RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#1 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 16:59

Im vergangenen Jahr hatte uns die großartige Naturlandschaft des südlichen Limousin (Corrèze) sehr gefallen, und lange schon hatte auch das benachbarte Périgord auf unserer Wunschliste gestanden. Für September/Oktober wollen wir also nun den östlichen Teil, das sogenannte ‚Schwarze Périgord’ um die Provinzhauptstadt Sarlat-la-Canéda, sowie das Dreieck zwischen den Flusstälern der Vézère und der Dordogne uns näher ansehen.

I Sarlat – Hauptstadt des Périgord Noir,
Hochburg alter Stadtbaukunst


Als Domizil für unsere Touren wählen wir den wunderschönen und nur 2,5 km von der mittelalterlichen Altstadt entfernten Campingplatz ‚Les Acacias’ in 24200 Sarlat, Bourg de-la Canéda.

Die ersten Tage sind schnell ausgefüllt mit dem Kennenlernen/Bewundern/Genießen der vielfältigen Zeugnisse dieser Stadt und ihrer reichen Baugeschichte.
Vom Parkplatz vor der früheren, nur noch in winzigen Reststücken vorhanden Stadtmauer führt der Weg durch ein Gewirr von Gässchen, Straßen, Durchlassen vorbei an Bürgerhäusern aller Jahrhunderte, an Palais und Höfen letztlich doch wieder auf den Place-du-Peyron mit der Kathedrale St. Sacerdos .

Ihr massiger 3-geschossiger Turm fällt bei dem Rundgang immer gleich ins Blickfeld und zieht magisch an. Den Eingang der Vorhalle zieren als einzigen Schmuck 5 verwitterte, nicht mehr datierbare Statuen.

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#2 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 17:07

Im Inneren macht der Kirchenraum einen stilistisch recht uneinheitlichen Gesamteindruck. Das Juwel ist hier eine wunderschöne authentische Orgel von Cliquot und L’Épine von 1752, deren warmer, voller Klang das Warten auf den Organisten letztlich belohnt.

Aus dem südlichen Seitenschiff gibt ein kleines Tor den Weg in den ehemaligen Kreuzgang dieser einstigen Benediktinerabtei frei, und wir gelangen nun in den ‚Jardin des Pénitents’, den Büßergarten, einen alten terrassierten Friedhof.

Von hier ein Blick auf den dreigeschossigen Chor der Basilika, von dessen Scheitelpunkt 3 eingeschossige Kapellen abgehen.

Eine kleine Treppe führt hinauf in den Garten zu einem ganz eigenartigen Bauwerk, der ‚Lanterne des Morts’ (Totenlaterne). Der Sinn dieses geheimnisvollen Bauwerks aus dem 2. Jh. ist bis heute noch nicht geklärt – Vermutungen reichen von Totenkapelle, Gefängnis zum Tode Verurteilter bis St. Bernhard-Turm (Bernhard v. Clairvaux).

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#3 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 17:14

Wieder auf der Place du Peyru schließt sich unmittelbar angrenzend rechts an den Turm der ehemalige Bischofspalast an, die unteren Stockwerke noch ganz Spätmittelalter, die Loggia im Obergeschoss zeigt dagegen schon deutlich Rennaissance-Merkmale (ein florentiner Kardinal ließ sich für den Aufenthalt während seiner Reise nach Paris dieses Domizil bauen).

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein wahrer Blickfang: Das Geburtshaus des Dichters, Politikers, Abgeordneten Étienne de la Boëtie (1530 – 1573); bekannt ist die außerordentlich enge Freundschaft mit Michel de Montaigne.
Dieses prachtvolle Renaissance-Bürgerhaus mit den kunstvoll geschmückten Rahmenteilen der Fenster, des Giebels und der Gesimse, mit seinen reich verzierten Dachausbauten und den hohen Kaminen – ein wahrer Augenschmaus.

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#4 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 17:20

Der Durchgang führt zu einer Folge kleiner Innenhöfe,
eng aneinander geschmiegter Fachwerkhäuser, überkragender Stockwerke, Brunnen
offener Treppenhäuser über 4 Etagen .

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#5 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 17:27

Der Gang durch die Straßen, Gassen, Stiegen gibt ein plastisches Bild über die soziologische Struktur mittelalterlicher Städte; an den Straßen die Oberschicht der hohen Beamten, wohlhabenden Kaufleute, wie das Hôtel Plamon
oder das Hôtel Vassal mit dem doppelt gebogenen Treppenhaus im Winkel der beiden Flügel

Der Mittelstand mit den schlichteren Fachwerkhäusern ohne großen Schmuck,

Die einfachen Leute seitab in den Hinterhöfen, die mit ihren steinplattengedeckten Dächern heute romantischer erscheinen als einstens.

