RE: „Le Soleil de Provence“ – mal wieder...

#1 von sunshine , 28.12.2011 13:11

1. Ab in den Süden – Anreise über das Jura

Sonntag, 14. August 2011
Wir lassen es ganz entspannt angehen und fahren erst gegen halb elf los. Es ist sonnig mit lockerer Bewölkung und 25 Grad warm. Bei Müllheim verlassen wir die Autobahn Richtung Basel und fahren über Mulhouse in Richtung Belfort. Auf sonntäglich leeren Straßen zuckeln wir durchs Elsaß. Ins Navi haben wir eingegeben „keine Maut“, fahren so auf den Landstraßen vorbei an Belfort, Montbéliard, Besancon und Dole in Richtung Bourg-en-Bresse, wo wir zum ersten Mal übernachten wollen. Ab Lons-le-Saunier kennen wir die Strecke nicht mehr. Es geht zuerst mal steil den Berg hoch (13%) und, wie so oft im Jura, beginnt es zu regnen. Trotzdem ist es eine schöne Fahrt, vorbei am Lac de Vouglans – bei schönerem Wetter hätten wir hier sicher angehalten. Ein überfahrener Dachs sowie ein junges Wildschwein am Straßenrand zeugen vom Wildreichtum der Wälder des Jura.

Wir steuern Nantua an, das in der Mitte zwischen Bourg-en-Bresse und Genf liegt. Weil wir dieses Jahr keine Vignetten haben, meiden wir die Schweiz. Nantua liegt hübsch am Lac du Nantua, eingerahmt von felsigen, steilen Hängen.
Hier fahren wir zuerst den Camping „Le Signal“ an, aber der liegt etwas abseits vom See direkt neben der Bahnlinie. Weil wir auf dem Weg direkt am gegenüberliegenden Seeufer einen Campingplatz gesehen haben, kehren wir um und schauen diesen noch an. „Camping du Lac“ im kleinen Ort Port gefällt uns. Eine Wiese, unparzelliert, direkt am See und nur zu einem Viertel belegt. Hier bleiben wir – trotzdem wir der Bahnlinie auch wieder ganz nah sind (geht eben nicht anders in einem engen Tal.) (Der Platz kostet für 2 Personen mit Strom 14,90 €, Haustiere sind erlaubt, die Sanis sind altertümlich und sehr einfach).
Ein Regenschauer veranlasst uns, das Sonnensegel aufzubauen. Und es gibt den ganzen Abend immer wieder Regenschauer und nachts dann noch ein Gewitter. Tja, das Jura eben…

Montag, 15. August
Regen weckt uns. Die Stärke wechselt zwischen heftig und sintflutartig. Hoffentlich kommen wir wieder von der Wiese!
Gegen acht hört es aber auf und Wolfgang geht Baguette holen. Der Bäcker ist nicht weit entfernt, ebenso ein Supermarkt.
Nach dem Frühstück packen wir das klatschnasse Sonnensegel ein und machen uns auf den Weg. Natürlich hängen wir fest auf der nassen Wiese, obwohl wir beide auf der Vorderachse unseres Fronttrieblers sitzen. Als die Kupplung beginnt, unangenehm zu duften, steige ich aus, um zu schieben, obwohl mein Mann das nicht will. Natürlich weiß ich, dass ich bei zwei Tonnen allein nicht viel ausrichten kann. Aber ich weiß auch, dass sofort Männer herbeieilen, wenn eine Frau schiebt. Und so ist es auch diesmal. Mit Hilfe von zwei Paar hilfsbereiten Männerhänden bekommen wir das Gespann wieder flott.
Auf kleinen Sträßchen fahren wir durch den Nieselregen (oder sind es Wolken?) und mein Mann ist in seinem Element. Sträßchen mit den Attributen steil/schmal/Serpentinen üben einen unwiderstehlichen Reiz auf ihn aus. Auf mich eher nicht - ich denke bei jeder Abzweigung: Hoffentlich wird es nicht noch steiler, schmaler, kurviger… Aber ich schweige still und gönne ihm sein Vergnügen.

Irgendwo auf der Strecke halten wir an einem Supermarkt und füllen den Kühlschrank mit französischen Leckereien. Als wir die Rhone erreichen, reißt die Wolkendecke auf und es wird zunehmend sonniger.
Von Grenoble aus fahren wir Richtung Gap. Es geht steil bergauf und unser S-MAX keucht trotz seiner 160 PS ganz ordentlich. Nun haben wir die Königsstraße erreicht, die Route Napoléon. Die Bergwelt liegt im Sonnenschein und wir genießen die schönen Ausblicke. Über den Col Bayard (1246 m) kommen wir von den Nordalpen in die Südalpen und nähern uns Gap, das man schon von oben sieht. Hier haben wir vor vielen Jahren schon mal übernachtet, aber den Campingplatz finden wir nicht mehr. Wir nehmen also den „Alpes Dauphine“. Der Himmel ist inzwischen tiefblau, und es ist warm, sehr warm sogar – endlich! Wie schon am Vortag können wir angespannt stehen, weil nicht viel los ist. Der Platz ist in Ordnung, die Sanis sind modern und gepflegt und wir bezahlen 23,80 € für die Nacht. Die Attraktion sind die Pfauen, die ohne Scheu vor den Menschen auf dem Platz herumspazieren.
Wir genießen einen ersten warmen Abend draußen.

 
sunshine
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#2 von sunshine , 28.12.2011 13:21

