RE: drei Tage mit dem Young-Oldtimer.....

#1 von Winni , 07.10.2014 21:50

Durch Zufall und einen netten Internet Kontakt bin ich auf einen alten Volvo gestoßen, und irgendwie stand schnell fest, dass ich zu ihm, und er zu mir wollte. Bamberg. Er stand in Bamberg, noch nie von gehört, irgend so ein Nest irgendwo in Bayern?

Natürlich bringt meine Frau gleich einen Touriführer mit Heim,hmmm, so so, das Venedig der Deutschen, alte Kulturstadt, Unistadt, und Hauptumschlagpunkt für Antiquitäten....okay, dann kann man ja das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.

Am 3. Oktober klettern wir also früh morgens in einen ICE, finden aber keinen Platz, er ist völlig überfüllt, okay, was soll man erwarten bei der Bahn und einem Sparangebot? Mit ein paar netten Studentinnen hocken wir also auf der Erde vorm Klo und donnern zeitweise mit bis zu 278 km/h durchs Land, auch eine nette Erfahrung. Nach knapp 2 Stunden sind wir in Würzburg und besteigen einen völlig leeren Bummelzug, der schaukelt durch die Lande, hält an jeder Milchkanne und wir haben Muße, uns die schöne Landschaft zu betrachten. Und ich lese im Führer, dass das gar nicht Bayern sei, also politisch schon, aber die Menschen sind Franken, erst seit 450 Jahren Bayern, also gar keine echten!!!
Um 11.30 Uhr kommen wir in Bamberg an, wir werden im weißen Volvo abgeholt und der Verkäufer cruist uns erstmal zu sich nach Hause in der Innenstadt. Das sind für mich die wichtigen Fahrten, ich beobachte ihn, ob er ruhig fährt, wie er sitzt, wie er bremst, und ich merke, dass er mit viel Gefühl fährt, dass er um Gullydeckel drumrumfährt und zu einem Kieslaster großén Abstand hält, damit keine Kiesel auf den Lack fallen können, so soll das sein

Seine Frau hat zu Hause etwas zum Happern vorbereitet, wir essen zusammen und reden über Fahrzeugpflege, sie wirkt sehr traurig und weint dann auch heftig, als wir Geld und Papiere tauschen. Die Beiden haben mich aus einer Reihe von "Bewerbern" ausgesucht, gut, dass meine Frau mit war, sonst hätte ich den Wagen evtl. nicht bekommen, wer weiß?

Dann geht es aber los, ich will erst mal fahren, fahren fahren...und wir verlassen die Beiden, fahren aus Bamberg in die fränkische Schweiz. DAs Wetter ist toll, meine Frau kann ihrer Wasser-Lust pfrönen, ich genieße das Fahren. Abends fahren wir nach Bamberg zurück, wir suchen ein kleines Hotel und gehen dann essen. Ich habe dem Verkäufer ein par Bilder über whatsapp gesendet, er ist froh, dass mir das Auto gefällt.
Am nächsten Tag wird noch Bamberg erobert, lohnt sich wirklich, dann fahren wir gen Norden. Wir fahren Landstrasse, Autobahn ist öde und besuchen das Kloster 14Heiligen, wo eine ganz tolle Darstellung des Themas Erntedank auf uns wartet, echt genial. Danch geht es dann nach Ossi-Deutschland, wir besuchen eine Talsperre, besuchen Gera und Schmalkalden, lauter leere Namen, die sich aber doch mit schönen Städten und Eindrücken schmücken. Wir treffen hier auf einen japanischen Garten, finden da eine Orangerie, die an Versailles erninnert. Immer wieder dieses postmoderne in der Zone, gemischt mit kaputter Zeitgeschichte, das hat einen besonderen Reiz.

der 3. Oktober macht nachdenklich, das Auto war schon 5 Jahre alt, als die Mauer fiel, also auch ein Stück rollende Geschichte, das eckige Ding
Es ist bemerkenswert, wie auffällig die Karre ist, in schwarz fuhr ja Honni so ein Auto...vllt. liegt es daran? Ein Stander mit Hammer und Sichel wäre nicht schlecht.

