RE: Bergwanderung in Vorarlberg

#1 von Winni , 15.07.2013 22:09

Durch die frühen Ferien in Niedersachsen kamen wir dieses mal in einer Region über 2200 Metern immer wieder noch mit Schnee in Kontakt, der dort bis in den späten Juni liegt. Ein paar Berge, die wir noch "machen" wollen, gingen deshalb dieses Jahr nicht, aber das müssen wir dann nachholen. Meine Frau wollte schon seit längerem mal zum BUTZENSEE, ein See in luftiger Höhe, immer kalt und 9 Monate des Jahres zugefroren. Vom See ist es normalerweise ein Katzensprung zum Gipflekreuz der Mohnenfluh, das wäre aber diesesd Jahr nur mit Schneeschuhen möglich gewesen, wir waren also "nur" bis zum See. Der Abstieg erfolgte dann nach lech am Arlberg, es ist eine Bergtour von gut 9-10 Stunden, man läuft ca. 20 km und muss 850 Höhenmeter hochklettern und rund 650 Höhenmeter wieder runter. Ich habe die ganze Tour mit einer App " Sport-Tracker" aufgezeichnet, die jeden meter erfasst, auch die Höhen. Wir waren relativ schnell unterwegs, das Ding zeigte einen Schnitt von 2,9 km/ Stunde an.

Unsere Tour begann in Schröcken, am Fuße des Hochtannbergpasses bei schönstem Sonnenwetter. Schröcken ist ein kleines Bergdorf mit wunderschöner Kirche, früher gab es eine exorbitante Pass-Straße, die wurde aber in den 80er Jahren entschärft.

Hier der Blick zurück auf die Kirche, darüber sieht man ein Stück der neuen Straße auf ausgesetzter Brücke, schon sprektakulär, aber gut zu fahren, für Gespanne aber verboten, man kann aber Sonderdurchfahrten bekommen.

Am Anfang ging es durch wunderschöne Wiesen, allerdings immer am Hang, auf schmalen Steigen, bei Nässe schon eher grenzwertig.

Und da findet m,an ihn dann, den blauen Enzian, unter Naturschutz, und im Schnappes sehr beliebt

Der Weg war immer nur gerade einen Fuß breit, aber so mögen wir das sehr.

Na ja, und dann wurde es natürlich immer steiler, irgenwie wollten wir ja hoch...

Genau vor uns die beiden Gipfel, dazwischen liegt der See, und dort wollten wir auch den Berg übersteigen

Die guten "Wege" waren dann auch irgendwann zu Ende, es gab viele schwere Passagen, man muss sich an den Drahtseilen hochziehen, und man hat herrliche Blicke in die grausame Tiefe, schwindelfreiheit wäre gut...

Dieses Stück war besonders knifflig, weil der Weg unter einer Gletscherzunge verborgen blieb, wir mussten am Fels empoklettern und dieses Gebiet umgehen. Der Schnee ist durch Wasserabfluss unterhöhlt, man weiß nie, ob er trägt. Dazu sollte man schon etwas Orientierungssinn in der freien Natur mitbringen, viele Leute "versteigen" sich an solchen Stellen und kommen in Bergnot, besonders wenn die Gefahren noch unter dem Schnee lauern.

Aber dann ist man nach Stunden endlich am Übergang, der Blick ist grandios, und man ist mit sich und seinem Körper in einem totalen Einklang. Man ist 2000 Meter höher als das eigene Haus ( das ist bei 289 Metern) , die Luft ist merklich "dünner", aber es ist geil, und der Stolz über die eigene Leistung macht einen happy.

Da liegt er, der kleine See, eigentlich wollte meine Frau darin schwimmen, aber er war noch zugefroren. Bis zu diesem Punkt waren wir 5 Stunden unterwegs gewesen. Wir sind dann auf der anderen Seite des Berges nach lech am Arlberg abgstiegen, ein beliebter Wintersportort, und von da wieder mit dem Bus zum CP zurück.
Eine tolle Tour abseits der normalen Wege, für Anfänger nicht zu empfehlen, aber eine schöne Herausforderung.

 
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RE: Bergwanderung in Vorarlberg

#2 von Kast , 15.07.2013 23:47

Danke für den Bericht und die Bilder
Meine Kondition wäre da auf der Strecke geblieben. Mein Schwager wandert gerne in den Bergen und so haben wir so manches ähnliche Foto gesehen.

