RE: Zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik

#1 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 19:42

Westfalen halten gern am Überkommenen, Vertrauten fest; so treffen auch wir - meine Frau und ich - uns nun schon seit einigen Jahren mit unseren Freunden in schöner Regelmäßigkeit zum gemeinsamen Camping-Saisonausklang an Frankreichs baskischer Atlantikküste.
Nach dem Motto ‚der Weg ist das Ziel’ nutzen wir die Fahrt quer durch dieses großartige Land dabei möglichst zu einer immer anderen Entdeckerroute durch uns noch nicht so sehr vertrauten Regionen. So reizten uns diesmal die Zeugnisse mittelalterlicher, vornehmlich kirchlicher Baukunst und Skulptur in den Landschaften zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik, also im Quercy, der Gascogne, dem Béarn und dem Baskenland.

Ein pünktlicher Start am Samstagmorgen (3.9.) belohnte uns mit problemloser Fahrt, so daß wir schon am späten Nachmittag nach distanzschaffenden 700-Autobahn-km unseren vertrauten Übernachtungsplatz
„Camping du Lac Kir“
3 Boulevard du Canoine Kir
2100 Dijon

erreicht hatten.

Am nächsten Morgen dann weiter – am Puls des Volkes – nur noch 500 km National (N)- und Departements (D)- Straßen: Auton – Moulins – Montluçon – Guéret – Limoges durch das Burgund und das Limousin bis nach Perigueux.
Hier, am Rande der Stadt, wo einst einmal eine Wassermühle mit Ausflugslokal stand, sollte nun der
„Camping De Barnabé“
80 Rue des Bains
24750 Boulazag,

unsere erste Bleibe sein, ideal gelegen für die Besuche in der Stadt; auch die Gegebenheiten unmittelbar vor Ort – einst ein Fin-de-Siècle-Gartenlokal – sowie die Möglichkeit, am Flussufer entlang zufuß bequem bis in die Innenstadt gehen zu können, ausgesprochen positiv.[[File:img_0455.jpg|none|auto]][[File:img_0490.jpg|none|auto]]

Gleich am nächsten Morgen lockten durch das Ufergebüsch die weiß leuchtenden laternengeschmückten Kuppeln der berühmten Kathedrale St. Front zu einem 1. Stadtbesuch.[[File:img_0457.jpg|none|auto]]

Campino

RE: Zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik

#2 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 19:51

Bevor wir auf der anderen Flußseite zur Kathedrale aufstiegen, noch vorbei an diesem Hingucker, ein auf einem letzten Stadtmauerrest balancierendes altes Fachwerkhäuschen.[[File:img_0462.jpg|none|auto]][[File:img_0463.jpg|none|auto]][[File:img_0487.jpg|none|auto]]

St. Front, mit ihren mächtigen Kuppeln größte Kirche dieser Art in Frankreich, erhebt sich auf einem kreuzförmigen Grundriß zu diesem von 5 Kuppeln und 13 Laternen reich gestaffelten Baukörper; der östliche Arm, durch einen halbrunden Chor erweitert, schmückt sich im Innern mit einem eindrucksvollen barocken Marienaltar.[[File:img_0468.jpg|none|auto]]

Vom gotischen Kreuzgang auf der Südseite ein Blick auf den kompakten südlichen
Kreuzkuppelarm.[[File:img_0469.jpg|none|auto]]

Campino

RE: Zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik

#3 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 19:59

Immer wieder lädt die elegante, sehr attraktive Stadt mit ihren feinen Geschäften und den zahlreichen Pausiermöglichkeiten im Freien zu ausgedehntem Stadtbummel ein. Ganz in der Nähe von St. Front stoßen wir auf ein letztes Relikt der ehemaligen Stadtbefestigung: La Tour Mataguerre.[[File:img_0477.jpg|none|auto]]

Von hier führt die Rue de la Cité geradewegs in das gallo-romanische Viertel der Stadt. Zunächst jedoch treffen wir noch auf einen weiteren sehr ins Auge fallenden Kuppelkirchenbau, die ehemalige Kathedrale St. Etienne-de-la-Cité aus dem Ende des 11. Jahrhunderts, heutzutage nur noch als 2-jochige Restkirche erhalten.[[File:img_0478.jpg|none|auto]]

Erst ein Blick im Innern lässt erkennen, daß die gewaltige Kuppelkonstruktion ausschließlich von den mächtigen Eckpfeilern getragen wird; die sehr leichten, mit schlanken romanischen Rundbögen gegliederten Füllwände haben dabei kaum tragende Funktion.