2. Alpes-de-Haute-Provence

Dienstag, 16. August
Von Gap fahren wir über Sisteron in Richtung Manosque. Obwohl es kaum mehr als 100 Kilometer sind, zieht sich die Fahrt auf der N85. Kurz vor Manosque schauen wir zuerst einmal den Campingplatz in Volx an. Er liegt etwas abgelegen am Berg am oberen Ortsende. Mmh, mal noch weiterschauen. Manosque umfahren wir und schauen als nächstes den „Oxygene“ bei Valensole an. Wolfgang fragt an der Rezeption, ob er sich den Platz ansehen dürfe. Er bekommt ziemlich unwirsch einen Plan in die Hand gedrückt, auf dem ein paar freie Plätze angekreuzt sind. Und das obwohl der Platz nur gut zur Hälfte belegt ist. Der Platz ist durch Hecken parzelliert, hat einen Pool und alles wirkt sehr ordentlich.
Wir fahren dann weiter über den Berg nach Greoux-les-Bains am Verdon. Hier waren wir schon mal, erkennen wir sofort. Hinter dem Ort am Fluss liegen die Campingplätze. Der erste ist parzelliert mit Pool, nicht so unser Ding. Der zweite ebenso. Der dritte, der „Regain“ ist eher nach unserem Geschmack: Viel Natur und anstatt eines Pools gibt es eine nett gemachte Badestelle am Fluss. Schade, dass das Flussufer so bewachsen ist, dass man nicht vom Campingplatz auf den Fluss schauen kann. Brot muss man vorbestellen und es wird vom Bäckerauto gebracht – sonst gibt es nichts, nur viel Natur. Und solche Plätze mögen wir. (21 € kostet der Platz.)
Wir lassen uns einen Platz zeigen und der gefällt uns sofort. Am nächsten Tag sehen wir dann, dass wir einen Campingplatz übersehen haben, den stadtnächsten gleich nach der Brücke links, auch am Flussufer gelegen.
Beim Aufstellen passiert noch ein Missgeschick. Wolfgang vergisst die Räder auf dem Dach und touchiert einen tiefhängenden Ast, so dass sein Moutainbike hängenbleibt und aufs Dach knallt. Nun ziert eine unschöne Schramme unser neues Fahrzeug. Tja, wenn einmal die umsichtige Ehefrau nicht auf dem Beifahrersitz sitzt und aufpasst…
Der Abend ist warm, meinem Mann schon fast zu heiß. Aber in der Nacht kühlt es sich auf angenehme Schlaftemperaturen herunter.

Mittwoch, 17. August
Schon recht früh fahren wir nach Manosque, parken am Stadtring und betreten die Altstadt durch eins der prachtvollen Stadttore. Wir schlendern durch schattige Gässchen und über sonnige Plätze mit Brunnen und Straßencafés. Durch das schöne Renaissance-Portal betreten wir die ehemalige Kathedrale Notre-Dame-de Romigier aus dem 10. Jahrhundert, wo eine kleine Kunstausstellung stattfindet.
Auf dem kleinen Obst- und Gemüsemarkt erstehen wir ein Fläschchen Mandelöl.

 
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#3 von sunshine , 28.12.2011 13:26

Weiter geht es dann nach Sisteron, das wir schon mehrmals durchfahren, aber noch nie besucht haben. Eindrucksvoll liegt es am Eingang des Durance-Tals, auf der einen Seite flankiert vom markanten Rocher de la Baume, auf der anderen Seite von der Zitadelle.
Zuerst durchstreifen wir die Gässchen und steigen anschließend zur Zitadelle hoch, von wo man herrliche Ausblicke auf die Durance und das Städtchen genießen kann. In der Altstadt schlecken wir noch ein Eis, Wolfgang wählt die Geschmacksrichtung „Lavande“.

Abends nach dem Duschen spaziere ich noch über den Campingplatz und finde den Stellplatz wieder, auf dem wir schon einmal gestanden haben, für eine Nacht. Wolfgang hatte es mir bisher nicht geglaubt, dass wir schon mal auf diesem Platz waren, lediglich den Ort hat er wiedererkannt.

 
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#4 von sunshine , 28.12.2011 13:31

Donnerstag, 18. August
Faulenzertag!
Wir lesen im angenehmen Morgenschatten und machen uns erst am Nachmittag zu einer kleinen Rundtour über die Hochebene des Plateau de Valensole auf. Zuerst will mein Mann aber den Verdon-Bewässerungskanal genauer anschauen.
In Puimoisson sehen wir einen hübsch gelegenen Camping Municipal mit traumhaftem Blick auf die Hügelketten des Luberon und den Mont Ventoux. Eindrucksvoll ist die Fahrt von Puimoisson nach Valensole auf einem winzigen Sträßchen: Lavendelfeld reiht sich an Lavendelfeld, unterbrochen von endlosen Sonnenblumenfeldern mit dem Luberon im Hintergrund. Die Sonnenblumen sind natürlich schon verblüht und der Lavendel bereits abgeerntet. Aber immer wieder sind Felder zu sehen, die einen lila Schleier tragen. Dies sind die Felder mit den jungen Pflanzen, die noch nicht abgeerntet werden. Und so kann ich doch noch ein kleines Strüßchen Lavendel pflücken. Das ganze Tal um Valensole duftet betäubend nach Lavendel unter der provenzalischen Sonne.

In Greoux-les-Bains machen wir einen kleinen Einkauf. Die Boucherie in der Innenstadt (die zweite links, wenn man die Fußgängerzone bergaufwärts geht) hat ein tolles Angebot. Das Rillette von dort ist unbeschreiblich lecker, ebenso die Paté Provencal und das Huhn in Zitronenaspik.
Nach unserem leckeren Abendessen genießen wir bei ein paar Gitarrenklängen den warmen Sommerabend.

Freitag, 19. August
Morgens ist wieder Lesen im Schatten angesagt. Am späten Nachmittag machen wir einen Ausflug nach Moustiers-Ste-Marie. Wir waren zwar schon einmal dort, aber so einen hübschen Ort kann man auch zweimal besuchen.
Wir parken am Ortsrand und machen einen Spaziergang hoch zur Pilgerkapelle Notre-Dame-de-Beauvoir (dort waren wir nämlich noch nicht), ein äußerst schweißtreibendes Unterfangen bei 33 Grad. Vorsichtig muss man sein, denn die gepflasterten Wege sind spiegelglatt - unsere Trekkingsandalen liegen leider im Auto.
Die Tortur lohnt sich allemal wegen des hinreißenden Rundblicks und der schlichten Schönheit der Kapelle. Ein frischer Wind kühlt die erhitzte Haut und es sind nur wenige Menschen hier. Unten im Ort dagegen treten sich die Touristen gegenseitig auf die Füße. Schnell weg hier – da behalten wir Moustiers lieber so in Erinnerung, wie wir es kennengelernt haben, an einem Mai-Abend, als alle Geschäfte schon geschlossen hatten, nur noch wenige Touristen unterwegs waren und der Ort wieder hauptsächlich den Einheimischen gehörte.
Trotzdem fasziniert mich aufs Neue dieses Bild mit dem Felsen, dem Kapellchen und dem goldenen Stern über der Schlucht.