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#6 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 17:32

An der Place de la Liberté gegenüber dem Rathaus die säkularisierte Kirche Sainte-Marie, die zusammen mit dem Vorplatz gern als Theaterort genutzt oder wie bei unserem Besuch gerade als Markthalle für hauptsächlich regionale Leckereien dient, u.a. Gänse-Confit, Gänsestopfleber, Trüffel, Pfifferlinge und Steinpilze aus dem Perigord in Gläsern, ’Eau de Noix’, auch ‚Brou’ genannt (dabei ziehen ganze Walnüsse mit Schale in Zuckersirup und Aromen in Branntwein), Weine von Bergerac oder Monbazillac – das alles mit großzügigen Probierofferten.

Gelegenheit, das bunte Treiben in Ruhe an sich vorbeiziehen zu lassen, gibt es auf Schritt und Tritt.

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#7 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 17:39

II Ausflüge entlang den Ufern der Dordogne

Gut 30 km östlich von Sarlat die Dordogne flußaufwärts liegt Souillac, dessen ehemalige romanische Abteikirche ‚Sainte Marie’ aus dem 12. Jh. einen Besuch lohnt.
Eindrucksvoll der Blick auf den Chor, dessen 3 direkt zum Chorhaupt öffnende Kapellen zusammen mit den beiden Ostapsiden am Querhaus einen reich gestaffelten Raumeindruck geben.

Von der Seite des einstigen Kreuzganges sind gerade noch die drei mit Laternen bekrönten Halbkugel-Kuppeln des Daches zu sehen.

Diese Kirche ist also ein typischer Vertreter der perigordischen Kuppelkirchen, wie u.a. in Cahors und Périgeux.

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#8 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 17:44

Beim Betreten des Inneren hat man gleich im Vorraum die Gelegenheit, die eigentliche Kostbarkeit dieser Kirche zu sehen:
Zunächst das ins Auge fallende große Relief im Bogenfeld über dem Inneneingang, das die Legende des Theophil erzählt:
dieser Schatzmeister der Kirche von Adona war seines Amtes enthoben; er schließt mit dem Teufel einen Pakt, um wieder ins Amt zu kommen; links die Unterzeichnung des Vertrags; rechts legt er seine Hand zur Besiegelung in die des Teufels; darüber schwebt Maria aus himmlischen Sphären, sie entzieht dem Schlafenden den Vertrag und rettet so seine Seele.
Von den beiden einrahmenden Figuren ist die rechte wegen des Schlüssels sicherlich Petrus.

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#9 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 17:45

Daneben die ‚Bestiensäule’: auf drei Seiten eine Menge niederstürzender, sich überkreuzender, durchschlingender Paare von Löwen, Greifen, zwischendurch auch Menschen; links niederstürzend der Höllensturz der Verdammten; rechts die Auserwählten: drei sich liebevoll zuwendende, umarmende Menschenpaare.

In einer Nische darunter die Skulptur des Propheten Jesaja. Diese gilt ziemlich unbestritten, was die Darstellung des leichten Schreitens, des ekstatischen Tanzens, Schwebens, was die Transparenz und feine Stofflichkeit der Kleidung, die Dynamik des Faltenwurfs und der Bewegung betrifft, als Höhepunkt romanischer Personengestaltung.

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#10 von morgenröte , 10.11.2010 17:48

Bis hierher bin ich dir schon gefolgt, hast du auch ein Bild vom Innern der Markthalle?
Deine Beschreibung erinnert mich wieder an die Peter Mayle Bücher von Frankreich.

Gruß Andrea

 
morgenröte
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RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#11 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 17:51

Zurück Richtung Sarlat über die D 703 folgen wir der sich wunderschön wild windenden Dordogne.
Bei St. Julien-de-Lampon wechseln wir auf die linke Flussseite und sehen aus einer weiten Flussaue aufragend das Château Fénélon.
Immer noch vollständige Befestigungsmauern umschließen das Schloss in einem doppelten Ring, ein kleines Tor hält dem Besitzer fremde Besucher fern.