Blickt man vom Kirchplatz nach Süden, so kann man u.U. aus dem Grün eines nahen Parks die Überreste eines zerborstenen Rundturmes aufragen sehen:[[File:img_0471.jpg|none|auto]][[File:img_0472.jpg|none|auto]]
frühes Zeugnis noch aus der Entstehungszeit der einstigen römischen Kolonialstadt Vesuna hier auf gallischem Boden; wie überall beim Ausbau ihres Weltreichs legten die römischen Kolonisatoren auch in einem neuen Land Wert auf Pflege ihrer Kultur: Tempel, Thermen, Theater, Amphitheater... Dieser Turm stellt die Cella eines Vesuna-Tempels, eines Rundtempels dar, dem wahrscheinlich eine Säulenhalle noch vorgelagert war, vergleichbar dem Pantheon in Rom. Im benachbarten Musée Gallo-Romain, von dem Star-Architekten Jean Nouvel gebaut, findet man vieles über dies antike Vesuna.

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RE: Zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik

#4 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 20:11

Rechts von der Kirche St. Etienne entdecken wir bald die massigen Ruinen des einstigen Römischen Amphitheaters.[[File:img_0482.jpg|none|auto]][[File:img_0483.jpg|none|auto]][[File:img_0485.jpg|none|auto]]

In jüngerer Zeit ist die innere Arena umgestaltet worden zu einem herrlichen Park mitten in der Stadt, u.a. auch mit solchen lieblichen Wasserspielen.[[File:img_0484.jpg|none|auto]]

Wir fühlen uns in der Stadt wie auch auf dem Campingplatz sehr wohl, darum werden wir von hier aus die nächsten Besuchspunkte auch des etwas weiteren Umlandes ansteuern.

Campino

RE: Zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik

#5 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 20:18

Als erstes steht die Zisterzienserabtei Cadouin auf dem Programm, über die D 710 jenseits der Dordogne bequem zu erreichen.[[File:img_0491.jpg|none|auto]][[File:img_0492.jpg|none|auto]][[File:img_0493.jpg|none|auto]][[File:img_0494.jpg|none|auto]][[File:img_0495.jpg|none|auto]]

Campino

RE: Zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik

#6 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 20:26

Die 1154 fertiggestellte recht wuchtig wirkende romanische Hallenkirche zeigt in der Fassade als einzige Gliederung 2 seitliche Scheinportale und oben eine abschließende Reihe Blendarkaden. Ungewöhnlicher Schmuck für Zisterzienserkirchen im Innern: eine Mutter-Gottes–Statue am Vierungspfeiler sowie die bemalte Deckenkuppel des Chores und die dortigen farbigen Glasfenster widersprechen doch der allem Ablenkenden sonst so abholden strengen Ordensregel. Von außen fällt sonst der schindelgedeckte, doppelt pyramidenförmige Glockenturm über der Vierung gleich ins Auge.
Die eigentliche ästhetische Delikatesse ist jedoch der ab der 2. Hälfte des 15. Jh bis ins 16. Jh. erneuerte spätgotische Kreuzgang, siegte hier doch die Freude an der schönen Form über die rigide Vorherrschaft zisterziensischer Askese.
800 Jahre lang (von 1117 bis 1935) war Cadouin ein viel besuchter Wallfahrtsort, denn ein in den Besitz der Abtei gelangtes Leintuch wurde als Leichentuch Christi weitum
verehrt; inzwischen aber ist dessen Echtheit widerlegt.[[File:img_0496.jpg|none|auto]][[File:img_0497.jpg|none|auto]][[File:img_0498.jpg|none|auto]][[File:img_0499.jpg|none|auto]]

