RE: Zingst und Usedom im Oktober

#1 von morgenröte , 07.11.2010 16:03

Zingst und Usedom im Oktober 2010
Wir fahren am Samstag um 9 Uhr 30 los, d. h. unsere Jungs müssen helfen den Wohnwagen aus dem Garten zu schieben. Leider ist der Mover kaputt und so reisen wir mit Werkzeugkoffer und Isomatte. Eines vorweg, wir haben keine Langeweile und so wird unterwegs nicht repariert. Mit uns reist ein neues Gefühl, wir fahren ohne Kinder. Nur mit einem edel gefüllten Silberhochzeits-Picknickkorb im Kofferraum und Rädern auf dem Dach zuckeln wir über die Landstraßen Richtung Zingst. Wie vor 25 Jahren geht es mir dem Wohnwagen ans Meer. Der Anhänger ist größer geworden, die Reise dafür kürzer, wir bleiben im Lande. Sind wir schon so alt?
Zufällig liegt die Hausmesse von Caravan-Wendt in Kremmin auf unserem Weg. Dort bummeln wir zwei Stunden über die weitläufige Ausstellung beidseitig einer kleinen Dorfstraße. Sogar einige Carthago Wohnmobile sind ausgestellt. Die Hymer Fahrzeuge gefallen uns am besten. Kuchen, Grillbraten usw. werden angeboten, doch wir wollen weiter.
Während des Sonnenuntergangs erreichen wir die Brücke über den Bodden zur Halbinsel. Eine Menschenansammlung überrascht uns, wild parkende Autos erschweren die Durchfahrt und so landen wir mitten in den Kranichbeobachtungswochen der Kurverwaltung. Ohne Nikon oder Canon mit schweren Teleobjektiven steht hier kaum ein Tourist. Sogar Schiffe ankern zum Fototermin. Abends um 18 Uhr 30 rollen wir vor die Schranke der Wellness Camp Düne 6. Höflich werden wir begrüßt und abgefertigt. Vorkasse muss geleistet werden und so sind wir 185 € los, ehe sich die Schranke hebt.
Wir machen sofort die Heizung an, bis der Wagen ausgerichtet ist und das Stromkabel steckt ist es schon angenehm warm. Der Champagner steht zum Kühlen draußen, die Leberpaste drinnen, damit sie Aroma entfalten kann. Wir hatten wirklich nette Gäste zur Silberhochzeit. Käsefondue in der Alufolie ist parktisch für den Wohnwagen, gerade nach einer stürmischen Radtour macht das Essen von innen warm. Das Wetter ist herrlich, aber eisig. Viel ist nicht mehr los auf dem Campingplatz, obwohl er ganzjährig geöffnet ist und ein Hallenbad hat. Brötchen kann man im platzeigenem Steakhaus bekommen. Der Platz ist eine große neu bepflanzte Wiese mit knappen Stellplätzen. Alle Anschlüsse sind nahe am Wohnwagen und es gibt auch Kabel TV. Die Sanitäranlagen sind modern und stets sauber. Zum Strand muss man über einen Radweg und immer durch die Schranke. Er ist weiß, feinsandig und sauber, so wie man es sich wünscht.
Die Natur hier ist traumhaft schön!

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Nach einer 40 km langen Radtour zum Kranichrastplatz Pramort und dem 1,5 km langen Abstecher zur großen Düne ( zu Fuß, Rad verboten ), wollen wir ins platzeigene Schwimmbad. Leider ist das Wasser noch nicht fertig gefiltert und wir verschieben den Versuch auf den nächsten Tag. Mir bleibt fast das Herz stehen, es ist saukalt in der Schwimmhalle. Daher ist das eisige Wasser auch kein Schock mehr. Eine Bahn ziehe ich und bin keine zwei Minuten im Wasser. Jetzt wissen wir warum es immer so leer ist und nicht mal Kinder im Wasser toben. Sehr umweltbewusst, kein Chlor kaum Heizung.

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Zingst ist ganz auf Touristen eingestellt, alles wirkt sauber und aufgeräumt wie in einer Puppenstube. Die Fußgängerzone steckt noch voller Leben, man kann überall noch draußen sitzen. Leider gibt es auch unzählige Verbotsschilder in verschiedensten Aufmachungen, handgeschnitzte, gemalte und gedruckte Versionen. Jeder Feldweg in der Region besitzt einen eigenen Parkscheinautomaten und manchmal ist sogar das Rad fahren verboten. Oder man kauft Karten bei der Kurverwaltung z.B für Exkursion "Erlebnis Kranich" für 31 €. Das ist „Beobachten – ohne zu stören“ und geht sogar per Kleinbus. Wir hatten das Glück noch mit dem Rad zum Beobachtungpunkt zu gelangen, ehe die Kurverwaltung ihre Straßensperre um 15 Uhr aufbaute. Viele Familien wurden, trotz Fahrradanreise aus der Umgebung, an der Weiterfahrt gehindert. Da gibt es nicht nur traurige Kindergesichter unter den Fahrradhelmen. Auch die Erwachsenen zeigen kein Verständnis. Der Hafen an der Boddenküste ist niedlich. Nachmittags legen die „ Raddampfer“ an. Ein Segler bietet Kranichtouren oder man kann zur Insel Hiddensee einen Tagesausflug buchen. Fischbrötchen gibt es an jeder Ecke, und so kommen wir nur einmal im Urlaub dazu Essen zu gehen.