 
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#5 von sunshine , 28.12.2011 13:37

3. Vaucluse

Samstag, 20. August
Heute wollen wir weiter. Uns ist nach Blick in die Weite und Luft um uns herum. Der Campingplatz hat uns gut gefallen, aber der Ausblick fehlte uns.
Wir bezahlen (21€ pro Nacht) und fahren auf kleinen Sträßchen in Richtung N 100, die nach Apt führt.

Wolfgang hat im Guide Officiell einen Platz bei St. Martin de Castillion ausgesucht, einen „Aire naturelle“ mit „… Panoramique sur Luberon“. „Les Jonquiers“ ist an der Straße ausgeschildert und so zweigen wir von der N 100 ab, den Berg hoch in Richtung St. Martin de Castillion. Das Sträßchen ist schmal und es gibt kaum Ausweichmöglichkeiten. Ich hoffe, es kommt uns mit dem Gespann nicht der Bus entgegen, denn weiter unten gab es eine Bushaltestelle. Wir passieren den Ort, wo nochmal ein Wegweiser zum CP steht. Aber es kommt und kommt kein Campingplatz. Wolfgang will wenden, weil er meint, etwas übersehen zu haben, aber ich bin mir sicher, dass das nicht so ist. Der Herr über das Gespann wendet und wir fahren über die schmale Straße wieder zurück und nach dem Ort wieder bergab, wo uns prompt ein anderes Gespann entgegenkommt. Im Zentimeterabstand tasten wir uns langsam aneinander vorbei. Wolfgang fragt durchs geöffnete Fenster, ob sie auch den „Aire naturelle“ suchen und erzählt, dass wir den nicht gefunden haben. Der Holländer sagt, er müsse aber da oben sein, denn seine Familie sei im Moment dort. Da es keine Wendemöglichkeit mehr gibt, fahren wir wieder ganz nach unten zur N 100, um bei der nächsten Abzweigung wieder hoch zu fahren. Unterwegs schauen wir noch einen „Camping a la ferme“ an, aber irgendwie reizt uns jetzt dieser versteckt liegende „Aire naturelle“ mehr.

Und tatsächlich finden wir nun im zweiten Anlauf einen weiteren Wegweiser, kurz unterhalb der Stelle, wo Wolfgang gewendet hatte.
Die Zufahrt zum Campingplatz ist eng – große Wohnwagen und Wohnmobile haben hier wohl keine Chance. Wir passieren die Einfahrt und landen auf einer Hochfläche mit Traumblick auf die Hügelketten des Luberon. Es ist viel freier Platz, aber Madame erklärt uns, sie seien „complet“. Wolfgang ist verdutzt, weil so viel freier Platz zu sehen ist. Alles reserviert, es gäbe nur noch einen absolut sonnigen Platz, den sie ihm zeigen könne. Wolfgang nimmt den Platz, auf dem ein neu gepflanztes, ca. 50 cm hohes Bäumchen in ca. 8-10 Jahren Schatten spenden wird. Also sorgen wir zuerst mal für eigenen Schatten und fahren dann nach Apt zum Wochenendeinkauf. Fisch und Salat soll es geben. Ab 17 Uhr sind wir dann zu einem Willkommens-Drink an der Rezeption eingeladen.
Vor dem Rezeptionshäuschen stehen Tische und Stühle im Schatten und hier kann man auch abends ein Gläschen Wein trinken oder den in Flaschen abgefüllten kaufen. Nicole und Madeleine begrüßen ihre Gäste mit Handschlag und wir wählen als Begrüßungstrunk einen kühlen Weißen. Nicole erklärt uns alles (sie spricht gut deutsch) und wir bestellen gleich Brot fürs Frühstück am Montag. Sonntags gibt es keins. Auf ihrem Platzplan sehen wir, dass die Plätze von 1 bis 35 durchnummeriert sind und nur unser Platz einen Namen hat: Prairie. Das trifft es ziemlich genau, aber dafür haben wir keine Nachbarn und eine herrliche Aussicht.

Beim Geplauder mit Nicole erfahren wir auch, dass ein „Aire naturelle“ nur maximal 35 Plätze anbieten darf.
Bei mehr Plätzen wäre es ein Campingplatz und es würden andere Auflagen gelten. Deshalb müssen sie Leute wegschicken, obwohl so viel freier Platz zu sehen sei. Gegenüber der kleinen Rezeption ist der Pool und links davon das Wohnhaus der beiden Damen. Nicole erzählt uns, sie sei ganz klassisch hier gelandet: Mit dem Zelt habe sie hier gecampt und sei dann einfach geblieben. Zuerst hätten sie und Madeleine den Campingplatz gepachtet und als der alte Besitzer mit über 90 Jahren verstorben sei, dann gekauft. Angestellte haben die beiden nicht und machen alles selbst – vom Reinigen der Sanitärs bis zum Brot holen. Man merkt dem Platz eine liebevolle Pflege an und wir fühlen uns trotz des fehlenden Schattens unseres Prairie-Platzes wohl. Wir kaufen dann noch 2 Flaschen Weißwein aus dem Luberon (3 € und schwimmen noch ein paar Runden im Pool. Abends senkt sich fast völlige Dunkelheit über den Platz, denn es gibt kaum Beleuchtung, so dass man den Sternenhimmel in seiner ganzen Pracht bewundern kann.

Ein leichter Wind aus dem Luberon sorgt für angenehme Nachttemperaturen und außer dem Ruf des Käuzchens und dem Sirren der Zikaden herrscht hier absolute Ruhe. Schön!

