Was sich so leckeres in Wald und Flur finden lässt

Tipps und Tricks rund ums Camping

Moderatoren: sunshine, Daniel

Was sich so leckeres in Wald und Flur finden lässt

Beitragvon HD » 18/7/2006, 08:56

Wilde leckere Sachen: (auf besonderen Wunsch)
In einem anderen Thread ist es schon angeklungen, dass man Beerenfrüchte aus der Wald- u. Feldflur nicht
ungewaschen essen soll wegen dem Fuchsbandwurm - ich tue es trotzdem und tat es auch immer, mit nach Hause
genommen wasche ich die Früchte natürlich - gleich vom Strauch gegessen eben nicht, sie schmecken frisch
vom Strauch am Besten - gerade Walderdbeeren verlieren durch den Transport nach Hause etwas Aroma.
Ein Walderdbeerkuchen (mit Bisquit-Boden) ist eine sehr mühsame und zeitraubende Angelegenheit. Ich sammele sie, wie die anderen Beeren auch, mit einer
alten Alu-Milchkanne, wie man früher die frische Milch abholte. Die Kanne hat einen Deckel, einen geraden Holzhenkelgriff und eine größe Einfüllöffnung.

Walderdbeeren reifen im Juni - etwa zur gleichen Zeit wie die Gartenjohannisbeeren. Man findet sie vielfach an Wegrändern und
im lichten Blattwald, auf Lichtungen z.B. bei Neuaufforstung. In Wiesen sind sie nicht zu finden, das hohe dichte Gras
lässt ihnen kein Licht. Walderdbeeren mögen Halbschatten und einen leicht sauren Boden. Sie haben ein sehr intensives Aroma
die vollreifen Früchte sind tiefrot, nicht sehr groß, die größten erreichen ungefähr die Größe einer Haselnuss, Man muss sich bücken,
sie wachsen dicht über dem Boden.

Anfang Juli reifen dann auch die Himbeeren, die Sträucher sind höher und stachelig. Die Waldhimberen werden nicht sehr dick.
Sie wachsen meist im Dickicht, auch gerne in neu aufgeforsten Lichtungen, manchmal auch an Wegrändern. Sie mögen es sonniger als die Walderdbeeren.
Um sich einen Weg durch die Himbeeren zu bahnen ist ein Stock ratsam um die Ranken runterzuschlagen

Mitte Juli/Anfang August - etwas wetterabhängig beginnen dann die Heidelbeeren zu reifen. Auch sie mögen leicht sauren Boden, man findet sie
aber nur an geeigneten Standorten - im lichten Mischwald, unter lchten Kiefern, sie wachsen gerne auf sandigen leicht sauren Böden und die Sträucher werden
nur ca. 30cm hoch. Die violetten Früchte sieht man in den dichten Bodendeckersträuchern recht schlecht. Die Sträucher sind recht unverwechselbar
und wo ein Strauch wächst, wachsen auch andere. Dazu muss man meist aber etwas in den Halbschatten der Bäume hinein ins weglose Unterholz.
Gute Reviere sind der Pfälzer Wald, die Vogesen und die lichten Mischwälder im mittleren Saarland. Auf schweren humösen Böden kommen sie nicht vor.
Die Früchte sind klein und durch ständiges Bücken etwas mühsam zu ernten. Sie sind sehr farbintensiv, man bekommt blaue Finger. Heidelbeerflecken
auf der Kleidung sind fast kaum mehr zu entfernen.

Gleichzeitig mit den Heidelbeeren reifen die Brombeeren, auch hier ist ein Stock ratsam um durch die wildrankenden Büsche zu gehen und eine Gasse zu bahne Sie reifen bis spät in den September
hinein. Brombeeren findet man auf allen Böden, sie stellen an den Boden keinen hohen Anspruch. Auch sie mögen Halbschatten, wachsen aber auch in der Sonne,
hier werden die Früchte aber nicht so dick wie im Halbschatten. Ihre Stachel sind fester als die Himbeerstacheln

Für Himbeeren und Brombeeren gilt: Lange Hose, feste Schuhe, langärmeliges Hemd. Sonst kann man beim Pflücken arg zerkratzt werden. Die Kleidung zu Hause
ausziehen und ausschütteln. Brombeeren und Himbeeren mögen auch Zecken Zecken als "Ansitzplätze" für das Wild, da die Sträucher recht hoch wachsen. Die Zecken lassen sich
dann auf das Wild herunterfallen.

