RE: Eine Reise nach Arabien

#1 von donalfredo , 21.03.2018 19:22

Tage voller Historie liegen hinter uns, voller Tradition, gepaart mit atemberaubender Moderne - wie meine Bilder belegen.
Lasst mich eine kleine Geschichte erzählen, die Geschichte einer Reise in die Vereinigten arabischen Emirate und deren Anreiner, in Länder der Extreme und Gegensätze.







Dubai
Alles begann mit einem sechseinhalbstündigen Flug in einer mächtigen A 380-800 in eine Stadt der Superlative, nach Dubai, gegen die selbst Manhattan statisch wirkt.





Eine Stadt mit sechzehnspurigen Straßen und einem Verkehrsaufkommen, flüssigem Blei gleichend.





Mit bis zu achtzehnminütigen (selbst gestoppt) Rotlichtphasen, die alles schockfrosten, alles außer dem Gemüt der bedauernswerten Autofahrer.
Eine Stadt mit Straßen, an denen sich auf Dutzende von Kilometern Arztpraxen und Kliniken wie an einer Perlenkette reihen nebst architektonischen Highlights in schier endloser Folge.
Eine Stadt, in der fast täglich Wolkenkratzer geplant und gebaut werden, von denen dann logischerweise viele teils leerstehen.
Eine Stadt, in der es problemlos möglich ist, für einhunderttausend Dirham (ca. 25.000 €uro) zu Abend zu speisen.





Wir sind auf Achse und fahren durch Jumeirah, einem exklusiven Wohngebiet entlang der Küste, "schnappen" Bilder vom Burj al Arab, dem ersten und einzigen Siebensternehotel der Welt, besuchen "die Palme" während einer Monorailfahrt mit deutscher Magnetschwebetechnik in führerlosen Zügen und bestaunen das Atlantis-Hotel mit dem Fenster zum Paradies.

Dubai ist gleichwohl die Stadt, in der sich monumentale Architektur mit Witz paart.
Einerseits teilen sich "ein paar" Eingeborene unzählige Milliarden, andererseits "schaffen" die übrigen 92 %, aus Indien, Pakistan, Bangladesch und Großbritannien stammend. Sie werden zwar ordentlich entlohnt, und mit einer kostenlosen Krankenversicherung beglückt.
Andererseits verliert jeder, der sechzig Lebensjahre erreicht hat und nicht mehr im Besitz eines Arbeitsvertrags ist, sein Aufenthaltsrecht, und darf das Land verlassen.
Das gilt auch für den deutschen Chefarzt.
Die Kehrseite dieser Medaille ist wiederum -
Scheich Khalifa, der gewählte Regent der sieben Emirate und Oberhaupt von Abu Dhabi, hat beschlossen, daß kein Eingeborener der sieben Emirate, und sei er auch noch so talentbefreit, leiden darf.
18.000 Dirham, das sind ca. 4.500 €uro, erhält jeder Emirati als steuerfreies Mindesteinkommen, und wenn er arbeiten sollte, darf es auch deutlich mehr sein.
Jeder erhält eine luxuriöse Krankenversicherung, Altersvorsorge inkludiert, Steuern sind ein Fremdwort.
Gut geht es also allen, die hier geboren wurden und in den Genuß von Öl und Gas kommen.
Jeder bekommt eine staatliche Arbeitsstelle garantiert, und wenn er heiratet, 100.000 Dirham geschenkt (nur bei der ersten Ehe).

Ganz nebenbei habe ich während meiner Reise kaum vollverschleierte Frauen gesehen, dafür umso mehr Miniröcke.




Genug der Worte, lasst Taten sprechen - meine Galerie beginnt mit ein paar Bildern aus Dubai, der ersten Station.

Es herrschte stets ein übergrelles Licht, verstärkt durch Sand- oder Staubwolken, die allgegenwärtig sind.
Es ist eine permanente Herausforderung, diese Verhältnisse zu bändigen.