Campino

RE: Zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik

#7 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 20:33

11 km weiter südwestlich der kleine Ort Bastide Beaumont, eine der mehreren hundert in der Zeit der Auseinandersetzungen zwischen England und Frankreich (~1200 – 1370) errichteten Wehrdörfer/-städte, meist auf einer Geländeerhebung oder Kuppe, fast immer mit einem rechteckigen Marktplatz als zentralem Ort des öffentlichen gemeinschaftlichen Lebens. Bei unserem Besuch wurden wohl gerade örtliche Feierlichkeiten vorbereitet; die dem Nationalheiligen geweihte Kirche ‚S.Front’ fällt durch ihre 4 Wehrtürme – 2 an der Fassade, 2 beiderseits des Chores – also durch eine einst auch militärische Bestimmung auf.[[File:img_0513.jpg|none|auto]][[File:img_0514.jpg|none|auto]]

16 km auf der D 25 südöstlich eine weitere Bastide mit bewegter Geschichte, Monpazier. Auch hier gleichfalls der abgeschlossene Dorfplatz mit dem rechteckigen Zentrum und einer wunderschönen, freistehenden mittelalterlichen Markthalle, eingerahmt von kleinen Bürgerhäusern mit offenen Arkaden im Untergeschoss.[[File:img_0502.jpg|none|auto]][[File:img_0503.jpg|none|auto]][[File:img_0505.jpg|none|auto]]

Campino

RE: Zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik

#8 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 20:40

Eigentlich wollten wir anschließend im 5 km entfernten Biron das Château de Biron, eine der ältesten Schlossanlagen des Perigord mit einer stolzen Familiengeschichte und einer jahrhundertelangen Baugeschichte aufnehmen. Doch vor den mächtigen Schlossmauern erwartete uns eine andere phantastische Überraschung: Ein Kunstwerk im öffentlichen Raum des von mir sehr geschätzten deutschen Künstlers Jochen Gerz ‚Le Monument Vivant’/Das Lebende Monument.[[File:img_0506.jpg|none|auto]][[File:img_0507.jpg|none|auto]][[File:img_0508.jpg|none|auto]][[File:img_0509.jpg|none|auto]][[File:img_0510.jpg|none|auto]]

Gerz, Anfang 1990 mit einem Lehrauftrag an der Kunsthochschule von Bordeaux tätig, erhielt vom französischen Kultusminister die Aufgabe, ein Konzept für ein zu erneuerndes Kriegerdenkmal beider Weltkriege hier in Biron zu entwickeln - einem Gebiet, das sehr unter deutschen Greueln gelitten hatte.
Gerz’ Konzeption: die anfangs 134 Einwohner - anonym befragt - möchten sich zu dieser Thematik ‚Krieg’, auch im weiteren Sinne zum Wert, zum Preis des Lebens , des Miteinanders in einem Gemeinwesen, zu Idealen wie Freiheit und Heimatliebe... äußern, sie konnten aber auch ihren Erinnerungen an Vergangenes während zweier Weltkriege eine Stimme geben.
Die Antworten, auf Emailletafeln gedruckt und am Obelisken bzw. auf der Boden-/Sockelplatte angebracht und bis heute ständig fortgesetzt, wurden erstmals am Nationalfeiertag 1996 als ‚Work in Progress/ Monument Vivant’ der Öffentlichkeit übergeben.
(Ende Teil 1)

Campino

RE: Zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik

#9 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 22:03

Nach diesen erlebnisreichen Tagen treibt es uns wieder ein Stückchen weiter: über die N 21 gerade mal 200 km bis in die historische Hauptstadt der Gascogne, nach Auch.

Hier finden wir ebenfalls mitten in der Stadt auf einer Insel im Flüsschen Gers den städtischen
„Camping Ile-Saint-Martin“,
Rue du Général de Gaule,
Parc des Sports, RN 21
32000 Auch
[[File:img_0578.jpg|none|auto]]

Auf einem mustergültig angelegten Uferpromenadenweg gelangt man zu Fuß ins Stadtzentrum, u.a. zur ‚Kathedrale Sainte Marie’.[[File:img_0541.jpg|none|auto]]

Sie ist eine der letzten großen Kathedralen Frankreichs, an der Wende von der Gotik zur Renaissance gebaut (1489 – 1680).
Im Innern bilden ein besonderes Glanzlicht die 11 farbigen Glasfenster der Kapellen des Chorbereichs (den ein kaum vorspringendes Querschiff zur einen Hälfte des Kirchenschiffs abteilt). Sie sind thematisch gestaltet, beispielsweise Kapelle 1 zur Genesis und zum Sündenfall .[[File:img_0547.jpg|none|auto]]

