Leider wird es dann trüber, aber die berühmten Wasserfälle „Sieben Schwestern“ kann man sehen. In Geiranger viel Trubel durch eine Unmenge von Bussen, die Gäste abholen oder bringen (Ach, war es vor 30 Jahren hier noch so ruhig). Trotzdem erhalten wir in einem Lokal eine wirklich köstliche Fischsuppe. Nur noch 10 °C.
Die folgende Panorama-Straße Richtung Grotli geht gewaltig hoch, ist aber gut ausgebaut und erlaubt wohl die schönsten Blicke von Norwegen ins Tal.
(Anmerkung: Die Straße könnte von der Breite trotz einiger Kehren auch mit Wohnwagen befahren werden, es gibt auch keine Sperrschilder. Allerdings haben die wenigen Wohnwagen, die nach Geiranger herunterkamen, stinkende Bremsen gehabt. Ich würde es nicht empfehlen, mit dem Auto kann man besser anhalten und schauen).
Als wir „oben“ sind, nehmen wir den Umweg über den alten Stryn-Weg. Er geht von Grotli wieder zurück nach Stryn. Es ist ein schmaler Sandweg mit Ausweichen, aber kaum Schlaglöcher. Es wird eine Fahrt wie in der „guten alten Zeit“.
Trotz 3 °C machte die Fahrt durch teilweise meterhohen Schneewände unheimlich Spaß. Am Ende geht es dann gewaltig bergab bis zum Fjord. das kennt man inzwischen, aber es ist immer wieder ein Erlebnis, von der Sicht und vom Fahrerischen.
Abends wird das Wetter freundlicher bei 13 °C.

19.06. Fahrt nach Oldedalen (30 km), 2 h Wanderung zum Briksdals-Gletscher
Der Briksdalsbreen ist der wohl bekannteste Gletscher von Jotunheimen. Da er relativ einfach zu erreichen ist, kommen entsprechend viele Besucher – so wie wir auch - dort hin.
Vom Parkplatz aus kann man in 45 min hochlaufen. Für Bequeme fahren Pferdekutschen hoch und optisch sehr schlimm, auch noch motorisierte Wagen.
Es ist eine wahre Völkerwanderung. Doch bis ganz zum Gletscher muss man doch noch über einen steinigen und felsigen Pfad gehen. Am Gletscher dann schöne blaue „Eisberge“ im See, beeindruckend die Eistürme. Am Fuß ist das „Basislager“ für eine ein- oder mehrstündige Gletscherwanderung. Die Wanderer werden mit Steigeisen, Sturzhelm, Pickel und Seil maskiert und steigen in den Gletscher ein. Selbst in der Vorsaison herrscht hier ein riesiger Andrang, es gibt Warteschlangen.
Abwechselnd Schauer und Sonne, 18-19 °C.

20.06. Loen – Ålesund ( 143 km)
Zuerst wieder über die Höhe nach Hellesylt, dann wieder hoch Richtung Stranda, wieder auf 0 Meter, dann wieder hoch und runter zur Fähre über den Nordfjord (61 NOK), von dort aus auf breiter Straße Richtung Ålesund. Blauer Himmel bei 20 °C, mittags Wolken.

CP: Prinsen 180 NOK/Tag =21,40 €
Der Platz liegt günstig vor Ålesund. Nettes Wiesengelände mit Bächlein direkt am Meer, im Hintergrund viele Hütten. Gut besucht (Ein weiterer CP näher an Ålesund soll nicht so gut sein).

Nachmittags besuchen wir die nördlich von Ålesund liegenden Inseln Gierske und Gudøy (69 km). Dazu muss man außer einer Brücke auch noch zwei Unterwassertunnel (einer mit unterirdischer Kehre im Fels) befahren. Mit 10% Gefälle geht es 153 m unters Meer und dann sofort wieder mit 10% Steigung hoch. Schon toll. Gierske ist flach und hat eine nette Kirche (wegen hohem Eintrittsgeld nicht besucht).
Godøy hat einen hohen Felsen als Mitte und am Westende gibt es einen kleinen Fischerort mit altem Leuchtturm und einige altere Anbauten, die als Ausstellungsraum und Cafe dienen. Dort essen wir endlich die typischen „Sveler“ mit Puderzucker, Rømme und Syltetøy gegessen (Svele: Waffelteig, wie Pfannkuchen gebacken).