Jede Menge Bilder wohnen in meiner Galerie
Wer sich dafür interessiert, der klicke einfach auf den obigen link, um direkt in der Abteilung "Orient, An- und Verkauf" zu landen.






Khasab im Oman
Eines der zwei verbliebenen Sultanate neben Bahrain begrüßt uns mit seinem malerischen Hafenstädtchen.
Diese Region des Oman grenzt, nur durch den Golf getrennt, an den Iran. Viele kleine Händler nutzen diese Chance und die Zoll- und Steuerfreiheit der VAE-Staaten, um ihren mehr oder weniger einträglichen Geschäften nachzugehen. Täglich fahren sie rund 70 km über's offene Meer in ihren Nußschalen, um Handel zu treiben.





Wir besuchen unterdessen unsere erste, kleinere Moschee, einen Minibazar und das erste diverser Forts aus grauer Vorzeit, die errichtet wurden, um plündernde Portugiesen abzuwehren.

Muscat im Oman
Die nächste Station unserer Reise ist die beeindruckende Hafenstadt Muscat, die uns zur Begrüßung mit einem überdimensionalen Teesieb ?? begrüßt.
Muscat, ganz ehrlich gesagt, war mir wenig geläufig, bei seinem Namen hätte ich spontan an ein Gewürz gedacht.
Wir sind überwältigt von prachtvollen Palästen, Villen und Moscheen, aber seht selbst.





Der Sultan lässt es seit rund 50 Jahren seinen Untertanen an nichts fehlen, sie liegen ihm zu Füßen - kurz gesagt - wer hier geboren wurde, hat ausgesorgt.

Abu Dhabi
ist unser nächstes Ziel.
Durch die (windige) Straße von Hormus fahren wir in die Stadt mit dem malerischen Namen "Vater der Gazelle", der darauf hindeutet, daß sich die Urvorfahren der Einwohner von Wild zu Oasen führen ließen.
Stadt im Staate stellt sie dar, uneingeschränkte Regentin der VAE, der vereinigten Emirate, sieben an der Zahl.
SIE respektive ihr Herrscher, Scheich Khalifa, haben zusammen mit Dubai ein Vetorecht - nichts, was in diesen sieben Staaten beschlossen wird, geschieht ohne ihre Zustimmung.
Als kleines Beispiel wirtschaftlicher Macht nenne ich - die Öl- und Gasreserven von Dubai reichen für 6 bis maximal 10 Jahre aus, die von Abu Dhabi für weitere 200 !!!
Der Reichtum der seit 300 Jahren herrschenden Familie Al Maktum ist so ungeheuerlich, daß Bill Gates inklusive Warren Buffet wie arme Zwerge wirken.
Dubai geriet während der Wirtschaftskrise in Schieflage - um Verbundenheit zu demonstrieren, schüttete Scheich Khalifa ein paar Milliärdchen aus seiner Privatschatulle, um den bereits in Bau befindlichen Monsterturm Burj Khalifa Realität werden zu lassen.
Das ist auch der Grund, warum der im Nachbarland befindliche Turm aus Dankbarkeit den Namen des Herrschers aus Abu Dhabi erhielt.
Über die Herrscherfamilie ist absolut nichts zu erfahren - sämtliche Medien werden erfolgreich kontrolliert, und so weiß man nicht mal, wieviele Kinder (von bis zu 10 Ehefrauen) die Nachfolger des Herrschers zeugen.
Das ist einer der Gründe, warum man an wenigen Plätzen der Welt so streng kontrolliert wird wie hier durch ausgiebige Pass- und Gesichtskontrollen.