Nur eine Kapelle im großen Rund ist dunkel, ihr Fenster zugemauert – in Kapelle 7, zum Thema Grablegung, steht statt der leuchtenden Bleiverglasung - vielleicht sogar angemessener - nischenfüllend eine lebensgroße Skulpturengruppe![[File:img_0553.jpg|none|auto]]
Im Mittelpunkt des Chorraumes präsentiert sich schließlich das prunkvolle, mit höchster Meisterschaft geschnitzte gotische Chorgestühl der Klerus - Ausdruck eines ausgeprägten Autoritäts- und Standesanspruchs![[File:img_0556.jpg|none|auto]]

Campino

RE: Zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik

#10 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 22:11

Beim Gang außen um die Kirche herum fallen die sehr schmalen, aber schon fast wandartig wirkenden, tief reichenden Strebepfeiler auf, die den Gewölbeschub auffangen.[[File:img_0564.jpg|none|auto]]

Hinter dem Chor führt eine monumentale Treppenanlage zum Fluss Gers herunter
( leider zu unserer Zeit gerade umfangreichste Renovierungsarbeiten). An ihrem unteren Ende wird sie bewacht von der Statue des Musketiers d’Artagnan, der Romanfigur von A. Dumas.[[File:img_0569.jpg|none|auto]]

Der Blick zurück hinauf zeigt neben der Kathedrale den ‚Tour d’Armagnac’, einen Gefängnisturm aus dem 14. Jahrhundert.[[File:img_0574.jpg|none|auto]]

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#11 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 22:25

Bevor wir endgültig weiter südlich ziehen, lockt noch am Zusammenfluss von Tarn und Garonne ein ganz besonderer Leckerbissen: Die romanische Abtei St. Pierre in Moissac.
Dieses schon im 7. Jh. existierende Kloster schloss sich im 11. Jh. der cluniazensischen Reformbewegung an und erlangte bis ins 12. Jh. im Südwesten Frankreichs einen Rang, durchaus vergleichbar dem des damaligen 1. Klosters Cluny in Burgund.
Aus dieser Zeit stammt das großartige romanische Türportal an der Südseite[[File:img_0515.jpg|none|auto]]
mit dem einzigartigen Skulpturenschmuck an Tympanon (dem Bogenfeld über dem Türsturz) und den Seitenwänden[[File:img_0516.jpg|none|auto]][[File:img_0517.jpg|none|auto]]
sowie die Petrus- und Jesaja-Figuren rechts und links der Türpfosten.[[File:img_0522.jpg|none|auto]][[File:img_0523.jpg|none|auto]]

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RE: Zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik

#12 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 22:30

So fein empfunden, so artifiziell gestaltet diese Kunst sich auch präsentiert, zu Beginn des 12. Jh. herrschte hier ein rauhes Klima, kam es gerade im Süden auch immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen, zu Normannen- und Arabereinfällen sowie den Katharer-Wirren, jedenfalls ließ ein damaliger Abt Roger einen mächtigen Westturmvorbau der Kirche vorsetzen, die Zinnenreihe sowie die gewaltige Eingangshalle weisen auf diese wenig friedlichen Zeiten hin.[[File:img_0540.jpg|none|auto]][[File:00631.jpg|none|auto]][[File:img_0526.jpg|none|auto]]

Campino

RE: Zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik

#13 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 22:35

Ein vollkommener, paradiesischer Ort der Stille entstand dennoch mit dem einzigartigen Kreuzgang an der Nordseite: auf grazilen, schlanken Säulchen, abwechselnd in Einzel- oder Doppelstellung, bilden die 4 Seiten mit je 18 bzw. 20 Arkaden und den reliefgeschmückten Eckpfeilern eine Insel des Friedens und der Harmonie, einen Ort der Besinnung und der Einkehr um diese mächtige Zeder. Die Skulpturen der 76 Kapitelle und die 10 Großreliefs an den Eckpfeilern bieten vor den bewegt wirkenden Wandflächen reiche Augenweide.[[File:img_0524.jpg|none|auto]][[File:img_0529.jpg|none|auto]][[File:img_0535.jpg|none|auto]][[File:img_0536.jpg|none|auto]][[File:img_0538.jpg|none|auto]]