Sonntag, 21. August bis Donnerstag, 25. August
Hier wollen wir einige Tage verbringen, da der Platz günstig für Ausflüge in den Luberon und die Umgebung von Apt liegt. Natürlich kennen wir schon einige der bevorzugten Touristenziele (Roussillon, den Colorado Provencal bei Rustrel, Gordes…), aber es gibt hier für uns noch eine Menge unentdeckter Ziele.
Selbst für provenzalische Verhältnisse ist es ungewöhnlich warm und so passen wir uns der südlichen Lebensart an. Die heißeste Zeit des Tages verbringen wir mit einem Buch und einer großen Wasserflasche im Schatten. Ein leichter Wind macht die Hitze erträglich, wenn das Thermometer auf 38 Grad geklettert ist. Ausflüge machen wir gleich nach dem Frühstück oder am späten Nachmittag. Für sportliche Aktivitäten wie Wandern oder Radfahren ist es momentan eindeutig zu warm, so dass unsere Unternehmungen sich auf Spaziergänge beschränken.

Ein Ausflug führt uns in die Gorges d‘ Oppedette, einer Schlucht des Flüsschens Calavon, das die Gegend hier mit Wasser versorgt. Vom Waldparkplatz aus spazieren wir am Rand der Schlucht entlang zum winzigen Örtchen Oppedette, wo wir im Schatten vor der Dorfbar eine Orangina trinken. Wir schauen uns anschließend noch den Campingplatz an, der unsere zweite Wahl gewesen wäre. Er liegt ziemlich abgelegen mitten im Wald – unser jetziger gefällt uns besser.

 
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RE: „Le Soleil de Provence“ – mal wieder...

#6 von sunshine , 28.12.2011 13:42

Einen anderen Ausflug machen wir nach St-Saturnin-Les Apt, am Markttag natürlich. Schon aus der Ferne bietet der Ort einen hübschen Anblick mit der Dorfkirche und der darüber liegenden Burgruine mit malerischer Kapelle. Zuerst schlendern wir über den kleinen, farbenprächtigen Markt bis hoch zur Dorfkirche und von da aus weiter den Berg hoch zur Burg: Eine riesige Anlage, an deren Spitze die Kapelle thront. Direkt an der Burgmauer wurde ein Stausee angelegt (Baden verboten), der sicherlich den Ort bewässert.
Von oben hat man einen umwerfenden Blick über den Grand Luberon und das Plateau de Vaucluse bis zum Mont Ventoux. Am Horizont erkennt man deutlich Rousillon mit seinen Ockerfelsen und auch den Colorado de Rustrel.

 
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RE: „Le Soleil de Provence“ – mal wieder...

#7 von sunshine , 28.12.2011 13:48

Eine weitere Tour führt uns nach Bonnieux und Lourmarin durch die Schlucht von Lourmarin, die den großen Luberon vom kleinen Luberon trennt. Eine eindrucksvolle Landschaft!
In Lourmarin setzen wir uns in einem der hübschen Gässchen auf eine Treppenstufe und schlecken ein Eis. Das Schloss bewundern wir nur aus der Ferne.
Zurück fahren wir durch das wildromantische Boux-Tal.

Ein anderer Ausflug führt uns nach Saignon, das wie ein Adlerhorst auf einem Felsvorsprung hoch über Apt thront. Ein malerisches Gässchen führt über einen kleinen Platz mit moosbewachsenem Brunnen und altem Waschhaus zum „Rocher Bellevue“. Von dort oben hat man einen phantastischen Rundblick über den Grand Luberon und das Plateau Vaucluse bis zum Mont Ventoux.

 
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#8 von sunshine , 28.12.2011 13:52

Am Donnerstagabend wollen wir Essen gehen.
Unser Campingplatz liegt direkt neben einem Gehöft, wo Lavendelpflanzen gezogen werden und man kommt auf dem Weg nach St-Martin-de-Castillon an ein paar Häusern vorbei, wo in einem davon jeweils Donnerstag, Freitag und Samstag nach Voranmeldung ein Provencalisches Menü angeboten wird. Auf einer Tafel am Straßenrand kann man lesen, was es jeweils gibt. Madeleine vom Campingplatz meldet uns telefonisch an und so spazieren wir zwanzig vor acht los.
„La Soupe au Pistou“ steht auf dem Speiseplan, die provencalische Gemüsesuppe. In einem winzigen Gärtchen stehen drei liebe- und geschmackvoll gedeckte Zweiertische. Etwas entfernt davon flackert das „feu de bois“ und darauf steht eine große Le Creuset Casserolle, wo die Soupe au Pistou gerade aufgesetzt wurde. Madame und Monsieur begrüßen mit Handschlag ihre Gäste, um die sie sich den ganzen Abend rührend kümmern werden. Zuerst bekommen wir einen Aperitif serviert, gut gekühlter Weißwein, aromatisiert mit „Basilic et Miel“ – sehr lecker! Wasserflaschen und Baguette-Stangen (im Holzofen gebacken – man schmeckt es!) werden auf den Tischen verteilt und die Kerzen entzündet. Dann wird die Vorspeise serviert, Auberginen-Beignets, in Teig getauchte, knusprig frittierte, mit kleinblättrigem Basilikum gewürzte Auberginenscheiben. Mmh, lecker! Anschließend verspeisen wir die ausgezeichnete Soupe de Pistou. Sie verarbeiten nur Bio-Produkte, erklärt uns Monsieur – selbst der Wein ist aus biologischem Anbau. Wir trinken einen gekühlten Weißen und schauen dem jungen Hahn zu, der um die Tische herumspaziert und auf den Namen Roby hört und deshalb vermutlich nicht im Kochtopf landen wird.
Nach der Soupe wird Käse und grüner Salat serviert und als Dessert eine Creme mit frischen Pfirsichen, die wir gerade noch schaffen.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Madame und Monsieur, loben das Essen, die familiäre Atmosphäre und das stimmungsvolle Ambiente, bevor wir unseren Heimweg unter dem unglaublichen Sternenhimmel antreten.

 
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RE: „Le Soleil de Provence“ – mal wieder...