21.06. Ålesund und Aquarium
Heute Morgen mal wieder Regen und 12 °C. Ålesund ist bis auf einige verhuschte Touristen wie ausgestorben. Vom Ort geht ein extrem steiler Treppenweg zum Panoramaberg Kniven. Da ich nicht schwindelfrei bin, fahren wir die Straße hoch. Ein Traumblick auf Ålesund und die vielen bewohnten und unbewohnten Inseln, zumal das Wetter besser wurde.
Anschließend besuchen wir das neue “Aquarium“. Hier hat sich der Eintrittspreis wirklich gelohnt. Man kann eine Menge großer und kleiner Fische sehen, auch Zuchtlachse im Netz wie in den Fjorden.
Da die Sonne durchkommt und die Temperatur inzwischen auf 16 °C gestiegen ist, machen wir noch eine kleine Wanderung um die Buchten mit den alten Bunkern.

22.06. Ålesund – Åndalsnes (130 km)
Auch heute wieder gute Straßen, mehrere Tunnel, aber weniger spektakulär, man hat schon so viel gesehen. Heiter bis wolkig bei 17 °C.

CP: Mjelva Camping 130 NOK/Tag = 15,40 €
Zuerst wollen wir auf den CP Trollstiggen, aber der liegt recht düster, von steilen Felshängen umgeben. Deshalb fahren wir zurück auf den Mjelva-Camping. Leider sind die Plätze auf der schönsten Aussichtsterasse für einen holländischen Club reserviert, aber wir finden einen begeisternd schönen Platz neben einer Baumgruppe und haben so 300 qm für uns.
Ein weiterer Platz direkt in Åndalsnes ist sehr einfach und war außer von Dauercampern kaum besucht).
In Åndalsnes gibt es so etwas wie ein Zentrum und den Bahnhof für die Rauma-Bahn.

23.06. Fahrt mit dem Auto über Molde und Kristiansund nach Trondheim (360 km)
Das Wetter verspricht schön zu werden. Deshalb unternehmen wir bereits heute die geplante Tour nach Trondheim. Zuerst besuchen wir Molde (Fähre 88 NOK), von dort weiter Blick über die Bucht auf die Berge des Romsdals und weiter. Eine ummtriebige Stadt, aber, wie fast alle, sehr nüchtern (nicht wegen fehlendem Alkohol!). In den Außenbezirken nette kleine Häuser.
Von dort aus über die RV 64 (Antlantikweg) Richtung Kristiansund. Da kommt eine abenteuerlich „schräge“ Brücke. Es ist eine Bogenbrücke, die eine Kurve macht und sieht deshalb etwas gekippt aus.
Vor Kristiansund noch mal eine Fähre (83 NOK), dann sind wir dort. Strahlende Sonne, aber ein kalter Wind, wir frösteln, aber die Einheimischen tragen lockere Sommerkleider. Nachdem wir uns in einer Cafeteria gestärkt haben, geht es auf die letzte Etappe nach Trondheim. Aber erst einmal durch einen Tunnel (75 NOK), dann folgt eine recht schmale, kurvenreiche Straße durch eine Waldlandschaft, nicht aufregend, ganz nett. Dazwischen mal wieder eine Fähre (78 NOK). Ab Orkanger wird die Straße breiter, aufatmen! Sofort folgt dann eine Mautstelle (15 NOK) für einige Kilometerchen, dann ein Stau an der Baustelle. Kaum vorbei, die nächste Mautstelle (15 NOK- wo ist die neue Straße?).
Langsam wird es spät, deshalb reservieren wir telefonisch ein Hotel in Trondheim. Danke, lieber Reiseführer „Reise-Know-how“ für die exakte Hotelbeschreibung, aber leider die falsche Telefonnummer. Zum Glück hatten wir den Trondheim-Prospekt mit der richtigen Telefonnummer schon vorher in einer Tourist-Info erhalten.
Abends kostet die Einfahrt in die Stadt nichts mehr. Schnell – trotz viel Verkehr, aber guter Beifahrerin – haben wir das Hotel gefunden.
Im Zimmerpreis ist das Abendbuffet (kalte Platten und Getränke) enthalten. Wir kommen um 20:30 an, das Buffet wird pünktlich um 21:00 abgeräumt, also hopp-hopp, wir werden noch satt..
Aber der Tag ist noch nicht zu Ende. Heute wird in Norwegen der Sommeranfang gefeiert. Die Sonne steht noch immer strahlend am Himmel, es sind 20 °C. Wir starten unsere Stadtbesichtigung, auch wenn alle Geschäften schon lange geschlossen sind. An der „alten Werft“ gibt es viele Lokale, da sitzt offensichtlich die ganze Stadt im Freien und feiert. Als wir so um Mitternacht ins Bett gehen, ist es immer noch fast taghell.