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RE: Zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik

#14 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 22:53

Unsere nächste Etappe führt nur gemächliche 100 km weiter südlich zwischen Tarbes und Pau, genauer, an der D 817 (früher N 117) 4 km vor Ortsbeginn von Pau bei dem Weiler Ousse auf den liebevoll gepflegten
Camping ‚Les Sapins’
D 817
64320 Ousse-Pau

Tel. 0559817421 / 0559817903[[File:img_0583.jpg|none|auto]][[File:img_0584.jpg|none|auto]]


Gleich tags drauf drängt es uns in die ansteigenden Hänge der Pyrenäen, zunächst ins nahe Oloron – Ste. Marie; dieser Ort, aus zwei Dörfern zusammengewachsen, besitzt mit der romanischen Kirche ‚Ste. Marie’ ein bemerkenswertes Bauwerk aus dem 12. Jh.[[File:img_0587.jpg|none|auto]][[File:img_0595.jpg|none|auto]][[File:img_0589.jpg|none|auto]]

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#15 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 22:58

In erster Linie wollte ich dieses in der Literatur mitunter angeführte hochromanische Portal einmal selbst sehen, seine ikonographische Gestaltung ist aber theologisch derart vielschichtig, dass der Versuch einer Darstellung hier unseren Rahmen sprengen würde. Ich denke, wir können uns ebenso freuen über dieses hohe Maß meisterlich gestalteter Kunstfertigkeit.[[File:img_0594.jpg|none|auto]]

Übrigens, als man mit dem Bau der Kirche begann (~1060), hatten die Sarazenen das Land zu großen Teilen besetzt. Die beiden aneinandergeketteten Träger, die die Trumeau-Säule tragen, stellen eindeutig Sarazenen dar – auch damals kannte man kleine Nickeligkeiten.[[File:img_0593.jpg|none|auto]][[File:img_0596.jpg|none|auto]]

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#16 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 23:07

Apropos, kleine Scherze:
In unmittelbarer Nachbarschaft von Pau liegt Lescar, ein Städtchen, dessen Kathedrale schon im 6. Jh. bezeugt ist.[[File:img_0610.jpg|none|auto]][[File:img_0609.jpg|none|auto]][[File:img_0608.jpg|none|auto]]
und die im Innern einige schöne alte romanische Kapitelle besitzt[[File:img_0605.jpg|none|auto]][[File:img_0604.jpg|none|auto]]

Campino

RE: Zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik

#17 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 23:18

Daneben hat sie noch eine andere Besonderheit: im Chor sehr eigenwillige romanische Bodenmosaike.
Leider waren die Lichtverhältnisse extrem schlecht, wegen der seltenen, aber humorigen Motive möget Ihr bitte über die miserabele Bildqualität hinwegsehen:[[File:img_0602.jpg|none|auto]]

Ein Jäger mit Jagdhorn, Pfeil und Bogen, dessen rechtes Bein amputiert ist und der darum mit einer Prothese ausgestattet ist, wird von einem Esel gejagt.[[File:img_0601.jpg|none|auto]]
Ein Speerbewaffneter tötet einen Keiler, dem ein Hund schon im Nacken sitzt.

Selbstverständlich zieht es uns dann auch ins nahe Pau, wobei natürlich das Schloss – auf einer Anhöhe im Zentrum der Altstadt gelegen (u.a. Geburtsort Heinrichs IV) – unser besonderes Interesse findet.[[File:img_0650.jpg|none|auto]][[File:img_0644.jpg|none|auto]][[File:img_0646.jpg|none|auto]]

Campino

RE: Zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik

#18 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 23:24

Von den Strapazen einer ausgiebigen Stadt- und Schlossvisite erholen wir uns schließlich bei den Köstlichkeiten einer kleinen, aber feinen Crêperie in einem Seitengässchen am Schloss.