Haselnüsse reifen im Septeber wie auch die Zwetschgen. Ende September folgen die Maronen bzw. Edelkastanien. Die Edelkastanien haben sehr stachelige Schalen (wie ein Igel)
im Gegensatz zu den weniger dicht besetzten und weicheren Stacheln der Rosskastanie. Auch sehen die Blätter der Edelkastanie anders aus, sie sind anzenförmig.
Zum Edelkastaniensuchen brauch man Arbeitshandschuhe um die igeligeUmhüllung zu entfernen. Diese igelhüllen platzen aber auch auf, wenn sie herunterfallen und
man kann die Kastanien mit den Handschuhen leicht entnehmen teils aus der <Umhüllung, teils vom Waldboden sammeln, da die Umhüllungen auch teilweise
schon am Baum aufplatzen und die Katanien herausfallen. Man kann sie auf einem Backblech im Bachofen rösten, muss dann aber vorher die Schale einritzen mit einem messer
sonst platzen sie und man kann den Backofen mühsam saubermachen.
Bei mir kommen sie in anderer Form auf den Tisch: Ich koche sie ab, dann werden die Schalen weich und lassen sich mit einem Messer leicht entfernen. Danach kommen sie
in Stücke geschnitten auf den Salat, ich brate sie mit beim Fleich, mische sie unter Kartoffeln, oder fülle auch ein Hähnchen mit ihnen. Von Korsika bringe ich mir immer
Kastanienmehl mit um Kuchen damit zu backen. - Ich liebe Edelkastanien zum Essen. Man kann die abgekochen und geschälten Kastanien auch in Öl und Essig einlegen.

August/September, auch noch im Oktober findet man Pilze. Hier bin ich etwas vorsichtig und nehme nur die, die ich kenne. Vorwiegend Hallimasch, Steinpilze, Pfifferlinge.
Ich bin kein Pilzspezialist. Also bleibe ich bei den mir bekannten Sorten. Eine Pilzwanderung mit Spezialisten steht noch auf meinem "Weiterbildungsprogramm"

Im Winter, meist Dezember/Januar sind die Schlehen reif - wenn der erste Frost drübergegangen ist. Handschuhe sind notwendig sie zu ernten. Dann bilden die Früchte durch den Frost Zucker.
Essen kann man sie, sie haben einen hohen Vitamin C Gehalt, schmecken aber nicht besonders gut, sie ziehen einem "den Mund zusammen" - ich maiche sie in einem kleinen Kunstoff.
fässchen und bringe sie zum Brennen in die Brennerei des Obst- und Gartenbauvereins und bestehe auf einem Alkoholgehalt von mindestens 50%. 25kg Maische bringt etwa 3 Liter Schnaps, der mindestens 2-3 Jahre reifen muss. Ich habe nicht jedes Jahr Lust welche zu sammeln, ein mühsames Unterfangen.

Brennesseln findet man vom Frühjahr bis zum Spätherbst. Handschuhe beim Sammeln nicht vergessen. Man kann sie abrupfen oder eine Gartenscheere benützen.
Die Blätter mit den kleinen Stielansätzen vom Stengel abstreifen, Blätter, Steile waschen und wie Spinat zubereiten. - oder in einer Gemüsesuppe mitkochen.

Sauerampfer findet sich in Feuchtgebieten. Man kann aus der ganzen Pflanze eine feine Suppe zubereiten oder die Blätter zum Salat geben.
Auch Bärlauch findet sich oft am Wegesrand, er hat einen leichten Lauch/Knoblauchgeschmack und kann sehr gut mit Salat harmonieren.