Hotel: Comfort Hotel „Bakeriet“ 940 NOK (= 111,50 € für 2 Personen mit Abendbuffet und Frühstücksbüffet.

24.06. Trondheim – Åndalsnes (303 km)
Morgens sind es in Trondheim schon 21 °C. Auf der Fahrt nach Süden herrscht auf der E 6 recht viel Betrieb (wir waren bisher ja nur auf „Nebenstrecken“). Trotz 80 kmh kommen wir gut voran, einmal darf man sogar 90 kmh fahren!!! Kaum ein Norweger nutzt das, die bleiben lieber bei 75-80 kmh. Dann geht es über das Dovrefjell (Hochfläche und Naturschutzgebiet, Regen bei 8 °C) und dann ab Dombas ins Romsdal. So ab Björli folgen wir dem Fluss Rauma. So viele Stromschnellen und Wasserfälle sieht man selten. Für uns ist das der schönste Fluss in Norwegen. Man muss immer wieder anhalten und schauen, schauen. Wunderbar. Leider regnet es auch etwas in Andalsnes bei 17 °C.

25.06. Trollstigen und Fjordrundfahrt (175 km).
Heute steht der berühmte Trollstiggen auf dem Programm. Durch ein weites Tal nähert man sich der Trollwand, dann geht es in einigen Serpentinen „an der glatten Wand“ hoch, ganz in der Nähe ein grandioser Wasserfall. An einigen Souvenierläden vorbei kommt man auf eine Aussichtsterrasse mit tollen Blick ins Tal.
Heute war es erst bedeckt, aber 17 °C warm, dann wurde es kälter 13 °C und Regen kam auf.
Auf der Strecke Valldal- Sjøholt -Åndalsnes immer wieder Regengüsse.

26.06. Mit der Rauma-Bahn nach Bjørli
Am Wochende wird der alte Dampfzug der Raumabahn eingesetzt. In 1 ½ Stunden keucht die Bahn von Meereshöhe auf 700 Meter, immer entlang der Rauma. Wieder sind wir von dem abenteuerlich fließenden Fluss begeistert. Damit die Bahn die Höhe überwinden kann, fährt sie auf der einen Bergseite hoch, überquert auf einer alten Steinbrücke den schäumenden Fluss, klettert auf der anderen Bergseite in Gegenrichtung den Berg weiter hoch, macht eine Wende in einem Tunnel im Felsen und erreicht dann nach einer weiteren Steigung endlich Bjørli. Nach einer Kaffepause geht es wieder zurück, wieder sind alle begeistert.
Morgens 11 °C und leichter Regen, mittags nur noch wolkig bei 14 °C.