Beim Blick zurück über den Fluss erkennt man jetzt auf der gegenüberliegenden Flussseite über waldigen Hängen das Renaissance-Schlösschen
Roufillac

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#12 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 18:03

Nur wenig weiter flussab am Rande einer fast 360°-Schleife der Dordogne, der Cingle de Montfort, erhebt sich sehr dominant auf einem 90m hohem Felsen über dem Fluss das Château Montfort.
Von einer bewegten Geschichte dieser Burg – immerhin seit dem 12. Jh. dreimal erobert und abgebrannt, aber jedes Mal wieder aufgebaut – lassen viele Narben an den Baukörpern ahnen. Zwar ist die Burg nach dem neuen Besitzerwechsel (Arabien) für Besichtigungen geschlossen, die barocke Freitreppe vom Park in den Schlosshof kündet jedenfalls von friedlicheren, angenehmeren Zeiten.
Im Bild, Montfort von der Landseite.

Im Schutz der Burgmauer einige kleine Häuschen (man beachte die Taubenschlag-Öffnungen und die massiven handgestrichenen Dachziegel).

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#13 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 18:10

Nur wenige Km weiter flussab erhebt sich auf einem nach allen Seiten abfallenden Felsplateau diesmal eine ganze Stadt: Domme
Ende des 12. Jh. im 100-jährigen Krieg gegen die Engländer als Verteidigungsbastion errichtet und zusätzlich von einer Stadtmauer mit 3 Stadttoren gesichert - die Porte des Tours ist die bekannteste, oft umkämpft, dabei mehrfach den Stadtherrn gewechselt, entstand hier eines der schönsten Städtchen Frankreichs.
Ein Gang durch die verwinkelten, malerischen Sträßchen mit den kleinen Bruchsteinhäusern und den bunten Blumenkästen vor den Fenstern, deren Wände Glyzinen emporklimmen, lässt uns schließlich auf dem Platz mit der alten Markthalle ankommen,
Hat man einen phantastischeren Blick hinab ins Tal der Dordogne als hier vom Belvédère de la Barre?

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#14 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 18:21

Wir wechseln wieder auf die andere Flussseite und lernen einen der ungewöhnlichsten Orte kennen, La Roque-Gageac, das Dorf in der Felswand. (10 km südlich von Sarlat)
Vom Fluss und einem steil ansteigenden Felshang eingezwängt klettern die Häuser des Ortes über einer fast 3 km langen Straßenfront an der Bergwand hoch.

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#15 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 18:34

Noch einige Eindrücke vom Dorf an der Wand

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#16 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 18:38

Am Ortsausgang von La Roque-Gageac Château Malartrie wurde im 19.Jh dem Zeitgeist des Historismus entsprechend im Stil der Renaissance neu gebaut.

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#17 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 18:42

Einige Flussschleifen stromab lockt linksseitig Les Milandes, das Schloss von Joséfine Baker.

Diese große Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin hatte das Anwesen nach dem 2. Weltkrieg erworben und hier für sich und ihre 12 adoptierten Waisenkinder aus aller Welt – ihrer Regenbogenfamilie - ein internationales Kinderzentrum eingerichtet.
Die Besichtigung der noch vollständig eingerichteten Räume lässt einerseits den ‚shocking glamour’ einer bewegten Zeit zwischen den Kriegen aufblitzen, andererseits spürt man an vielen Kleinigkeiten allüberall das große Engagement einer Idealistin für die Schwächsten auf der Schattenseite einer lauten Welt und der engagierten Kämpferin gegen Rassismus und Faschismus sowie für Bürgerrechte überall auf der Welt.

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#18 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 18:48

III Im Tal der Vézère – vielerlei Spuren der frühen Menschheit

In eine Landschaft mit ganz anderem Schwerpunkt führt die D 47 nördlich aus Sarlat heraus.
Zwar treffen wir nach wenigen km noch einmal auf ein eindrucksvolles Schloss, das Château Puymartin, ursprünglich aus dem 12. Jh., im 100-jährigen Krieg zerstört, 1450 wiederaufgebaut und 1890 restauriert. Bei einem Besuch ist man bald überwältigt von den allgegenwärtigen Kostbarkeiten, den herrlichen Möbeln, edlen Gobelins und Tapisserien sowie feinen Porzellanen – an manchen Orten gibt es sie eben noch, die feinen Dinge...

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#19 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 18:52

Kurz darauf der absolute Kontrast: die Cabanes du Breuil, etwa 10 bis 12 Steinhütten aus mörtellosem Trockenmauerwerk, ähnlich den allerdings doch ursprünglicheren ‚Bories’, wie man sie in der Provence dort als Unterstände auf Feldern oder bei Gordes als museales Ensemble kennt. – Diese hier stellen doch schon eine architektonische Weiterentwicklung dar, so dass ihre Entstehungszeit auf das Ende des 19. Jh. angesetzt werden kann. Die Wände aus 6 cm dicken Steinplatten sind 80 – 100 cm dick, das Steindach aus Kraggewölbe hat etwa 45° Neigung.