Johanniskrautöl. Johanniskraut hat gelbe Blüten. Die Blüten und auch die halboffenen Blütenknospen abzupfen und in eine Flasche mit weitem Hals geben, bis die Flasche
zu Hälfte gefüllt ist. Die Flasche dann mit Rapsöl auffüllen - Olivenöl geht auch, ist aber teurer - es eignet sich jedes Speiseöl. Flasche verschliessen und 4 Wochen auf
eine sonnebbeschienene Fensterbank stellen. Dann Flasche auf einem feinen Sieb und Trichter umfüllen (ich nehme einen Teefilter, die Papiergaze des Teefilters ist grober als eine Kaffeefiltertüte
somit läuft das Öl schneller durch. die öligen Planzenrückstände noch etwas auspressen und auf den Kompost. Ein wunderbares Heilpflanzenöl - das nun durch die Pflanzen rot gefärbt ist
für alle möglichen äußeren Anwendungen - auf Wunden, leichte Verbrennungen, Hautreizungen, Ausschlag, Schürfwunden.

Ringelblumensalbe: Bei den Ringelblumen die Blüten entfernen, feinstes Schweinemalz mit den Blüten auslassen, das Schmalz färbt sich gelb.Noch warmes flüssiges Schmalz durch feines Kaffeesieb in eine Dose geben.
Man bekommt eine feine Heilsalbe.
Gruss HD
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Beitragvon HD » 18/7/2006, 09:55

Hier ein Auszug aus Wikepedia zur volksmedizinischen Verwendung von Johanniskraut-Rötöl. So verwende ich das Öl auch. Kaltgepresstes Rapsöl
kann man genausogut wie Olivenöl oder Sonnenblumenöl zur mezeration verwenden.
Volksmedizinisch wird Johanniskraut als Tee und Tinktur auch bei Menstruationsbeschwerden und pubertätsbedingten Verstimmungen verwendet.

Das Rotöl wird als Einreibemittel bei Hexenschuss, Gicht, Rheuma, zur Schmerzlinderung und Wundheilung nach Verrenkungen und Verstauchungen, bei Blutergüssen und Gürtelrose verwendet, kann aber auch innerlich angewandt werden. Man gewinnt es indem man Johanniskrautblüten 2 Monate lang in kaltgepresstes Oliven- oder Sonnenblumenöl einlegt, gelegentlich kräftig schüttelt und ansonsten in der Sonne stehenlässt. Diesen Vorgang nennt man Mazeration
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Beitragvon brian » 18/7/2006, 10:21

Tolle Idee, HD einen solchen Thread aufzumachen!
brian
 

Beitragvon HD » 18/7/2006, 10:39

Die Idee kommt nicht von mir, brian, ein Mod war der "Urheber" der Idee.
HD
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Beitragvon HD » 18/7/2006, 10:44

Wenn Ihr nicht sicher seid, wie Johanniskraut aussieht, www.wikipedia.de eingeben, dort unter Suche Johanniskraut eingeben und die Pflanze wird bunt abgebildet - auf den Drucker und beim nächsten Spaziergang mitnehmen und vergleichen - dann habt Ihr Johanniskraut für immer "drauf".
Ebenso Bärlauch oder Sauerampfer.
Ebenso Ringelblume - lt. Wikipedia stellt man Ringelblumensalbe kalt mit Ziegenbutter her - wo aber kriegt man Ziegenbutter?
Meine Oma hat die Salbe immer mit Schweineschmalz zubereitet.
Gruss HD
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Beitragvon Lucas » 18/7/2006, 11:01

Hallo HD,

dieser Thread ist viel zu interessant fürs Allgemeine Forum. Darf ich den nach Tipps und Tricks oder ins Kochbuch verschieben, damit er nicht in der Versenkung verschwindet ?
Lucas
 

Beitragvon HD » 18/7/2006, 11:17

Verschieb ihn? hmm, ins Kochbuch passt er nicht ganz - eher als Tip - ein Trick? - nee - hmm? doch vielleicht in Tips&Tricks - Lucas
Ob er überhaupt in ein Camperforum passt? Es ist auch garnix Besonderes daran, meine Liebste sammelt mehr als ich, die läuft ja jeden Tag 3 Stunden durch Wald und Feld mit dem Hund.
Ich selbst kenne die Pflanzen noch von Sammelspaziergängen mit meiner Oma, eine "Kräuterhexe" und ich weiss auch von damals nicht mehr alles.
Als Kind interessiert man sich dann doch noch nicht so dafür, aber Einiges habe ich behalten.
Gruss HD
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Beitragvon Lucas » 18/7/2006, 11:27

Ich fände es nur schade wenn der im Laufe der Zeit verschwinden würde. Finde das sehr interessant und muss selber staunen was man so alles essen kann :D :D .
Lucas
 

Beitragvon HD » 18/7/2006, 12:09

Und hier ein paar bewährte Schonheitskosmetikrezepte speziell für Karrierefrauen - so sie denn Zeit haben das Grünzeugs auch zu suchen - fast für Umme.