27.06. Åndalsnes – Lillehammer (261 km)
Abfahrt in Åndalsnes bei 8 °C, Ankunft in Lillehammer bei sommerlichen 24 °C. Es herrscht wenig Verkehr, deshalb kommen wir zügig voran (wir rasen nicht, bei 80 kmh kann man gut spazierenschauen)

CP: Lillehammer Motel & Camping 225 NOK/Tag = 26,70 €

Der Platz liegt verkehrsgünstig, aber in einem Industriegebiet (sieht man auf dem Platz nicht) mit Blick auf den Mjøsa-See. Die untere Terasse ist durch die Schnellstraße ganz schon laut, weiter oben hört man praktisch nichts mehr. Man kann in 20 min in Zentrum von Lillehammer laufen.
Wir machen nur einen kleinen Spaziergang und geniesen die Wärme.

28.06. Lillehammer und das Freiluftmuseum Maihaugen
Zu Fuß geht es bei 17 °C zuerst nach Lillehammer Zentrum. Hier ist richtig was los, fast eine Großstadt (Achtung, wir kommen gerade vom Land). Anschließend gehen wir noch zum Freiluftmuseum. Dort stehen alte Häuser meist aus dem Gudbrandsdal, von alt bis neu (1970). Leider können einige komplett eingerichtete Häuser innen nur mit Führung besichtigt werden. Das ist recht langatmig (englisch) und wir verlieren bald die Geduld und genießen die Optik von außen. Nachdem wir seit 6 Stunden auf den Füßen sind, machen wir uns auf den Heimweg und werden von einem regelrechten Unwetter überrascht. Zum Glück sind wir gleich neben der einzigen Unterführung weit und breit und können uns so während des schlimmsten Regens unterstellen. Abends ist es wieder besser bei 17 °C.


29.06. Verschiedenes um Lillehammer (80 km + 2 ½ h Wanderung)
Heute machen wir zuerst einen Einkaufsbummel in Lillehammer (kaufen aber nix) , besichtigen die Sprungschanzen von oben und unten: Verrückt, da runterzuspringen. Aber einige Jugendliche springen trotzdem auf feuchtem Matten statt Schnee.
Dann geht es ins Gebirge auf 800 m Höhe, wo bei den Olympischen Spielen 1994 Langlauf, Slalom und Abfahrtslauf stattgefunden haben (Nordseter und Sjuseter. Eine Wanderung um den Sjusøen schließt den Tag ab.
Zuerst geht es auf bequemem Weg gut markiert immer um den See, dann wird recht breiter Bach von Stein zu Stein hüpfend überquert und dann kommt der Moor. Auf Holzstegen, die beim Überqueren oft bis ins Wasser eintauchen, balanciert man sich über eine große Moorfläche und später über sehr viele Sumpflöcher. Endlich kommen wieder trockene Wege. Obwohl wir flott unterwegs waren, haben wir statt der angegebenen 1 ½ h doch 2 ¼ h gebraucht.
In Lillehammer 17 °C, auf der Hochebene 12 °C, Sonne und viel Wolken.

30.06. Lillehammer – Oslo (190 km)
Entlang dem Mjøsa-See auf guten Straßen, wenig Verkehr und sonnigem Wetter nach Oslo. Endlich kommen wir auf eine richtige Autobahn. Die bisher auf der Karte als Autobahn ausgewiesenen Strecken waren nämlich nur Autostraßen, also einspurig je Richtung wie Bundesstraßen, aber Verbot für Radfahrer und Fußgänger.
Erlaubte Höchstgeschwindigkeit 90 kmh, sogar 100 kmh, teuflisch.

CP: Camping Ekeberg 250 NOK/Tag = 29,70 €.
Schön gelegener Platz auf einer riesigen Wiese mit einigen wenigen Bäumen, teilweise Panoramablick auf Oslo. Extrem wenig Stromanschlüsse. Man zahlt bei Einfahrt (auch den Strom) und findet dann meist keine freie Steckdose, trotz 35 NOK/Tag allein für Strom. Mit abenteuerlich verlegten Verlängerungskabeln und Doppelsteckern, die im Gelände herumliegen, versuchen die Camper zu improvisieren. Besser erst keinen Strom nehmen.

Das Wetter ist wunderbar, Sonne und 22 °C, da fahren wir schnell mit dem Bus in die Innenstadt. In den Fußgängerzonen ist ein Riesenrummel, der wir schon mal genießen, mit unzähligen „Künstlern“, die spielend und singend und bettelnd auf sich aufmerksam machen, Es herrscht heitere Sommeratmosphäre. Wir essen im Freien und geniesen den Sommer.

