RE: Die Steyr's reisen, April 2011

#26 von daf43 , 22.04.2011 09:49

Hallo steyr,

dann mal schöne Rückfahrt.

 
daf43
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RE: Die Steyr's reisen, April 2011

#27 von Gelöschtes Mitglied , 24.04.2011 15:31

Wieder zu Hause.

Nun sind wir also wieder zu Hause und alles geht seinen normalen Weg, naja fast, Omma hat Magenweh und Blutungen und meint immer noch gleich sterben zu müssen, mal sehn ob es so ist oder nicht. Der Alltag hat uns also wieder und heute Morgen hab ich nach Terrassenfrühstück den Nissan gewaschen und den Weinsberg, beim Weini aber erstmal nur die Fahrerkabine, es ist einfach zu heiss um den Aufbau zu waschen und die drückende Sonne trocknet dann alles zu schnell ab und es gibt ekelhafte Schlieren die fast nicht mehr rausgehn. Den Nissan musste ich ganz abledern um ihn einigermassen ansehnlich zu bekommen. Der war so versifft durch all den Blütenstaub und sonstigen Staub dass man fast nichts mehr zu den Fenstern raussehn konnte.

Hier in Lux ist es dieses Jahr so schlimm mit den Allergien dass schon fast Notstand ausgerufen wurde und per Radio den betroffenen Menschen geraten wird nur bestimmte Zeiten aus dem Haus zu gehn und/oder die Fenster zu öffnen. Es ist ein kleines Wunder, aber ich hab fast keine Beschwerden mehr nachdem ich über 25 Jahre lang die ersten 5 Monate eines jeden Jahres nur im Haus verbringen konnte weil ich draussen durch schlimme Asthmaanfälle fasst erstickt wäre. Morgen werde ich dann wohl mit meiner Atemschutzmaske mit dem Freischneider mähen, ich trage beim mähen die Maske weil ich das ganze nicht herausfordern möchte denn in den schlimmen Jahren war es oft so dass alles einigermassen ging bis ich durch eine blühende Wiese gefahren bin oder an einem blühenden Rapsfeld vorbeiging und dann gab es eine Polenexplosion und ich war für die nächsten Wochen und Monate verloren.

Vorgestern haben wir noch auf einem Municipal halt gemacht für eine Nacht, auf dem Camping Municipal le Sevron in St. Etienne le bois. Empfangen wurden wir von dem halbnackten Platzwart der sich wohl wie ein Adonis vorkam und es hätte nicht viel gefehlt und seine „Strasse zum Glück“ hätte uns auch noch sein „Glück“ preisgegeben, so tief hing seine Jeans, wohl das einzigste Kleidungsmittel was er an dem Tag besass. Das Glück war uns hold und so hing die Hose an einem seiner Fettbündchen fest und uns wurde dann erst etwas später schlecht , als wir uns die sanitären Anlagen anschauten. Der Platz an sich war ganz nett, wenigstens war das Gras gemäht und die Joghurtbecher die auf dem Platz verstreut lagen ebenfalls. Wir holten uns den Platz am Wasser und an der Dorfstrasse, dementsprechend waren auch die Geräuschkulissen. Ein guter „Kurzmalstehenplatzunddannnixwieweg“. Ein Nothalt, weiter nichts, einzig interessantes am Platz war eine Familie, Mann und Frau aus Finnland mit einem etwas älteren Womo.

Die Finnen haben ja, so munkelt man, alle einen kleinen Schuss und auch diese Exemplare waren davon nicht verschont wie es schien. Am alten LMC Womo gab es eine chromierte „Sidepipe“ als Auspuff und hinten hochkant in einem Kanalrohr das an dem Aufbau festgemacht war, steckten ein paar lange Bambusangeln die wohl zum Fischen dienten, die überragten das Womodach nochmal so um 1,5 Meter. Die Frau hatte schon abends bei Ankunft einen einzigen dicken Lockenwickler im Haar und auch bei Abfahrt steckte der noch drin. Von weitem sah das aus wie ein Stück Kanalrohr auf dem Kopf und ich fragte Rita nach dem Sinn eines solchen Unterfangens. Ihr sind Lockenwickler so fremd wie mir als Mann das benutzen eines Toupets wäre und so blieb dieses Rätsel für uns offen, sah aber irgendwie lustig aus.

Ich wollte unbedingt nach Hause und so legten wir mächtig viele Kilometer auf die Strasse und machten wenig Pause. Müssen im ganzen an dem Tag wohl über 500 Kilometer gewesen sein. Das ist mit dem Weinsberg alles kein Problem und man wird in dem Ding einfach nicht müde. Wir blieben auch von Falschfahraktionen verschont und blieben immer schön auf der geplanten Route. Unterwegs gab es wieder sehr viel schönes zu sehen und als wir aus einer Stadt raus waren sagte Rita plötzlich „Och das war aber unheimlich schön hier in Vinay“. Ich schaute mal kurz rüber zu Ihr um festzustellen ob da vielleicht ein Hauch von Sarkasmus auf ihrem Gesicht lag aber das Gesicht war rein wie das eines Engels und Sie hatte es tatsächlich ernstgemeint. Zum Unglück setzte Sie noch ein „findest du nicht auch“ drauf und nun sass ich in der Falle.