Naturkosmetik gewinnt immer mehr Anhänger und in der Tat ist fast jedes Kraut in irgendeiner Form für die Haut- und Haar-Pflege geeignet. So wirken Pflanzen antiseptisch - desinfizierend oder gar antibiotisch, heilend, erfrischend, feuchtigkeitsspendend, nährend, regulierend auf die Talgdrüsen, etc.


Die unterschiedlichen Aromen können zudem entspannen, die Nerven beruhigen oder erfrischen und sogar Schwermutszustände verbessern.

Bei selbst gemachter Kräuterkosmetik kann man auf künstliche Parfümierung und bedenkliche Konservierungsstoffe verzichten, allerdings müssen diese Salben, Tinkturen und ähnliches in der Regel schnell verbraucht werden, damit sie auch tatsächlich wohltuend wirken.

Hier ein paar bewährte Schönheits-Rezepte für die Haut:

Ringelblumenöl

Eine Handvoll Ringelblumen-Blüten, am besten frisch, in 1/2 Liter Olivenöl ca. 2-3 Wochen an einem warmen Ort oder in der Sonne ausziehen lassen und abseihen. Durch Zugabe von Lavendelöl zum Beispiel oder anderen ätherischen Ölen kann man dieses Pflegeöl auch noch im Duft verbessern. Herrlich zur täglichen Ganz-Körperpflege.

Eibischwurzel-Maske

1/2 Tasse getrocknete Eibischwurzel-Stückchen im Mixer pulverisieren. Dieses Eibischwurzel-mehl mit 1 Esslöffel Honig und 1/2 Teelöffel Zitronensaft vermengen und den zähen Brei aufs Gesicht auftragen. Nach etwa einer Stunde gut abspülen. Macht die Haut wunderbar klar und rosig. Besonders geeignet für nervöse und trockene Haut.

Johanniskraut-Maske

In ein Eigelb tropfenweise 2 Esslöffel Johanniskrautöl einrühren, und zum Schluss einen Spritzer Zitronensaft zugeben. Masse mit einem weichen Pinsel auf das Gesicht auftragen und nach etwa einer halben Stunde gut abspülen. Lässt besonders sensible, gereizte und trockene Haut strahlen. Nach dem gleichen Rezept kann man ach eine Kamillenöl-Maske herstellen.

Gesichtsreinigung mit Ehrenpreis

Eine Handvoll Ehrenpreis in eine Schüssel geben, 1 Liter heißes Wasser darüber gießen, 15 Minuten ziehen lassen und die warmen Kräuter für etwa 5 Minuten in die Haut einmassieren. Dazwischen immer wieder mit dem Ehrenpreis-Wasser spülen. Eignet sich hervorragend zur Verbesserung fetter und unreiner Haut. Diese Behandlung eignet sich auch mit Zinnkraut.

Thymian-Gesichtswasser

2 Esslöffel Thymian, 1 Esslöffel Rosmarin-Nadeln und ein Esslöffel Salbei in ca. 1/2 Liter destilliertem Wasser 2 Tage gut bedeckt ausziehen lassen und durchseihen. Der Flüssigkeit 50 Gramm reinen Alkohol mit 3-4 tropfen Thymianöl zugeben und gut durchschütteln. Das Thymian-Gesichtswasser wirkt erfischend und klärend besonders für jugendlich fette Haut.


Das spart den Besuch bei der Kosmetikerin.
HD
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Beitragvon Lofottroll » 18/7/2006, 12:13

Moin HD,

Das spart den Besuch bei der Kosmetikerin.


:thum :lough2 köstlich, einfach köstlich. Ich wußte doch, daß du bei dem Thema nicht die Finger still halten kannst.
Lofottroll
 

Beitragvon Lucas » 18/7/2006, 12:14

Werner, ich weiss jetzt nicht was du damit meinst :ggrins :ggrins
Lucas
 


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