#9 von sunshine , 28.12.2011 13:58

Freitag, 26. August
Morgens weckt uns das Heulen des Mistral. Aber warm ist es trotzdem. Wir packen zusammen und verabschieden uns von unseren netten holländischen Nachbarn, mit denen wir am Vorabend bei Tapas auf der Campingplatzterrasse zusammengesessen haben und mit denen wir uns (auf Englisch) hauptsächlich über Irische Musik unterhalten haben.

Unser nächstes Etappen- Ziel ist Vaison-la-Romaine, das wir nur von der Durchfahrt her kennen.
Zuerst schauen wir uns den städtischen Platz am römischen Theater an. Er sagt uns nicht so zu, alles ziemlich eng und vollgestopft. Der nächste Platz, der „Carpe Diem“ auch nicht. Er liegt recht nah an der Durchfahrtsstraße und man sieht viele Mobilhomes. Also fahren wir weiter Richtung Nyons und biegen in Richtung Saint Romain en Viennois ab, wo wir uns auf dem „Le Soleil de Provence“ niederlassen. Hier hat man einen weiten Blick bis zum Mont Ventoux und das lieben wir beide. Als alles steht und das Sonnensegel wegen des heftigen Mistral mit Sturmband verzurrt ist, nehme ich den Platzplan zur Hand. Wir stehen auf Platz 22, als frei sind aber die Plätze 23 und 24 angekreuzt. Wolfgang hat sich um einen Platz vertan. Er geht zur Rezeption, um zu fragen, ob das ein Problem sei. Das ist es in der der Tat – die 22 ist ab Samstag reserviert. Tja, nun müssen wir alles um einen Platz versetzen – so kann man sich auch den Nachmittag vertreiben.

Der Himmel zieht sich immer mehr zu, aber es ist trotz des Mistral noch drückend heiß. Ein Gewitter ist angekündigt.
Als schließlich alles an der richtigen Stelle steht, fahren wir nach Vaison-la-Romaine, bummeln dort ein wenig durch die Fußgängerzone bis zur römischen Brücke, essen ein Eis und machen anschließend im „Le Mosquetaire“ den Wochenendeinkauf.
Gerade als wir am Campingplatz ankommen, fallen die ersten Tropfen.
Das angekündigte Gewitter bringt ordentliche Regenmassen mit sich, die der heftige Mistral über den Platz peitscht. Innerhalb kürzester Zeit sinkt die Temperatur um 20 Grad, 16 Grad ist es noch warm - am Nachmittag waren es noch 36 Grad. Wir kochen und essen im Wohnwagen, das erste Mal in diesem Urlaub.

Samstag, 27. August
Wir rücken den Frühstückstisch in die Sonne – auch zum ersten Mal in diesem Urlaub.
Das nächtliche Gewitter und der Mistral haben eine klare Luft hinterlassen, der Blick auf die Berge ist hinreißend und der weiße Gipfel des Mont Ventoux scheint zum Greifen nah.

Nach dem Frühstück fahren wir nach Le Barroux.
Der Ort mit seiner Burg war uns auf der Fahrt aufgefallen. Der Samstagsmarkt besteht aus lediglich vier Ständen und so steigen wir hoch zum Chateaux aus dem 12. Jahrhundert – ohne Schweißausbrüche diesmal, denn es ist gerade mal 23 Grad warm. Der Blick von oben ist bei diesem klaren Licht traumhaft schön.

Unser nächster Besuch gilt Malaucène.
Hier herrscht im Schatten der riesigen Platanen fast Dämmerung, bestimmt sehr angenehm an ganz heißen Tagen. Eindrucksvoll ist die Wehrkirche, die einst Teil der Stadtbefestigung war.

 
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RE: „Le Soleil de Provence“ – mal wieder...

#10 von sunshine , 28.12.2011 14:03

Nach einem kleinen Abstecher ins Toulourenc-Tal besuchen wir noch die Cite Medieval in Vaison-la-Romaine.
Wir parken unten an der Ouvèze und überqueren den Fluss auf der Pont Romain.
Die 2000 Jahre alte Brücke, die den Fluss in einem Bogen überspannt, hielt 1992 einem Hochwasser stand, das 150 Häuser zerstörte und 37 Menschenleben kostete.

Durch das Stadttor mit Turm und typisch provenzalischem Glockenkäfig gelangt man in den mittelalterlichen Teil der Stadt.
Schön, dass man hier keine Zugeständnisse an die Touristen gemacht hat – außer einigen wenigen Lokalen und kleinen Kunstgewerbegeschäften gibt es hier nur altes Gemäuer, schmale Gässchen, Torbögen, kunstvolle Portale und verschwiegene kleine Plätze mit alten Brunnen – hinreißende Fotomotive in Hülle und Fülle!
Und immer wieder schöne Ausblicke über das Land. Es sind kaum Menschen unterwegs. Erstaunlich ist, dass man direkt spürt, dass dies kein Museum ist, sondern dass hier gelebt wird.

Abends wird es recht frisch und ich krame zum ersten Mal Fleece-Jacke und Socken aus dem Schrank.

 
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RE: „Le Soleil de Provence“ – mal wieder...

#11 von sunshine , 28.12.2011 14:08

Sonntag, 28. August
Wieder ein Morgen mit Frühstück in der Sonne. Aber es ist wärmer als gestern.

Heute wollen wir die kleine Rundtour machen, die unser Michelin Reiseführer Provence vorschlägt: 60 Kilometer durch die Weingebiete mit einem Abstecher zu den „Dentelles de Montmirail“.

Unseren ersten Stopp machen wir in Seguret – der Rotwein zum gestrigen Abendessen stammte da her. Der Ort liegt hübsch auf einer Anhöhe und enge gepflasterte Gässchen führen durch die sonntäglich ruhige Altstadt. „Eine fast unerträgliche Idylle“, bemerkt mein Mann. Wir spazieren hoch zur Kirche St. Denis aus dem 12. Jahrhundert und genießen den Rundblick.
Anschließend suchen wir den „Marche des Arts et Artisants“, der heute stattfinden soll. Auf einem platanenbestandenen Platz vor dem Stadttor finden wir ihn schließlich, diesen wunderschönen Markt mit Aquarellen, Skulpturen, Töpferwaren, Schmuck und aus provenzalischen Stoffen gefertigten Textilien.