 
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RE: Bergwanderung in Vorarlberg

#3 von Gelöschtes Mitglied , 15.07.2013 23:52

Boah schön Winni, das ist genau das Terrain auf dem ich mich auch wohlfühle. Gemeinsam kann ich solche Wege aber leider mit Rita nicht gehen, die ist für sowas nicht trittsicher genug und hat zu viel Angst. Einmal aber musste Sie trotzdem mitgehen. Wir hatten uns verirrt und sind dann auf einem hochalpinen Wanderweg gelandet. An manchen Stellen musste ich unsere Kinder nacheinander auf die Schulter nehmen und sie durch verschiedene Passagen tragen, ich bin jedesmal zurück und hab einen nach dem anderen geholt. Dann kam Rita an die Reihe und musste Sie Schritt für Schritt motivieren weiterzugehen und am Ende hatte auch Sie es geschafft. Das war einer der schönsten Wege die wir je gegangen sind. Der Jüngste hatte damals vor jeder Treppe Angst und in Höhen sowieso. Das ist heute der Superbulle der ungesichert auf Kränen rumturnt, sich an Hausfassaden hoch und runterseilt, von Staumauern seilt und von Brücken springt usw. usf. . Der hat jeder einzelnen seiner Ängste aus der Kindheit einen Fusstritt verpasst und sie zum Teufel gejagt. Rita erfordert bei Wanderungen meine ganze Aufmerksamkeit und ich muss immer auf Sie aufpassen, aber mit der richtigen Motivation und genug Zuspruch hat auch Sie schon so manche Angst überwunden.

Tolle Bilder und herrliche Bergkulissen, so brauch ich das auch, da kann Meer mir gestohlen bleiben.


RE: Bergwanderung in Vorarlberg

#4 von Tscharlie , 16.07.2013 06:42

Hallo Winni,

schöner Bericht. Zur Berechnung der Stunden gibt es bei Bergsteigern eine "Formel" : Streckenlänge in km : 6 = Stunden Teil 1, Höhenunterschied : 400 = Stunden Teil 2, Stunden 1 + Stunden 2 = Gesamtlänge. In Eurem Fall also 5 Std 30 Minuten.

Grüße

Tscharlie

 
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RE: Bergwanderung in Vorarlberg

#5 von Susanne , 16.07.2013 08:46

danke für die bilder winni, schöne strecke, wär allerdings nix für mich, geb ich ehrlich zu.

 
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RE: Bergwanderung in Vorarlberg

#6 von Winni , 16.07.2013 09:53

Moin Tscharlie,
deine Berechnung geht eigentlich auch immer auf, plus Pausen oder Gucken In diesem Fall haben wir viel zeit damit verbraucht, dass der eigentliche Weg unter dem Schnee verborgen war und wir weglos an irgendwelchen schneelosen Hängen hoch geklettert sind und dann den Weg immer wieder mühevoll zu suchen. Gute Karte und GPS waren sehnr hilfreich.

Yves,
früher hatte Biggi auch viel mehr Höhen- und Absturzängste, aber das hat sich jetzt "gegen 60" bei ihr komplett verändert. Sie macht auch sonst viel mehr Sachen mit ( Seilbahn/ Sessellift/ kleine Pass-Straßen), wo sie früher Bedenken hatte. Irgendwie schwindet die Angst mit dem Alter...

 
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RE: Bergwanderung in Vorarlberg

#7 von bieber , 16.07.2013 10:23

Das sind genau die Touren, die wir auf unsern Cacheausflügen auch immer suchen. Nur wenn es per Drahtseil an der Felswand hoch geht, ist leider Schluss, weil der Hund das nicht schafft. Wenn es dann nicht mehr weit ist bis zum Cache, haben wir uns auch oft getrennt, einer blieb beim Hund und der andere ist weitergeklettert. Da müssten Euch die Pyrenaen auch extrem gut gefallen, Winni!

 
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RE: Bergwanderung in Vorarlberg

#8 von Winni , 16.07.2013 11:06

Hey bieber...ihr geocacht auch??

 
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RE: Bergwanderung in Vorarlberg

#9 von Winni , 16.07.2013 16:46

Ja Bieber,
Die Pyrenaen sind sicher sehr eindrucksvoll, besonders für Bergwanderer. Leider für uns (noch) zu weit weg, bei immer nur maximal 14 Tagen Urlaub am Stück. Das steht auch auf der "Später-Liste"

Österreich ist allerdings auch irgendwie unsere zweite Heimat. Ich war praktisch meine ganze KIndheit immer wieder in den Bergen mit meinen Eltern ( mein Vater mochte das Meer nicht so) , und meine Frau war auch immer in der gleichen gegend, weil ihre Eltern auch das Meer nicht mochten. Kindliche Prägung Es zieht uns beide dort immer wieder magisch hin. Meine Schwester ist mit einem Österreicher verheiratet, und meine 4 Nichten/Neffen folglich auch Ösiländer...ich mag das Essen dort sehr, die ganze Mentalität der Menschen, die Einsamkeit in den Bergen, so eine gewisse Hüttenromantik, und den Sommer über könnte ich auch monatelang dort sein. Ich mag die braunen Kühe mit ihren Glocken, hier gibt es nur schwarz-weiße. Der Winter dort schreckt mich aber ab, Wintersport und Apres-ski ist mir suspekt, das ist der Grund, nicht immer dort wohnen zu wollen.
Ich brauche ab und zu das Meer, bzw. die Nordsee, und muss Schiffe gucken, aber die Zeit rast, die Urlaube werden zählbar, und ich möchte möglichst viele davon noch in den Bergen verbringen. Nächtes Jahr geht es wieder hin Gibt noch ein paar Berge, da will ich noch hoch, und ob das mit 70 noch geht? Am Meer sitzen kann ich dann immer noch

Winni

 
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RE: Bergwanderung in Vorarlberg

#10 von daf43 , 17.07.2013 09:30

Hallo Winni,
es gibt im Gebirge auch einfach zu begehende Wege, die - wenn man das "Klettergefühl" nicht mehr braucht - eine ebenso schöne Aussicht bieten . Außerdem kann man durchaus langsamer gehen und schafft dann auch heftige Steigungen.
Also keine Angst vor später .

