RE: D-Day

#1 von maris ( gelöscht ) , 23.06.2006 13:19

Im Morgengrauen des 6. Juni 1944 traten 200000 alliierte Soldaten mit mehr als 6000 Schiffen und fast 13000 Flugzeugen an, um Europa von der Naziherrschaft zu befreien. Bis Ende Juli waren 120000 der Befreier tot, verwundet, vermisst oder in Gefangenschaft. 117000 Deutsche erlitten das gleiche Schicksal...........

Decision-Day, Tag der Entscheidung
Operation Overlord

In unserem diesjährigen Normandie-Urlaub nutzten wir wieder einmal die Gelegenheit an diesem denkwürdigen Tag vor Ort an einigen der geschichtsträchtigen Orte zu sein. Früh morgens fuhren wir von Les Pieux quer über die Cotentin-Halbinsel an die Ostküste, wo sich die Insvasionsstrände befinden.


In Ste Mère Èglise angekommen mussten wir leider feststellen, dass Tags zuvor auf dem Platz vor der Kirche eine Fahrzeugschau mit diesen alten originalen Militärfahrzeugen stattgefunden hatte. Trotzdem war hier einiges los. Ste Mère Èglise ist übrigens die erste französische Stadt, die von den Alliierten nach der Landung von den Deutschen befreit wurde. Am Kirchturm hängt noch der Fallschirmjäger John Steele, der in der Nacht vom 5. auf den 6. Juni 1944 dort mit seinem Fallschirm hängen geblieben ist. John war vorrübergehend taub, da er unmittelbar neben den Alarm läutenden Glocken am Turm hing. Zunächst stellte er sich tot und verfolgte das Kampfgeschehen weit unter sich. Er wurde dann von einem deutschen Soldaten aus seiner misslichen Lage befreit und gefangen genommen. Jahrzehnte später traf sich John mit diesem Deutschen.


Im Ort selbst entdeckten wir dann die ersten, meist im Originalzustand sehr gut erhalten und liebevoll gepflegten Militärfahrzeuge.
Überall waren Sie, die „Soldaten von damals“ – Franzosen, Holländer, Belgier und selbst aus dem fernen Italien angereiste, steckten in den originalen Uniformen von damals. Im Ort gibt es mehrere Geschäfte in denen man die alten Uniformen und auch Waffen für teueres Geld erwerben kann. Sogar echte Lucky Strikes von damals sind noch zu haben. Ein gut erhaltener amerikanischer Stahlhelm kostet beispielsweise um die 1200 EUR.

Junge Holländer, die wie vor ein paar Jahren einmal auf dem CP in Vierville sur Mer kennenlernten, hatten original Uniformen die ca. 5000 EUR wert waren. Der Willys-Jeep, mit dem Sie aus Holland auf eigener Achse angereist waren, sollte locker seine 10000 EUR wert gewesen sein. Wie Sie uns sagten, kämen Sie jedes Jahr zum D-Day dorthin, um an den Veranstaltungen teilzunehmen, mit dem Willys bei Ebbe am Sandstrand entlang zu fahren und mit Gleichgesinnten Spaß zu haben. Außer Fun und der Erhaltung der historischen Fahrzeuge und Uniformen sahen Sie aber auch etwas Ernstes an Ihrem Tun. In Gedenken an die gefallenen Soldaten pflegen diese jungen Leute ein Grab auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof in Colleville – dort legen Sie jedes Jahr am 6. Juni Blumen nieder.


Von Ste Mère Èglise führte uns unser Weg weiter in Richtung Utah-Beach. In Ste Marie du Mont waren an diesem Morgen mehrere historische Militärfahrzeuge direkt vor der alten Kirche zur Schau gestellt. Mit den als Soldaten verkleideten zusammen eine schöne Kulisse für meine Camera. Neben dem legendären Willys-Jeep, der in noch Massen vertreten ist, standen da unter anderem........











Auf dem Weg zum Utah-Beach kamen wir immer wieder an Schildern vorbei, die Namen von in den ersten Tagen nach der Invasion gefallenen amerikanischen Soldaten trugen. Straßen wurden in Gedenken an diese Gefallenen benannt.


Voie de la Liberté steht auf den Freiheitsmeilensteinen die vom Utah Beach (Meilenstein 00) und von Ste Mère Èglise (Meilenstein 00) bis nach Bastogne (Meilenstein 1147) in Belgien den Weg der U.S. Armee markieren.


An allen Denkmälern und den vielen Gedenkstätten sind an diesem Tag Veranstaltungen, Kranzniederlegungen und es werden Reden gehalten. Hohe Militärs und Staatsleute aller damals am Kriegsgeschehen beteiligten sind anwesend. Umringt von der Presse und vom TV sind natürlich die immer weniger werdenden Veteranen. Damals vielleicht grade mal 18 Jahre alt, sind diese heute ja mindestens um die 80. Mein Schwiegervater ist heute 82 und war auch Kriegsteilnehmer. Wenn auch nicht direkt an der Invasions-Küste war er als Schnellbootsfahrer dort oben im Ärmelkanal unterwegs. Vielleicht auch deshalb haben wir eine besondere Beziehung zum D-Day.


Erwähnenswert sind auch die vielen mehr oder weniger guten, größeren und kleineren Museen. Besucht haben wir dieses Jahr keines, da auch unser „Eintagesabstecher“ dafür viel zu kurz war. Vor 5 oder 6 Jahren waren wir in Arromanches im Musée du Débarquement. Dieses Museum liegt direkt gegenüber den Überresten des künstlichen Hafens Mulberry B am Omaha Beach.