 
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RE: „Le Soleil de Provence“ – mal wieder...

#12 von sunshine , 28.12.2011 14:13

Unser nächster Stopp ist in Gigondas, nicht ganz so hübsch wie Seguret, aber durchaus malerisch und dafür mit dem berühmteren Namen beim Wein. Wir erstehen ein Gebinde mit Rosé und fahren dann weiter in Richtung Col du Cayron im Herzen der Dentelles.

Und da habe ich noch ein Hühnchen zu rupfen mit den Leuten vom Michelin Reiseführer. „… über Les Florets (Hütte des Club Alpin Francais) zum Cayron Pass fahren und hier parken…“ steht da so lapidar.
Mit keinem Wort wird erwähnt, dass sich die Betonpiste nach 200 Metern in eine unbefestigte Schotterpiste mit tiefen Längs- und Querrillen und ausgewaschenen Felsen verwandelt. Mein Mann ist mal wieder in seinem Element und ich bekomme Schweißausbrüche, wenn ein Fahrzeug entgegenkommt. Als wir endlich oben am Col sind, bin ich nassgeschwitzt. Und ich schwitze gleich noch mehr, als wir den steilen Pfad zu den Dentelles hochsteigen. Oben weht ein kühler Wind, der mich frösteln lässt, aber die Aussicht ist dafür traumhaft. Eine Weile schauen wir den Kletterern zu, die diese steilen Felszacken besteigen, bevor wir uns wieder an den Abstieg machen. Oben ist es eine ziemliche Kletterei und ich hätte lieber meine Wanderstiefel anstatt der Trekkingsandalen angehabt.
Wir fahren wieder bergab auf der Schotterpiste und dann in Richtung Vacqueyras.

Kurz vor Baumes-de-Venise machen wir noch einen Abstecher zur zur romanischen Kapelle Notre-Dame-d’Aubune mit ihrem hübschen quadratischen Glockenturm. Leider ist die Tür verschlossen – schade!

Über Baumes-de-Venise und Crestet geht es wieder nach Vaison-la-Romaine.
Von Baumes-de-Venise führt die D 90 über den Cirque de St. Armand – eine traumhaft schöne Strecke mit herrlichen Ausblicken. Viele Motorradfahrer und Mountainbiker finden das wohl auch. Und ich muss vom Beifahrersitz aus die Straße im Auge behalten, weil mein Mann nur am Gucken ist.

In Vaison essen wir noch ein Eis, es gibt dort in der Fußgängerzone zwei tolle Eisdielen, fast direkt nebeneinander und beide machen sehr leckeres Eis.
Die Temperaturen lagen heute zwischen 26 und 28 Grad – sehr angenehm für solche Unternehmungen.
Seguret war eindeutig der hübscheste der Orte, die wir heute besucht haben.

 
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RE: „Le Soleil de Provence“ – mal wieder...

#13 von sunshine , 28.12.2011 14:20

Heimreise über das Jura

Montag, 29. August
Nach dem Frühstück in der Sonne packen wir und verlassen gegen halb zehn den „ Le Soleil de Provence“.
Wir bezahlen 31 € für die Nacht, der teuerste Platz bisher. Das ist er nicht wert, finden wir. Es ist zwar alles sehr gepflegt, auch die Sanis, aber aus den Duschen kommt das Wasser in einem scharfen Strahl und man kann die Temperatur nicht regulieren, so dass es entweder zu kühl oder zu heiß ist. Schön ist aber der Pool mit Extrabecken mit Riesenrutschbahn für die Kinder.

Wir haben beschlossen, uns gemütlich mit Zwischenstopps über die Landstraßen auf den Heimweg zu machen.
Über Nyons verlassen wir die Provence und fahren auf der holprigen D9 durch eine Ecke der „Drome Provencal“. Ein hübscher Landstrich, den zu erkunden sich sicher mal lohnt. Lavendel, Wein und Oliven werden hier angebaut und nette Dörfer mit mittelalterlicher Stadtbefestigung liegen am Weg. Nach einiger Zeit weicht die mediterrane Vegetation einer hügeligen Waldlandschaft.

Auf der N 7 fahren wir vorbei an Valence und Vienne in Richtung Lyon und lassen den Süden hinter uns. Eine ganze Weile geht es an der Rhone entlang und in Lyon wechseln wir in Richtung Bourg-en-Bresse. Hier in der Nähe wollen wir Station machen. Die Gorges de l’Ain steuern wir an. Über Pont d’Ain gelangen wir in die Gorges. Wir streifen drei Campingplätze, die uns alle nicht so zusagen. Den ersten ignoriern wir gleich, weil im „Guide official“ steht, dass der Eintritt zum Flussufer kostenpflichtig sei. Der zweite liegt hübsch am Fluss, leider führt aber direkt über den Platz eine hohe Autobahnbrücke über das Tal. Der dritte liegt am Stausee Serre de l’Ain, aber nicht am Wasser, sondern im Wald dahinter.

Also fahren wir noch ein Stück weiter über den Col du Berthiand nach Matafelon-Granges und folgen dort einem Campingplatzschild. Der „Gorge de Oignin“ liegt direkt am Ufer der Oignin mit weitem Blick über den Fluss und die Hügel. Hier bleiben wir gerne und bekommen sogar ganz vorne einen hübschen Platz. Ein Zaun trennt die Uferwiesen vom Campingplatz. Wir genießen den schönen Blick, beide lieben wir Frankreichs Flusslandschaften.
In Thoirette – 3 Kilometer entfernt, aber steil bergab – kaufen wir im kleinen Supermarkt für das Abendessen ein.
Bis um sieben hat unser Platz Abendsonne, dann verschwindet sie hinter den Bergen und Fleecejacke und Stricksocken sind angebracht.