Ich musste antworten und nahm mir vor lieb zu sein und verbot meinem Verstand die Wahrheit zu sagen. Aber wie der Teufel es so will lag der wiedermal am Notstrom und so entfuhr mir nur ein „Boooffffff“
Wie „Booofffffffff“? Fragte Rita.
Ich sagte“ Ja was soll ich sonst sagen, ich hab einen kranken Baum gesehn, zwei eklig grüne Geldautomaten, ein paar schiefe Häuser, einen Hund der humpelte und eine Eiterbeule am Hintern hatte und ein rostiges Polizeiauto, deshalb nur Booofffffffff.“
„Also ich fand es ein schönes Städtchen, mir hat's gefallen“ motzte Rita rum.
„Sagen wir mal so“entgegnete ich,“wenn sie noch ein paar Jahre üben, durch Frankreich reisen und sich die wirklich schönen Städtchen ansehn und dann in jahrelanger Kleinstarbeit versuchen auch so zu werden, dann können wir vielleicht nochmal hinfahren, sonst gasgeben und schnell durch.“
Ich musste mich fast totlachen wie verschieden wir diesen Ort gesehen haben aber mir hat am besten die 90 Grad Kurve am Ausgang des Dorfes gefallen und der krumme Nussbaum den wohl jeder erwischt hat der bisher diese Kurve zu schnell anging, aber so verschieden sind eben Männlein und Weiblein wenn es um Schönheit geht.

Langsam bekamen wir Hunger und eine Frittenbude nach der anderen flog an uns vorbei, aber leider alle auf der falschen Strassenseite, in Richtung Nachhause nach Luxemburg scheint wohl keiner Frittenhunger zu bekommen und ich hatte keine Lust auf einer französischen Schnellstrasse über eine durchgezogene Linie nach links abzubiegen geschweige denn rechts zu parken und mit Rita eine solche Strasse zu überqueren. So übte ich Verzicht. Es ist bei unseren Urlaubsfahrten immer dasselbe, unterwegs bekomme ich ich immer plötzlich einen Heisshunger auf Salz. Ich ess zu Hause fast nie solchen Mist aber unterwegs bekomme ich plötzlich dermassen Lust Salz-Chips oder Fritten zu essen und darüber dann ein halbes Pfund Salz zu kippen. In dem Moment scheint der Körper irgendwie Salz zu brauchen wie sonst nix.

Wir fanden dann aber an einem Rond-Point so ein kleines Restaurant das sich auf auf „Brochettes“ spezialisiert hat also auf verschiedene Sorten Fleischspiesschen. Ich entschloss mich eine „Brochettes Bérbère“ zu nehmen und die bestand aus Schweinefleisch, Schafsfleisch, in paar Stückchen Merguèze, Paprika, Champignons, Salat und als Beilage fritierte Kartoffelwürfel an denen noch die Schale dran war. Schmeckte alles frisch und lecker und ich bekam auch ne gehörige Portion Salz das ich darüber puderte. Danach fühlte ich mich wieder wohl und die letzte Etappe konnte angegangen werden.

Unterwegs gab es erstaunlich viel Gendarmerie auf den Strassen und die machten Geschwindigkeitskontrollen und Papierkontrollen, wir kamen jedesmal davon denn es war wie bei den Frittenbuden, alles war immer nur auf der Gegenspur. Die Franzosen haben aber immer noch diese Unart Polizeikontrollen mit Lichthupen an den Gegenverkehr zu verraten und zu warnen. Dann kommen dir plötzlich nur noch 50 km/h Fahrer/innen entgegen. Aber die Bullerei in Frankreich scheint das auch nicht mehr hinzunehmen und rüstet um wie es hier in Lux schon seit Jahren praktiziert wird. Bei grossen Kontrollen steht irgendwo in Gegenrichtung in der Hecke ein „banalisiertes“ Polizeifahrzeug, in Frankreich war es an einer Stelle ein weisser Ford Focus in dem zwei Uniformierte sassen, und die picken die Warner aus dem Verkehr und versauen denen so richtig den Tag.

Wir sind über 2000 Kilometer gefahren, der Duc hat Null Probleme gemacht, sogar die Scheibenwaschanlage scheint endlich zu funktionieren, und ich brauchte nur eine Vollbremsung hinzulegen weil irgendsoein Heini den Affen machte und blind war. Aber auch das meisterte der Duc problemlos. Ich hab an dem Fahrzeug immer noch nichts gefunden wo ich mir wünschte dass es anders wäre, doch, vielleicht der Tankdeckel der etwas popelig zu öffnen und zu schliessen ist aber das ist Pillepalle. Ich mag das Auto wie es ist und bequemer bin ich im Leben noch nicht gefahren. Der 160er Multijet ist der Hammer schlechthin und müsste ich ein Motor werden ich wollte genau ein solcher sein.