Da wir uns z.Zt. von Lourdes, einem dieser größten Marienwallfahrtsorte überhaupt, nur etwa 30 Km entfernt aufhalten, möchten wir am nächsten Tag dieses Phänomen auch einmal vor Ort selbst erleben. Von einem dort schon früh gefundenen Parkplatz fahren wir mit einem Bähnchen zur Rosenkranzbasilika ‚Notre Dame de Lourdes’, erbaut über der Erscheinungsgrotte der Bernadette.
Darüber erhebt sich auf einem weiträumigen Komplex von Krypten und Kapellen schließlich der schlanke hohe Turm der ‚Basilika der unbefleckten Empfängnis’.[[File:img_0619.jpg|none|auto]][[File:img_0617.jpg|none|auto]]

Das Wasser aus der Quelle wird zu einer endlos langen Reihe von Zapfstellen geleitet, an denen Pilger/Gläubige es zum Mitnehmen in Flaschen aller Größen abfüllen, es besteht sogar die Möglichkeit, selbst ganz in diesem geheiligten Naß einzutauchen.[[File:img_0618.jpg|none|auto]]

Beeindruckend, ja erschütternd das Bild der vielen hier auf Hilfe Vertrauenden; bei unserer Ankunft zog gerade eine ‚Prozession’ von ca. 20 bis30 3-rädrigen Krankenfahrstühlen an uns vorüber, gezogen von hiesigen Helfern.[[File:img_0612.jpg|none|auto]]

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RE: Zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik

#19 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 23:29

Das längs des Ufers des Flüsschens ‚Gave de Pau’ sich erstreckende Areal wird gesäumt von Kerzenverkaufsständen bzw. gegliedert von Rondellen, auf denen Blumensträuße abgelegt bzw. die mitgebrachten Pilgerkreuze aufgestellt werden könnnen.[[File:img_0623.jpg|none|auto]][[File:img_0625.jpg|none|auto]][[File:img_0637.jpg|none|auto]][[File:img_0636.jpg|none|auto]]

Campino

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#20 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 23:36

Als wir schließlich das Gelände verlassen wollen, entdecken wir fast durch Zufall noch ein 2. Lourdes für die ganz großen Veranstaltungen unserer Tage: Einer Tiefgarageneinfahrt gleich eröffnet sich uns teils unter einem Grüngelände, teils unter dem großen Platz die 1958 von dem Architekten Pierre Vago erbaute unterirdische Basilika ‚Pius X’, konzipiert für große internationale Gottesdienste mit etwa 30 000 Menschen.
Um einen Zentralaltar sind 29 gigantische Spannbetonbögen aufgestellt, die einem umgekehrten Schiffsrumpf gleich bei 191m Länge/61m Breite eine Fläche von 12 000 qm überspannen.
Ein umlaufender Kreuzweg mit 52 leuchtenden Vitrinen, die Bilder gestaltet aus vielen Schichten farbiger Glasstücke, spendet ein wunderbar warmes Licht und nimmt viel von der Brutalität des Betongerippes.[[File:img_0627.jpg|none|auto]][[File:img_0629.jpg|none|auto]][[File:img_0632.jpg|none|auto]][[File:img_0634.jpg|none|auto]][[File:img_0635.jpg|none|auto]]

Campino

RE: Zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik

#21 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 23:42

Aus dem frommen Untergrund wieder zurück im sonnigen Tageslicht drängt es uns nun doch in die stilleren Gefilde, entlang der Gave,[[File:img_0664.jpg|none|auto]]
am Fuß erhabener Bergmassive vorbei[[File:img_0663.jpg|none|auto]]
und vor einem sich im Hintergrund immer wieder stolz zeigenden Pic du Midi (2872m)[[File:img_0662.jpg|none|auto]]

Campino

RE: Zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik

#22 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 23:48

zunächst in den angenehmen Kurort nach Argeles-Gazost mit seinem erholsamen Kurpark (und gelegentlichen kleinen Überraschungen zum Schmunzeln).[[File:img_0653.jpg|none|auto]][[File:img_0652.jpg|none|auto]][[File:img_0654.jpg|none|auto]][[File:img_0659.jpg|none|auto]][[File:img_0660.jpg|none|auto]]