Dienstag, 30. August
Bereits um acht scheint die Morgensonne auf unseren Platz.
Der Campingplatz ist sehr angenehm mit freundlichem Personal und alles ist liebevoll angelegt und gepflegt. Es gibt einen netten Spielplatz, einen überdachten Platz mit Tischtennisplatte und einen Pool oben bei der Rezeption. Brot gibt es nach Vorbestellung. Die Sanis sind modern und gepflegt mit ordentlichen Duschköpfen und es gibt sogar Toilettenpapier auf den Klos, was für Frankreich eher ein Novum ist. Die Uferwiese dient als Kinder- und Hundespielplatz und Jogger-Revier.

Es wird ein schöner Tag, wolkenlos und 25 Grad warm.
Am Nachmittag fahren wir nach Bourg-en-Bresse.
Unzählige Male sind wir an dieser Stadt schon vorbeigefahren, angehalten haben wir noch nie. Überraschenderweise finden wir im Herzen der Stadt sofort einen Parkplatz, direkt an der Eglise Notre Dame. Eindrucksvoll ist das Renaissance-Hauptportal und im Inneren die bunten Glasfenster und die mit Schnitzereien geschmückte Kanzel.
Direkt vor der Kirche fahren die Autos vorbei und nur wenige Gassen sind für den Verkehr gesperrt. In dieser Stadt ist nichts touristisch ausgerichtet, französisches Alltagsleben dominiert. Am Place Carriat mit dem großen modernen Brunnen verbringen die Berufstätigen ihre Mittagspause und verspeisen in einem der gutgefüllten Cafés ihr Mittagessen. Einige mittelalterliche Fachwerkhäuser und das Jakobinertor ziehen die Blicke auf sich. Im entfernten Stadtteil Brou liegt die Hauptsehenswürdigkeit der Stadt, die Klosteranlage von Brou aus dem 16. Jahrhundert. Wir verzichten auf eine Besichtigung – unsere Sehnsucht nach alten Gemäuern haben wir bereits in der Provence gestillt – und fahren stattdessen an der Ain entlang zurück in Richtung Matafelon-Granges.

Wir biegen aber nicht ab sondern fahren weiter in Richtung Oyonnax zum großen Supermarkt. Die Landschaft erinnert hier an das Allgäu oder den Schwarzwald. In Oyonnax gibt es viel Industrie – „Plastics Valley“ wird der Ort genannt, weil hier eins der bedeutendsten Zentren der Kunststoffindustrie angesiedelt ist, entstanden aus der Herstellung von Holzkämmen.

Nach dem Einkauf genießen wir noch ein bisschen die Abendsonne auf dem Platz und Wolfgang brutzelt eine leckere Spaghettisoße mit Rinderhack, Karotten und Staudensellerie.
Der Abend ist nicht ganz so kühl wie der vorherige. Für Mittwoch ist noch schönes Wetter vorhergesagt, ab Donnerstag dominieren Gewitter die Region. So beschließen wir, am Donnerstag nach Hause zu fahren.

 
sunshine
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RE: „Le Soleil de Provence“ – mal wieder...

#14 von sunshine , 28.12.2011 14:43

Mittwoch, 31. August
Es ist wärmer als am Vortag mit vereinzelten Schleierwolken.

Nach dem Frühstück kriecht Wolfgang unter den Wohnwagen. Auf der Herfahrt hatte er eine Schwelle übersehen (ich wohl auch) und das Gespann hat einen heftigen Satz gemacht. Bei der Ankunft hier waren sämtliche Klamotten aus den Staukästen gepurzelt, weil die Klappen aufgingen. In allen Schränken herrschte großes Durcheinander, bis auf zwei gebrochene Plastikkleiderbügel ist aber erstaunlicherweise nichts kaputt gegangen.
Aber der Wohnwagen hat einen heftigen Schlag bekommen und vorne ist die Befestigung der Stützen lose und das Blech etwas verbogen. Da kann endlich mal wieder die große Werkzeugkiste zum Einsatz kommen.
Fast drei Stunden werkelt mein Mann am Wohnwagen herum, während ich mir die Zeit mit Lesen und Gitarre spielen vertreibe.
Es ist ein warmer, sonniger Tag geworden und erst gegen Abend fahren wir nach Thoirette, um etwas zum Grillen zu besorgen. Die Charcuterie hat leckere Waren und im Supermarkt besorgen wir noch etwas Gemüse und Salat.
Thoirette würde sich für Womo-Camper anbieten, da man sich hier (im Gegensatz zu Matafelon) vollständig verpflegen kann.
Der örtliche Municipal mit 60 Plätzen liegt hübsch am Ufer der Ain – mit dem Nachteil, dass durch die steile Felswand am gegenüberliegenden Ufer der Campingplatz erst spät Morgensonne bekommt.
Direkt neben dem Supermarkt gibt es einen Womo-Stellplatz – 6 € kostet dort die Übernachtung. Als wir einkauften, stand ein einsames Womo drauf.

Ein letzter lauer Urlaubsabend (ohne Fleecejacke und Wollsocken) folgt und das angekündigte Gewitter kommt erst nach Mitternacht, als wir bereits im Bett liegen.

Donnerstag, 1. September
Nebelschwaden wabern noch über den Fluss, als sich die Sonne durch die Wolken kämpft und pünktlich zum Frühstück auf den Campingtisch scheint.
Gegen zehn Uhr verlassen wir unseren netten Platz und bezahlen 20 € (wie immer mit Strom). Dieser Platz war wirklich jeden Cent wert, er hat uns sehr gefallen.

Kurz nach Oyonnax kommen wir wieder auf die von der Herfahrt bekannte Strecke und hier schließt sich der Kreis: Nantua, unsere erste Station liegt nur 20 Kilometer entfernt.
Das Wasser der Ain speist den „Lac du Nantua“ und auch den „Lac de Vouglans“.
Es wird eine ruhige und gemächliche Heimfahrt über Frankreichs Landstraßen, die nur 450 Kilometer umfasst.
Diesmal glitzert aber das türkisfarbene Wasser des „Lac de Vouglans“ im Sonnenlicht.
Im Jura hat die Weinlese bereits begonnen.