Was ich auch nicht für möglich gehalten hätte ist dass 110 Liter Wasser an Bord absolut ausreichend sind, die Toilette von Dometic ist auch sehr bequem und gut nur die Thetfort-Kassetten sind besser zum reinigen, da gibt es bessere Griff und Anpackmöglichkeiten die günstiger sind beim entlehren. Kühlschrank von Dometic ist auch super ebenso wie die Heizung, die Truma-Combi 6 oder wie sie heisst. Sie macht zwar nen Höllenlärm wenn sie anspringt und es kann vorkommen dass das System mal einen kleinen Aussetzer hat aber dann schaltet man nur einmal alles ab und fährt das Ganze neu hoch und dann klappts wieder, man muss es nur wissen.

So, das wars dann erstmal bis zum nächsten Ritt, ich muss mich jetztmal ein wenig erholen, ich bin heute Morgen beim Arbeiten in ein mir unbekanntes Loch getreten und umgekippt, gelandet bin ich in einem Riesenbüschel Brennnesseln und das war am Anfang die Hölle, jetzt hab ich so ein angenehmes Brennen auf meiner gesamten linken Körperhälfte und bin dort übersät mit fetten Pusteln, war wohl die Strafe für die vielen Lästereien der letzten Tage.


RE: Die Steyr's reisen, April 2011

#28 von daf43 , 25.04.2011 09:30

 
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RE: Die Steyr's reisen, April 2011

#29 von sunshine , 25.04.2011 10:35

Hallo Yves,
schön, dass ihr wieder heil zu Hause seid.
Deine Reise-Eindrücke habe ich wie immer mit großem Vergnügen gelesen.
Liebe Grüße an Rita!

 
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RE: Die Steyr's reisen, April 2011

#30 von Aragorn1513 , 27.04.2011 11:47

Hallo Yves,

Wieder ein Reisebericht von Dir, den ich mit großer Freude gelesen habe!

Gruß - Alex

 
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RE: Die Steyr's reisen, April 2011

#31 von Gelöschtes Mitglied , 27.04.2011 12:22

Vielen Dank.


RE: Die Steyr's reisen, April 2011

#32 von Hadde ( gelöscht ) , 27.04.2011 15:02

Ich habe zu danken, Yves!
Super Bericht - eigentlich wie immer - super meine ich

Grsl Hadde

Hadde

RE: Die Steyr's reisen, April 2011

#33 von Gelöschtes Mitglied , 27.04.2011 18:00

Im Prinzip ist es so wenn wir unterwegs sind, die Camperfriends sind immer dabei weil es immer irgendetwas gibt was einen an den ein oder anderen erinnert und warum dann nicht auch auf der anderen Seite daran teilhaben lassen. Da fahren oder wandern wir kilometerlang an Strassen und Wegen vorbei wo wilde Iris blühen, da kaufe ich auf einem Bauernhof beim Produzenten Bier das "artisanale" von kleinen Privatiers auf ihrem alten Bauernhof gebraut wurde, da stehen wir in der Epicerie und kaufen Papierhandtücher die Winni heissen, da kommt uns ein grauer Fahrschultouareg entgegen, da holen wir beim Produzenten Pastis ab für HD, da kommt uns mitten in den Bergen so ein langer Baum von Kerl auf einer alten Gummikuh entgegen, da stehen an CP's ne Menge alter Touring's rum und bei jedem einzelnen gibt's ein déja vu, da stehen auf einem alten Bauerhof hinten in der Scheune ein gutes halbes dutzend alter Daf's rum, da schau ich mir jeden neuen Hymer mit deutschen Kennzeichen dreimal an ob's nicht vielleicht doch der Don ist, da seh ich auf fast jedem kleinen Kahn der über den Canal du centre zieht einen Schwinge mit Elbsegler stehn und und und. Mit vielem dem man am Tag unterwegs so begegnet kann man eine Relation zu einem oder etwas Bekanntem schliessen und sich erinnern. Also ist Reisegeschichten erzählen für mich was logisches.


RE: Die Steyr's reisen, April 2011

#34 von gerd ( gelöscht ) , 27.04.2011 18:04

War schön das alles zu lesen!

gerd

RE: Die Steyr's reisen, April 2011

#35 von Rolf ( gelöscht ) , 27.04.2011 23:28

Hallo Yves!

Es war schön, deinen Reisebericht zu lesen und mit euch reisen zu dürfen - vielen Dank dafür!

Gruß
Rolf

Rolf

   

Saale, Fahrt an die
Abschweifung aus: Camping Land an der Elbe bei Hamburg

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