Am Nachmittag werden wir kulinarisch verwöhnt auf der Aussichtsplattform einer der sieben Etihat-Towers, und genießen dabei einen phänomenalen Blick auf den Repräsentationspalast des Herrschers und die beiden Kempinski-Hotels.
Krönender Abschluß unserer Rundfahrt ist der Besuch der weltgrößten Moschee außerhalb Mekkas mit dem weltgrößten Teppich, in zweieinhalbjähriger Arbeit von eintausendzweihundert iranischen Weberinnen gefertigt, sowie die größten Kronleuchter mit einem Einzelgewicht von zwölf Tonnen. Swarovski mußte seine Produktion ein volles Jahr ruhen lassen, um diese Leuchter herzustellen, die kein Fremdlicht benötigen, die alleine durch das Sonnenlicht die Räume erhellen. Überflüssig, zu erwähnen, daß Scheich Zayid, Planer und Erbauer dieser Moschee das Swarovski-Entgegenkommen vergoldete, und insgesamt drei Milliarden Dirham in den siebenjährigen Bau dieser Moschee investierte. Sämtliche Ranken, Ornamente und Blüten bestehen aus Halb- und Edelsteinen, auf allerfeinsten, schneeweißen Marmor aufgebracht oder als Intarsien verarbeitet. Sie beeindruckt in ihrer ungeheuren Pracht.
Beeindruckend ist auch der Spaß, den die muslimischen Wächter bei der Begutachtung besuchswilliger Ausländerinnen haben - so wird die Blickdichtheit von Kopftüchern und Blusen völlig willkürlich in Frage gestellt, was mich an meinen letzten Diskobesuch erinnerte. Der Eine darf rein, der Andere bleibt draußen.
Die Beste aller Ehefrauen erhielt von unserem ägyptischen Reiseleiter einen blick- und luftdichten Annorak geliehen, der mit aufgesetzter Kapuze prächtig mit den 34 Grad Schattentemperatur harmonierte, während männliche Besucher völlig ungerührt mitsamt Bermudashorts und T-Shirts durchgelassen wurden.
Arabien, ick liebe dir ...

Doha in Quatar
Eine ganze Nacht schiffen wir durch den Golf von Oman, um eine weitere Stadt aus tausend und einer Nacht zu besuchen.
Bereits um 05:44 Uhr bin ich auf dem Promenadendeck unterwegs, um den nächsten Sonnenaufgang zu erleben und die Einfahrt in den Hafen von Doha.





Was hat man nicht alles gehört von Quatar und dessen schrecklichen Machenschaften. Lassen wir das alles mal für einen Moment beiseite.
Die Stadt empfängt uns mit der traumhaften Kulisse eines steinreichen, kleinen Landes. Kein Drittel so groß wie Baden Württemberg ist von dem Handelsembargo nichts zu spüren, das seit Sommer 2017 vorherrscht, und es von den Nachbarländern abschottet. 20.000 Kühe ließ man einfliegen und Gewächshäuser bauen, um unabhängiger zu werden.
Wir besuchen ein Institut, das Historie und Zukunft aufzeigt.
Von einem freundlichen Araber mit der Statur eines Grizzlys und dem Gemüt eines Schaukelpferdes werden wir durch die Räume geleitet. Wir erfahren, daß das kleine Land 75 Billionen US-.Dollar in die Zukunft investieren will, wobei sich die fehlenden amerikanischen Milliardennullen besonders prächtig darstellen.
Danach wandern wir über den Downtown-Souk, der vorzeitlich wirkt, und in dem man problemlos einen Jagdfalken oder ein Rennkamel für sechs- bis siebenstellige Beträge erwerben kann.
Wir gehen am einzigen Vogelhospital der Welt vorbei, zuständig nur für lädierte Falken und besuchen dann das sensationelle Museum of Arabian Arts, das durch seine Architektur Konkurrenten wie den pariser Louvre uralt aussehen lässt.
Leider bleibt uns nur ein knapper Tag Zeit, um das prächtige Doha zu bewundern - unsere Reise geht am Abend weiter und die Stadt verabschiedet uns mit einer prächtigen lightshow