01.07. Oslo, die Museumsinsel Bygdøy und Vigeland-Park
Trotz Regen gleich morgens wieder mit dem Bus in die Stadtmitte, dann weiter zum Boot nach Bygdøy. Wir besichtigen das Polarschiff Fram und gehen dann zur Kontiki und Ra II, die „Schiffe“ von Thor Heyerdal. Nachdem der Regen aufgehört hat, marschieren wir von dort bis zum Vigeland-Park und bewundern die imposanten Körper aus grauem Stein. Auf dem Rückweg wird noch das königliche Schloss passiert (Mette-Marit nicht gesehen) und dann geht’s wieder durch die Fußgängerzone zur Bushaltestelle. Bewölkt, 17 °C.

02.07. Oslo-Göteborg – Kopenhagen (590 km)
Wir waren uns nicht sicher, ob wir die Strecke ohne Anstrengung schaffen und haben mit einer Zwischenübernachtung gerechnet. Aber wir kamen trotz kräftigem Seiten- und Gegenwind zügig voran (wolkig 17 °C). Da wir landschaftlich verwöhnt waren, hatten wir keine Lust, nochmal unterwegs zu übernachten.
Fahrzeit (mit Pausen von 8:00 bis 17:00) , einschließlich Überfahrt mit der Fähre Helsingör/Helsingborg (Vogelfluglinie einschließlich Rödby/Puttgarden 1125 SEK = 122,70 €).
In Raum Kopenhagen wird es wieder warm bei 20 °C, aber dann fängt es an zu regnen.

CP: Camping Absalon 173 DKK/Tag = 23,30 €
Der riesige Platz liegt am westlichen Rand des Großraums Kopenhagen, nahe der Autobahn, aber leise. Durch den Regen der letzten Tage bilden große Teile des Platzes eine Seenlandschaft. Dank Vierradantrieb kann der WoWa problemlos rangiert werden.

03.07. Kopenhagen
Mit der S-Bahn nach Kopenhagen ins Zentrum, von dort aus kann man die wichtigsten Sehenswürdigkeiten erkunden (tolle Altstadt, schöne Geschäfte, pralles Leben). Natürlich auch die Meerjungfrau, die man vor lauter Touristen kaum sehen konnte und die beiden Schlösser usw.. Tagsüber bewölkt bei 16 °C. Gerade als wir in den Tivoli wollten, gibt es wieder einen gewaltigen Regen. Gerade können wir noch zum Bahnhof flüchten. Nach langem Warten beschließen wir, zum CP zurück zu fahren. Unterwegs schüttet es gewaltig, beim Austeigen lässt der Regen nach, wir kommen trocken an. Nur noch 13 °C.

04.07. Kopenhagen – Celle (455 km)
Nachdem es die ganze Nacht geregnet hat und keine Besserung in Sicht ist, beschließen wir, schon heute nach Deutschland zurück zu fahren.
Bei kräftigem Wind wird das Wetter immer besser, auf der Überfahrt von Fehmarn nach Deutschland regnet es nicht mehr, 13 °C. Aber kaum gefreut, kommt der Regen umso heftiger. Erst in der Lüneburger Heide wird es schön, trocken bei 20 °C.

CP: Im Stillen Winkel in Winsen an der Aller 16,00 €/Tag
Der Platz liegt an der Örtze, in der Nähe des Zusammenflusses mit der Aller. Einfacher, aber ruhiger Platz, die vielen Dauercamperplätze liegen verdeckt am Rand.

Abends gehen wir in einen Landgasthof wunderschön essen (und so preiswert!!), wir wussten nach 5 Wochen gar nicht mehr, wie so etwas ist.

05.07. Celle (30 km)und Winsen/Aller
Fast die ganze Nacht hat es geregnet. Trotzdem starten wir einen Stadtrundgang mit dem Regenschirm. Schade, nach oben ist die Sicht verdeckt. Deshalb gehen wir Mittagessen und dann wird das Wetter schöner, die Sonne kommt raus. 20 Minuten später ein starker Platzregen, also schnell zurück zum WoWa.