Beeindruckend sind auch die gigantischen Geschützstellungen der Deutschen. Diese Batterien liegen meist nicht direkt an der Küste, sondern sind kilometerweit im Landesinneren. Die in Longues sur Mer (Omaha-Beach) ist hier besonders zu erwähnen, weil diese noch mit erhaltenen Kanonen bestückt ist. Wir kamen dieses mal an der deutschen Artilleriebatterie „Batterie de Crisbecq“ vorbei. Diese größte, mit 21 Bunkern versehene Stellung diente zur Verteidigung von Utah-Beach.


Am „Iron Mike“, einer weiteren Gedenkstätte der Amerikaner, sprach mich ein wohl schon etwas verwirrter Kriegsveteran an. Er fragte mich, ob ich damals auch bei der 82nd Airborne Div. Artillery gedient hätte. Ich war so perplex über die Frage, dass mir die Worte fehlten. Vermutlich sein Sohn klärte ihn dann auf, dass ich vom Alter her gar nicht dabei gewesen sein konnte.


Auf dem Rückweg besuchten wir dann den durch Zufall gefundenen deutschen Soldatenfriedhof in Orglandes. Über 10150 Tote haben hier ihre letzte Ruhestätte erhalten. Ein weiterer großer deutscher Soldatenfriedhof mit über 21000 Toten befindet sich in La Cambe. Ein Friedensgarten mit 1220 Kugelahornbäumen wurde kürzlich angelegt. Der für mich beeindruckendste Soldatenfriedhof ist der in Colleville sur Mer. 9387 perfekt aneinander gereihte weiße Steinkreuze, die eindrucksvolle Anlage und der Gedanke an die vielen auch dort Begrabenen stellen einem fast die Luft ab. Selbst unsere Kinder, welche ja noch eine Generation weiter weg von damals aufwachsen, waren sehr ergriffen und haben geweint. Der Film „Der Soldat James Ryan“ beginnt übrigens genau auf diesem Friedhof .
Die Erhaltung der Soldatenfriedhöfe ist wichtig, denn „Wenn man die vielen Toten vergisst, sind sie umsonst gestorben“



Zum Schluss muss ich noch sagen, dass sich auch dieser kurze 1-Tages-Ausflug von Les Pieux nach Utah-Beach gelohnt hat. Die geschichtsträchtigen Orte und das Geschehen am 6. Juni ist immer eine Reise wert. Wenn man dazu noch Oltimer-Fan ist, wird man nicht enttäuscht.


maris

RE: D-Day

#2 von ben ( gelöscht ) , 23.06.2006 16:06

Hallo maris,
herzlichen Dank für diesen sehr informativen Bericht.
Gruß
ben


ben

RE: D-Day

#3 von Taubi , 23.06.2006 21:21

Moin,
unter anderem ein Dodge WC 56 Comand Car,
Dodge WC 52,GMC M109 6x6 Funkkoffer Lacrosse Systems ,Harley Davidson,sowie Willys Jeep.
Mehr weiss ich leider auch nicht,aber den Dodge WC 56 Comand Car hätte ich ganz gerne.

Taubi...liebt solche Autos. :smokin


 
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RE: D-Day

#4 von Expat ( gelöscht ) , 23.06.2006 22:38

Ich kenne nur die Betonbunkeranlagen vom Strand von Calais. Solche unverrückbaren "Denkmäler" sind beeindruckend wie erschreckend zugleich.
Auch der Anblick der Soldatenfriedhöfe lässt mich immer wieder schlucken.
Danke für deine Bilder, maris.

Gruß, Holger


Expat

RE: D-Day

#5 von sunshine , 28.06.2006 13:04

Hallo maris,
danke für diesen schönen und sehr informativen Bericht mit den vielen Fotos.

Als wir vorletztes Jahr an den Invasionsstränden waren, haben wir nicht ein Foto gemacht, weil wir so beeindruckt waren und haben es erst zu Hause gemerkt. Um so mehr habe ich mich über deine Fotos (auch die neuen in deiner Galerie) gefreut.

Wintercamper hat mir in seinem Bericht aus der Seele gesprochen: "... man spricht unwillkürlich leiser, weil man sich an diesen Orten ungern sofort als Deutscher zu erkennen geben möchte...". Genau so habe ich auch empfunden.


 
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RE: D-Day

#6 von maris ( gelöscht ) , 29.06.2006 10:06

.......Wintercamper hat mir in seinem Bericht aus der Seele gesprochen: "... man spricht unwillkürlich leiser, weil man sich an diesen Orten ungern sofort als Deutscher zu erkennen geben möchte...". Genau so habe ich auch empfunden......

Grüßt Euch Sunshine und Wintercamper,

ja das stimmt, dieses Gefühl ist bei unserem ersten D-Day-Besuch in der Normandie seinerzeit auch hochgekommen. Wir hatten zunächst auch das Gefühl hier falsch platziert zu sein. Schnell haben wir aber gemerkt, dass wir hier keine Gewissensbisse zu haben brauchen.

Wir jedenfalls haben inzwischen kein Problem mehr, uns als Deutsche zu outen.

Inzwischen ist es ja auch so, dass die deutschen Kriegsveteranen an die Gedenkstätten zu diesen Veranstaltungen eingeladen werden. So weit ich weiß, ist auch unser Ex-Bundeskanzler zum 60. Jahrestag eingeladen und dort gewesen.

Was mich allerdings jedes Mal und immer wieder gleich betroffen macht, sind die Besuche auf den Soldatenfriedhöfen – egal ob auf den deutschen in La Cambe und Orglandes oder auf dem amerikanischen in Colleville. Trotzdem zieht es mich immer wieder dort hin. Vielleicht auch gut so, denn wie schon in meinem Bericht erwähnt: „Wenn man die vielen Toten vergisst, sind sie umsonst gestorben“


maris

   


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