Manama in Bahrain
Bahrain ist unser nächstes Ziel, beziehungsweise dessen Hauptstadt.
Bahrain nennt sich das Land der zwei Meere.
Diese Bezeichung rührt von den unzähligen Süßwasserquellen am Meeresboden, die die von hier stammenden Perlen so einzigartig machen und die als Trinkwasserquellen vieler Fischer und Taucher dienten.
Königreich und Inselstaat verteilen sich auf 33 Inseln, trotzdem ist der ganze Staat nur 770 Quadratkilometer groß.
Seine Geschichte reicht rund 5000 Jahre zurück und spannt den üblichen Bogen dieser Hemisphäre von der Fischerei über die Perlentaucherei bis zum Ölboom, der ins Jahr 1932 zurückreicht.
Bahrain nähert sich mit seiner Normalität dem gewöhnlichen Leben an, freundliche Polizistinnen patroullieren und bewachen das Schiff, die Zahl der Reichen ist überschaubar, die Quote der arbeitenden Ausländer nähert sich der 50%-Marke an.
Die Liebe zu deutscher Technik ist auffällig, nirgendwo sonst sahen wir so viele deutsche Nobelkarrossen wie hier, auch MAN und Daimler herrschen über die Konkurrenz von Tata und Long Strong.
Die Nähe zum benachbarten Königreich Saudi Arabien bringt viel Arbeit mit sich - die Saudis verarbeiten ihr gewonnenes Öl nicht selbst, im Gegenzug fahren die Bahraini bis zu 100 Kilometer weit als Tanktouristen, denn 15-20 Cent pro Liter sind ein Wort.
Sonst vergäße man Bahrain relativ schnell, es sei denn, man erfreut sich an dem dortigen Perlenschmuck.





Abu Dhabi
Wir sind auf der Heimreise.
Heute habe ich den phänomenalen neuen Louvre besucht - leider gibt es Bilder davon nur vom Bauwerk.
Knipsing strengstens verboten.





Business
Der Reichtum sprudelt allerorten - noch.
Überall wabern Flammen aus der See, überall wird nach Öl und Gas gebohrt, emsig gewerkelt und monumental gebaut.





Hier also ein paar industrielle Impressionen aus den Gölfen ...

Nachhause
Zwei Wochen neigen sich viel zu schnell dem Ende zu.
Gut gefallen hat es uns, die Reise auf unserem schwimmenden Hotel, geleitet und sicher geführt von Käpt'n Tom, der sein Schiff mit dreihundert Metern Länge, 75 Metern Höhe und 100.000 Bruttoregistertonnen behände manövrierte.





Allerschönstes Wetter liegt also hinter uns, täglich dreißig und mehr Grad ließen sich bei kaum wahrnehmbarer Luftfeuchtigkeit gut ertragen.
Unser Rückflug steht an im Airbus-Paradevogel A 380-800, und nun freue ich mich auf über dreitausend Bilder, die selektiert, geordnet und entwickelt werden wollen.

Und wenn wir Ostern erfolgreich hinter uns gebracht haben bei der Eiersuche im Neuschnee, dann erholen wir uns von der anstrengenden Reise am Lago di Garda ...

 
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RE: Eine Reise nach Arabien

#2 von sunshine , 21.03.2018 22:11

Danke für diese Reiseeindrücke, donalfredo!
Auch wenn ich sicherlich niemals dorthin reisen werde, habe ich deinen Bericht doch interessiert gelesen und die fremdländisch anmutenden Bilder betrachtet.
Unsere Freunde werden demnächst nach Oman reisen, während wir in ihrem Haus am Lago Maggiore weilen dürfen.
Das ist mir tatsächlich viel sympathischer, als die arabischen Staaten...

 
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RE: Eine Reise nach Arabien

#3 von daf43 , 21.03.2018 22:40

Hallo donalfredo,
ich war vor etwa 20 Jahren für 2 Wochen dienstlich in Dubai, Shardscha u. Kuwait, also gerade als der Boom dort begann. Insofern bin ich von deinen Eindrücken begeistert und ich kann sehen, wie stark sich dort alles geändert hat. Danke.