Campino

RE: Zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik

#23 von Campino ( gelöscht ) , 25.12.2011 23:57

Unsere Erkundungsneugier zeigt sich inzwischen allmählich weitgehend gestillt, und so fahren wir am nächsten Tag weiter zum Treffen mit unseren Freunden am Atlantik auf den vertrauten Camping ‚LES PINS BLEUS’
Avenue de l’Océan
40530 Labenne-Océan

http://www.lespinsbleus.com[[File:img_0669.jpg|none|auto]][[File:img_0670.jpg|none|auto]]
Doch noch einmal lockt uns ein außergewöhnlicher Leckerbissen in das Herz des Baskenlandes, 15 km von Bayonne und Biarritz entfernt, es ist fast so etwas wie ein ‚Kleines Versailles auf baskisch’:
Bei dem Städtchen Cambo-les-Bains hatte sich um die Wende ins 20. Jahrhundert der erfolgreiche Schriftsteller und Dichter Edmond Rostand , Autor des Stückes ‚Cyrano de Bergerac’, eine noble Bleibe, ein Haus seiner Träume geschaffen, ein Ensemble aus traditionellem baskischen Landhaus auf 15 ha Gartenareal ‚à la française’ mit Pergolen, Wasserspielen, Laubengängen...,sowie einem Englischen Park an der rückwärtigen Seite des Anwesens (klassifiziert 1995 als Historisches Monument): ‚Die Villa Arnaga’[[File:img_0728.jpg|none|auto]][[File:img_0730.jpg|none|auto]][[File:img_0731.jpg|none|auto]]

Campino

RE: Zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik

#24 von Campino ( gelöscht ) , 26.12.2011 00:05

[[File:img_0733.jpg|none|auto]][[File:img_0734.jpg|none|auto]][[File:img_0735.jpg|none|auto]][[File:img_0738.jpg|none|auto]]
.... nun aber endlich konnte der ‚alle Jahre wieder’ geschätzte spätsommerliche Entspannungsurlaub mit lieben Freunden und dem Austausch über das viele Gesehene genossen werden.

Campino

RE: Zwischen Zentralmassiv, Pyrenäen und Atlantik

#25 von Campino ( gelöscht ) , 26.12.2011 00:14

Unsere Heimfahrt Ende Oktober bescherte uns schließlich noch eine weitere angenehme Überraschung: Wir versuchten, unsere einstige erste Camper-Bleibe bei Paris in dem ausgedehnten Waldgebiet von Rambouillet, damals in den 70-iger Jahren, wiederzufinden.
Die Belohnung für 2 Stunden Suchen-Fragen-Verfahren-Herumirren in einem völlig umstrukturierten, anderen Vorortbezirk endlich: Ein ganz neues Camping-Erleben auf dem
‚Huttopia Rambouillet’
Route du Château d’eau
Sortie N 10 eveuses
78120 Rambouillet

Tel 33(0)130 41 07 34

Die neue Betreiberin ‚Huttopia’, eine eher ökologisch-naturnah ausgerichtete Gesellschaft mit gehobenem ästhetisch-pädagogischen Anspruch hat das früher –je nach Witterung- nicht immer sehr angenehme Gelände völlig neu für ihre Zielgruppe großzügig und dennoch umweltbewusst gestaltet (jedes einzelne Emplacement sowie die Fahrwege sind mit mittlerem flachen Kies befestigt und sauber befahrbar, die Stellplätze im Unterholz abgeschirmt und so gut wie nicht einsehbar),[[File:img_0763.jpg|none|auto]]

Es gibt locker und dezent im Wald verteilte Unterkünfte für Gäste ohne Camping-Ausrüstung in Form von Angeboten in skandinavischer Formsprache und unterschiedlicher Konzeption[[File:img_0764.jpg|none|auto]]
sowie dezentral aufgestellte, ständig sauber und angenehm warm gehaltene Sanitärhäuser
[[File:img_0765.jpg|none|auto]]
und ein gutes Speisenangebot im Restaurations- / Seminar- / Aufenthaltsbereich;
wie ich las, bestehen Plätze nach gleichem Konzept auch in Versailles und an 4 weiteren ausgesuchten Zielenorten[[File:img_0766.jpg|none|auto]]
Wir freuen uns schon auf den nächsten Besuch.

Campino

   

„Le Soleil de Provence“ – mal wieder...
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