Abends übernachten wir in einer kleinen Pension im Thüringer Wald, trinken Schwarzbier und essen eine gigantische Portion Gulasch mit Thüringer Klößen. Am nächsten Tag fahren wir auf kleinsten Straßen über komische Orte wie Dingelstädt , Nebra usw. zurück Richtung Westen. Die Straßen sind teilweise ziemlich kaputt, es hat sich nicht bewährt, dass man 1990 einfach begann, die alten Pflasterstrassen nur zu asphaltieren, der Soli schlecht angelegt. Zum Abschluss besuchen wir noch das Kloster Volkeroda. Wir sind auf dem Pilgerweg Loccum Volkeroda ( rund 300 km) schon mal ein Stück gelaufen, ohne das Ziel je gesehen zu haben. Das Kloster ist auch eine schöne Mischung aus alter Kultur, DDR-Missbrauch und dann Neuaufbau durch Soli und die Wessis. Im Klostercafe noch lecker Kuchen gefasst, dann ging es via Duderstadt wieder zurück nach Hause. 900 km unterwegs in drei Tagen, davon 460 km mit dem alten Volvo, es hat Spaß gemacht
Nur die Übernachterei in Pension/Hotel ist gar nicht unsers, und wir haben immer wieder gejammert, dass der Wohnie nicht am Auto hing, mit Wohnie ist die Freiheit doch ein Stück größer...

Hier ein paar Bilder, wild durcheinander:













in einer der über 2200 Brauereien Bayerns.....











Es fahren sogar Gondeln wie in Venedig....


Dieser kopflose Nick ( siehe Harry Potter) hat mir sehr gut gefallen, dachte erst, es wäre der T.van Elz...




Kloster Volkeroda, viele Doppelfenster haben eine Füllung aus Symbolik, hier sind es Siebe, die eine Filterung sein sollen










 
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RE: drei Tage mit dem Young-Oldtimer.....

#2 von Kast , 07.10.2014 23:28

Danke fürs Mitnehmen und die Momentaufnahmen!

 
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RE: drei Tage mit dem Young-Oldtimer.....

#3 von Susanne , 08.10.2014 10:28

danke für den kurzbericht der Volvo-kaufsreise , ja Bamberg ist eine schöne stadt, den cp dort kann ich in der nebensaison empfehlen, kloster 14Hl haben wir dieses jahr besucht vom cp in Lichtenfels aus. einige eurer rückreiseort stehen bei uns auch noch auf dem programm, ach könnte man doch nur immer zu stück für stück weiterreisen

 
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RE: drei Tage mit dem Young-Oldtimer.....

#4 von Winni , 08.10.2014 13:19

Hey Susanne,
auch auf dieser kurzen Reise haben wir wieder gemerkt, wie "verwöhnt" wir eigentlich mit der Wohndose am Haken immer sind. Einfach ziellos von Ort zu Ort fahren, weil man immer und überall sein Plätzchen zum Schlafen/ kochen/essen hat.

Wir waren in Bamberg auf dem Markt, hätten gerne ein paar frische Sachen gekauft und im Wohnie gekocht, statt dessen geht man dann irgendwo essen...

Man muss vllt ab und zu das eine machen, damit man weiß, wie schön das Andere eigentlich ist. Meine Frau hat gesagt, die nächsten Reisen aber nur im Wohnwagen.

 
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RE: drei Tage mit dem Young-Oldtimer.....

#5 von morgenröte , 08.10.2014 13:33

Das hättest du sicher noch mitgenommen, wenn du mit wohni unterwegs gewesen wärst.
http://www.himmelsscheibe-erleben.de/

Schöne Reisebeschreibung mit passenden Bildern. Bamberg ist sehr schön und jedes dorf drumherum hat mindestens eine Brauerei. Freunde von uns haben dort gelebt.

Ziehen kann dein neuer Alter, bald hast du die Qual der Wahl womit ihr loswollt.

Gruss Andrea

 
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RE: drei Tage mit dem Young-Oldtimer.....

#6 von Michi ( gelöscht ) , 14.10.2014 15:25

Servus Winni,

da warst du ja fast bei mir
Also Bamberg war früher eine bedeutende Stadt und ist heute auch immer noch Erzbistum.
Mehr als 1000 Jahre alt und seit mehr als 400 Jahren Universitätsstadt
Es ist der am größten erhaltene historische Stadtkern in Deutschland und hat weltweit auch noch die höchste Zahl an Brauereien (noch 11 von 6 und ist die Heimat des bekannten Rauchbieres aus der Brauerei "Schlenkerla".
Namen wie Balthasar Neumann, Willy Messerschmidt, E.T.A. Hofmann sind mit der Stadt verbunden.

Und dein Führer hat natürlich Recht, Franken ist nicht Bayern und wird auch noch lange nicht dazugehören
Eine kleine Richtigstellung sei am Rande erwähnt, es sind nur etwas mehr als 200 Jahre. 1806 beanspruchte das bayerische Königshaus nach Zerfall des Heiligen Römischen Reiches um 1800, diese Gebiete.

Ich muss glatt mal meinen Kollegen fragen, ob er den Besitzer dieses Volvo kennt.
Er hat nämlich einen von 1993 mit unter 70.000km auf der Uhr.

Schöne Grüße und viel Spaß mit dem neuen Alten

Michi

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