Gegen Abend wieder etwas freundlicher (15 °C) deshalb wagen wir noch eine
2-Stunden-Wanderung um Winsen (Windmühle, Bauernhäuser, Flussauen).

06.07. Celle- Ludwigshafen (488 km)
Heute nacht war es klar bei 6 °C. Aber schon wieder drohen Regenwolken, wir wollen nicht mehr und packen. Um 10:00 Uhr fahren wir ab und um 17:00 sind wir dank leichtem Rückenwind zu Hause. Endlich wieder Sonne und 27 °C.

Fazit:
• Wir sind in den 5 ½ Wochen mit und ohne Wohnwagen 6520 km gefahren mit einem Durchschnittsverbrauch von 11,1 l/100 km.
• Bei Gegenwind lag der Gespannverbrauch bei Tacho 99 bei 14-15 l/100 km, bei Rückenwind nur bei 11,5-12 l/100 km. Ohne WoWa und bedingt durch die strenge Geschwindigkeitsbegrenzung in Norwegen (80 kmh) verbrauchte der RAV trotz Bergstrecken nur so um 8 l/100 km.
• Obwohl wir nur selten eine Kleinigkeit essen waren (außer An- und Abreise) und gefühlsmäßig sparsam gelebt haben, hat der gesamte Urlaub (einschließlich Proviant und Wein von zuhause) 3700 € gekostet.
• Superbenzin in Norwegen kostete zwischen 9,20 NOK und 10,20 NOK (1,09 –1,21 €)
• Wir sind durch weit über 100 Tunnei gefahren, die bis auf wenige ausreichen breit und beleuchtet waren.
• Die Mitternachtsonne haben wir nicht gesehen (erst ab Polarkreis), aber die Sonne scheint um diese Zeit z.B. in Andalsnes noch bis 22:00 und es wird nie richtig dunkel. Wir haben zum Schlafen die Dachluken verdunkelt, weil es zu hell war.
• Norwegen ist kein kulinarisches Erlebnis. Natürlich gibt es auch gute und extrem teure Restaurants, aber niemand geht hin. Man ist Selbstversorger (wohl auch die norwegischen Urlauber). Im Höchstfall geht man in ein Cafe und nimmt ein Smörrebrö oder ein Stück Kuchen und Kaffe, Kaffe,Kaffe.
• Es gibt reichlich Supermärkte, billige wie Rema 1000 oder Rimi, aber auch jede Menge COOP und SPAR mit komplettem internationalem und regionalem Angebot. Oft haben auch kleine Orte ein Einkaufszentrum mit 2-3 Super-märkten nebeneinander. Natürlich sind die Preise höher als in Deutschland. Aber man muss nicht zentnerweise Dosen vom Aldi mitnehmen, in der Gesamtbilanz schlagen diese Mehrkosten nicht durch.
• Die Campingplätze sind alle sehr weitläufig und haben eine schöne Lage. Dusche kostet extra ebenso Strom, der immer so um die 30 NOK/Tag kostet.
• Auf jedem Platz gibt es Kochstellen für Zeltcamper und trockene Sitzgelegenheiten. Zum Abspülen leider nur ein oder drei7vier Spülbecken, schon in der Vorsaison oft zu knapp.
• Jeder Platz hat einige Hütten, oft von einfach bis komfortabel. Eine Alternative für Zeltcamper und auch überlegenswert, wenn man nicht mit dem WoWa nach Norwegen will.
• Die Museen, viele Kirchen und sonstige Sehenswürdigkeiten kosten Geld, oft 40-80 NOK/Person, da kommt doch etwas zusammen.
• Die Straßen sind bis auf einige wenige Strecken im Fjordland bestens gepflegt und breit. Trotzdem geht es wesentlich enger zu als bei uns in Deutschland. Da muss man am Anfang ganz schön die „Ohren anlegen“, denn die einheimischen Busfahrer und LKW´s haben Übung und kennen ihre Breite. Sie fahren einfach mit vollem tempo weiter und der arme WoWa-Fahrer muss sich auf seiner Hälfte haarscharf an der Steinmauer entlangzirkeln. Anfangs gar nicht lustig.
• Die norwegischen PKW-Fahrer sind extrem langsam. Sie fahren schließlich oft nur in den nächsten Ort, außerdem gibt es übers Jahr viel Regen, viel Schnee, viel Dunkelheit, viele Tunnel usw.. Sie überholen kaum sondern trödeln lieber hinterher. Manchmal kann man sich selbst in entspannter Urlaubslaune darüber aufregen.
Jetzt wieder zurück in Deutschland fällt mit auf, wie extrem aggressiv dagegen hier gefahren wird. Der Mittelweg wäre wie immer der richtige.