 
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RE: Bergwanderung in Vorarlberg

#11 von morgenröte , 17.07.2013 14:49

Für die schönen Bilder habe ich extra den PC angestellt. Tablet ist zu klein. Nicht zu vergleichen mit unserem Hausberg dem Harz, das sind halt die richtigen Berge.

Toller Weg wirklich, aber für mich wäre das auch zu gewagt. Laufe gerne, aber nicht zu gefährlich. Sicher bringt man sich damit um schöne Erfahrungen und Ausblicke. Ich halte es da wie Dieter

Gruß ANdrea

 
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RE: Bergwanderung in Vorarlberg

#12 von conny , 17.07.2013 15:23

So satte Farben, man kann fast die klare Luft "riechen" ... trotzdem sind Berge nichts für mich, ich will Meer . Bin ja seit meiner Kindheit traumatisiert, deshalb keine Berge.

Winni, wir sitzen nicht am Meer, sondern wandern dort . Die Küstenpfade entlang der Klippen sind sehr oft auch sehr spektakulär. An Sandstränden laufen wir km-weit direkt am Ufer, wo die Wellen über die nackten Füße auslaufen und man die Gicht inhalieren kann ...

 
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RE: Bergwanderung in Vorarlberg

#13 von sunshine , 17.07.2013 15:32

Danke für deinen Bericht und die tollen Fotos, Winni - aber bitte die hochformatigen beim nächsten Mal drehen, damit ich nicht so schief aus der Wäsche gucken muss...
Wir wandern mit unseren Freunden auch gerne in den Alpen, allerdings meist in der Schweiz.
Dann tragen wir unser Zweitagesgepäck auf dem Rücken und übernachten in Berggasthöfen oder in Hütten. Wir hatten dort schon die urigsten Übernachtungsgelegenheiten.

PS:
Meer oder Berge?
Nein - es muss heißen:
Meer und Berge = Korsika...

 
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RE: Bergwanderung in Vorarlberg

#14 von Mephisto , 17.07.2013 17:58

Zitat von conny
An Sandstränden laufen wir km-weit direkt am Ufer, wo die Wellen über die nackten Füße auslaufen und man die Gicht inhalieren kann ...



Mensch Conny,
kein Wunder daß Dir die Knochen immer weh tun wenn Du die Gicht inhalierst. Probiers mal mit der salzhaltigen Luft von der Gischt, die bekommt uns auch besser als die Höhenluft mit dem wenigen Sauerstoff (unduckunwech)

 
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RE: Bergwanderung in Vorarlberg

#15 von conny , 17.07.2013 19:58

ha, ha ... ... Mephi, der war gut ...

 
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RE: Bergwanderung in Vorarlberg

#16 von Winni , 17.07.2013 21:04

Iris,
ich hab versucht mit der Dreherei...ging irgendwie nicht.

 
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RE: Bergwanderung in Vorarlberg

#17 von sunshine , 17.07.2013 21:15

Grafik öffnen, rechte Maustaste und im aufgeklappten Menü "Im Uhrzeigersinn drehen" anklicken, Winni.

 
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RE: Bergwanderung in Vorarlberg

#18 von Winni , 17.07.2013 21:21

Alte Männer und Pcs.....

 
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RE: Bergwanderung in Vorarlberg

#19 von bieber , 18.07.2013 10:15

Ja, Winni, wir cachen schon seit Jahren. Meist aber nur im Urlaub, weil uns hier die Zeit dazu fehlt. Und dann ist cachen genial, weil einem die Einheimischen die schönsten Fleckchen zeigen, die man selbst mit Reiseführer nie gefunden hätte. In den Bergen sind es oft sogar ganze Routen, die einem mit Cachen gezeigt werden. Die letzte in Spanien hat uns drei Tage durch die Berge geführt. Eigentlich hätte man das in einer Ganztagswanderung machen können, aber wir haben es auf 3 Nachmittage aufgeteilt. Wenn man das Terrain nicht kennt und es noch relativ früh dunkel wird und die Wetterlage instabil ist, gehen wir lieber kein Risiko ein.
Habt Ihr in Österreich auch gecacht?

 
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RE: Bergwanderung in Vorarlberg

#20 von Winni , 18.07.2013 10:52

Moin Bieber,
ja , wollten wir, ich habe aber das Gerät zu Hause vergessen. Würde auch mit dem Handy gehen, aber dann ist die Datenflat im Ausland schnell verbraucht, also teuer. Wir versuchen auch immer wieder, nur mit Karte und Kompass Caches zu finden, ganz ohne GPS...aber es stimmt, man lernt ganmz andere Wege kennen, als in den Reiseführern

 
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