 
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RE: Eine Reise nach Arabien

#4 von donalfredo , 22.03.2018 05:57

Danke euch.
Ich bin sehr hin- und hergerissen.
Einerseits hat mich die Reise in ihrer Gesamtheit mit ihren vielfältigen Eindrücken sehr begeistert. Es ist eben etwas anderes als Italia oder France, deshalb haben wir sie auch gemacht.
Andererseits käme ich niemals auf die Idee, dort Urlaub machen zu wollen. An Mammutmalls liegt uns nichts, uns von Goldhändlern bescheissen zu lassen, oder auch nicht.
Badende sind wir nicht, zumal man dort unten blitzgeschwind den Sonnenbrand seines Lebens kriegen kann.
Das sah ich täglich an den Schiffsgästen, die auf dem Schiff blieben und sich anschmoren ließen.
Die haben dann anderntags das Schiffshospital besucht, und sich über Hautkrebs aufklären lassen.
Es ist eine karge Region ohne jedes grün, sieht man mal von Golfanlagen und Hotelparks ab, unwirtlich, es wächst absolut nichts, entspricht also nicht unseren Vorstellungen einer schönen Reiseregion.

Daher haben wir folgerichtig auch für kommendes Jahr eine Reise gebucht, bei der wir keine Angst vor Steinwüsten haben müssen.
Wir fahren mit dem gleichen Schiff rund um Großbritannien, und ich freue mich jetzt schon auf schottische Highlands und glückliche Rinder auf irischen Weiden, verbunden mit köstlichem Plumpudding und Haggis.
Ich hätte das gerne auch selbstständig mit dem Pkw gemacht. Der Gedanke aber, alle zwei Tage Koffer ein- und wieder auspacken zu dürfen, reicht ...

 
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RE: Eine Reise nach Arabien

#5 von Susanne , 22.03.2018 07:58

ausgesprochen interessant, danke sehr, insbesondere deshalb, weil ich da sicher selbst nie hinreisen werde, den großteil der bilder allerdings werde ich mir heute abend in ruhe zu gemüte führen.

 
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RE: Eine Reise nach Arabien

#6 von HD , 22.03.2018 09:21

Hallo, meine Frau liebt den Orient, deswegen war es für sie recht interessant. Ich aber nicht so sehr, wenn das Recht auf der Scharia beruht fühle ich mich wie im Mittelalter. Geld ist eben nicht alles.
Ich habe vielleicht Vorurteile gegen Arabien seit mir die Presse von deren Verschlagenheit erzählt haben. Ob die Perser besser sind ?
Schiffe mag ich keine, die 4 Stunden nach Korsika reichen mir schon.
Ich mag auch nicht mit anderen Leuten zusammengedrängt sein ohne mich umentscheiden zu können. Flugzeug? Meiner Frau zuliebe 11 Stunden in der Flugröhre reichte mir auch.
Was bleibt:
CAMPING - und deswegen schreibe ich hier auch über Camping.
Camping geht immer.

HD

 
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RE: Eine Reise nach Arabien

#7 von Kast , 22.03.2018 09:38

Ein Super Bericht, der mir diese Region so sehr viel näher gebracht hat. In diese Gegend werde ich selbst wohl nie reisen. Ich finde es jedoch interessant darüber mehr zu erfahren. Berichte in Zeitungen, Illustrierten usw. haben mich lange nicht so beeindruckt wie dein Reisebericht mit den wie immer tollen Bildern!

 
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RE: Eine Reise nach Arabien

#8 von donalfredo , 22.03.2018 09:40

Danke, Karin.
Das Dagewesensein unterscheidet sich gigantisch von Filmberichten jeder Art.

Na ja, HD, ein vollgepackter Campingplatz mit nöhlenden Kids ist auch nicht immer das Wahre.