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Es gibt unglaublich viele Touristen hier, jeder bummelt oder knipst und kauft ein. Einheimische sind wenig zu sehen. Mehr ist selbst in Füssen am Schloss Neuschwanstein nicht los.. Das Radwegenetz ist klasse und gut ausgeschildert. Der CP liegt zwischen dem Hotel Vier Jahreszeiten am Bodden und dem Steigenberger Hotel am Kurhaus zur Ostsee. Die Fußgängerzone führt vom Hafen zur Seebrücke durch den ganzen Ort.
Nachmittags unternehme ich radelnd eine Schatzsuche mit dem Garmin. Es klappt und ich schaffe es, mich ungesehen auf der Geocache Liste einzutragen. Das Thema ist noch ganz neu für uns, es lockt raus und erfüllt seinen Zweck. Auch als Navi für Fußgänger oder fürs Auto haben wir das Gerät schon benutzt. (Wie viel Zeit ich zu Hause verplempert habe, damit es läuft und einige Extras anzeigt, verrate ich nicht.)

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Für die Kurtaxe gibt es Ermäßigungen auf manche Eintrittskarten, allerdings muss die Toilette im Kurhaus bezahlt werden. Wir schauen uns Ahrenshoop, Prerow und Umgebung. an, auch nach Barth fahren wir. Dort suchen zu Fuß mit Navi das Bibelmuseum, zu dem uns Martin geraten hat. Mit der Bundeswehr hatte er die Ausstellung besucht. Die Bibelsammlung ist beeindruckend, leider haben wir den modernen Teil im Dachstuhl des Hauses nicht durchschaut. Laut Einträgen der Jugend im Gästebuch, ist diese Ausstellung besonders cool.
In Wolgast wollen wir Siegrid besuchen und melden uns für Dienstag an. Samstags Richtung Usedom läuft der Verkehr zügig, doch in Richtung Festland kommt uns ein 10 km langer Stau entgegen. Hier richtet sich alles nach der beweglichen Brücke .Daher beschließen wir schon auf dem Hinweg nach Stubbenfelde, zurück über Polen zu fahren.

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Selbstverständlich kommen wir fünf Minuten nach 12 Uhr an. Die Schranke ist zu, so erkunden wir den wunderschönen Waldcampingplatz und finden am hinteren Rand sogar eine kleine Tür. Wir folgen dem breitesten Pfad durch den Wald, es wird immer lauter und stürmischer, plötzlich steht man am Steilufer der Ostsee. Eine durchsichtige gut gesicherte Treppe führt hinunter ans Meer. Mir bleibt die Luft weg, es stürmt unglaublich. Die Winterjacken werden bis unters Kinn zugezogen. Natur pur.

 
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RE: Zingst und Usedom im Oktober

#2 von donalfredo , 07.11.2010 16:11

Schöner Reisebericht, Andrea.
Da uns die Zukunft auch in diese Ecke führt, erwartete ich zurecht, wie du jetzt bestätigst, die gleichen Marotten wie auf Rügen - sogar der Waldparkplatz kost' Geld.
Ganz schön unverschämt, die Brüder...

 
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RE: Zingst und Usedom im Oktober

#3 von morgenröte , 07.11.2010 16:13

Um 13 Uhr können wir uns anmelden, eine nette Dame lässt uns freie Wahl der Stellplätze. Es sind noch 60 Urlauber da und wir brauchen uns nicht festlegen wo und wie lange wir stehen wollen. Einzig die -,80 € für die Dusche gefallen uns nicht, und bezahlen muss man erst bei der Abreise. Das Restaurant läuft auf Sparflamme. Ein gut sortierter Laden hat noch bis zum letzten Tag geöffnet.
Nach dem Sturm braucht das Meer lange sich zu beruhigen. Als wieder die Sonne scheint, gehe ich nochmal mit dem Fotoapparat raus. Diese Küste ist beeindruckend und abwechslungsreicher als in Zingst.

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Für Schlechtwettertage habe ich ein Buch über die Handhabung unserer Kamera dabei. An einem Regentag fühle ich mich verpflichtet, mein Geburtstagsgeschenk zu durchblättern. Jürgen ist genervt, die Alchemisten Scene interessiert ihn mehr, aber ich habe den Selbstauslöser entdeckt.