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#20 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 18:55

Während der nächsten 15 km lesen wir immer wieder am Straßenrand Hinweise auf verschiedene Höhlen aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit.
In einer davon, der ‚Grotte des Combarelles’, sind die Wände mit einer Vielzahl von geritzten Tierzeichnungen übersät, wie z.B. ‚das trinkende Rentier’ (etwa zwischen 12 000 und 10 000 v.Chr.)

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#21 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 19:03

Unser eigentliches Ziel aber ist erst Les Eyzies im Tal der Vézère.
Unter den weit vorkragenden Felsüberhängen, den Abris, und in Höhlen und Nischen hoch an steilen Wänden wird hier auf engstem Raum in einer großartigen Landschaft ein vor- und frühgeschichtlichen Siedlungsraum lebendig.
Und hier, wo bis 1913 das Schloss von Eyzies hoch über dem Ort auf prähistorischem Grund stand, wurde 1918 das ‚Museum für Vor- und Frühgeschichte’ erbaut.
Heute steht auf dieser markanten Klippe als moderner Prachtbau das ‚National Prehistorische Museum’ des Architekten Prof. Jean-Pierre Buffi, mit einer großartigen, museumspädagogisch excellent konzipierten Sammlung von 18 000 Exponaten unbedingt sehenswert.

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#22 von HD , 10.11.2010 19:07

Grundgütiger, campino, wärste mal dort früher hingefahren, hätte ich mir den Reiseführer sparen können.

Toll geschrieben, tolle Fotos - Danke und "Chapeau"

Grüsse von HD

 
HD
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RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#23 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 19:09

Aus einer Vitrine fotografiert:
Abguss der ‚Venus mit Horn’,
ein Flachrelief aus der Höhle von Laussel.
Das Original befindet sich im Museum von Aquitanien in
Bordeaux.

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#24 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 19:16

Von Eyzies die landschaftlich herrliche kurvenreiche D 706 flussauf, immer einen neuen Blickwinkel auf eine der ununterbrochen sich reihenden, weit schwingenden Flussschlingen der Vézère kommen wir schließlich in das Dörfchen Saint-Léon-sur-Vézère.

An einer Schleife des Flusses tritt aus dem wuchernden Ufergrün der Büsche und Bäume mit dem warmen Gelb ihres ausgesuchten Sandsteinverbundes die ehemalige Prioratskirche heraus, eine der ältesten Kirchen des Périgord.

Die mit dunklen Steinplatten gedeckte Kirche hat einen kreuzförmigen Grundriss und schließt ab in einem halbkuppel-überwölbten Chor mit 2 Nebenapsiden. Einzig ein der Größe entsprechendes romanisches Fensterrund markiert den Scheitel.
Die Vierung wird von einem mächtigen quadratischen Glockenturm nachdrücklich bezeichnet.
Während das ältere Hauptschiff noch aus dem 10.Jh stammt – in Frankreich die ‚l´art pré-roman’ genannt – gehört das Querhaus ins 11.Jh, ist also romanisch.

In der Ausgewogenheit und dem Zusammenspiel der Formen und der Baukörper und dem vollkommenen harmonischen Gesamteindruck ist dies für mich eine der schönsten Kirchen.

Campino

RE: Auf Entdeckungsreise im 'Schwarzen Périgord', Herbst 2010

#25 von Campino ( gelöscht ) , 10.11.2010 19:34

Zum Abschluss unserer Périgord-Zeit möchten wir nicht versäumen, auch noch die wohl wichtigste Schlossanlage des Barock in Südfrankreich zu besuchen. Dazu verlassen wir das Vézère-Tal und suchen 25 km nördlich von Montignac das Château Hautefort auf.
Über einem Felsplateau zwischen den Tälern von Beuse und Lourde erhebt sich weit ins Land hinein sichtbar dieses Schloss – einerseits abweisend-wehrhaft wie eine Burg und ebenfalls gleichzeitig mit der vollkommenen Harmonie und Großzügigkeit eines Château des 17. Jh.
Zutritt erhält man nur über eine Zugbrücke
und kann dann durch ein befestigtes Tor, flankiert von 2 Burgwarten aus dem Jahre 1588, passieren.
Erst jetzt, mit Betreten des großen Ehrenhofs...

Campino

   

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