Gegen 16 Uhr kommen wir in der Heimat an.

 
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RE: „Le Soleil de Provence“ – mal wieder...

#15 von sunshine , 28.12.2011 14:52

Schön war es wieder einmal in Frankreichs Süden.
Unzählige Male waren wir schon dort und immer wieder gibt es Unbekanntes zu entdecken.
So eindrucksvolle, abwechslungsreiche Landschaften und so viel altes Gemäuer findet man nur in Frankreich.
Genau deshalb lieben wir es so.

 
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RE: „Le Soleil de Provence“ – mal wieder...

#16 von sebbarca , 28.12.2011 15:41

Achchchchchchch Sunshine, ..........!

Hier scheint mir die Sonne ins Zimmer und doch, wenn ich das lese ........ würde ich doch am liebsten aufbrechen. Ihr seid im schönsten Teil Frankreichs rumgezogen, wie schön für Euch. Und danke auch für die schönen Bilder die diesen eigentlich einfachen Landstrich ins rechte Bild setzen: einfach schön!!!!!

Hasta luego!
Klaus

 
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RE: „Le Soleil de Provence“ – mal wieder...

#17 von Kast , 28.12.2011 15:41

Hallo Iris,
danke für den schönen, stimmungsvollen Reisebericht mit den herrlichen Bildern, der in mir ein reales Urlaubsgefühl aufkommen lies. Besonders auf den schmalen, steilen Straßen habe ich mit gelitten.
Das Frankreich-Fernweh verstärkt sich mit jedem Reisebericht.

 
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RE: „Le Soleil de Provence“ – mal wieder...

#18 von daf43 , 28.12.2011 16:06

Hallo Iris,
mein Herz ist mitgereist. Übrigens ist in Vaison-la-Romaine der CP Theatre Romain "unser" Platz (gleich neben dem Theater), weil man von dort schnell zu Fuß in der Ortsmitte ist. Und die Orte am Fuß der Dentelles de M. sind meine Lieblingsorte für Wein (außer Gigondas, deren Roter ist mir zu heftig (zu heftig im Geschmack und im Preis )).
Die Ecke um Greoux/Valensole haben wir noch nicht ganz abgeklappert, den Rest schon.

Wir dürfen erst wieder im September in den Süden (Cote d´'Azur), wir sind schließlich "frei".

 
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RE: „Le Soleil de Provence“ – mal wieder...

#19 von donalfredo , 28.12.2011 18:03

Klasse Reisebericht, liebe Iris,

ich werde die Stationen in meinem Reisetagebuch notieren.
Macht Appetit auf "la vie en France" - wir sollten mal wieder dringend hin (dieses Jahr nur vier mal) ...

 
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RE: „Le Soleil de Provence“ – mal wieder...

#20 von Campino ( gelöscht ) , 28.12.2011 22:24

Was tut das gut, im ungemütlich kühlen Grau unseres Noch-nicht-Winters den ganzen Duft, die Wärme und den Zauber dieser unvergleichlichen Landschaft so anschaulich wieder vor Augen geführt zu bekommen! Und Ihr habt auch die 'Sonne der Provence' gerade über den Teilen dieser großartigen Region uns scheinen lassen, die - wie die herrlichen Bilder zeigen - weniger die sonnen- und lavendeldufthungrigen Touris so in Scharen meistens anziehen. Ich habe beim Lesen, Betrachten, Erinnern zusammen mit meiner Frau und einer Flasche dunkelrotem Vacqueras diesen wundervollen Landstrich in vollen Zügen genossen - dafür herzlichen Dank!
Campino

Campino

RE: „Le Soleil de Provence“ – mal wieder...

#21 von Gelöschtes Mitglied , 29.12.2011 00:15

schööööööööööön


RE: „Le Soleil de Provence“ – mal wieder...

#22 von Susanne , 29.12.2011 09:54

hallo iris,

ach schöööön, ich hab mir einige eurer stationen aufgeschrieben, wir werden wohl im juni 12 in der richtung unterwegs sein, vielleicht sehen wir das ein oder andere dann auch. danke fürs mitnehmen auf eure vergangene sommerreise.

 
Susanne
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RE: „Le Soleil de Provence“ – mal wieder...

#23 von sunshine , 29.12.2011 11:32

Danke für eure netten Kommentare!
Es hat mir selbst Spaß gemacht, in der trüben Winterzeit den Sommerurlaub beim Tippen und Bilderauswählen nochmal Revue passieren zu lassen.
In Gigondas habe ich natürlich an DICH gedacht, Campino - irgendwie bringe ich den Ort immer mit dir in Verbindung...
Dieter, außerhalb der Saison ist es bestimmt auf dem Theatre Romain in Vaison-la-Romain ganz nett, aber wir müssen ja leider immer in den Schulferien reisen und bevorzugen deshalb die etwas abgelegeneren Plätze, weil die meist nicht so voll sind.

 
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RE: „Le Soleil de Provence“ – mal wieder...

#24 von Rolf ( gelöscht ) , 29.12.2011 12:44

Hallo Iris!

Danke fürs Mitnehmen auf eure Reise in die geliebte Provence! Toller Bericht mit schönen Bildern!

Bislang bin ich jedoch nur dazu gekommen, alles zu überfliegen. Ausführlich werde ich mich im neuen Jahr mit deinem Bericht beschäftigen. Einiges kennen wir, anderes sollten wir dringend kennenlernen!

Gruß
Rolf

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RE: „Le Soleil de Provence“ – mal wieder...

#25 von daf43 , 29.12.2011 15:24

Zitat von sunshine

.....Dieter, außerhalb der Saison ist es bestimmt auf dem Theatre Romain in Vaison-la-Romain ganz nett, aber wir müssen ja leider immer in den Schulferien reisen und bevorzugen deshalb die etwas abgelegeneren Plätze, weil die meist nicht so voll sind.



Ja, selbst als wir am 27. Sept. dort angekommen sind, waren nur ganz wenige Plätze frei. Aber danach leerte sich der Platz täglich mehr.

 
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