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Am sonnigen Dienstag holen wir Siegrid in Wolgast ab und fahren mit ihr nach Peenemünde. Jürgen will unbedingt das Historisch-Technische Museum besuchen. Ich ahne was auf uns zukommt, es macht mir Beklemmungen und Siegrid geht es ebenso.
Es werden 20 € Eintritt verlangt, das ist viel für das alte Kraftwerkgelände. Niemand weißt darauf hin, dass es nicht mal einen Fahrstuhl gibt, trotz Vorlage des Schwerbehindertenausweises. So kann sich Siegrid nur im Erdgeschoss und Freigelände umschauen. Ich bin stinksauer, Jürgen ist schon in den oberen Etagen verschwunden. Ich mache meine Runde also alleine und kann abkürzen wo es mir zu grausam wird. Es geht um interessante Anfänge in der Raketentechnik, die teils mit Gewalt teils mit Zuckerbrot erforscht wurde. Wahrscheinlich ist es eine ehrliche Ausstellung, doch beurteilen kann ich das nicht.

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Nach der Besichtigung fahren wir noch am U-Boot vorbei, das gleich neben dem Hafen des Kraftwerks liegt. Hier wird wieder Eintritt fällig, Halteverbote erzwingen einen Parkplatz der Geld kostet. Sogar Jürgen wird sauer und verzichtet auf die Besichtigung. Stattdessen sehen wir uns noch um und lassen uns von Siegrid leiten, die schon seit zwei Jahren an der Ostsee wohnt. Abends essen wir gemütlich bei ihr, da das Hafenrestaurant geschlossen hat.

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Wir machen einen Ausflug über Ahlbeck nach Swinemünde. dort besuchen wir den Grenzmarkt. Das Angebot wiederholt sich alle paar Stände und reizt uns nicht sehr, die Menschen zu beobachten ist schon amüsanter. Ich knipse mutig poppig bunte Miederwaren, bei den großen Größen in dezenter Farbe verkneife ich es mir. Einige stramme Damen fachsimpeln in der Öffentlichkeit über minirockgroße Büstenhalter. Besser gefällt es uns auf der Strand- Promenade von Swinemünde. Dort sonnt sich die Stadtbevölkerung im Sonntagsstaat auf den Parkbänken. Jung und Alt sind gut und dem Sonntag angemessen gekleidet, so etwas kenne ich von Deutschland kaum noch.

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Auf der Rückreise fahren wir wieder durch Swinemünde, um etwas von Polen zu sehen. So kommen wir mit diesem Gespann zu unserer ersten Fährfahrt und zwar kostenlos von Usedom nach Wolin .Der Einweiser ist genervt, weil alle Fahrzeuge mit geringer Bodenfreiheit besonders langsam auf das Schiff rollen.


Ab Brandenburg fahren wir auf der B1, die durch Berlin und Braunschweig nach Paderborn führt. In diesen Städten habe ich früher gearbeitet, so schließen sich manche Lücken für mich. Zu Hause wartet meine Mutter mit einem warmen Essen auf un,s und Michi übergibt nebenan einen tadellosen Haushalt. Er ist prima klar gekommen alleine, wir auch.


Campingplätze
7 Nächte a 24,50 € Zingst Vorkasse für gesamte Zeit 171,50 plus 14 € Kurtaxe
4 Nächte a 22 € Usedom Stubbenfelde 86 € plus 12 € Kurtaxe 0,80 € Dusche
Summe 293,50 € und viele Parkgebühren
Den Mover hat Jürgen auf beiden Seiten am letzten Urlaubstag repariert, klasse.

 
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RE: Zingst und Usedom im Oktober

#4 von donalfredo , 07.11.2010 16:16

Könnte das möglicherweise sein, daß du n'büschen was doppelt eingestellt hast - mal mit, mal ohne Bilder?

 
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RE: Zingst und Usedom im Oktober

#5 von morgenröte , 07.11.2010 16:17

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Gruß Andrea

Ich war noch nicht ganz fertig Wolfgang, seit wann kann man nur so wenige Bilder einfügen?

 
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RE: Zingst und Usedom im Oktober

#6 von donalfredo , 07.11.2010 16:20

Schon immer, wenn man's als Dateianhang macht.
Deswegen über picr hochladen, geht auch fix und kost' nix, und kann im Gegensatz zum Dateianhang millimetergenau platziert werden...

 
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RE: Zingst und Usedom im Oktober

#7 von Wintercamper , 07.11.2010 21:11

Schöner Bericht, Andrea! Und so manches Deja-vu für mich. Tolle Gegend! Am liebsten würde ich nächsten Sommer wieder hin. Aber da ist erst mal Rund Fünen angesagt.

 
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RE: Zingst und Usedom im Oktober

#8 von Kast , 17.02.2013 11:01

Aufgrund deines Hinweises in einem anderen Thread habe ich diesen Reisebericht jetzt erst entdeckt.
Andrea, danke fürs Mitnehmen. Wir waren im September 2001 in Zingst auf dem Campingplatz „Am Freesenbruch“ http://www.camping-zingst.de/deutsch/campingplatz/index.html
Der 11.09. hat dann alle anderen Eindrücke etwas überlagert. Dein Reisebericht hat nun die schönere Seite unseres Urlaubs auf Zingst wieder hervorgeholt.

 
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