Dieses Schiff ist derart groß, daß sich die zweieinhalbtausend Passagiere nicht auf die Füße treten.
Ich selbst mag ebensowenig Menschenballungen, aber dort haben wir uns sehr wohl gefühlt.
13 Bars und 13 Restaurants sprechen eine eigene Sprache, dort macht jeder, was er will. Wer nicht in die Kantine (750 Sitzplätze mit Leckerlies wie Wachtelbrüstchen, Taubenbrust, Rinderfilet und vieles mehr) zum Mittagessen geht, der zahlt halt ein bißchen drauf, und geht ins Steakhaus oder ins bayerische Wirtshaus, zu Tim Raue, Sushi essen oder zu Gosch.
Wenn ich da an früher denke, an unsere ersten Kreuzfahrten vor Jahrzehnten, da wurde streng Abendgekleidet in Schichten gegessen und das auch noch fünf bis siebengängeweise.
Sowas ist für mich ein Albtraum.
Es wurde alles perfekt organisiert - man muß sich mal vorstellen, daß an manchen Morgen dreißig Reisebusse (à 40 bis 50 Personen) draußenstanden, und das alles wurde innerhalb von "Minuten" abgewickelt - pro Bus zwei bis drei Mitarbeiter, die das handelten.
Erstaunlich, das, ich hatte in dieser Richtung gewaltige Befürchtungen, die sich nicht bestätigten.
Wir wurden bei allen Ausflügen von exzellent deutsch sprechenden Reiseleitern (überwiegend Ägypter) betreut, die uns Land und Leute näher gebracht haben.

Sogar in Moscheen wurden wir (in sehr gutem deutsch übrigens von Ortsansässigen) über den Islam aufgeklärt, was der Koran aussagt, und wie das verdreht wird, aber wundert uns das bei unseren Medien? Man ist sehr bemüht, das Weltbild geradezurücken, und daß nicht jeder Muslim ein Attentäter ist. Wir hatten's ja schon von den Deutschen und "jeder ein Nazi".
Nur ein schlechter Tag ist ein guter Tag - oder kauft jemand eine Bildzeitung, in der schönes Wetter und die anstehende Krokusblüte besprochen werden?

Es ist ja auch kein Freizeitpark wie die AIDAs, wo von früh bis spät Bespaßung stattfindet, entsprechend ist die Altersstruktur auch höher.

Deine Scharia-Regeln kannst du vergessen, das sind moderne Staaten in denen Frauen genauso agiert haben wie hier.
Dann dürftest du weder in Ösiland noch in Holland Urlaub machen, wenn dort der braune Sumpf wieder hochkocht.

Ich hasse das als Nachkriegskind, wenn alles in einen Topf geworfen wird (jeder Deutsche war ein Nazi) und viele werden meiner Meinung nach dadurch ungerecht behandelt ...

 
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RE: Eine Reise nach Arabien

#9 von 68ery ( gelöscht ) , 22.03.2018 09:52

Ich habe den interessant geschriebenen und bebilderten Bericht mit sehr großem Interesse gelesen. Wir finden das Kennenlernen – auch als „Crashkurs“ – anderer Kulturen immer noch sehr erstrebens- und lohnenswert und uns würde einiges fehlen, wenn wir uns das selbst verstellen würden. Selbst Diktaturen sind da kein NoGo – so haben wir in den letzten Jahren zwei der letzten kommunistisch geführten Länder besucht und fanden es – auch weil sehr gegensätzlich – hoch interessant und bereichernd.

68ery

RE: Eine Reise nach Arabien

#10 von donalfredo , 22.03.2018 10:17

Wir waren in den späten Siebzigern mit einem der ersten "Nachkriegsschiffe" auf Kuba.
Das hat aus zweierlei Gründen funktioniert - das Schiff lief unter jugoslawischer Flagge UND - noch viel wichtiger - es war KEIN Ami an Bord.
Nur deswegen haben sie uns in Havanna einlaufen lassen.
Ich habe noch selten in meinem Leben so lebenslustige Menschen "kennengelernt" wie dort.
Obwohl alles eng und knapp war, haben sie eine Lebensfreude ausgestrahlt, die werde ich bis heute nicht vergessen.
Alles hat gelacht und gesungen, im Park Rio Cristal gab's die erste Pina Colada unseres Lebens, untermalt von Musik, die später unter Buena Vista Social Club berühmt wurde. Was für ein Erlebnis, genauso schön wie Arabien nur eben wieder ganz anders.
Wer Anderes nicht kennenlernen will, hat was verpasst, sage ich ...