Hallo, ich habe den 14 Jahre alten Bericht nicht nach neueren Erkenntnissen umgeschrieben, sonder der ist original. ich habe "damals", also 2004, mit dem Wohnwagen eine Fjord-Norwegen-Fahrt gemacht, von der ich noch immer überzeugt bin, dass es für mich die beste Auswahl an Landschaft und Orten war.

 
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RE: Busreise zum Nordkapp, Juli 2018

#8 von morgenröte , 27.07.2018 12:46

Klingt interressant und anstrengend. Wir überlegen auch zu den lofoten zu fahren, aber mit ganz viel Zeit und nicht im Sommer. Heute Abend sind wir bei unseren Freunden eingeladen, die letzte Woche von dort zurück kamen. Sie haben einen Touring und sind frische Rentner. Da werden wir die Bilder zu deiner Reise sehen

Vielen Dank Gruß Andrea

 
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RE: Busreise zum Nordkapp, Juli 2018

#9 von Susanne , 27.07.2018 13:45

danke für die beiden berichte und fürs mitnehmen zum Nordkapp, jedoch, so toll die reise gewesen sein mag, dein bericht bestärkt mich darin, dass wenn so eine reise, dann nur per Hurtigruten postschiff.

 
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RE: Busreise zum Nordkapp, Juli 2018

#10 von bieber , 27.07.2018 16:29

Vielen Dank, Daf! Steht auch noch auf der Wunschliste.
Susanne, dazu hatte ich ein nettes Erlebnis: Unser Patenkind, inzwischen 32, telefonierte mit mir über seine Norwegen Touren. Er war dort mehrmals Hüttenwandern. Ich meinte, wir wären noch nie da gewesen und er sagte: "Das müsst Ihr machen. Aber Vorsicht mit dem Hurtigruten, da ist meist Senioren Alarm!" Erst als das raus war, merkte er, dass er sich gerade mit einer bald ebensolchen unterhielt!

 
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RE: Busreise zum Nordkapp, Juli 2018

#11 von HD , 27.07.2018 16:40

Scheint wie Winni zu ticken.

 
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RE: Busreise zum Nordkapp, Juli 2018

#12 von R.Fuller , 27.07.2018 17:19

Vielen Dank, Daf!

Da es mich dahin nicht reizt, lese ich gern die Berichte.

 
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RE: Busreise zum Nordkapp, Juli 2018

#13 von JaH , 27.07.2018 17:34

Vielen Dank für die beiden Reiserichte daf !!!

Wir führen seit Anfang der 1970er recht ausführliche Reisetagebücher, mit denen wir beim Lesen gerne alte Reisen an uns vorbeiziehen lassen. Ganz besonders interessant ist es, wenn wir jetzt in Gegenden reisen, in denen wir vor Jahren schon mal gewesen waren. Meist sind dann die Veränderungen noch beeindruckender.


Weiterhin akkzeit Gute Reise

 
JaH
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RE: Busreise zum Nordkapp, Juli 2018

#14 von tomruevel , 28.07.2018 23:43

Hallo daf,

danke für die beiden Reiseberichte.
Sicherlich zum rot ankreuzen im Kalender ist ja das durchgehende gute und warme Wetter.

 
tomruevel
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Von Rerik nach Wismar
Nordnorwegen Juli 2017

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