 
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RE: Eine Reise nach Arabien

#11 von 68ery ( gelöscht ) , 22.03.2018 10:21

Zitat von donalfredo
Ich habe noch selten in meinem Leben so lebenslustige Menschen "kennengelernt" wie dort.

Das ist immer noch so.

68ery

RE: Eine Reise nach Arabien

#12 von bieber , 22.03.2018 11:13

Danke fürs Zeigen und Erzählen!

Plumpudding und Haggis als lecker zu bezeichnen ist jetzt aber nicht Dein Ernst?

 
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RE: Eine Reise nach Arabien

#13 von donalfredo , 22.03.2018 12:25

Weiß man's ??
Unser Urlaub vergangenes Jahr in London hat uns gelehrt, daß die britische Küche zu Recht einen ausgezeichneten Ruf genießt
Schottland und Irland sollen aber eine andere Hausnummer sein, ein (Duisburger) Freund lebt teils dort, teils in Dublin, und der lässt nichts auf irisches Essen, vor allem auf die leckeren Fischgerichte kommen.
Wir werden es jedenfalls probieren, und im Notfall verköstigt uns unser Schiff ...

 
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RE: Eine Reise nach Arabien

#14 von sunshine , 22.03.2018 12:27

Zitat
Wer Anderes nicht kennenlernen will, hat was verpasst, sage ich ...


Ja, aber ich muss nicht alles persönlich kennenlernen - manchmal genügt mir auch eine Reportage im Fernsehen, ein Bildband, ein Roman - oder eben solch ein Reisebericht, don...

 
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RE: Eine Reise nach Arabien

#15 von donalfredo , 22.03.2018 12:32

Stimmt, Iris.
Es war ja nur eine Fabel, daß man nichts im Leben verpassen sollte, es währet nicht ewiglich ...

Zitat von 68ery
Das ist immer noch so.



Es gibt einen Campingplatz am Bodensee, da arbeitet einer dieser lebensfrohen Menschen, eine junge Kubanerin.
Bei der Anmeldung habe ich mein gesamtes, spanisches Arsenal ausgepackt, bis die Rede auf (Wortverwechslung) Cojones kam.
Ich kann mich noch gut erinnern, daß sie fast den Defibrillator benötigte, SO hat das Mädchen gelacht.
Ich habe mitgelacht, wir hatten eine megalustige halbe Stunde für das, was man üblicherweise in fünf Minuten macht (die Anmeldung ausfüllen, natürlich ) ...

 
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RE: Eine Reise nach Arabien

#16 von Susanne , 22.03.2018 13:12

Zitat von donalfredo
.... (Wortverwechslung) Cojones kam.



nun ja, cojones..............., da hätt ich vermutlich an einer anmeldetheke auch einen Defi benötigt

 
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RE: Eine Reise nach Arabien

#17 von morgenröte , 25.03.2018 16:13

Extra nochmal am PC gelesen und Bilder geguckt. Hat Spaß gemacht, vielen Dank Wolfgang.

Viele Grüße Andrea

 
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RE: Eine Reise nach Arabien

#18 von klappwohnwagen , 25.03.2020 11:10

Hallo Donafredo,

vielen Dank für den interessanten Bericht.

Mein Sohn und die Schwiegertochter wollten vergangene Tage mit dem gleichen Schiff dort starten. Leider bekam er keine Einreisegenehmigung und das Schiff keine Anlandegenehmigung. Die Seuche hat ihrem Urlaub einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Schwiegertochter kann auch nicht ihren Urlaubsanspruch umbuchen, mein Sohn schon.

Gut , dass bei dir alles geklappt hat.

Viele Grüße aus Münster

 
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RE: Eine Reise nach Arabien

#19 von donalfredo , 25.03.2020 11:14

Wir denken täglich zurück an diese Reise vor zwei Jahren.
Eine der Schönsten, die wir je gemacht haben, ein Urlaub in tausend und einer Nacht ...

 
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